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Dreifaches Lob in verletzter Welt

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T h e o l o g i e   m e d i t a t i v
Dreifaches Lob in verletzter Welt
Klaus Straßburg | 20/07/2021

Lob des Schöpfers

Die Lerche singt am Himmel hoch oben
ihr endloses Lied, den Schöpfer zu loben.
Eine zweite gesellt sich sogleich ihr bei,
und für kurze Zeit erklingt ein Kanon zu zweit,
bis die erste Sängerin lautlos verschwindet –
zu viel des Lobs, dem sie sich entwindet?

Durchs Feld läuft ein Hase kreuz und quer,
sucht, bleibt stehn, horcht, läuft weiter,
wiederholt dasselbe Spiel, ohne zu zweifeln.
Der Wind treibt die Gräser stark und sanft,
sie strecken sich, als wollten sie von dannen
und werfen dabei zitternde Schatten.
Die Luft fährt über die Haut, sie zu streicheln.
Die Sonne schafft Wohlsein und Wärme ohnegleichen,
erfrischt mit Kühle, wenn Wolken sie erreichen.
Himmel und Wolken erschaffen gemeinsam
unzähl'ge Schattierungen von grauen, blauen Zeichen.
Ein Schwarm Vögel steigt auf und formt sich zum Tanze,
ein Tanz für den Schöpfer, ihm zur Ehr'.

Ich seh tausende Formen und Farben und mehr,
doch seh ich immer nur einen Teil des Ganzen.
Bin mittendrin in allem Lebendigen,
und doch zu nah, es ganz zu erfassen.
Das Wunder ist zu groß, die Schönheit zu komplex;
ich muss abstrahieren, ausblenden, begrenzen.
Wir sehen nur einzelne Teile, nicht mehr,
unfähig, das Puzzle zusammenzusetzen.
Vielleicht fällt uns darum das Loben so schwer.

Die Schöpfung lobt mit jeder ihrer Regungen
als Ganze den, dem dies Wunder gelungen.
Wir, die wir nur Teile erkunden,
können nur etwas ahnen vom Loben,
das um uns her beständig gesungen.
Und selbst dieses Ahnen drohn wir zu verlieren,
um unsern eignen Gesang zu zelebrieren,
den Gesang der Tauben, Stummen und Blinden,
die überall nur sich selber finden,
das Lied des Selbstlobs und Wohlbefindens,
das Leben schaffen will und doch
immer mit sich auch den Tod wird bringen – wenn nicht,
ja wenn nicht der Schöpfer von allem
sich unser unwürdiges Werk lässt gefallen,
wenn ER nicht heiligt unser Handeln,
um es zum Leben-Schaffen zu wandeln.


Lob des Friedenstifters

Einer kam zu uns, um alles zu vergeben
und uns zu zeigen ganz andere Wege.
Ging voran diesen Weg, sagte dazu Amen
und suchte welche, die mit ihm kamen.
Ward den Sündern ein Sünder, ein Armer den Armen,
und wusste sich über alle zu erbarmen.
Er vergab den Rechtlosen, die man ignorierte,
brachte Leben zurück, wo der Tod regierte.
Er wandte sich zärtlich den Verlassenen zu,
war nah den Verachteten, Sündern und Huren
und denen, die in Geldgier versunken.
Er verurteilte nicht die Gehassten, sondern liebte –
das war es, was die Menschen schockierte.
Doch denen, die mächtig und Leben zerstörten,
begegnete er mit harten Worten.
Ihre Macht sollte enden, ja war schon gebrochen:
Die Herrn der Welt gehn, unser Herr ist im Kommen.

So rief er beharrlich zum Weg des Lebens,
doch meistens verklang sein Rufen vergebens.
Darum blieb er ein Fremder in unserer Welt,
die von Mahnenden bis heute nichts hält.
Die Menschen wollen ihr Eignes pflegen
und meinen: „Durch das Eigne bringen wir Segen!"
Doch der Segen, fern von IHM gesucht,
bringt statt des Segens letztlich Fluch,
bringt Hitzewellen und Wasserfluten,
und viele Menschen müssen bluten.
Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott,
das Streben der Menschen bringt tausendfach Tod.
Doch sie wollen's nicht wissen, schaffen immer neue Nöte,
und den, der sie mahnt, müssen sie töten.
Seine Stimme muss verstummen, darf nicht erklingen,
damit sie weiter ihr Eignes pflegen können.
Am Kreuz muss er hängen, elendig sterben,
damit wir herrschen können auf Erden.


