Christsein Verstehen - Christsein verstehen

verstehen

Theologische Einsichten für ein gutes Leben

Christsein

Christsein
verstehen
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Direkt zum Seiteninhalt

Trump und die Zölle - Himmel oder Hölle?

Christsein verstehen

Trump und die Zölle – Himmel oder Hölle?
Ein satirischer Blick auf die Wachstumsideologie
Klaus Straßburg | 03/04/2024

Er hat es getan! Er hat es wirklich getan! Alles Flehen hat nicht geholfen. Jetzt sind sie da: die Zölle!

Zölle! Trumps Lieblingswort. Ein grauenhaftes Wort. Ein zerstörerisches Wort. Der Niedergang unserer Wirtschaft und unseres Wohlstands.

Doch Trump kennt keine Gnade. Er geht vor wie ein Elefant im Porzellanladen: Zölle um jeden Preis. Egal, wie viel wirtschaftliches Porzellan zerschlagen wird. Da trampelt einer alles kurz und klein, was uns lieb und teuer ist.

Trampel Trump erhebt ab demnächst 20 Prozent Zölle auf Importe aus der EU.

Das ist das Ende! Die Schlagzeilen kündigen die Apokalypse an: Beträchtliche Schäden für die Weltwirtschaft. Handelssystem wird auf den Kopf gestellt. Denn Zölle verringern das Wirtschaftswachstum. Damit geht unser Wohlstand flöten. Zölle – das ist die Hölle.

Jetzt ist es soweit: Es gibt kein Halten mehr. Wir rutschen auf einer schiefen Ebene direkt in die Hölle. Autoindustrie, Pharmaindustrie, chemische Industrie, Holzindustrie bleiben auf der Strecke. Ade, du schöne Welt. Ade, du schöner Wohlstand.

Zölle bedeuten, dass unsere wunderbaren Produkte Made in Germany in den USA so teurer werden, dass sie keiner mehr kauft. Also werden wir weniger produzieren. Also gibt es Arbeitslosigkeit. Also werden viele Menschen ärmer.

Die deutsche Autoindustrie wird in die USA abwandern und dort produzieren. Dann umgeht sie die Zölle. Die Pharmaindustrie vielleicht auch. Die Holzindustrie – weiß ich nicht. Wenn sie in die USA abwandert, fällt sie nur noch amerikanische Bäume. Die gibt's da ja genug.

Deutschland ist der zweitgrößte Exporteur von Nadelschnittholz in die USA. Da fragt sich ein Dummi wie ich, warum die Leute in den USA eigentlich Holz aus Deutschland brauchen. Haben die dort nicht genug Holz? Ein riesiges Land, dünn besiedelt, mit den Rocky Mountains und dem Yellowstone Nationalpark, mit endlosen Bergen und Wäldern – und die importieren Holz aus Deutschland??

Wahrscheinlich ist das deutsche Holz billiger als das amerikanische. Trotz des Transports über den Ozean. Oder die deutschen Fichten wachsen schneller. Oder in Amerika gibt es keine Fichten. Oder es gibt dort keine Kettensägen mehr, weil Elon Musk alle verbraucht hat ...

Oder die Amerikaner wollen einfach deutsches Holz. Die deutsche Buche ist ja weltbekannt. Sie ist der ganze Stolz des deutschen Volkes, sozusagen das Nationalsymbol unseres Landes. Die deutsche Buche gibt es eben nur in Deutschland. Genauso wie die deutsche Fichte. Vielleicht wollen die Amerikaner eben die deutsche Fichte. So wie sie auch Grönland und Panama wollen.

Ich träume von riesigen deutschen Frachtern und riesigen deutschen Containern mit riesigen deutschen Fichten. Leider gibt es immer noch Menschen, die die deutsche Fichte schlechtmachen. Und die deutschen Container und Frachter. Das geht natürlich gar nicht. O ihr Deutschlandverächter, Fichtenverächter, Frachterverächter!

Zu den Verächtern gehören auch die Ökos. Die sehen nämlich nicht ein wunderbares deutsches Containerschiff mit vielen bunten Containern drauf, sondern nur den schwarzen Rauch, der aus dem Schornstein kommt. Was für ein irregeleiteter Blick auf etwas Wunderbares ...

