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Wer ist frei?

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 2 Oktober 2020
Tags: FreiheitCorona

T h e o l o g i e   t o   g o
Wer ist frei?
Klaus Straßburg | 02/10/2020

"Zur Freiheit hat uns Christus befreit", schrieb Paulus (Gal 5,1).

Aber was ist eigentlich Freiheit?

Der eine sagt:

Ich bin ein freier Mensch. Ich will mich nicht einengen und fremdbestimmen lassen. Zu meiner Freiheit gehört auch, dass mir niemand vorschreibt, wann und wo ich eine Maske tragen muss.

Ich ertrage es nicht, wenn man mir meine Freiheit nimmt. Darum weigere ich mich, eine Maske zu tragen. Es geht dabei um meine individuelle Freiheit, die mir im Grundgesetz verbürgt ist.

Nur wenn ich von niemandem gezwungen werde, eine Maske zu tragen, fühle ich mich frei und ungebunden. Frei bin ich, wenn ich selbst entscheiden kann, wo, wann und ob überhaupt ich eine Maske trage.

Der andere sagt:

Ich trage meine Maske aus freier Entscheidung. Ich habe mich frei dafür entschieden, sie zu tragen, weil ich meine Mitmenschen vor einer Infektion schützen will.

Dass ich andere schützen will, ist für mich selbstverständlich. Dafür brauche ich keine Vorschriften von staatlicher Seite.

Dennoch finde ich es sinnvoll, wenn der Staat vorschreibt, ob, wann und wo eine Maske getragen werden muss. Denn ich selbst bin kein Experte auf dem Gebiet und darum auf die Vorgaben der Experten und Politiker angewiesen.

Es ist zwar nicht angenehm, eine Maske zu tragen, aber ich bin dankbar für die Freiheit, eine Maske zu haben und andere schützen zu können.

Wer von den beiden ist nun der Freie?


* * * * *




10 Kommentare
Ursel Decker
2020-10-09 16:37:41
Gar nicht so leicht zu beantworten!

Wer aus Einsicht und aus Rücksicht handelt, handelt so, weil er die Realität anerkennt. In Situationen, in welchen dieser Mensch andere Folgerungen als schlüssig ansieht, wird er auch widersprechen und nach seiner Einsicht handeln. Dieser Mensch ist frei, besonders, wenn er auch bereit wäre, Nachteile für seine Entscheidung hinzunehmen.

Wer aus Trotz oder Bockigkeit unvernünftig handelt, der ist unfrei, weil er ausschließlich SEINEN Gefühlen nachgibt. Zudem handelt er egoistisch und unverantwortlich. Er stellt seine Empfindungen über die Rechte anderer Menschen.

Ursel
2020-10-09 16:52:52
Danke für deine Gedanken! Ich sehe das auch so. Mir fiel noch beim Lesen deines Kommentars ein, dass die individuelle Freiheit an der Freiheit des Mitmenschen endet. Es gibt also gar keine absolute Wahlfreiheit, weil ich immer durch die Freiheit des Anderen eingeschränkt bin. Andererseits besteht ja gerade darin, dass ich das freiwillig tue, meine Freiheit.

Frei wäre also derjenige, der sich freiwillig seiner Freiheit beschränkt, um der Freiheit des Anderen Raum zu geben.
Ursel Decker
2020-10-09 17:09:38
Ja, alle haben theoretisch die gleichen Rechte. Es ist nicht immer leicht, denn es hat Folgen, dies anzuerkennen. Auch ist der Bedürfnislose freier. Dies steht im Gegensatz zu unserem Wirtschaftssystem. Wir werden zum Konsumieren angehalten und sollen verbrauchen wollen. Was Werbung will, kommt Süchtigkeit nahe, und das ist das Gegenteil von Freiheit, nämlich Abhängigkeit. Ich rede hier nicht von Not, sondern von freiwilligem sich beschränken. Sich nicht unfrei machen lassen!

