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Wofür bin ich geschaffen?

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 29 September 2021
Tags: EthikLebenssinnSchöpfungGlückGottesverehrungNächstenliebe

T h e o l o g i e   t o   g o
Wofür bin ich geschaffen?
Klaus Straßburg | 29/09/2021

Ein einziger kurzer Satz hat mich vor einigen Tagen sehr berührt.

Er kommt ganz unscheinbar daher, scheint keine besondere Erkenntnis zu enthalten. Eigentlich drückt er etwas Selbstverständliches aus.

Aber es ist nicht selbstverständlich. Das ging mir beim Lesen jenes Satzes auf.

Ich glaube an einen liebevollen Gott, der nur das Beste für mich will. Darum bin ich davon ausgegangen, dass dieser Gott mich erschaffen hat, damit ich ein schönes Leben habe und mich wohlfühle.

Und dann las ich diesen Satz der katholischen Schriftstellerin Ida Friederike Görres:

Glaub mir, kein Mensch ist für sich erschaffen, jeder für andre.*

Eigentlich eine Binsenweisheit: Wir sind für andere da. Wir sollen für andere leben.

Auch mir war das klar. Aber der Satz schlug so bei mir ein, dass ich mich fragte: Gehe ich nicht klammheimlich davon aus, dass ich in erster Linie für mich selbst erschaffen bin? Für mein eigenes Wohlbefinden, meine Zufriedenheit?

Unzufriedenheit und Fragen an Gott stellen sich bei mir sofort ein, wenn ich mit meinem Leben nicht zufrieden bin. Dann ist mein Anspruch auf ein zufriedenes Leben erschüttert.

Der Satz sagte mir: Ich habe einen falschen Anspruch. Ich konzentriere mich viel zu sehr auf mein eigenes Leben – darauf, dass ich für mich selbst erschaffen bin. Und ich vergesse, dass ich erschaffen bin, um für andere da zu sein.

Unzufriedenheit und Fragen an mich selbst müssten sich dann einstellen, wenn ich nicht für andere Menschen lebe.

Und meine eigene Zufriedenheit, ja mein eigenes Glück müsste sich dann einstellen, wenn ich für andere da sein kann, ihnen ihr Leben erleichtern, ihnen zu Zufriedenheit und Glück verhelfen kann.

So hat mich Gott schließlich doch dazu erschaffen, dass ich zufrieden mit meinem eigenen Leben bin. Aber diese Zufriedenheit beruht auch darauf, dass ich für andere da bin.

Es gibt eine wichtige Einschränkung: Bei allem Dasein für andere soll ich mich nicht selbst aufgeben – mich nicht vom anderen aussaugen lassen oder mich selbst aussaugen. Ich soll kein leeres Gefäß werden.

Darum wäre es gut, den obigen Satz zu ergänzen:

Wir sind zuerst für Gott erschaffen: dazu, ihm die Ehre zu geben.

Dass ich zu Gottes Ehre erschaffen bin, bedeutet auch, dass ich für andere erschaffen bin – aber ebenso für mich selbst. Denn ich gebe Gott die Ehre und diene ihm, wenn ich allen seinen Geschöpfen diene, ihnen mit Liebe und Respekt begegne und für sie sorge – auch für mich selbst.

Ich bin dann nicht zuerst für mich selbst oder für andere da. Zuerst bin ich für Gott da, und von ihm aus dann auch für andere und für mich selbst – in den Möglichkeiten und Grenzen, die er mir gegeben hat.


* aus: Ida Friederike Görres: Von Ehe und von Einsamkeit. Ein Beitrag in Briefen. Verlag Cassianeum Donauwörth 1949. Seite 49.


* * * * *




3 Kommentare
2021-10-04 08:05:36
Welche Gedanken liefern dir bei diesem Thema das Leben Jesu, seiner Freunde - durch die Gott wirken konnte?
2021-10-04 09:58:54
Hallo Pneuma,

danke für deine Frage. Wünschst du dir von mir biblische Belege für das Handeln Jesu und seiner Jünger für andere? Ich denke, davon ist das Neue Testament voll, und du kennst sie auch ... Oder soll deine Frage nur allgemein zum Nachdenken anregen?
2021-10-04 12:25:17
Es war eine rhetorische Frage, die daran erinnern sollte, wie Christus und die ersten Christen für andere da waren, um Ihnen, das Leid zu mindern, den Glauben zu steigern, das Gute zu mehren, die Gaben zu teilen, ... gemeinsam den Weg des Lebens zu gehen ...
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