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Was die Liebe tut

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 20 Juli 2022
Tags: LiebeNächstenliebe

T h e o l o g i e   t o   g o
Was die Liebe tut
Klaus Straßburg | 20/07/2022

Die Liebe fragt nicht, was sie tun soll, sondern sie tut, was sie tun muss.

Sie gibt sich keine Befehle, sondern sie gibt sich selbstverständlich hin.

Sie weiß, was sie zu tun hat. Darum sinniert sie nicht, wägt nicht ab, zögert nicht, sondern tut es.

Sie kann dabei sehr reflektiert sein. Aber die Reflexion ist noch nicht die Liebe.

Ein Gedicht von Alfred Andersch mit dem Titel Paris, 1. Mai 1977, das mir vor einigen Tagen ein Freund schickte, hat mich an das Wesen der Liebe erinnert:

sich an den händen fassen
die augen zumachen
und losrennen

daran
daß euch dieser wunsch überfällt
erkennt ihr
die ankunft der liebe

dann
dürft ihr nicht zögern

faßt euch an den händen
macht die augen zu
rennt los

Die Liebe rennt los, ohne das Risiko zu scheuen, das mit ihr verbunden ist. Spontan rennt sie los, nie allein, sondern zusammen mit dem anderen, Hand in Hand, voller Vertrauen, rennt los mit geschlossenen Augen, alles wagend, alles riskierend, aber voller Hoffnung. So bringt sie Bewegung ins Leben und erobert, indem sie rennt, die Zukunft, überraschende Orte, ein ungeahntes Leben, ein neues Sein.

Gott wird im Neuen Testament Liebe genannt. Gott ist Liebe. Er tut, was er ist, fragt nicht, zögert nicht, scheut das Risiko nicht, gibt sich ganz hin an das, was in ihm ist, was ihn ausfüllt, was ihn ausmacht.

Gott kennt keine Mauer zwischen sich und seinem Lieben, keine Bedenken, keine Ängste, keine Einwände. Er ist die Liebe, mit der er liebt, und er liebt mit der Liebe, die er ist. So ist Gott ganz bei sich. So war Jesus ganz bei sich.

Wir sind nie ganz bei uns. Aber in der Liebe kommen wir uns selbst am nähesten. Und in seiner Liebe ist Gott uns näher, als wir selbst es sind.


* * * * *


Quelle: Kati Hertzsch (Hg.): Der Frühling ist da. Diogenes Verlag, Zürich 2019. S. 150. Dort zitiert aus: Alfred Andersch: empört euch der himmel ist blau. Gedichte und Nachdichtungen 1946-1977. Diogenes Verlag, Zürich 1977.

Foto: Anja-#pray for ukraine# #helping hands# stop the war auf Pixabay





4 Kommentare
Gerhard Engel
2022-07-30 15:32:05
Guten Tag!
Ich soll Alfred Andersch widersprechen wollen? Woher sollte ein solcher Wille kommen und wozu! - Ich selber würde aber nicht einmal mit meiner Liebsten, so es sie denn gibt, von dem Wunsch überfallen werden wollen, die Augen zuzumachen und dann loszurennen. Nein! Das will ich nicht! Nicht einmal mit meiner Liebsten. Ich knall dann nach 2 Metern gegen die Tür. Oder stürz mich vom Völkerschlachtdenkmal. Oder lauf an einer vielbefahrenen Kreuzung in einen herandonnernden LKW. So viel steht fest.
Poesie ist eben gefährlich. Nicht, weil sie so schlecht wäre. Sondern, weil sie so gut ist.
2022-07-30 19:59:17
Hallo Gerhard,

du hast recht: Wir würden es nicht tun. Obwohl: Liebe kann ja bekanntlich blind machen, so dass wir die Augen gar nicht mehr verschließen müssen. Aber egal: Wer nachdenkt, verschließt vielleicht die Augen, rennt aber nicht los. Wer über die Liebe nachdenkt, auch nicht. Er denkt eben. Solange er denkt, liebt er noch nicht. Manche denken so lange nach, dass sie gar nicht mehr zum Lieben kommen. Man kann aller zerreden, sagen wir. Man kann auch alles zerdenken.

