Was die Bibel über das ewige Leben sagt

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Was die Bibel über das ewige Leben sagt

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Veröffentlicht von Klaus Straßburg in Theologie verständlich · Donnerstag 11 Apr 2024
Tags: EwigkeitTodNeuschöpfung

Was die Bibel über das ewige Leben sagt
Fünf Missverständnisse über die Erlösung der Seele
Klaus Straßburg | 11/04/2024

Das obige Foto habe ich über Ostern in der Eifel gemacht. An einer Hauswand steht das Kruzifix mit dem im Vergleich zum Kreuz sehr kleinen gekreuzigten Jesus. Und die Inschrift unter dem Kruzifix lautet:

Gelobt sei Jesus Christus + Rette deine Seele!

Diese Inschrift ist aus fünf Gründen missverständlich.


1. Selbsterlösung

Die Inschrift fordert uns auf, unsere Seele zu retten. Als ob wir das könnten! Der Retter ist doch kein anderer als Jesus Christus. Darum wird er ja auch im ersten Teil der Inschrift gelobt. Wir können uns also nicht selber retten. Wir können nur auf den Retter Jesus Christus vertrauen.

Wahrscheinlich ist das auch mit der Inschrift gemeint. Dann sollte sie das aber auch so sagen. Also wenn schon der Mensch zu etwas aufgefordert werden soll, dann bitte so:

Lass deine Seele von Jesus Christus retten!


2. Gegenwartsvergessenheit

Die Inschrift erweckt den Eindruck, als gehe es im christlichen Glauben nur um das Leben nach dem Tod. Leider ist das auch oft so verstanden worden: Das irdische Leben ist ein Jammertal, das wir nun mal durchstehen müssen. Das eigentliche Leben beginnt erst im Jenseits.

Das ist ein Glaubensirrtum. Denn das Leben an Gottes Seite beginnt schon jetzt. Es duldet keinen Aufschub auf später. Wenn man das Diesseits nur als Todestanz versteht, muss man das Leben ins Jenseits verlegen. Aber Gott will uns schon jetzt lebendig an seiner Seite haben. Und das heißt: Er will uns schon jetzt vom Todesfluch des Egoismus und der Lieblosigkeit erlösen. Er will, dass wir schon jetzt in der Liebesgemeinschaft leben, deren vollendete Gestalt wir nach unserem Tod erleben werden. Darum heißt es im 1. Johannesbrief (1Joh 3,14):

Wir wissen, dass wir aus dem Tod ins Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder [und Schwestern] lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tode.

Was dieser Vers über die gegenwärtige Weltlage und ihre Protagonisten aussagt, darüber möge sich jeder selbst seine Gedanken machen.


3. Leibfeindlichkeit

Die Inschrift ist tendenziell leibfeindlich. Denn es geht beim ewigen Leben nicht nur um unsere Seele, sondern auch um unseren Leib.

Die Trennung von Seele und Leib ist ein Relikt der griechischen Philosophie. Dort muss sich die Seele vom Leib absondern, damit der Mensch glücklich und unsterblich wird. Der Leib ist nur ein Gefängnis der Seele; die Seele aber ist das eigentlich Wichtige, das sich vom Leib befreien muss.

Das jüdische Denken, das sich im Alten und Neuen Testament ausdrückt, hat diese griechische Sichtweise nicht übernommen. Das Wort "Seele" umschreibt den ganzen Menschen, mit Leib und Geist. Darum konnte Paulus formulieren (Röm 8,11):

Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen.

An anderer Stelle hat sich Paulus ausführlicher geäußert (1Kor 15,42b-44):

Es wird gesät in Verweslichkeit, es wird auferweckt in Unverweslichkeit. Es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen.

Hier ist beides zusammengefasst: Unser natürlicher, irdischer Leib zerfällt und verwest, aber ein geistlicher, unverweslicher Leib wird auferweckt. Damit ist gesagt: Im ewigen Leben werden wir einen Leib haben – wenn auch einen anderen als den irdischen.

Was Auferweckung meint, hat Paulus im großen Auferstehungskapitel seines 1. Briefes an die Korinther bildlich umschrieben (1Kor 15,53):

Dieses Verwesliche muss anziehen Unverweslichkeit und dieses Sterbliche muss anziehen Unsterblichkeit.

Es wird also etwas geschehen mit unserem sterblichen Leben, zu dem auch unser sterblicher Leib gehört. Darum kann das ewige Leben kein total anderes Leben sein. Wenn es ein total anderes Leben wäre, würde auch der Begriff "Auferweckung" nicht passen. Denn dann wäre das ewige Leben die Geburt eines anderen Lebens und nicht die "Erweckung" des irdischen Lebens mitsamt des irdischen Leibes. Paulus spricht einmal von einer Verwandlung (1Kor 15,51):

Wir werden alle verwandelt werden.

