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Wie wir unsere Bestimmung leben

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie zum Weiterdenken · 1 September 2020
Tags: GottesverehrungLeidSchöpfungTheodizeeVertrauen

T h e o l o g i e   z u m   W e i t e r d e n k e n
Wie wir unsere Bestimmung leben
Klaus Straßburg | 01/09/2020
 
Christinnen und Christen gehen davon aus, dass sie von der guten Macht, die wir Gott nennen, geschaffen sind. Wahrscheinlich denken sie dabei vor allem an ihre körperlichen und geistigen Eigenschaften und Fähigkeiten.
 
Seltener wird bedacht, dass das Geschaffen-sein viel weiter geht und die gute Schöpfermacht jedem Geschöpf eine Bestimmung gegeben hat. Als Gott den Menschen erschuf, gab er ihm einen Lebenssinn, eine Rolle, die er zu seinem eigenen Wohl und zum Wohl der anderen Geschöpfe ausfüllen soll.
 
Du bist ein Geschöpf Gottes. Aber was bedeutet das eigentlich für dein persönliches Leben?


1. Was es heißt, Geschöpf zu sein
 
Geschöpf Gottes zu sein bedeutet zunächst: Du bist gewollt. Nicht nur von deinen leiblichen Eltern, sondern von der guten Macht, die es ermöglicht hat, dass deine Eltern Eltern wurden.
 
Diese gute Macht, die wir Gott nennen, hat nicht einfach nur das Universum geschaffen und es dann sich selbst überlassen. Sondern diese Macht bewirkt zusammen mit der geschaffenen Natur ständig neues Werden und Entstehen.
 
Als du entstanden bist, hat Gott Ja zu dir gesagt. Du bist kein Zufallsprodukt, sondern ein genialer Gedanke Gottes (so sagt es das Lied „Du bist du” von Jürgen Werth).
 
Aber du bist nicht einfach ins Leben gerufen worden, um dich danach ohne Gott zu entwickeln. Sondern die gute Macht, die dich ins Leben gerufen hat, will auch, dass du ein gutes Leben lebst.
 
Dass du ein gutes Leben lebst, bedeutet nicht, dass dir kein Leid mehr widerfährt. Es bedeutet aber, dass Gott deinem Leben eine Bestimmung gegeben hat. Dein Leben hat eine Bedeutung, einen Sinn. Auch dann, wenn es ein schweres Leben ist.


2. Was es heißt, eine Bestimmung zu haben
 
Mit „Bestimmung” meine ich nicht, dass jedes Ereignis deines Lebens von Gott gewollt, also vorherbestimmt ist. Es gibt sicher vieles in deinem Leben, was Gott nicht für dich bestimmt hat.
 
Mit „Bestimmung” meine ich vielmehr: Zu dem genialen Gedanken Gottes, der du bist, gehören nicht nur dein Körper und dein Geist, sondern auch eine bestimmte Geisteshaltung. Zu deinem eigenen Wohl sollst du in allem, was dir widerfährt, im Guten wie im Schlechten, eine bestimmte Haltung einnehmen – eine Haltung, die gut für dich und die anderen Geschöpfe und darum für dich bestimmt ist.
 
Diese Haltung besteht darin, dass du die gute Macht, die dich erschaffen hat und deren genialer Gedanke du bist, anerkennst. Du sollst es anerkennen, dass du ein genialer Gedanke dieser guten Macht bist und dass diese gute Macht dich auch in allem Schweren nicht verlässt. Du sollst letztlich darauf vertrauen, bei Gott in guten Händen zu sein. So ehrst du die gute Macht, die dich geschaffen hat.
 
Und so ehrst du auch die anderen Geschöpfe, die Gott geschaffen hat. Denn wenn du dich bei Gott in guten Händen weißt, sind die anderen Geschöpfe keine Konkurrenten mehr für dich, die du um jeden Preis ausschalten musst – auch dann nicht, wenn sie dich angreifen. Du stehst ja unter Gottes Schutz. Darum kannst du dich selbst zurücknehmen, auch wenn du für deine Interessen eintrittst.
 
