Was ist das Reich Gottes und wie entsteht es?
Erläuterungen zum biblischen Begriff der Gottesherrschaft
Klaus Straßburg | 20/03/2025
Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt zu den Menschen. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht!
Mit diesen Worten begann Jesus sein öffentliches Auftreten (Mk 1,15 nach der BasisBibel).
Wörtlich heißt es:
Die Zeit ist erfüllt, und Gottes Herrschaft ist nahe herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an die Frohe Botschaft!
1. Gott herrscht durch nichts als Liebe
- Im Gleichnis von der Saat, die von selber wächst (Mk 4,26-29), sagt Jesus: Das froh machende Liebeshandeln Gottes kommt ganz von selbst, ohne unser Zutun – so wie die Pflanze ganz von selbst aus dem Samen wächst.
- Das Gleichnis vom kleinen Senfkorn, aus dem ein großer Strauch hervorgeht (Mk 4,30-32), besagt: Aus dem winzigen Samenkorn wächst ein riesiger Strauch, in dem die Vögel ihre Nester bauen, brüten und ihre Brut aufziehen. Auf diese Weise handelt Gott: Es ist nur ein winziger Anfang, den man kaum sieht und der keine äußerliche Schönheit hat. Aber aus diesem winzigen Anfang wächst etwas Großes, in dem echtes Leben möglich ist und Leben sich fortsetzt.
- Zwei Gleichnisse vom Verlorenen: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das der Schäfer sucht und alle anderen Schafe verlässt, um das eine verlorene zu suchen (Lk 15,4-7), und das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der zum Vater zurückkehrt (Lk 15,11-32). Beide Gleichnisse zeigen uns Gottes übergroße Liebe zu uns und seine Freude über uns, wenn wir uns von ihm finden lassen und zu ihm zurückkehren.
Was also ist das Reich Gottes, die Herrschaft Gottes auf Erden? Sie ist Lebensfreude, Lebenslust, Freiheit. Vielleicht kann uns gerade der Frühling jetzt zu einem Gleichnis für Gottes froh machende und Leben schaffende Herrschaft werden.
Zur Lebensfreude gehören die Lebensfreunde. Jesus war ein echter Freund fürs Leben für die Sünder und Zöllner (Mt 11,19) und für die, die ihm folgten – seine Follower (Lk 12,4). Sie bildeten eine Gemeinschaft, von der die Sünder und Zöllner nicht ausgeschlossen waren, sondern in die sie mit Freude aufgenommen wurden. In dieser Community herrschte keine Abgrenzung, sondern Offenheit!
Wo Gott herrscht, regiert die Menschenfreundschaft, die Liebe zum Ausgegrenzten, Verachteten, Ausgeschlossenen. Mit Gott zusammen zu sein bedeutet, mit Ungläubigen, Betrügern, Kriegstreibern, Obdachlosen und Störenfrieden zusammen zu sein. Niemand ist von der Gottesgemeinschaft ausgeschlossen. Dann geschieht – unfassbar – das Wunder, dass Ungläubige zu Gläubigen werden, Betrüger zu Gerechten, Kriegstreiber zu Friedensstiftern und Störenfriede zu Mitarbeitern am Reich Gottes.
Das alles ist keine Zukunftsmusik, sondern Gegenwart. Denn die Herrschaft Gottes ist schon angebrochen. Jesus wurde den Sündern zum Freund, heilte Kranke, vertrieb teuflische Mächte, rief zum Glauben und dazu, ihm zu folgen, und mit alledem zum Lob Gottes. Er machte damit auch das Tor zum Leben nach dem Tod ganz weit auf.
Mit Jesus geschah also das, wonach wir uns sehnen, was aber unmöglich zu sein scheint. Das unmöglich Scheinende aber geschieht: nicht erst in ferner Zukunft und nicht erst nach dem Tod, sondern schon jetzt. "Jetzt ist der Tag des Heils", schrieb einmal der Apostel Paulus (2Kor 6,2). Dieser Tag des Heils ist mit Jesus angebrochen und hat sich fortgesetzt durch den Geist Gottes, der bis heute wirkt.
Doch es wirken viele Geister in unserer Welt. Jede Zeit hat ihren Zeitgeist. Nicht alle Geister haben Gutes im Sinn. Die Liebesherrschaft Gottes ist zwar angebrochen, aber sie wird noch heftig bestritten. Das Böse, Zerstörerische und Lebensfeindliche kämpft noch gegen die Liebe und macht uns zu schaffen.