Die Poesie tut das nicht. Darum ist sie gefährlich, wie du schreibst. Die Liebe auch. Doch anders gibt es sie wohl nicht.
Hermann Bamberger
2022-08-03 12:40:29
Hallo Herr Straßburg,
vielen Dank für Ihre fantastischen Beiträge, die ich sehr gewinnbringend lese. Sie entsprechen ziemlich genau meinem "Frömmigkeitsstandard" und sind klasse. Meine kritischen Rückfragen werden immer wieder aufgegriffen, z.B. dem persönlichen Verständnis des Theodizeeproblems komme ich ganz langsam näher. Ich bin jetzt 82 und habe im Ruhestand an der Uni Marburg ca 25 Semester lang (!) als Gasthörer tiefe Einblicke und Erkenntnisse gewonnen. Mein Gottesglaube ist ziemlich "stabil".
Aber mit einer Frage komme ich nicht klar, wird auch nirgendwo thematisiert, vielleicht ist sie zu primitiv: Ist Gott nur auf dieser unserer Erde??? Es gibt ja Milliarden von Sternen, Sonnen, Sternensystemen usw. Wenn ich des Nachts gen Himmel blicke, frage ich mich: Hat sich GOTT nur UNSERE Erde als Wirkungsstätte ausgesucht? Hat sich Jesus NUR auf diesem Planeten unter Billiarden offenbart - und das war's dann? Der großé GOTT ist mit seiner Offenbarung auf ewinem winzigen Staubkorn im Universum "zufrieden"?
Hatten Sie auch mal ähnliche Gedanken? Bestimmt können Sie mir mit ein paar Gedanken auf die Sprünge helfen...?!
Herzlichen Dank und beste Grüße
Hermann Bamberger
Bad Endbach
2022-08-03 13:11:43
Hallo Herr Bamberger,

vielen Dank für Ihre freundliche und positive Rückmeldung. Das freut mich sehr! Sie können meinen Blog gern weiterempfehlen.

Zu Ihrer Frage: Wenn Gott der Schöpfer des Universums ist, dann ist er sicher nicht nur auf unserer Erde, sondern im ganzen Universum anwesend. Wir verstehen Gott ja auch als den, der das Universum nicht nur am Anfang erschaffen hat, sondern der es auch im Bestand erhält. Und weil auch unsere Erde vom Geschehen im Universum abhängig ist, wird Gott auch Planeten, Sterne und Galaxien so leiten, dass die Erde nicht durch sie in ihrem Bestand gefährdet wird - solange die Erde nach seinem Willen bestehen soll.

Eine andere Frage ist die nach Leben auf anderen Planeten. Ob es weiteres Leben im Universum gibt, wissen wir nicht. Ich habe mich auch schon öfter gefragt, was es für den christlichen Glauben bedeuten würde, wenn man irgendwann anderes Leben im Universum finden würde. Dann wäre die Frage, ob Gott sich auch den dortigen Lebewesen offenbart hat. Ich würde das auf keinen Fall ausschließen, und es wäre doch sogar eine gute Nachricht, wenn herauskäme, dass Gott seine Liebe und Gnade nicht nur uns auf der Erde offenbart hat, sondern auch anderen Lebewesen im Universum.

Aber auch wenn es nicht so wäre, würde das meiner Meinung nach der Größe Gottes keinen Abbruch tun, im Gegenteil. Denn es würde zeigen, dass wir "Staubkörner" Gott so viel wert sind, dass er sich zu uns herablässt und sich uns zu verstehen gibt - uns zugute. Der Psalm 8,5 (aufgenommen in Hebr 2,6) bringt das schön zum Ausdruck: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" Ja, was sind wir schon? Und doch vergisst Gott keinen von uns und nimmt sich unser an. Wenn wir uns das nur immer wieder vergegenwärtigen würden ...

Soweit meine Gedanken dazu. Wenn Sie noch Fragen haben, lassen Sie es mich wissen. Gern können Sie auch zu anderen Themen Ihre Kommentare abgeben!

Viele Grüße
Klaus Straßburg

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