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Von Schabernack nach Leidhecke

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie mit Humor · 11 November 2021
Tags: FreudeBibel

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Von Schabernack nach Leidhecke
Klaus Straßburg | 11/11/2021

Gestern habe ich Schabernack kennengelernt. Ein Schabernack ist ein Streich, den man einem anderen spielt. Schabernack ist aber viel, viel mehr. Zum Beispiel ein Dorf im Bergischen Land.

Wie gesagt, gestern habe ich Schabernack kennengelernt. Ich war nämlich dort. Und ich will euch nicht vorenthalten, was ich dort gesehen habe.

Es gibt ganz unterschiedliche Schabernacker. Schabernack-Fleißige ...



... Schabernack-Kreative ...



... Schabernack-Rechte ...



... Schabernack-Leisetreter ...



... und Schabernack-Wilde:



Manchmal malen sich die Schabernacker merkwürdige Wörter auf die Straße ...



... oder geheimnisvolle Zeichen:



Aber vor allem scheinen die Schabernacker freundliche Leute zu sein. Sie erklären dem Passanten genau, was sich dort abspielt. So fand ich an einem Weidezaun folgende Mitteilung auf einem Blatt, das leider schwer zu entfalten war:



Ich zitiere:

Du hörst hier einen Ton wie ein „Schnarchen"? Das ist weder eine sterbende Kuh noch ein Wildschwein. Es handelt sich hierbei um eine Kuh mit einer angeborenen Krankheit. Sie ist trotzdem gesund und munter, weswegen es keinen Grund zur Panik gibt.

Leider war weit und breit keine Kuh zu sehen – weder eine schnarchende noch sonst eine. Ich hoffe, die schnarchende Kuh hat noch nicht das Zeitliche gesegnet. Andernfalls möge sie im Himmel gesund und munter weiterschnarchen.

Für alle, denen sich jetzt eine Frage stellt: Ja, ich glaube, dass auch Tiere in den Himmel kommen. Oder besser gesagt auf die neue Erde unter dem neuen Himmel (Offb 21,1). Jedenfalls habe ich das immer den Konfirmandinnen und Konfirmanden gesagt, wenn sie fragten, ob Tiere auch in den Himmel kommen. Es war ihnen wichtig: wegen ihres Goldhamsters oder ihres Kanarienvogels oder ihrer Katze oder was weiß ich. Und sie waren beruhigt, wenn ich ihnen sagte, dass die auch in den Himmel kommen. Und dann fängt keine Katze mehr einen Vogel (vgl. Jes 11,6-8). So jedenfalls stelle ich mir das vor. Und ohne Tiere wäre es doch irgendwie langweilig.

Schabernack hat sogar eine Bushaltestelle. Aber wahrscheinlich treiben die Schabernacker so viel Schabernack miteinander, dass sie gar keine Zeit mehr haben, ihre Bushaltestelle in Ordnung zu halten (oder die zuständige Gemeindeverwaltung anzurufen):



Nun stelle ich mir vor, wie die Schabernacker Schabernack miteinander treiben. Da geht der Schabernack-Wilde des Nachts zum Schabernack-Fleißigen, nimmt sich dessen sauber gehackte Baumstämme und kippt ihm dafür seine eigenen krummen und wilden Bretter vor die Haustür. Der wird staunen am nächsten Morgen!

Aber weil die Schabernacker eben Schabernacker sind, nehmen sie einander ihre Streiche nicht übel, sondern lachen selbst darüber. Und der Schabernack-Fleißige denkt sogar einen Moment daran, ob er sich in Zukunft eigentlich so viel Arbeit mit seinen Baumstämmen ... – aber das war wirklich nur ein Moment.

In einem unbeobachteten Augenblick schleicht sich der Schabernack-Kreative zum Schabernack-Rechten und sprüht ihm auf seine Deutschland-Flaggen ein super Graffiti mit vielen schwarzen, roten, gelben, grünen und weißen Strichmännchen, die Party miteinander feiern.

Als der Schabernack-Rechte das bemerkt, ist er gar nicht böse, sondern denkt sich einen eigenen Schabernack aus. Er geht in der Nacht zum Schabernack-Kreativen und sprüht ihm auf seine weiße Wand zwei riesengroße schwarz-rot-goldene Flaggen.