Die Veränderung, die im ewigen Leben eintreten wird, kann man mit den beiden Begriffen "Verwandlung" und "Verherrlichung" umschreiben. Von der Verherrlichung spricht Paulus an anderer Stelle (Phil 3,21):

Jesus Christus wird unseren armseligen Leib verwandeln zu einem Leib, der seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet ist.

"Verherrlichung" bedeutet: Im ewigen Leben wird unser vergängliches Leben mitsamt seinem Leib von allen irdischen Gebrechen geheilt, mit Gott versöhnt, in die Gestalt gebracht, als die es gedacht war und die Gott gefällt, und so wird unser irdisches Leben vollendet. Es kommt zu seinem herrlichen Ziel.

Auch das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis drückt in seiner ursprünglichen Fassung die Leiblichkeit des ewigen Lebens aus. Das Bekenntnis ist sehr alt: Es geht auf ein altrömisches Taufbekenntnis aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts zurück, das im Mittelalter umgeformt wurde. Im Jahr 1971 wurden einige Formulierungen geändert, um eine einheitliche Fassung der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland herzustellen. Seitdem heißt es: "Ich glaube an [...] die Auferstehung der Toten". Doch die ursprüngliche Fassung lautete so:

Ich glaube an [...] die Auferstehung des Fleisches.

Mit der Auferstehung des Fleisches wird dem Fleisch die höchste denkbare Ehre zuteil. Der menschliche Leib ist nichts Minderwertiges gegenüber dem menschlichen Geist, und das, was man "Fleischeslust" nannte, ist nichts an sich Schändliches.

Die Leiblichkeit des ewigen Lebens ist auch ein Einwand gegen jede esoterische Spiritualisierung, die sich ein Sein nach dem Tod nur als Energien, Bewusstseinsströme, transparente Seelen oder lichtgleiche Engelwesen vorstellen kann.


4. Unsterblichkeit

Mit der Seelenvorstellung hängt auch die Unsterblichkeitsvorstellung zusammen. Man wünscht sich: Wenn schon die Materie sich unweigerlich nach dem Tod zersetzt, dann möge doch wenigstens die immaterielle Seele weiterleben. Man versteht die Seele dann als Bewusstseinskern des Menschen, der nicht stirbt, und der Tod ist für die Seele nur ein Hinübergleiten in das ewige Leben. Der Leib stirbt, aber die unsterbliche Seele erfährt den Tod nicht, sondern gleitet in ein neues Leben hinüber.

Jesus jedoch meinte nach dem Johannesevangelium, dass das Weizenkorn sterben muss, um viel Frucht zu bringen (Joh 12,24). Und Paulus sagte, dass nur das lebendig gemacht werden kann, was zuvor gestorben ist (1Kor 15,36). Es muss uns also nicht erschrecken, dass der ganze Mensch stirbt. Denn gerade dann wird auch der ganze Mensch von der Auferweckung durch Gott das Leben empfangen.

Das bedeutet nicht, dass es keine Verbindung zwischen dem auferweckten Menschen und dem gestorbenen Menschen geben wird, dass also die Identität des gestorbenen Menschen vollkommen ausgelöscht sein wird. Der Mensch wird mit dem Bewusstsein seiner selbst auferweckt werden. Aber er wird mitsamt seinem Bewusstsein verwandelt und vollendet sein. Wenn der Mensch stirbt, wird sein Bewusstsein nicht wie etwas Unsterbliches einfach weiterleben. Sondern seine ganze Identität in ihrer sündigen Gestalt wird ausgelöscht werden, und zugleich wird seine ganze Identität in einer gereinigten und vollendeten Gestalt zu neuem Leben erweckt werden (1Kor 3,15).

Des Menschen irdische Identität wird also verwandelt und verherrlicht. Das heißt, dass der ganze Mensch mit seiner verwandelten und verherrlichten irdischen Geschichte zum ewigen Leben erweckt wird. Gott wird uns bei unserem Namen rufen, und das heißt: bei allem, was wir gewesen sind, so wie er uns schon im irdischen Leben nicht als anonyme Person ruft, sondern bei unserem Namen, also als einen einmaligen Menschen mit unseren spezifischen Eigenschaften und Charaktermerkmalen (Jes 43,1). Das heißt auch, dass unsere geschlechtliche Identität gewahrt bleiben wird. Denn nicht ein neuer Mensch wird geschaffen, sondern unser leibliches Leben wird neu geschaffen.

Dafür spricht auch, dass Gott uns aus Liebe auferwecken wird. Er erweckt dieselben Menschen zum ewigen Leben, die er schon zu ihren Lebzeiten auf Erden liebte. Er liebt in Ewigkeit keine anderen Menschen als die, die er schon in ihrem zeitlichen Sein liebte. Zu ihrem zeitlichen Sein aber gehört auch ihre Leiblichkeit mit all ihren Komponenten.


