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Was heißt "an Gott glauben"?

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Plauderei auf'm Sofa · 30 Januar 2021
Tags: GlaubeVertrauenLiebeGottessohnLeben

P l a u d e r e i   a u f ' m   S o f a
Was heißt „an Gott glauben"?
Klaus Straßburg | 30/01/2021

Hallo, schön dass du da bist! Komm rein und mach es dir bequem auf meinem Sofa. Ah, unsere Katze ist auch schon wieder da. Fühl dich ganz wie zu Hause und entspann dich, so wie die Katze.

Nein, bitte nicht einschlafen! So war das nicht gemeint. Wir wollen doch wieder locker miteinander plaudern, so wie beim letzten Mal. Damals war unser Thema „Wer oder was ist Gott?" Und für heute hatten wir verabredet, über den Glauben zu reden.

Der Glaube – o Mann, das ist ein weites Feld. Was ist der christliche Glaube? Wie soll man das beschreiben?

Ah, wir haben ja ein Glaubensbekenntnis. Das wird in vielen Kirchen überall auf der Welt noch heute gesprochen, obwohl es schon unendlich alt ist.

Ich hab mal nachgeschlagen: Die Vorform dieses Glaubensbekenntnisses geht vielleicht bis ins 3. Jahrhundert zurück, so genau weiß man das nicht. Man nennt es auch „Apostolisches Glaubensbekenntnis", weil man im 4. Jahrhundert meinte, die Apostel selbst hätten es geschrieben. Das stimmt aber nicht.

Und trotzdem heißt es immer noch „Apostolisches Glaubensbekenntnis"? Warum das denn?

Ja, so ist das bei Kirchens. Wenn es da erstmal eine Tradition gibt, dann wird man die so schnell nicht wieder los.

Aber kommen wir mal zur Sache: Da steht ja unheimlich viel drin im Glaubensbekenntnis. Alle Konfirmandinnen und Konfirmanden müssen es bei uns auswendig lernen. Ich fürchte nur, verstehen tun sie es nicht, auch wenn sie es auswendig können. Da stehen ja auch ziemlich viele schwierige Wörter drin.

Also ehrlich, man kann da auch als Erwachsener mit manchem so seine Schwierigkeiten haben: Gott, der Allmächtige – wie soll man sich das vorstellen, wo es doch auch so viele andere Mächte gibt? Jeder Mensch hat doch irgendwie Macht, und manche haben sogar ganz viel Macht. Und dann soll Gott der sein, der alle Macht auf Erden hat?

Schwierig. Und Jesus, Gottes „eingeborener Sohn" – einge-was? Eingeboren? Soll das heißen „hineingeboren"? Aber wo hinein? Eigentlich kommt man doch bei der Geburt heraus! Ehrlich, das hab ich mich früher immer gefragt – und hab's nicht verstanden.

Jedenfalls wurde Jesus angeblich "empfangen vom heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben ...". "Heiliger Geist, Jungfrau", alles schwierig ... Und "gelitten, gestorben, begraben" – gibt es von Jesus eigentlich nicht mehr zu berichten? Was hat er denn zwischen seiner Geburt und seinem Tod gemacht? Hat er da überhaupt etwas gemacht?

Also, das kann einem schon zu hoch sein. Muss man das eigentlich alles glauben, wenn man Christ sein will?

Gute Frage! Ich sag einfach mal: Nein! Jedenfalls nicht, bevor dir jemand genau erklärt hat, was das alles bedeuten soll.

Ja, was muss ich denn dann glauben, um Christ zu sein?

Also ich würde sagen: Zuerst geht es gar nicht so sehr um dies oder das, was ein Christ glauben muss. Sondern zuerst geht es darum, eine gute Beziehung zu Gott zu haben. Im Glauben geht es in erster Linie um eine Beziehung und nicht darum, ganz viele Sachen für wahr zu halten.

Aber heißt „glauben" nicht, dass man es für wahr hält, dass Gott der Schöpfer und Jesus Gottes Sohn ist?