Nun haben sie beide viel zu tun: Der eine streicht seine Wand wieder weiß und stellt sich doch glatt zu all seinen Werkzeugen eine kleine Deutschland-Flagge, aber auch eine von Frankreich und vielleicht sogar noch andere. Und der andere erneuert seine Flaggen, aber wenn man genau hinguckt, kann man unten auf der gelben Fläche einige schwarze, rote, grüne und so weiter Strichmännchen sehen.

Und als das alles erledigt ist, feiern der Schabernack-Rechte und der Schabernack-Kreative gemeinsam mit all den andern Schabernackern eine Party. Und was dabei für Schabernäcke getrieben werden, das wissen nur die Schabernacker.

Die Schabernacker haben jedenfalls den meisten Menschen etwas voraus: Sie nehmen sich selbst nicht so ernst und können deshalb auch über sich lachen. Und auch über die Streiche, die ihnen gespielt werden. Und weil sie sich die nicht übel nehmen, gibt es auch keinen dauerhaften Streit in Schabernack.

Eigentlich war ich durch Schabernack ziemlich schnell durch. Schade!



Nach Leidhecke wollte ich nicht unbedingt. Das klingt so gar nicht nach Schabernack, sondern nach Ungemach. Aber irgendwie bin ich dann doch in Leidhecke gelandet.



Das erste, was ich in Leidhecke sah, war ein Gesuch:



Da fing also gleich das Leid an. Kater Kalle war verschwunden. Das hat sicher manche Tränen gegeben. Obwohl es Kater Kalle ja vielleicht gar nicht so schlecht ging ...

Aber die Leidhecker scheinen doch ziemlich besorgt zu sein – nicht nur wegen ihrer Kater, sondern auch wegen ihrer Kinder ...



... und natürlich wegen Corona:



Manchmal sieht es in Leidhecke wirklich sehr leidvoll aus:



Ich fragte mich gerade, ob der Ort, in dem wir wohnen, uns nicht doch mehr prägt als wir meinen als ich etwas Positives in Leidhecke fand: Es gibt in Leidhecke nicht nur Gottes Reich, sondern auch...



Ich weiß zwar nicht, was in Helges Reich so passiert, aber, auch wenn es an Gottes Reich natürlich nicht heranlangt, muss es ja nichts Schlechtes sein.

So baut sich doch jeder Mensch sein eigenes kleines Reich, in dem er sich wohlfühlt.

Und schließlich gab es noch zwei echte Höhepunkte in Leidhecke: Die Bushaltestelle war wirklich in gutem Zustand, ganz anders als in Schabernack ...



... und als ich gerade dachte, hoffentlich leiden die Leidhecker nicht allzu sehr, wenn sie ihre Bushaltestelle immer sauber halten müssen, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Leidhecker surfen mit High-Speed durchs Netz:



Wer hätte das gedacht? Ist also doch nicht alles nur Leid in Leidhecke. Insgeheim, wenn's keiner sieht, dann sitzen die Leidhecker vor ihrem PC und rocken die Welt ...

Apropos rocken – diese beiden Langhaarigen hier schienen überhaupt nicht zu leiden, sondern ließen es sich total gutgehen und auch durch mich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen:



Wo wir gerade bei Ortsnamen sind: Wenn man von Göttingen aus durch den Harz Richtung Halberstadt fährt, kommt man gleich hinter der ehemaligen Grenze zur DDR an den Orten Elend und Sorge vorbei. Wer diese Strecke kurz nach dem Mauerfall mal gefahren ist, weiß, was die beiden Ortsnamen bedeuten. Man hatte wirklich das Gefühl, in ein Land des Elends und der Sorge gekommen zu sein.

Da lob ich mir doch Schabernack. Dort möchte ich eher leben als in Elend oder Sorge.

Manchmal denke ich übrigens, dass wir uns Jesus vielleicht auch immer viel zu ernst vorstellen. So, als hätte er nie gelacht. Wir sollten mal umdenken.