Und die Christen kommen dann noch mit der Bibel. Wir sollten die Erde bebauen und bewahren (1Mo/Gen 2,15) – also was denn nun, bebauen oder bewahren? Beim Bebauen bewahren, sagen dann die Neunmalklugen. Und wir sollten die Erde beherrschen (1Mo/Gen 1,28), aber nicht zerstören. Denn wenn sie zerstört ist, gäbe es ja nichts mehr zu beherrschen.

Eine zerstörte Erde wäre wirklich schlimm. Denn dann gäbe es ja kein Wirtschaftswachstum mehr. Und ohne Wirtschaftswachstum – gar nicht auszudenken! – ohne Wirtschaftswachstum bricht das ganze Wirtschaftssystem zusammen ...

Nein, nein, sagen die Ökos. Wir müssen nur das System transformieren. Denn unendliches Wirtschaftswachstum geht nun mal nicht in einer endlichen Welt. Ganz einfach weil die Rohstoffe endlich sind. Und weil wir nicht unendlich viel CO2 in die endliche Atmosphäre pusten können. Weil sich sonst das Klima irreparabel verändert. Und weil sich dann immer mehr Unwetter ereignen, die alles kaputt machen.

Aber man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen und einen Punkt machen. Mir hat noch kein Unwetter geschadet. Und außerdem: Unwetter sind doch gar nicht so schlecht für die Wirtsch... – aber sowas darf man ja heute nicht mehr sagen. Gut, dass die Politik immer noch auf Wachstum setzt. Denn wenn es kein Wachstum gibt, dann gibt es auch keinen Wohlstand. Die Industrie will natürlich auch Wachstum. Und die Bevölkerung – hat sich wohl noch nicht wirklich entschieden.

Natürlich sind alle für Klimaschutz. Also gegen CO2-Emissionen. Die müssen unbedingt runter. Aber nicht ohne Wachstum. Also nicht ohne Produktion. Also nicht ohne Containerschiffe in die USA. Denn sonst gibt es ja keinen Wohlstand mehr. Dann steht zwar irgendwann nichts mehr auf der Welt, auch nicht der Standort Deutschland, weil alles kaputt ist, aber... aber... – also wenn der Stand nicht mehr da ist, dann bleibt immer noch das Wohl ...

Besser wäre natürlich ein Wohl, bei dem der Standort erhalten bleibt und auch der Zufriedenheitsstand nicht abnimmt. Es könnte ja sein, dass wir auch ohne stinkende Containerschiffe in die USA zufrieden sein können. Dass also, wenn manche dann ihren Job verloren haben, die einen etwas weniger arbeiten, damit für die anderen auch noch etwas übrigbleibt. So entspannt man mehr und tut dabei auch noch etwas Gutes. Und wenn wir dann auch nicht mehr so viel Geld in der Tasche haben, haben wir dafür mehr entspannte Leute um uns herum.

Dann kaufen wir uns eben nicht alle fünf Jahre ein neues Auto, weil das alte mit seinen hunderttausend Kilometern nicht mehr so schön aussieht und neu sowieso immer viel geiler ist als alt. Es könnte doch sein, dass gerade die Verehrung alles Neuen eine alte Illusion ist. Und dass mit weniger Kilometern unser Leben irgendwie ruhiger wird. Es könnte doch sehr angenehm sein, mehr im Hier zu leben, anstatt ständig auf dem Weg nach Dort zu sein. Oder im Urlaub das wunderschöne Deutschland kennenzulernen, anstatt in ferne Länder zu flüchten. Das würde übrigens auch Jobs schaffen.

Mit anderen Worten: Immer mehr könnte weniger sein und weniger könnte mehr sein. Weniger Wachstum könnte sogar mehr Glück bedeuten – für uns und unsere Kinder. Denn  unsere Kinder und Kindeskinder und Kindeskindeskinder müssten dann nicht mit so vielen Unwettern und anderen schlimmen Dingen leben.

Also, da sollten wir uns schon entscheiden, was wir wollen. Nicht nur wegen der Bibelstellen, sondern auch wegen unserer Kinder und Kindeskinder.

Ach, jetzt sind wir ganz vom Thema schreckliche Zölle des Trampels Trump abgekommen. Oder doch nicht?