Aber wir können uns der Liebesherrschaft Gottes verweigern. Wir können Gott mit Misstrauen begegnen, lieblose Gefühle entwickeln, irregeleitete Gedanken haben und zerstörerisch mit unserem Körper und dem Leben unserer Mitmenschen umgehen – und wir tun das immer wieder. Wir entziehen uns immer wieder dem Gott, der in uns Wohnung nehmen will.
Der Glaube, das Vertrauen zu Gott, das Vertrauen darauf, dass er unser Bestes will, auch wenn wir das manchmal nicht erkennen können – dieses Vertrauen ist wesentlich für das Leben im Reich Gottes. Wer es nicht zulässt, dass Gott in ihm Wohnung nimmt, wer ihm die Tür zuschlägt, der schlägt sich selbst die Tür zum Reich Gottes zu; der muss außerhalb dieses Reiches leben. Er kann die Herrschaft Gottes nicht spüren, nicht erfahren, weil er sich dieser Erfahrung verschließt.
Jesus spielte damit auf das Geschenk des Geistes Gottes an und auf die Taufe. Aber wir können dieses Geschenk ablehnen. Wer den Geist Gottes nicht in sich wirken lässt und wer Gott nicht vertrauen mag, entscheidet sich für ein Leben außerhalb des Reiches Gottes.
Kinder im zarten Alter nehmen die Zuwendung zu ihnen wie selbstverständlich auf. Sie spüren, wenn es ein Mensch gut mit ihnen meint, und geben sich diesem Menschen hin. Sie leben in einer Art Grundvertrauen. Sie haben keine dauernden Vorbehalte und Bedenken. Sie bekennen sich zu ihrer Schwachheit und Angewiesenheit und wollen nicht größer sein, als sie sind.
Kinder sind naiv im positiven Sinn: unbefangen, treuherzig, aufrichtig, arglos, offen. Sie tun unbefangen das Natürliche, Naheliegende. So müssen auch wir werden, wenn wir Gott vertrauen wollen: Wir müssen unbefangen und arglos das Naheliegende tun, ohne irgendwelche Vorbehalte anzumelden. Dann wird Gott in uns regieren und unser Leben von Grund auf positiv verändern.
Wir dürfen also geistlich arm sein. Wir sollen es sogar. Denn gerade dann wird Gottes Geist uns reich machen. Dietrich Bonhoeffer hat das so ausgedrückt:
3 Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge. Hg. und mit einer Einführung versehen von Peter Zimmerling. Brunnen Verlag. 3. Aufl. Gießen 2020. S. 106f.
2. Jesus Menschenfreund
3. Durchhalten im Leid
Dennoch ist der Teufel schon vom Himmel gefallen, wie Jesus sagte (Lk 10,18). Die Macht des Bösen und Leidbringenden ist schon gebrochen. Das heißt: Die Dämonen des Todes müssen Jesus weichen. Sie kämpfen nur noch Rückzugsgefechte. Wir müssen noch leiden, aber größer als das Leid ist die Hoffnung auf das Ende alles Leidens.
Weil wir noch leiden müssen, besteht auch unser Leben unter der Herrschaft Gottes nicht nur in Freude und Lebenslust. Jesu Leben ist dafür das beste Beispiel: Obwohl mit ihm die Liebesherrschaft Gottes angebrochen ist, war sein Leben nicht einfach eitel Sonnenschein. Im Gegenteil: Weil er die Liebe Gottes lebte, führte sein Lebensweg ins Leid und in den Tod. So geht es Christinnen und Christen auch heute: Manche werden verfolgt und geschmäht, andere müssen ein schweres Schicksal erleiden, wieder andere sterben früh.
In der Welt habt ihr Bedrängnis, sagte Jesus (wörtliche Übersetzung von Joh 16,33). Aber er fügte hinzu: Seid getrost! Ich habe die Welt überwunden.
Noch sind unsere Bedrängnisse zahlreich. Aber mit Gottes Kraft können wir sie überwinden. "Überwinden" heißt hier: mit ihnen zu leben lernen; Leid und Tod ertragen, ohne zu verzweifeln; darauf vertrauen, dass Gottes Gnade genug für dich ist, weil seine Kraft in den Schwachen zum Ziel kommt (wörtliche Übersetzung von 2Kor 12,9); sogar den frühen Tod hinnehmen, weil die Auferstehung naht.
