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Theologischer Adventskalender Mittwoch, 21. Dezember 2022

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologischer Adventskalender · 21 Dezember 2022
Tags: AngstHoffnungGotteserfahrungGotteslob

Und wenn die Katastrophen kommen und die Pechsträhnen über mich hinweggehen, wenn die Verlassenheit kommt oder wenn das Alter in meinem Leben eines nach dem anderen abbröckeln lässt, dann darf mir keine Angst mehr befehlen, in Deckung zu gehen, sondern dann gilt die königliche Verheißung, dass ich mein Haupt erheben darf, weil sich die Erlösung naht. Wer auch nur einmal diesen Triumph und diese Erlösung genossen hat, als er im finstern Tale wanderte und als die Gespenster der Schwermut und der Ausweglosigkeit ihn umlagerten, der weiß, dass gerade die Tiefe der Ort ist, wo er [Jesus Christus] uns mit seiner Nähe umfängt, und wo wir zu begreifen lernen, was ein Lobgesang sein kann.

Helmut Thielicke


Die Angst ergreift uns alle einmal. Es mögen Gefahren und Bedrohungen sein, Einsamkeit, Trauer und Todesnot, Schmerzen des Körpers und der Seele, das Alter, die Gebrechen, die Hoffnungslosigkeit – das alles macht Angst.

Wir entkommen der Angst nicht. Aber wir können ihr aufrecht begegnen, mit erhobenem Haupt. Denn wir dürfen gewiss sein: Alles, was uns Angst macht, ist nicht die ultimative Zukunft. Am Ende steht nicht die Angst, sondern Jesus Christus, der von aller Angst befreit. Er kommt auf uns zu und ist uns näher, als wir glauben.

Es gibt einen geheimen Triumph in aller Angst: Das tiefe, finstere Tal ist der Ort der Gottesbegegnung. Dort, wo kein Hahn nach uns kräht, kann es Wirklichkeit werden, dass wir Jesu Nähe erfahren. Und dort kann auch das Wunder geschehen, dass in großem Leid ein Lob über unsere Lippen kommt.


Quelle: Helmut Thielicke: Ich glaube. Das Bekenntnis der Christen. Quell-Verlag, Stuttgart 1965. S. 254f. Orthographisch angepasst an die Neue Deutsche Rechtschreibung.





2 Kommentare
Michael Kröger
2022-12-22 17:08:07
"Alles, was uns Angst macht, ist nicht die ultimative Zukunft. Am Ende steht nicht die Angst, sondern Jesus Christus, der von aller Angst befreit. Er kommt auf uns zu und ist uns näher, als wir glauben."

Hallo Klaus,

Danke für dieses so offene und ehrliche Bekenntnis von Helmut Thielicke. Es unterscheidet sich auffällig von einer heutigen Position, die nicht wie Thielicke mit "Wir" sondern mit "Ich" beginnt. So gerade Anette Kurschus in der ZEIT: " Wer glaubt, sagt "Ich". Ich glaube. .... Ich lasse mich nicht unterkriegen vom Unheil...."

Am liebsten wäre mir, wir müssten uns nicht zwischen Ich und Wir entscheiden. Das Ich ist mir häufig zu ichbezogen und das Wir klingt nicht selten auch etwas zu unverbindlich ...

Frohe Weihnachten uns allen!
Michael

2022-12-22 17:57:59
Hallo Michael,

danke für deine Ergänzung! Ich denke auch, dass das Ich immer ein Wir voraussetzt, denn niemand existiert in Absolutheit, losgelöst von allen anderen, ist vielmehr von den anderen abhängig und zugleich von sich selbst ein Stück weit befreit. Umgekehrt gibt es das Wir nur als Zusammensein mehrerer Iche, die sich entschieden haben, nicht für sich allein zu bleiben, sondern eine Wir-Gruppe zu bilden.

Es wäre spannend, einmal über das Wir als Einheit - nicht nur als Zusammensein - von Ichen nachzudenken.

Ich wünsche ein segensreiches Weihnachtsfest, in dem du die Kraft des Wir spürst
Klaus

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