Ja, schon. Aber ich finde, zuerst kommt im Glauben etwas anderes. „Glauben" heißt nämlich im Alten und Neuen Testament gar nicht in erster Linie „etwas für wahr halten." Sondern es heißt vor allem: „jemandem treu sein, jemandem vertrauen und ihm Glauben schenken" und in diesem Sinne „beständig und fest sein, von etwas überzeugt sein." Man merkt sofort, dass das etwas anderes ist als „eine Sache für wahr halten."

Christlicher Glaube wäre dann, dass man Gott und Jesus vertraut, dass man ihnen Glauben schenkt und ihnen, so gut man kann, treu ist. Das ist also eine echte Beziehungssache: Deine Beziehung zu Gott und Jesus soll eine Vertrauensbeziehung sein.

Naja, und dazu gehört natürlich auch, dass du Gott und Jesus für vertrauenswürdig hältst. Man kann ja nur jemandem vertrauen, von dem man meint, dass er das Vertrauen verdient hat. Du hältst es also für wahr, dass Gott und Jesus zu dir stehen und treu für dich sorgen. Aber das ist eigentlich in der Vertrauensbeziehung schon vorausgesetzt.

Ja, aber muss man nicht noch mehr für wahr halten? Zum Beispiel, dass Gott allmächtig ist und dass Jesus Gottes Sohn ist und dass er von der Jungfrau Maria ...?

Langsam, langsam. Das stimmt schon, aber ich würde mal sagen wie Magister Bömmel in der „Feuerzangenbowle": „Dat krieje mer später."

Also ein Schritt nach dem anderen. Es ist schon ein großer Schritt, wenn du Gott und Jesus für vertrauenswürdig hältst – wenn du ihnen ihre Versprechen glaubst. Wenn du glaubst, dass Gott so was wie ein supertoller Vater ist.

Aber mit dem „Vater" kann man auch Probleme haben. Manche hatten einen echt bescheuerten Vater. Keine guten Erinnerungen. Macht nichts, dann stellst du dir Gott als Mutter vor. Geht auch. Eine supertolle Mutter.

Und wenn deine beiden Eltern nicht gerade das Gelbe vom Ei waren, dann stellst du dir Gott als Freund vor – also als den allerbesten Freund, den du dir überhaupt vorstellen kannst. Jesus wurde auch Freund genannt und nannte seine Jünger Freunde. Also, das muss doch toll sein, wenn Jesus dich seinen Freund nennt, oder?

Die Beziehung stimmt jedenfalls, wenn du die Freundschaft, die Jesus dir anbietet, annimmst und Jesus dann auch deinen Freund nennst. Oder Gott deinen Vater oder deine Mutter nennst – oder alles zusammen, egal. Hauptsache die Beziehung stimmt.

Und mehr muss man nicht über Gott wissen?

Das reicht eigentlich für den Anfang. Es reicht, wenn du weißt: Ich bin total geliebt. Gott hat mich einfach so gern, dass er mit mir zusammen sein will. Nicht nur eine Zeit lang, sondern immer und ewig, also unendlich lange. Weil er mich unendlich liebt.

Vielleicht denkst du jetzt: Aber – so toll bin ich doch gar nicht!

Stimmt! Sind wir alle nicht. Aber Gott liebt uns trotzdem. So wie ein liebevoller Vater oder eine liebevolle Mutter oder auch ein herzallerliebster Freund.

Klingt nicht schlecht. Wer möchte nicht geliebt sein? Und zwar das ganze Leben lang und sogar nach dem Tod auch noch. Gott möchte also, dass wir ewig bei ihm leben.

Ja, aber da gibt's ein Problem: „Ewig leben" – das kann ich mir schon wieder gar nicht vorstellen.

Macht nichts. Das kann sich keiner vorstellen. Wir denken einfach, dass wir ewig mit Gott, dem Vater, der Mutter oder dem besten aller Freunde (egal, wie wir ihn nennen) zusammen sein können.

Also heißt an Gott glauben vor allem: ihm vertrauen. Davon überzeugt sein, dass er uns liebt und ewig mit uns zusammen sein will. Auch, wenn wir uns das nicht so richtig vorstellen können.