Deine Bestimmung ist, Gott seine Liebe zu dir zu glauben und so zur Ehre und Freude Gottes und aller seiner Geschöpfe zu leben. Das soll auch deine eigene Ehre und Freude sein.


3. Die Herausforderung durch das Leid
 
Ich weiß, wie schwer das sein kann und dass es in schlimmen Schicksalsschlägen kaum zu schaffen ist, diesen Glauben aufzubauen oder zu behalten. Manche Schicksale bringen uns an unsere Grenzen.
 
Wir kommen sowieso mit unserem Vertrauen zu der göttlichen Liebesmacht schnell an unsere Grenzen.
 
Und dennoch ist es unser aller Bestimmung, die Hoffnung auf diese gute Macht nicht aufzugeben und ihr immer aufs Neue zu vertrauen – jeder Mensch an seinem Ort, mit seiner Lebensgeschichte und mit seinen Fähigkeiten.
 
Dieses Festhalten der Hoffnung gibt deinem Leben Sinn. Denn dann vertraust du darauf, dass Gott auch im schlimmsten Schicksal Ja zu dir sagt. Und dass es für dich einen Weg gibt, auf dem du weitergehen kannst.
 
Wenn du daran festhältst, dass Gott Ja zu deinem Leben sagt, dann ist es leichter für dich, selber Ja zu sagen zu deinem Leben. Du sagst Ja zu deinem Schöpfer, der zu deinem Leben Ja sagt. Und weil dein Schöpfer Ja zu deinem Leben sagt, kannst du auch Ja dazu sagen.
 
Wenn wir ein leidgeprägtes Leben führen müssen, ist es unendlich schwer, Ja dazu zu sagen. Und vielleicht sagen wir Ja zu unserem Leben, aber Nein zu dem Leid, das uns getroffen hat.
 
Vielleicht können wir aber auch lernen, Ja zum Leid zu sagen. Es ist besser für uns, Ja zu etwas zu sagen, das wir nicht ändern können, als ständig dagegen aufzubegehren. Es ist besser für uns, wenn wir uns trotz allem von guten Mächten wunderbar geborgen fühlen, als wenn wir uns einem blinden Schicksal ausgeliefert fühlen. Es ist besser für uns, zu dem, was wir nicht ändern können, Ja zu sagen, als uns mit einem dauernden Nein zu zermürben.
 
Es kann unendlich schwer sein, aber es tut uns gut, wenn wir nicht dauerhaft das sein wollen, was wir nun mal nicht sein können. Es tut uns gut, Ja zum Unabänderlichen zu sagen und zu der guten Macht, die Wege durch das Unabänderliche hindurch kennt.


4. Die Herausforderung durch unsere Wünsche
 
Obwohl ich kein außergewöhnlich schweres Leid zu tragen habe, merke ich an mir selbst, wie schwer es manchmal ist, zum eigenen Leben Ja zu sagen.
 
Oft möchte ich mein Leben anders haben, als es gerade ist. Vieles könnte ich mir viel besser vorstellen. Es fällt mir schwer, Ja zu sagen zu den Teilen meines Lebens, die ich mir anders wünsche. Dann bin ich nicht im Einklang mit mir, und auch nicht im Einklang mit Gott. Das ist kein gutes Leben, sondern ein unzufriedenes – ein friedloses Leben.
 
Am liebsten würde ich mir mein Leben selber basteln. Ich will mein eigener Gott sein und Ja nur zu einem Leben sagen, das ich mir selbst ausgedacht habe.
 
Weil das Leben aber nie so ist, wie ich es mir ausgedacht habe, fällt es mir schwer, damit zufrieden zu sein.
 
So steht es ja schon am Anfang der Bibel: Unser Verderben besteht darin, dass wir sein wollen wie Gott der Schöpfer (1Mo/Gen 3,5.22). Wir sind erst zufrieden mit unserem Leben, wenn wir in die Rolle des Schöpfers geschlüpft sind und uns ein Leben nach unseren Wünschen geschaffen haben – aber genau das können wir nicht.