Vielleicht hat Jesus ja mit seinen Jüngern auch mal Schabernack getrieben. Oder gewitzelt. Ja, bestimmt hat er das. Es gibt doch gar kein Leben, in dem nicht gelacht wird. Ein Leben ohne Lachen ist kein Leben. Also hat Jesus sicher mit seinen Jüngerinnen und Jüngern zusammengesessen und sie haben herzhaft miteinander gelacht.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass Jesus das eine oder andere seiner Worte mit einem Augenzwinkern gesagt hat. Zum Beispiel das Wort aus Mk 10,24f:

Ja, Kinder, wie schwer ist es doch, in das Reich Gottes hineinzukommen. Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.

Also Jesus spricht hier zu seinen Jüngern wie zu Kindern. Kinder hätten über den Satz mit dem Kamel und dem Nadelöhr wahrscheinlich laut gelacht. Sie wissen genau: Das funktioniert nicht. So kommt niemand ins Reich Gottes. Aber wie dann? Na klar, weil Gott es möglich macht (Vers 27). Könnte es nicht sein, dass Jesus den Nadelöhr-Satz augenzwinkernd und lächelnd gesagt hat?

Ähnlich könnte es mit dem Wort Jesu aus Mt 5,29f sein:

Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verleitet, reiß es aus und wirf es weg! Besser du verlierst nur ein Körperteil, als dass du ganz in die Hölle geworfen wirst. Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verleitet, schlag sie ab und wirf sie weg! Besser du verlierst nur ein Körperteil, als dass du ganz in die Hölle kommst.

Stell dir doch mal vor, Jesus sagt das mit einem Augenzwinkern. Er meinte doch sicher nicht, dass sich jemand die Hand abhacken soll – daran kann man sogar verbluten. Und wie grausam muss es sein, sich selber sein Auge auszureißen? Glaubt jemand ernsthaft, dass Jesus das wollte?

Wenn wir das wörtlich nehmen würden, dürfte es nur noch Krüppel auf Erden geben.

Wenn Jesus es augenzwinkernd sagte, meinte er vielleicht: „Wenn dir wirklich nichts anderes einfällt, dem Bösen aus dem Weg zu gehen, dann musst du dir wohl dein Auge ausreißen und deine Hand abhacken (grins). Ich schlage aber vor: Fang erstmal an, dich ernsthaft zu bemühen! Krieg dein Auge und deine Hand in den Griff! Du musst weder hingucken noch zugreifen, wenn du es nicht willst. Oder hast du dich selbst nicht unter Kontrolle? Bestimmt dein Auge über deinen Kopf und deine Hand über deinen Willen? Du willst doch Herr im Haus sein, oder (zwinker)? Dann sei endlich mutig, kämpfe und bete, damit du selbst wieder die Kontrolle übernimmst, als wären dein Auge und deine Hand nicht mehr da und könnten dich nicht mehr zum Bösen verführen!"

So kann ich mit dem Satz etwas anfangen, ohne ihm seine Ernsthaftigkeit zu nehmen. Der Theologe Klaus Berger hat geschrieben: „Jesus bringt Menschen zum Lachen und befreit sie dadurch aus dem Labyrinth ihrer Abwege." Und er schlägt vor, bei manchen Worten Jesu ein Schild aufzustellen mit den Worten: „Bitte nicht wörtlich nehmen."*

Die Ernsthaftigkeit ist dadurch nicht in Frage gestellt. Vielleicht kommt sie sogar so erst richtig zum Ausdruck. Und man kann sich Jesu Worte sagen lassen und darüber lächeln, anstatt bedrückt von dannen zu ziehen. Man kann sogar über sich selbst lachen: „Ja, eigentlich müsste ich mir jetzt die Hand abhacken. Ich will aber doch lieber versuchen, sie unter Kontrolle zu kriegen." Und dann kann man zusammen mit Jesus über seine eigenen Schwächen lachen. So wie die Leute aus Schabernack. Und am Ende feiern wir dann mit Jesus eine große Party – dann aber nicht in Helges, sondern in Gottes Reich.


* Klaus Berger: Ein Kamel durchs Nadelöhr? Der Humor Jesu. Herder Verlag Freiburg u.a., 2. Auf. 2019. Zitiert nach: PRO – Das christliche Medienmagazin.


* * * * *




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