Ursel
2020-10-09 21:35:10
Ja, Freiheit beschränkt sich selbst. Gerade darin bleibt sie frei.
pneumatheou
2020-10-11 14:08:44
So ist es Klaus, so spricht der heilige Geist, die Liebe ... Wahre Freiheit, offenbart sich darin, sich selbst zu beschränken und zu verzichten, weil man es gerne will und tut, um eine grössere Freiheit ggf. für andere zu gewinnen. Jesus im Großen, aber auch Paulus im Kleinen sendeten dir herzliche Grüsse aus Ephesus mit dem Brief an die Familie in Korinther 8-10
2020-10-11 20:58:07
Vielen Dank für deine Zustimmung und für den Hinweis auf 1Kor 8-10, wo es tatsächlich hauptsächlich um die christliche Freiheit geht und wo unsere Sicht der Dinge bestätigt wird. Ich hatte diese Kapitel unter dem Freiheitsaspekt noch gar nicht im Blick. Danke!
Jochen
2020-10-13 20:25:07
Ein anderer Aspekt ist Freiheit von Angst. Frei von Angst sind solche, die kein Problem damit haben, unter Leuten mit und ohne Maske zu sein. Ich sträube mich innerlich dagegen, Angst vor Menschen ohne Maske zu haben. Ich genieße die gastfreundliche Atmosphäre in Lokalen, in denen alle bedient werden und miteinander ins Gespräch kommen können.
Wir gehen auf Weihnachten zu und diskutieren ein Beherbergungsverbot. Das muss man sich mal vorstellen.
2020-10-13 21:56:20
Freiheit von Angst ist auch ein wichtiger Aspekt christlicher Freiheit. Andererseits sollen wir in Gefahrensituationen nicht denken "Gott wird uns schon schützen" und uns der Gefahr aussetzen, wie Mt 4,5-7 zeigt (Jesu Versuchung).

Ich kann den Wunsch nach Normalität, nach Gemeinschaft und Gesprächen im Lokal gut verstehen. Mir ist das auch sehr wichtig. Man sollte die Angst vor dem Virus auch auf keinen Fall übertreiben und sich zu Hause einschließen. Ich denke, jeder Mensch sollte selbst entscheiden, welches Risiko er bereit ist einzugehen und welches nicht. Diese Freiheit endet aber dort, wo ein anderer gefährdet wird. Und darum geht es ja vor allem beim Tragen der Masken: nicht darum, dass ich vor dem anderen geschützt werde, sondern darum, dass der Nächste vor mir geschützt wird.

Darum halte ich es für wichtig, die Regeln einzuhalten - um der anderen willen. Und wenn im Lokal keine Maskenpflicht besteht, dann weiß jeder, worauf er sich einlässt, wenn er das Lokal betritt. Das bedeutet für mich, dass ich im Lokal mit gutem Gewissen die Maske ablegen kann. Denn jedem, der sich im Lokal befindet, ist das Risiko bekannt.

Problematisch würde es nur dann wieder, wenn Lokale zu Hotspots würden und das Virus weiter unter der Bevölkerung verbreiten würden. Das scheint aber zur Zeit nicht der Fall zu sein - es sei denn, man kommt sich zu nah. So war es ja wohl im Skiort Ischgl. Dort wurde offenbar unverantwortlich gehandelt, weil die Gefahren bereits bekannt waren und man dennoch weiter gefeiert hat.
Jochen
2020-10-16 13:29:55
Hallo Klaus,
danke für Deine wenn auch dünne Antwort. Mein wissenschaftlicher Sachverstand sagt mir, dass die Schutzfunktion einer Maske nur relativ ist. Durch eine Maske mit sehr guter Filterfunktion lässt es sich sehr schwer atmen, wogegen die Alltagsmasken einigermaßen erträglich sind, jedoch nur bedingt schützen. Dies vorausgesetzt finde ich diese Polarisierung Maskenträger/verweigerer (Freiheit ja/Freiheit nein) etwas übertrieben. Ich trage auch Masken, die meine Frau gemacht hat. Da sind Blümchen, Bärchen, Mariakäferchen drauf. Sofern sie nur einen relativen Schutz geben, verbreiten sie wenigstens positive Stimmung.
Ein interessanter Artikel mit dem Chef des Robert-Koch-Instituts zum Thema Corona-Furcht/Gottvertrauen ist jetzt auch in der Tagespost erschienen: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/aktuell/keine-infektionsgeschehen-in-gottesdiensten;art4874,212855
2020-10-16 20:57:14
Hallo Jochen,