5. Der Verzicht darauf, aus sich selbst etwas zu machen
 
Dietrich Bonhoeffer hat im Gefängnis unter der Herrschaft der Nationalsozialisten die Erfahrung gemacht, was es heißt, Ja zum Leben zu sagen – auch zu einem leidvollen, vom Tod bedrohten Leben:

[...] ich erfahre es bis zur Stunde, daß man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen – sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden – und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Mißerfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben –, dann wirft man sich Gott ganz in die Arme [...].
(Brief an Eberhard Bethge vom 21.7.1944. In: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Herausgegeben von Eberhard Bethge. Neuausgabe. Christian Kaiser Verlag München, 3. Aufl. 1985. S. 401f)
 
Bonhoeffer erlebte es am eigenen Leib, dass man sich Gott erst dann ganz in die Arme wirft, wenn man völlig darauf verzichtet, aus sich selbst etwas zu machen. Wenn man darauf verzichtet, sein eigener Gott zu sein.
 
Wir wollen so oft etwas aus uns machen, wollen, dass unser Leben anders ist, als es ist.
 
Aber unsere Erwartungen an das Leben werden zermalmt von der Realität. Die großen Wünsche und Vorstellungen von unserem Leben werden zu winzigen Krümeln zermahlen.
 
Inzwischen denke ich, wenn ich das erlebe: Gott arbeitet an mir, damit ich endlich dahin komme, aus mir selbst nichts mehr machen zu wollen und mich stattdessen ganz Gott in die Arme zu werfen.
 
Wenn es dir ähnlich geht: Vielleicht arbeitet Gott auch an dir.


6. Das Ja im Nein
 
Wenn ich sage, Gott arbeitet vielleicht an dir, dann soll das keine Rechtfertigung des Leids sein, das dich getroffen hat. Ich bin zwar überzeugt, dass Gott dich auch im Leid nicht verlässt, aber das heißt nicht, dass Gott das Leid will, das dich trifft.
 
Es kann aber sein, dass Gott gerade im Leid an uns arbeitet. Das Leid bleibt dann trotzdem schrecklich. Aber es ist nicht einfach blankes Leid; denn die gute Macht, die bei uns ist, wirkt auf uns ein durch das Leid, das nun mal da ist und das wir nicht abschütteln können.
 
Warum Gott manches Mal nicht anders auf uns einwirkt, weiß ich nicht. Aber ich vertraue darauf, dass er auch im Leid in uns wirkt und auf uns einwirkt.
 
Wenn wir machtlos ausgeliefert sind, ist da einer, der in all unserer Machtlosigkeit Gutes bewirken kann. Einer, dessen gute Macht stärker ist als die zerstörerische Macht des Leids.
 
Das Leid zerstört trotzdem so vieles. Darum können wir es manchmal nur ablehnen, nur Nein zu ihm sagen.
 
Auch Gott sagt zu schwerem Leid Nein. Er will es nicht. Er hat es dir nicht „geschickt”. Es gehört nicht zu seiner guten Schöpfung.
 
Aber zu dir selbst und zu deinem Leben sagt Gott ein bleibendes, unwiderrufliches Ja. Darum kannst du selbst auch zu dir und deinem Leben ein unwiderrufliches Ja sagen.
 
Es ist vielleicht nur ein Ja im Nein: Ja zu deinem Leben, aber Nein zum Leid. Dieses Ja hilft uns gegen den Unfrieden, in dem wir leben, wenn wir beständig Nein zu unserem Leben sagen.
 
Wenn wir das täten, würden wir auch Nein sagen zu der guten Macht, die uns erschaffen hat und an jedem neuen Tag bei uns ist und zum Guten auf uns einwirkt – bis ans Ende der Welt (Mt 28,20b).
 
Wenn du Ja sagst zu der guten Macht, die dich hält, und zu dem, was du nicht ändern kannst, dann kann das ein Ja sein, das das Nein zu deinem Leid in Zaum hält. Damit das Nein dich nicht irgendwann gänzlich erfüllt.