5. Individualismus

Die Aufforderung, seine Seele zu retten, ist schließlich ein sehr vom neuzeitlichen Individualismus geprägter Gedanke. Denn es geht bei der Auferweckung nicht nur um mich, sondern immer auch um die anderen. Wer auf die eigene Rettung hofft, muss auch für seine Mitmenschen hoffen. Und damit sind nicht nur die engsten Angehörigen und Freunde gemeint. Ja, es geht sogar um die ganze Schöpfung. Denn die biblische Hoffnung richtet sich nicht nur auf Menschen und andere Lebewesen, sondern auf einen neuen Himmel und eine neue Erde (Offb 21,1.4f):

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. [...] Und der Tod wird nicht mehr sein. [...] Denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: "Siehe, ich mache alles neu."

Hier ist die kosmische Dimension des ewigen Lebens angesprochen. Wenn die Bibel von Himmel und Erde spricht, dann ist der ganze Kosmos gemeint. Man kann also sagen, dass sich das ewige Leben auf einer neuen Erde und in einem neuen Kosmos abspielen wird. Natürlich werden das keine Erde und kein Kosmos sein, die unserer jetzigen Erde und dem jetzigen Kosmos gleich sind. Aber sie werden ihnen auch nicht vollkommen ungleich sein.

Es gibt also Hoffnung nicht nur für die eigene Seele, sondern für den ganzen Kosmos, die ganze Schöpfung, die sich nach Röm 8,19-22 zusammen mit uns nach der Verherrlichung und Vollendung sehnt. Wer auf die eigene Rettung hofft, muss also auch auf die Rettung der ganzen Schöpfung hoffen. Er kann sich schlecht an der Verlorenheit der "Ungläubigen" erfreuen oder insgeheim über sie triumphieren und sich ihnen überlegen fühlen. Er kann wohl auch schlecht die Tiere von der Rettung ausschließen.

Weil wir soziale Wesen sind, wird das ewige Leben ein soziales Leben sein. Das hat Jesus angedeutet, indem er das Himmelreich mit einem Festmahl verglich, zu dem viele unterschiedliche Menschen eingeladen sind (Mt 22,1-14; Lk 14,15-24). Im Alten Testament ist davon die Rede, dass Gott allen Völkern ein Festmahl bereiten und sich ihnen zu erkennen geben wird (Jes 25,6-8). Dann endlich werden die Völker Gottes guten Weisungen folgen, und es wird der ersehnte Friede einkehren (Jes 2,2-5; Mi 4,1-5).

Darum ist das ewige Leben kein Leben vereinzelter und sich selbst genügender Seelen, sondern die wunderbare Liebes- und Friedensgemeinschaft derer, die Gottes Einladung dankbar angenommen haben. Und diese Menschen werden ihr Leben schon jetzt an dieser Liebes- und Friedensgemeinschaft ausrichten.


* * * * *


Verwendete Literatur:
Jürgen Moltmann: Das Kommen Gottes. Christliche Eschatologie. Chr. Kaiser / Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1995. S. 82-88.92f.

Foto: Klaus Straßburg.




5
Rezensionen
Michael Kröger
Donnerstag 11 Apr 2024
Danke für deine kompakte Erzählung verschiedener Erlösungsaspekte. Mich interessiert noch die spezielle Funktion der menschlichen Sprache in diesem Zusammenhang. Ist es denn nicht ein Wunder der menschlichen Sprachfähigkeit sich so etwas wie eine Auferstehung, eine Verwandlung oder eine Form von Erlösung vorzustellen bzw. dafür neue Geschichten zu erfinden...?

Mit herzlichem Gruss
Michael
Donnerstag 11 Apr 2024
Ja, ich denke, die Fähigkeit des Sprechens (und des Denkens!) ist eine wunderbare Sache, vor allem, wenn es darum geht, Zukunft zu antizipieren oder sich Nichtseiendes vorzustellen - eine sehr kreative Gabe. Bei der Auferstehung kommt noch hinzu, dass Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern als Auferstandener erschienen war und sie sich der Aufgabe ausgesetzt sahen, diese Vorgänge zu deuten - unter Zuhilfenahme alttestamentlicher Vorstellungen. Theologisch würde ich ergänzen, dass Gottes Geist, der in Menschen wirkt, kreative Gedanken- und Bildwelten hervorruft. Gott ist eben als der große Kreative selbst auch Grund aller echten (hilfreichen? weiterführenden? jedenfalls lebenschaffenden und liebevollen) Kreativität.

Viele Grüße
Klaus
A . Schreiber-Lindk
Freitag 03 Mai 2024
Danke, für deine gute Erklärung/ewiges Leben. Ich bin froh, daß ich mit Leib u. Seele den Vater durch Jesus sehe. Bei meinem Namen nennt.Ich grüße herzlich, Anne!
A . Schreiber-Lindl
Freitag 03 Mai 2024
Danke, für deine gute Erklärung/ewiges Leben. Ich bin froh, daß ich mit Leib u. Seele den Vater durch Jesus sehe. Bei meinem Namen nennt.Ich grüße herzlich, Anne!
Freitag 03 Mai 2024
Das ist wirklich ein Grund, froh zu werden!

Viele Grüße
Klaus
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