Dies alles hinzunehmen, ist leicht gesagt. Aber es gibt Beispiele, in denen Menschen es leben konnten. Sie waren in all ihrer Schwachheit mit der Kraft Gottes ausgestattet. Wenn wir unser Herz nicht von unerfüllten Wünschen bestimmt sein lassen, sondern für Gottes Wege öffnen und um seine Kraft bitten, wird Gott sie uns nicht vorenthalten.
Damit ist das Leid nicht aus der Welt geschafft. Aber es bekommt einen neuen Rahmen. Es wird mit dem Blick auf Gottes zukünftiges Handeln, auf seine Verheißungen erträglich werden. Dietrich Bonhoeffer, selbst in Nazi-Gefängnis und dem Tod ausgesetzt, drückte es so aus:
Manchmal müssen wir von unseren Wünschen Abschied nehmen. Gottes Verheißungen können so ganz anders aussehen, als wir es uns vorgestellt haben. Er könnte für uns etwas anderes bestimmt haben als das, was wir uns wünschen. Damit aber stehen wir in guter Gesellschaft. Denn schon Petrus musste sich mit der Ankündigung Jesu abfinden, dass nicht er selbst, sondern ein anderer der Herr seines Lebens ist (Joh 21,18):
Die Lektion mag uns unendlich schwer fallen. Und doch kann uns, in all dem Leid, mit dem Blick auf Gottes Verheißungen bewusst werden,
Auf die Herrlichkeit, in der es kein Leid mehr gibt, müssen wir noch warten. Wir sehen aber schon jetzt, wie das Ende des Leids vorweggenommen wird in aller echten Liebe und Zuwendung, auch zu den Außenseitern und Ungläubigen. Wir sehen das Reich Gottes vorweggenommen im unerwarteten Gesundwerden, in immer wieder durchbrechenden lebensfreundlichen Entwicklungen, in Bewahrungen, Bekehrungen und Lobgesängen. Wir sehen es in der Stärke, die den Schwachen geschenkt wird. Wir gewähren deshalb nicht dem Lebensfeindlichen unsere größte Aufmerksamkeit, sondern im Gegenteil: dem Lebensfreundlichen, dem Wirken Gottes ganz in unserer Nähe.
Die Gegenwart des Reiches Gottes und seine Zukunft sagen uns: Die Macht des Bösen, des Lebensabträglichen, das uns so viele Entbehrungen abverlangt, ist schon gebrochen. Darum gibt es Hoffnung, was immer auch geschieht, und es gibt niemals einen Grund, die Hoffnung aufzugeben. Denn die wunderbare Zukunft hat schon begonnen, wie der Frühling begonnen hat und schon die Vorzeichen des herrlichen Sommers in sich trägt.
Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.2
Ein anderer wird dich führen, wohin du nicht willst.
dass die Leiden der jetzigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
(Röm 8,18)
4. Geschenke Gottes dankbar annehmen
Die Herrschaft Gottes betrifft nicht nur unsere Seele. Sie betrifft unser ganzes Leben: Körper, Geist und Seele. Wir wissen heute, dass alle drei Dimensionen unseres Leben eng zusammenhängen. Gott will uns ein geheiltes Leben schenken – heil an Körper, Geist und Seele. Wer von Gottes Liebe regiert wird, der vertraut ihm, der denkt und fühlt anders und der geht anders mit seinem Körper und dem Leben seiner Mitmenschen um.
Wohlgemerkt: Wir können uns den Zutritt ins Reich Gottes nicht selbst verschaffen oder verdienen. Der Zutritt wird uns geschenkt. Jesus sagte (Joh 3,5):
Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht ins Reich Gottes kommen.
5. Zu unserer geistlichen Armut stehen
Wie nehmen wir Gottes Geschenk an? Indem wir werden wie die Kinder. Jesus sagte (Mk 10,15):
Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
Gott wird es tun, nicht wir selbst. Niemand kann sich selbst zu einem Heiligen machen. Wir können nur in geistlicher Armut vor Gott treten, wie Jesus sagte (Mt 5,3):
Selig sind die geistlich Armen; denn ihrer ist das Himmelreich.