Lob des Neuschöpfers

So starb der Meister – doch sein Leben ging weiter,
sein Geist kam zu uns, der Herr aller Geister.
Seine Kraft setzt sich durch, niemand ist ihr gewachsen,
sie lässt in der Welt nie Gewesenes schaffen.
Sie verwandelt die Menschen, die von ihr ergriffen
und kein Mensch ist zu schlecht, ihn neu zu erschaffen.
Diese Kraft besiegt das Böse, die Gier und die Gewalt,
und alles Maßlose macht vor ihr halt.

Nun endlich dürfen die Geschöpfe leben,
niemand quält die Kreatur, man gibt auf dieses Streben.
Die Schöpfung darf den Schöpfer loben,
die Geschöpfe sind vereint, der Geist hat sie verwoben.
Niemand tritt mehr den andern, niemand die Tiere,
niemand im Land vergisst die Verlierer.
Niemand lebt mehr, als gäb es keinen Schöpfer,
und überall sehnt man sich nach dem Erlöser,
nach dem Herrn, der versöhnt, dem Gott, der uns speist,
nach dem Einssein mit ihm, das er uns verheißt;
nach der Heimat bei ihm, die alle erstreben,
weil seine Liebe kein Ende wird nehmen.
Das ist die Heimat aller Kreaturen;
deren Leid hat ein Ende, wenn er wird wiederkommen.

Doch ist das Illusion? Ist alles ein Traum?
Weil die Menschen ihm den Weg verbau'n?
Weil sie den guten Geist bekämpfen,
das Seine nicht wollen, sein Wirken dämpfen.
Weil sie immer noch singen die alten Lieder
vom Lob ihrer selbst, vom selbstgemachten Frieden;
das Lied vom Reisen und ins Ferne Fliegen,
vom Konsum ohne Maß, wenn's nur ihnen bringt Spaß;
das Lied vom Wohlsein, ganz ohne Verbot.
So singen sie weiter das Lied vom Tod.
So suchen sie das Ihre, soll's doch kosten, was es will:
„Nach uns die Sintflut, wir werden nicht still!"

Ja, es ist so, wie vorzeiten beschrieben:
„Da ist keiner, der gut ist, auch nicht einer auf Erden."
Und dennoch steht dieses Wort nicht am Ende,
denn am Ende steht gnädig die letzte Wende,
steht das Reich ew'ger Liebe, zu dem wir geladen,
die Gemeinschaft mit dem, der die Antwort unsrer Fragen;
steht der Friede für alle, die IHN ernstlich ersehnen,
steht das, was noch fehlt: ein IHN lobendes Leben.
Dieses Leben ist Leben für alle Geschöpfe;
er wird's uns gewähren, wenn wir es möchten.
Wem's ernst ist, geht jetzt schon den Weg, den er weist,
der Mitleid, Rücksicht und Liebe heißt.
In der Kraft SEINES Geistes können wir gehn:
So lasst uns ihn loben und mit frohem Sinn
nicht länger beim Alten bleiben stehn!


Verweise:
  • „Die Herrn der Welt gehn, unser Herr ist im Kommen": Nach einem Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann: „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt."
  • „Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott": vgl. 1Kor 3,17.
  • „Kein Mensch ist zu schlecht, ihn neu zu erschaffen": vgl. 2Kor 5,17.
  • „dem Gott, der uns speist": vgl. Ps 104,27f.
  • „den guten Geist bekämpfen ... sein Wirken dämpfen": vgl. 1Thess 5,19; Eph 4,30.
  • „Da ist keiner, der gut ist, auch nicht einer auf Erden": vgl. Röm 3,12; Ps 14,1-3; Mt 19,17.


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