ich habe mich gefreut, durch deinen vorletzten Kommentar nach längerer Zeit wieder etwas von dir zu hören. Deinen Hinweis auf die Freiheit von Angst fand ich wichtig. Daran zeigt sich, wie viele Dimensionen der Freiheitsbegriff hat. Ich habe auch den Artikel aus der Tagespost gelesen und fand sehr interessant, was Lothar Wieler zu den Gottesdiensten sagte.

Aber nochmal zum Freiheitsbegriff. Bisher haben sich in diesem Artikel und den Kommentaren drei Dimensionen herauskristallisiert:

1. Die Freiheit von Fremdbestimmung
2. Die Freiheit von Angst
3. Die Freiheit zum Tun des Guten

Ich denke, dass alle diese drei Freiheitsformen von uns Menschen nur unvollkommen realisiert werden können.

1. Wir sind immer auch bestimmt durch unsere Lebensgeschichte und unsere Mitmenschen und insofern nie gänzlich autonom. Wir meinen, frei entscheiden zu können, aber unsere Entscheidung ist immer auch durch andere Einflüsse mitbestimmt.
2. Wir können im Glauben eine relative Freiheit von Angst erlangen, soweit wir uns bei Gott geborgen fühlen. Da uns dieses Gefühl aber nicht zur Verfügung steht und der Glaube immer ein angefochtener ist, sind wir auch nicht vollkommen angstfrei. Selbst Jesus war es ja nicht (Mk 14,33f; Lk 22,44), und er hat uns diese Angst auch zugestanden (Joh 16,33; wörtlich steht dort allerdings "Bedrängnis" und nicht "Angst", siehe auch die Einheitsübersetzung).
3. Ähnlich ist es mit dem Tun des Guten: Es gelingt uns nur bedingt, weil die Angst, durch das Tun des Guten etwas zu verlieren, uns unser Leben lang begleitet - es sei denn, Gottes Geist macht uns davon frei. Aber auch Gottes Geist ist nicht unser Besitz und steht uns nicht zur Verfügung.

Insofern ist unsere Freiheit immer eine begrenzte und unvollkommene, jedenfalls von Gottes Gnade abhängige.

Ich denke, wenn uns die Gnade Gottes zuteil wird, dann kann das Wunder geschehen, dass ein Mensch frei von Angst ist. Und in dieser Freiheit kann er sich bei Gott geborgen fühlen, auch wenn sein Gegenüber keine Maske trägt. In dieser Freiheit wird er dann aber auch alles tun, um seine Mitmenschen zu schützen. Das kann er nach allen Informationen, die ich habe und die von Virologen immer wieder bestätigt wird, indem er dort eine Maske trägt, wo der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann. Und ich denke, er wird das in freier Selbstbestimmung tun, weil es ihm wichtig ist, den Mitmenschen zu schützen.

Das ist meine Meinung dazu. Sie hängt natürlich davon ab, dass die Maske zwar nicht mich selbst, sondern meinen Mitmenschen schützt, weil die Aerosole nicht oder jedenfalls nicht in so großem Ausmaß in die Luft gelangen, sondern mit der Feuchtigkeit der Atemluft in der Maske hängenbleiben. Wenn das nicht stimmt, ist es sinnlos, eine Maske zu tragen. Aber mir leuchtet das ein. Und du hast ja auch eine relative Schutzfunktion der Maske anerkannt.

Wenn du anderer Meinung bist, kannst du mir das gern schreiben. Auch wenn du noch Fragen hast, will ich sie dir gern beantworten.
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