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Wozu Gott Parkplätze sucht ...

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie kompakt · 17 Oktober 2020
Tags: GotteserfahrungBeweiseBetenMission

T h e o l o g i e   k o m p a k t
Wozu Gott Parkplätze sucht ...
Klaus Straßburg | 17/10/2020

Manchmal erzählen Menschen begeistert vom Wirken Gottes in ihrem Leben. Es ist wunderbar für sie, wie Gott immer wieder in alltäglichen Situationen in ihr Leben eingreift und sie segnet. Wenn sie so beglückt davon erzählen, dann scheint es, als ob sie auch an unbedeutenden Kleinigkeiten ganz deutlich erkennen, dass Gott existiert und dass er ihre Gebete erhört hat.

Ich bin überzeugt davon, dass Gott in unser Leben eingreift und dass nicht der Zufall oder das Schicksal unser Leben bestimmt. Ich glaube auch, dass Gott die natürlichen Abläufe in der Welt nicht bei der Schöpfung angestoßen und danach einfach dem Automatismus der Naturgesetze überlassen hat. Ich glaube, dass Gott in geschichtliche und natürliche Abläufe eingreifen kann, die Welt und sich selbst also diesen Abläufen nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert hat.

Andererseits glaube ich nicht, dass Gott in jeder Kleinigkeit unseres Lebens am Werk ist und wir nur Marionetten in seiner Hand sind. Darum fällt es mir schwer, manche Erzählungen über sein Wirken nachzuvollziehen.

Um ein Beispiel zu nennen: Jemand erzählt von einem Auswärtstermin, den er wahrnehmen musste. Er nahm das Auto, um sein Ziel zu erreichen. Schon vorher sorgte er sich darum, in der Stadt einen Parkplatz zu finden. Darum betete er innig, dass Gott ihm einen freien Parkplatz schenken möge. Und als er am Ort ankam, war genau vor dem Haus noch ein einziger Parkplatz frei – wie geschaffen für ihn. Der Betroffene deutet das als eine wunderbare Fügung und Gebetserhörung und ist glücklich darüber, wie gut Gott für ihn gesorgt hat.

Mir wird, wenn ich solche Erzählungen höre, immer etwas flau im Bauch, und ich habe mich gefragt, warum eigentlich.

Ich will niemandem seine Freude daran nehmen, dass Gott in seinem Leben gegenwärtig ist. Ich will auch nicht in Frage stellen, dass Gott keine Kleinigkeit zu klein ist, um uns die Sorge oder Angst davor zu nehmen. Ich möchte nur anregen zu überlegen, ob etwas Erfreuliches in einer relativ unbedeutenden Situation immer gleich eine Gebetserhörung und Fügung Gottes ist oder nicht auch ganz einfach ein glückliches Zusammentreffen von Ereignissen sein kann.

An der genannten Beispielerzählung stört mich, dass das Erlebte als Beweis für eine Gebetserhörung oder sogar als Gottesbeweis gedeutet wird. Dabei wird ausgeblendet, dass es mindestens ebenso viele Fälle gibt, in denen kein freier Parkplatz zur Verfügung stand. Darum kann das Erlebnis kein Beweis für eine Gebetserhörung oder für die Existenz Gottes sein.

Mich stört auch die mangelnde Notlage. Es ist keine Notlage, wenn ich keinen Parkplatz finde. Ich kann auch ein paar Mal um den Block fahren, um einen freien Parkplatz zu suchen. Ich kann auch weiter vom Ziel entfernt parken, auch wenn ich dann etwas weiter laufen muss. Dass Gott dafür bemüht wird, dass mir eine kleine Unbequemlichkeit erspart blieb, scheint mir unangemessen zu sein.

Meiner Meinung nach stimmen die Relationen einfach nicht: Parkplatzsuche und ein längerer Fußweg sind Luxusprobleme im Vergleich zu den wahren Problemen wie millionenfacher Unterernährung, Kindesmissbrauch oder staatlicher Unterdrückung, um nur drei ganz unterschiedliche Beispiele zu nennen. Damit will ich sagen: Die wahren Nöte spielen sich anderswo ab. Für diese Nöte sollten Glaubende beten, und wenn sich dort etwas zum Besseren verändert, können sie glücklich sein und Gott für sein Wirken danken.