So kann man das wohl sagen, oder? Und wenn ein Mensch Gott vertraut, wird sich manches in seinem Leben ändern. Er wird zum Beispiel mit Gott reden. Wir nennen das beten.

Ist das schwierig? Muss man das Beten lernen?

Nein, du redest einfach drauflos – wie dir der Schnabel gewachsen ist. Du kannst mit Gott reden wie mit einem guten Freund. Oder wie mit einer verständnisvollen Mutter oder einem fürsorglichen Vater.

Okay, das klingt stressfrei. Einfach drauflos reden, wie Schnabel gewachsen. Das kann ja wohl jeder.

Aber jetzt nochmal 'ne andere Frage: Was ist, wenn ich es nicht schaffe, das immer zu glauben und so fest zu vertrauen? Also wenn ich immer wieder denke: Stimmt das alles? Gibt es Gott wirklich? Ich meine: Man weiß es doch nicht ...

Gute Frage. Und ein gutes Thema für unsere nächste Plauderei: Gibt es Gott wirklich? Ist da jemand? Woher soll ich wissen, dass er da ist?

Ja, 'ne gute Frage und 'ne schwierige. Aber auch 'ne interessante. Also, ich freu mich schon auf unsere nächste Plauderei. Wenn die Katze wüsste, was sie so alles verschläft ... Aber die stellt sich solche Fragen wie wir ja nicht. Gut jedenfalls, dass wir miteinander plaudern können. Und dass es hier so gemütlich ist auf dem Sofa.

Also mach's gut, ...

Tschuldigung ... Darf ich nochmal was fragen?

Klar doch!

Was heißt denn nun eigentlich „eingeborener Sohn"?

Ach ja, gut, dass du fragst: Eigentlich heißt es „einziggeborener Sohn". Damit ist gemeint, dass Jesus der einzige Sohn Gottes ist.

Ach so. Warum sagt das denn keiner? Aber: Können sich die Christinnen und Christen nicht alle Kinder Gottes nennen? Dann hat Gott doch ganz viele Söhne und Töchter.

Ja, das stimmt auch wieder. Aber da sag ich einfach nochmal: Dat krieje mer später. Für heute haben wir wirklich genug geplaudert. Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Also tschüss, mach's gut, und sei dabei, wenn wir weiterplaudern zum Thema „Ist da jemand?"


* * * * *




4 Kommentare
elke shweisfurth
2021-01-30 21:35:36
wenn mantief gläubig ist, dann spührt man die vertrautheit und die geborgenheit, mit gott.Ja vertrauen ist alles wenn man sie hat.
2021-01-30 21:49:00
Danke, liebe Elke, für deinen Kommentar. Ich empfinde es genauso wie du.
Petra Einloft
2021-02-06 19:22:08
Lieber Klaus,
es ist echt entspannend auf deinem Sofa (und Katzen mag ich grundsätzlich auch :-)). Nochmal so grundlegende Fragen und Antworten zu lesen, die mir sagen, dass Glauben nicht in erster Linie vom Verstehen und Verstand abhängt, sondern ein Erlebnis ist, das mir geschenkt wird, wenn ich nur offen dafür bin. Wir Menschen und durchaus auch wir Christen machen es uns selbst manchmal zu kompliziert und dann kommen die "wenns" und "abers" und die hohen geistigen und geistlichen Ansprüche. Da tut es wirklich gut nochmal zurück zum ganz einfachen Anfang zu gehen und sich einfach gesucht und gefunden zu fühlen.
2021-02-06 21:50:41
Liebe Petra,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Das macht mir Mut, noch zu vielen Plaudereien auf meinem Sofa einzuladen. Ich finde, du hast es wunderschön ausgedrückt, worum es im Glauben geht: "zum ganz einfachen Anfang zu gehen und sich einfach gesucht und gefunden zu fühlen." Genau das ist es, was ich meine, aber du hast es noch viel besser ausgedrückt. Danke dafür!

Klaus
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