Mangel haben die Jünger an allen Stücken. Sie sind schlechthin "arm" (Lk 6,20). Keine Sicherheit, kein Besitz, den sie ihr eigen nennen könnten, kein Stück Erde, das sie ihre Heimat nennen dürften, keine irdische Gemeinschaft, der sie ganz gehören dürften. Aber auch keine eigene geistliche Kraft, Erfahrung, Erkenntnis, auf die sie sich berufen, deren sie sich getrösten könnten. Um seinetwillen [um Jesu willen] haben sie das alles verloren. Als sie ihm nachfolgten, da verloren sie ja sich selbst und damit auch alles, was sie noch reich machen konnte. Nun sind sie so arm, so unerfahren, so töricht, dass sie auf nichts mehr hoffen können als auf den, der sie gerufen hat. [...] Über ihnen, die um Jesu willen schlechthin in Verzicht und Mangel leben, bricht das Himmelreich an. Sie sind mitten in der Armut Erben des himmlischen Reiches. Sie haben ihren Schatz tief in der Verborgenheit, sie haben ihn am Kreuz. Das Himmelreich ist ihnen verheißen in sichtbarer Herrlichkeit, und es ist ihnen auch schon geschenkt in der vollkommenen Armut des Kreuzes.3
Menschen brauchen eine Aufgabe. Ohne Aufgabe ist das Leben fade und sinnlos. Wir fühlen uns zu nichts nütze. Darum suchen wir uns Aufgaben, ja Lebensaufgaben. Man kann bei dieser Suche aber auf falsche Gleise geraten.
Die Aufgabe, Reichtum anzuhäufen, gibt dem Leben keinen Sinn. Die Aufgabe eines Staatslenkers, sein Herrschaftsgebiet zu vergrößern, schafft Leid und Tod. Die Aufgabe, möglichst gut durchs Leben zu kommen und möglichst viel Freude zu haben, ist verständlich, aber auch selbstbezogen – vor allem dann, wenn es zur einzigen Aufgabe wird. Wirklich befriedigend sind Aufgaben, in denen man etwas für andere tut. Und die größte Ehre ist es, etwas für Gott tun zu dürfen.
6. Der Segen einer Lebensaufgabe
In all unserer Armut jedoch bekommen Christinnen und Christen eine Aufgabe. Es ist eine Lebensaufgabe: mitzubauen am Reich Gottes; der Liebesherrschaft Gottes den Weg zu ebnen (Jes 40,3).
Das dürfen alle, die jetzt schon im Reich Gottes, im Bereich seines Erdenwirkens leben: Sie dürfen am Reich Gottes mitarbeiten. Das ist nicht nur eine Ehre, sondern es macht auch Freude. Das Leben erhält einen Sinn. Was man tut, ist nicht vergeblich. Manchmal sieht es zwar so aus, als sei alle Mühe umsonst. Man sieht wenig vom Reich Gottes in der Welt. Aber: Aus dem unscheinbaren Samenkorn wächst ein Lebensbaum. Gott wirkt in der Welt auch im Unscheinbaren. Er kann es auch durch unseren Beitrag, auch wenn er uns noch so belanglos erscheint.
Der Bau wird durch unsere Mitarbeit nicht unter der Hand zu unserem Bau. Das ist die Gefahr, wenn Menschen anfangen, etwas zu bauen: Sie sind stolz ihren eigenen Bau und halten ihn schließlich für etwas Göttliches. Aber Gott ist und bleibt der Baumeister.
Darum sagte Jesus zu seinen Jüngern (Mt 6,33):
Welche Beispiele könnte es heute dafür geben, im täglichen Leben zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten und zu erleben, dass uns alles Lebensnotwendige dadurch hinzugefügt wird? Einige Beispiele:
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Dann werden euch alle [lebensnotwendigen] Dinge hinzugefügt werden.
- Zuerst für Gott da sein. Dann werden wir unseren Blick auf ihn richten statt auf unsere persönlichen Nöte. Diese werden kleiner, wenn wir sie Gott anheimstellen, und es wird uns leichter fallen, das Unverstandene anzunehmen.
- Zuerst für andere da sein. Dann werden wir aneinander wachsen und miteinander glücklich sein. Denn wer für andere da ist, findet sich selbst, spürt seine Lebendigkeit und erlebt einen tiefen Sinn in seinem Leben.
- Zuerst keine Kirche und Gemeinde für sich selbst sein, sondern eine für andere. Dann wird die Kirche und Gemeinde stark werden und überzeugend auf ihre Mitmenschen wirken.