Die Sache mit dem Parkplatz scheint mir demgegenüber sehr auf den gläubigen Einzelnen und ein wenig persönlichen Komfort bezogen.

Kurz gesagt: Ich glaube nicht, dass Gott uns Parkplätze sucht, nur damit sich unser Leben möglichst bequem gestaltet. Denn etwas Mühe und Geduld darf er schon von uns erwarten.

Dabei will ich gar nicht ausschließen, dass Gott auch etwas dafür tut, dass unser Leben schön, bequem und lebenswert ist. Ich will nur ausschließen, dass wir Gottes Liebe und seinen Segen auf unsere persönliche Behaglichkeit reduzieren und dabei alles Notvolle, das wir oder andere Menschen erleben, mehr oder weniger ausblenden. Und wir sollten unsere persönliche Behaglichkeit nicht als Gottesbeweis verkündigen.

Anders würde ich die Situation beurteilen, wenn zum Beispiel ein körperbehinderter Mensch, der keine weite Strecke zu Fuß zurücklegen kann, auf einen nah an seinem Ziel gelegenen Parkplatz angewiesen ist. Warum sollte Gott in dieser Situation nicht helfen?

Doch auch hier wird man einen freien Parkplatz nicht als Gottesbeweis verstehen können. Denn es gibt unzählige ähnliche Situationen, in denen eben kein freier Parkplatz da war. Man wird deshalb vorsichtig damit sein, mit solch einem Ereignis für den Glauben an Gottes Existenz zu werben. Denn beim Gegenüber entsteht dann schnell der Eindruck eines Glaubens, der naiv ist und realitätsferne Beweise für Gottes Existenz liefern möchte.

Die Eindeutigkeit, mit der manche Menschen Gottes Existenz belegen möchten, ist einfach nicht gegeben. Und den Eindruck zu erwecken, als gäbe es diese Eindeutigkeit, wirkt abstoßend auf Menschen, die das Leben in seiner uneindeutigen Vielfalt im Blick haben. Gott lässt sich nicht anhand geschichtlicher Ereignisse eindeutig demonstrieren. Zwar kann dem einzelnen Menschen etwas in seinem Glauben eindeutig werden, aber er kann diese Eindeutigkeit nicht auf seine Mitmenschen übertragen.

Zurück zum körperbehinderten Menschen, der einen Parkplatz gefunden hat: Die Dankbarkeit, die er in solch einer Situation empfinden mag, kann ich gut nachvollziehen und mich ihr auch anschließen. Denn für ihn war es tatsächlich eine Notlage und keine Sache der Bequemlichkeit. In diesem Fall habe ich darum auch keine Probleme damit, sein Erlebnis als Gebetserhörung zu verstehen.

Ich glaube also an Gottes Wirken in unserem Leben und an seine Hilfe in schwierigen Situationen oder Notlagen. Aber ich denke, Christ*innen sollten nicht jedes erfreuliche Erlebnis zu einer Gebetserhörung oder einem Gottesbeweis hochstilisieren. Denn das könnte ihr Gegenüber zu dem Umkehrschluss führen, für jedes Ungemach, das Menschen erleben, Gott verantwortlich zu machen oder gar seine Existenz in Frage zu stellen. Und solch einen Schluss hervorzurufen kann keine christliche Absicht sein.


* * * * *




2 Kommentare
pneumatheou
2020-10-17 22:55:55
Um die obigen Gedanken zu bestätigen und zu erweitern.
Jemand der Gott sehr gut kennt sagte mal zum Thema Gottvertrauen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. Wie wahr, und das aus gutem Grund.
2020-10-18 13:17:45
Hallo Pneuma, danke für deine Ergänzung. Ein Herausfordern Gottes, als ob er das tun MÜSSTE, was wir erwarten, ist wirklich kein Vertrauen, sondern Festlegung Gottes.
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