Also – vielleicht sind ja Zölle nicht nur schlecht. Vielleicht haben sie ja auch eine gute Seite. Weltweit weniger riesige Containerschiffe, die riesige Mengen CO2 ausstoßen. Amerikanisches Holz wird in Amerika geschlagen und amerikanische Autos werden in Amerika gebaut. Alles in der Welt wird regional produziert und konsumiert – so wie jetzt schon bei REWE regional. Keine langen Lieferwege. Keine Abhängigkeiten von anderen Staaten. Entlastung für das Klima. Ruhigeres Leben. Weniger Quantität, also Wachstum, aber dafür umso mehr Qualität – Lebensqualität.

Ach, jetzt sind Zölle also das Paradies auf Erden!? Aus der Hölle in den Himmel! So einfach ist das also?

Naja, so einfach ist es natürlich nicht. Aber vielleicht sind Zölle ja so etwas wie das Gute im Schlechten? Oder das kleinere Übel? Weil auch unsere Kinder und Kindeskinder dann bessere Lebenschancen haben? Und weil wir dann vielleicht weniger Geld in der Tasche und nicht so volle Schränke haben, aber gerade deshalb ein besseres Leben?

Wer weiß? Man wird ja mal nachdenken dürfen, auf Neudeutsch: think different. Das legt die Bibel sowieso nah: einen anderen Blick auf die Wirklichkeit werfen. Vielleicht ist es einen Versuch wert, das Gewohnte zu transformieren. Oder Trampel Trump zwingt uns nolens volens dazu. Die Idee eines Egomanen, der nichts als den eigenen Vorteil sucht, kann ja auch mal, ohne dass er es will, etwas Gutes bewirken. Oder, wie meine Eltern gesagt hätten: Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.

Fragt sich nur, ob wir uns mit diesem Korn zufriedengeben können. Es könnte ja mal – wie bei dem biblischen Senfkorn (Mt 13,31f) – ein großer Strauch daraus wachsen ...


* * * * *


Foto: Julius Silver auf Pixabay.




2 Kommentare
2025-04-13 17:45:06
Uff, das ist aber wieder viel zu lesen!

Hallo Klaus,

dass du dich an dem Begriff "Zucht" so besonders stößt, kann ich nachvollziehen. Zu Bonhoeffers Zeit war der wohl noch neutraler als heute und das, was dahinter steht, üblicher (Manneszucht, Zucht und Ordnung ...). Die damalige Generation, so wie ich sie erlebt habe, hatte davon noch mehr verinnerlicht, auch in der Kirche.

Heute wirkt dieser Begriff veraltet und überholt. Vielleicht kann man ihn je nach Zusammenhang, sinnvoll durch Disziplin, Konzentration oder Fokus ersetzen. Für ein Gedicht funktioniert das nicht, aber in der Alltagskommunikation hätte man damit positiv besetzte Begriffe zur Verfügung.

Viele Grüße
Thomas

P.S.: Ich finde es gut, auch diese herbere Seite Bonhoeffers hin und wieder in den Blick zu nehmen. Er wird mir sonst zu sehr auf den lieben Onkel Dietrich mit "Von guten Mächten wunderbar geborgen" reduziert, der außerdem im Widerstand gegen Hitler war, damit unangreifbar ist, und, weil er nicht überlebt hat und sich im Nachkriegsdeutschland nicht mehr äußern konnte, anscheinend für verschiedenste Richtungen vereinnahmbar ist.
2025-04-13 21:14:28
Hallo Thomas,

danke für deine instruktive Rückmeldung. Du hast sicher recht damit, dass der Begriff "Zucht" zu Bonhoeffers Zeiten eine andere Bedeutung hatte als heute. Wie du schon sagst: "Manneszucht", "Zucht und Ordnung"). Auch deine Vorschläge zum Ersetzen des Begriffs sind für mich weiterführend.

An deiner These von der Reduzierung und Vereinnahmung Bonhoeffers ist auch viel dran. Wohl nur wenige nehmen ihn heute so wahr, dass er als Vorbild zur Kritik untragbarer gegenwärtiger Verhältnisse verstanden wird oder sagar als Anregung, ihm in seinem konsequenten Handeln zu folgen - zumal die Folgen für uns ja weit entfernt wären von denen, die er hat ertragen müssen.

Viele Grüße
Klaus
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
verstehen
Christsein
verstehen
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Zurück zum Seiteninhalt