7. Das endgültige Ja
 
Am Anfang und am Ende deines irdischen Lebens steht Gottes großes Ja zu dir. Und wenn nach dem Ende deines irdischen Lebens ein neues Leben für dich beginnt, wird alles nur noch Ja sein, weil es das Nein nicht mehr gibt.
 
Es ist deine Bestimmung,
  • Ja zu sagen zu dem Gott, der zu dir Ja sagt
  • Ja zu sagen zu deinem Leben, auch wenn es darin manches gibt, zu dem du Nein sagst
  • Ja zu sagen zu deinen Mitgeschöpfen, zu denen Gott auch Ja sagt.
     
Am Ende aber ist es deine Bestimmung, in das große, endgültige und ungetrübte Ja einzustimmen, das kein Nein mehr kennt.


* * * * *



4 Kommentare
Jochen
2020-09-04 21:08:07
Ich wagte es, Ihn Vater zu nennen!

Zufällig oder nicht liest meine Frau gerade das Buch "I dared to call him FATHER - the miraculous story of a muslim woman's encounter with God" von Bilquis Sheikh mit Richard H. Schneider.

Wie auch immer, wenn Jesus uns Gott als den Vater verdeutlicht, weshalb gendern (verundeutlichen) wir das einfach weg? Wo soll da der Mehrwert liegen?
2020-09-04 21:33:46
Danke für deine Frage, Jochen.

Jesus nannte Gott "Vater", und darum können wir das auch tun. Ich habe auch keine Probleme damit.

Es gibt aber Menschen, die damit Probleme haben, vielleicht, weil sie schlimme Erfahrungen mit ihrem leiblichen Vater gemacht haben. Sie haben ein zerstörerisches Vaterbild im Kopf. Ich hätte keine Schwierigkeiten damit, wenn sie Gott "Mutter" nennen, zumal auch die Bibel Gott mit einer Mutter vergleicht: Jes 49,15; 66,13.

Ich weiß nicht, ob du dich mit meiner Frage auf meine Formulierung "die gute Macht" beziehst. Das hat den Hintergrund, dass Gott nicht nur Person, sondern auch z.B. Geist und Liebe ist, also eine Macht. Ich finde es deshalb in Ordnung, wenn Menschen Gott als Macht verstehen, solange sie dieser Macht auch personale Attribute zubilligen: dass diese Macht liebt, handelt, zu uns spricht.

Es gibt Menschen, die mit der Vorstellung, Gott sei eine Person, Schwierigkeiten haben, weil sie dann so etwas wie eine menschliche Person mit Körper, Beinen, Armen und Gesicht vor Augen haben. Das empfinden sie als ein kindliches Gottesbild. Wenn sie den Akzent mehr auf Gott als gute Macht legen wollen, sollen sie das ruhig tun - unter den oben genannten Voraussetzungen. Gott als anonyme Macht ohne personale Anteile zu verstehen hielte ich aber auch nicht für richtig.

Immerhin gibt es das schöne Kirchenlied "Ich bete an die Macht der Liebe" und das schon mehrfach vertonte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Vielleicht dachte Bonhoeffer an die himmlische Welt, an die guten Mächte, die Gott umgeben, der ja nicht allein im "Himmel" ist. Zu den guten Mächten gehören sicher auch die Engel - aber nicht in dem platten Sinn, in dem sie heute oft verstanden werden.
Jochen
2020-09-07 15:33:01
Hallo Klaus,
mit "von guten Mächten wunderbar geborgen" habe ich kein Problem, wir singen es auch in unserer Gemeinde (sogar erst kürzlich mitten im Jahr). Mir war die konsequente Auslassung von "Vater" in dem doch relativ langen Text aufgefallen. Der Begriff "Macht" wird hierzulande auch sehr unterschiedlich gewertet, einzelne könnten auch dagegen Vorbehalte haben.
2020-09-07 19:59:37
Danke für deine Klarstellung. Ich habe "Vater" gar nicht bewusst ausgelassen. Das mit der "Macht" kann wirklich sehr unterschiedlich gedeutet werden, darum habe ich es im Wechsel mit "Gott" gebraucht.
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