- Zuerst keine Regierung sein, die sich um ihren Machterhalt sorgt, sondern eine, die sich um das Land und die Welt sorgt. Dann wird sie die Stimmen der Armen und Benachteiligten bekommen, die sich ihr Recht nicht durch teure Anwälte kaufen können, und die Stimmen aller Menschen guten Willens werden ihr zufallen.
- Zuerst langfristig denken und für die zukünftigen Generationen da sein. Dann wird auch unsere eigene Generation an Lebenswert gewinnen.
- Zuerst den Frieden für alle Menschen suchen, nicht nur für die befreundeten. Dann wird der Frieden sich in der Welt ausbreiten.
Wir sind eingeladen, an diesem Bau mitzubauen. Der Bau wird jetzt schon gute Früchte tragen, und er wird in der neuen Welt Gottes vollendet werden – so wie die im Frühling langsam grünenden Pflanzen ihre volle Pracht im Sommer entfalten.
* * * * *
Quellennachweise:
1 Jürgen Moltmann: Wer ist Christus für uns heute? Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994. Seite 15.
2 Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Hg. von Eberhard Bethge. Neuausgabe. Chr. Kaiser Verlag, 3. Auf. München 1985. S. 421.3 Dietrich Bonhoeffer: Nachfolge. Hg. und mit einer Einführung versehen von Peter Zimmerling. Brunnen Verlag. 3. Aufl. Gießen 2020. S. 106f.
Foto: Klaus Straßburg.

in der heutigen Bibellese war Lukas 19, 11-27 dran. Darin ist auch vom Reich Gottes die Rede, und wird sehr klar als etwas Zukünftiges beschrieben.
Der Anfang lautet: "Als sie nun zuhörten, sagte er ein weiteres Gleichnis; denn er war nahe bei Jerusalem und sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar werden." Dann folgt das bekannte Gleichnis mit den anvertrauten Pfunden.
Wie so oft gibt es also auch in der Bibel Belege für die eine wie die andere Position.
Viele Grüße
Thomas
danke für deinen weiterführenden Kommentar, mit dem du auf einen wichtigen Punkt hinweist. Das Reich Gottes ist tatsächlich beides: Es ist einerseits etwas, was sich schon jetzt entwickelt, andererseits aber etwas, was sich erst in Zukunft in voller Pracht entfalten, also vollenden wird. Beides zeigen die Gleichnisse von der von selbst wachsenden Saat und vom Senfkorn (Mk 4,26-32).
Das von dir genannte Gleichnis von den anvertrauten Pfunden weist darauf hin, dass wir mit den uns gegebenen Möglichkeiten dafür sorgen sollen, dass sich das Reich Gottes schon jetzt so weit wie möglich durchsetzt. Die Jünger Jesu meinten wohl, dass jetzt mit einem Schlag das Reich Gottes käme und die Herrschaft der Römer beenden würde. Jesus weist sie aber darauf hin, dass es so nicht läuft und dass sie selbst gefragt sind, sich zu engagieren. Das gilt auch für uns. Doch auch ohne unser Engagement ist Gottes Reich nicht am Ende, sondern setzt sich durch, dann aber eben nicht durch unser Handeln, sondern durch das anderer Menschen. Gottes Reich ist also nicht von uns abhängig (die Saat wächst von selbst), aber wir können daran mitwirken, dass es in unserem Umfeld geschieht (die uns anvertrauten Pfunde vermehren).
Wieder muss man hier zwei nur scheinbar sich widersprechende Wahrheiten zusammendenken: Gott allein setzt sich in der Welt durch, aber er will es auch durch uns tun. Wenn wir uns ihm verweigern, machen es eben andere, und wir erleben es möglicherweise nicht. Selbst Schuld!
Viele Grüße
Klaus
das Reich Gottes ist hier und jetzt auf dieser Erde.
Ich lebe im Reich Gottes seit 1982.
Frag nach Christus, dann findest Du.
Grüße Johanne, 2.4.25
da kann ich nur zustimmen: Das Reich Gottes ist bereits angebrochen. Seine Vollendung steht allerdings noch aus. Darum ist das Reich sowohl gegenwärtig als auch zukünftig - vollendet in der neuen Welt Gottes.
Viele Grüße
Klaus
LG Hildegard
vielen Dank für deine Rückmeldung. Es freut mich sehr, dass meine Texte dich aufbauen und dir gut tun. Darum geht es mir auch. Solche Rückmeldungen wie deine machen mir Mut zum Weitermachen.
Liebe Grüße
Klaus