Theologischer Adventskalender Mittwoch, 1. Dezember 2021

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Theologische Einsichten für ein gutes Leben

Christsein

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Theologischer Adventskalender Mittwoch, 1. Dezember 2021

Christsein verstehen
Veröffentlicht von Klaus Straßburg in Adventskalender · Mittwoch 01 Dez 2021
Tags: Trinität

Das eigentliche Anliegen der Rede von der „Dreieinigkeit" ist doch wohl dies, dass uns gesagt wird: im Sohn und im heiligen Geist begegnet uns wirklich Gott; nicht nur ein bisschen etwas Göttliches, nicht nur ein Funke göttlichen Feuers, sondern Gott selbst, ganz und ungeschmälert Gott. Wir dürfen Gott also nicht noch hinter Jesus Christus und hinter dem heiligen Geist suchen als das unbekannte Etwas, von dem diese bloß zeugen, bloß einen Abglanz vermitteln. [...] „Dreieinigkeit" will also das Wunder umschreiben, das sich ereignet hat: Gott ist nicht nur als der Vater in himmlischer Herrlichkeit für sich geblieben, sondern als Sohn zu uns getreten, um uns zu retten, und als heiliger Geist in unsere Herzen eingedrungen, um allen Trotz zu überwinden, und immer ist es der eine, gleiche, ganze Gott.

Eduard Schweizer


Die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes steht in dem Ruf, eine theologische Konstruktion zu sein, die für unseren Glauben nichts austrägt.

Ich halte das Gegenteil für richtig. Denn die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes bringt Gottes Geschichte mit uns auf den Punkt: Gott in seiner ganzen Fülle hat sich uns in dem Menschen Jesus von Nazareth gezeigt, und Gott in seiner ganzen Fülle will in uns wirken und uns zu neuen Menschen machen – nicht erst irgendwann einmal, sondern schon jetzt.


Quelle: Eduard Schweizer: Einübung im Glauben anhand des Heidelberger Katechismus. Vadian Verlag St. Gallen 1953. S. 23f. Orthographisch angepasst an die Neue Deutsche Rechtschreibung.




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Rezensionen
Mittwoch 01 Dez 2021
Hallo Klaus,

naturwissenschaftlich-technisch Interessierten und Tätigen widmete ich die oben anklickbare Seite über die Dreifaltigkeit, mit der sie vielleicht besser zurechtkommen als mit den üblichen theologischen Darstellungen dieses nicht einfachen Themas.

Viele Grüße
Hans-Jürgen
Mittwoch 01 Dez 2021
Hallo Hans-Jürgen,

das Thema ist sicher eins der theologisch schwierigsten. Es rührt tatsächlich, wie du auf deiner Seite sagst, an das Geheimnis Gottes. Dass naturwissenschaftlich Interessierte nicht gern vom Geheimnis sprechen, ändert meiner Meinung nach nichts daran, dass z.B. die Natur voller Geheimnisse ist (manche Naturwissenschaftler haben das auch erkannt).

Aber nicht nur die Natur ist voller Geheimnisse, auch jeder Mensch ist ein Geheimnis, und zwar nicht nur naturwissenschaftlich betrachtet: Sein Wesen ist von uns undurchdringlich, so gut wir ihn auch kennen, und er wird niemals von uns ganz begriffen, ganz erfasst, ganz erforscht sein. Das wäre auch schlimm, denn dann wäre er kein Mensch mehr, sondern ein von uns handhabbares, vollständig erkanntes Ding.

Im Alten Testament wird übrigens, wie du sicher weißt, vom Lieben als Erkennen gesprochen. Nur die Liebe erkennt den anderen - und wahrt dabei seine Würde und sein Geheimnis.

Wenn schon Menschen ein Geheimnis sind - wie sollte es bei Gott anders sein? Wie sollten wir ihn so erkennen, dass er für uns handhabbar ist?

In der Bibel gibt es zwar keine ausgearbeitete Trinitäts-LEHRE. Aber die Bibel hat die Christenheit zur Ausbildung dieser Lehre geführt. Denn Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist werden in der Bibel voneinander unterschieden und zugleich miteinander gleichgesetzt. Das hat der Christenheit zu denken gegeben.

Es bedeutet jedenfalls auch: In Jes...
Hans-Jürgen Caspar
Mittwoch 01 Dez 2021
Hallo Klaus,

danke für Deine ausführliche Antwort.

Dass die Natur voller Geheimnisse steckt, weiß ich und auch, dass viele Naturwissenschaftler und Techniker sich dessen bewusst sind.

Nur gehen sie anders mit Geheimnissen um als Theologen. Diese lassen Geheimnisse auf sich beruhen und konstatieren lediglich, dass es sie gibt. Um von ihnen reden zu können, verwenden sie eine religiöse, bildhafte Sprache. Blitz und Donner waren lange Zeit Zeichen göttlichen Zorns, und der Regenbogen war ein Friedenssignal des Schöpfers am Ende der Sintflut. Mittelalterliche Pestepidemien, die ganze Landstriche entvölkerten, galten als Strafen Gottes - ein Glück, dass wir bei Corona und anderen, die Menschheit bedrohenden Seuchen nicht mehr so denken.

Manches Geheimnisvolle wurde unter dem Einfluss der Kirche absichtlich weiter geheimnisvoll gehalten und verdunkelt wie im Fall Galilei und schlimmer: bei der Verbrennung Giordano Brunos, der anders dachte, redete und schrieb, als offiziell erlaubt war.

Nun zu den Naturwissenschaftlern und Technikern. Wenn sie einem Geheimnis begegnen, suchen sie es aufzudecken und zu entschlüsseln. Sie fragen: Wie?, Warum?, Was?, vergleichen, ordnen, sehen Zusammenhänge oder schaffen selber welche. Sie forschen, ob das Verstandene sich nutzbringend zum Erhalt der Menschheit (neuerdings auch der Natur) verwenden lässt, oft aber auch nur zu unserer Bequemlichkeit. Ohne die wissenschaftliche Entmystifizierung des Blitzes a...
Donnerstag 02 Dez 2021
Hallo Hans-Jürgen,

vielen Dank für deine lange Antwort und die vielen Hinweise darauf, wie naturwissenschaftlich Arbeitende mit Geheimnissen umgehen. Ich möchte nochmal auf den Begriff „Geheimnis“ zu sprechen kommen, denn ich glaube, dass wir darunter Unterschiedliches verstehen.

Ich verstehe unter einem Geheimnis etwas, was sich durchaus erkennen lässt, aber doch im Letzten nicht von uns verstanden werden kann. Ich will versuchen, das auf ein Naturphänomen zu beziehen. Einen Vogel z.B. können wir sezieren, röntgen, filmen, seinen Flügelschlag analysieren, sein Verhalten ergründen, seine Intelligenz untersuchen, seinem Verhalten gegenüber anderen Vögeln nachspüren und vielleicht sogar seine „Sprache“ in Teilen verstehen. Nehmen wir ruhig einmal an, wir könnten all seine körperlichen Funktionen und seine Verhaltensweisen komplett erforschen, so dass wir alles über ihn wüssten. Und wenn dann jemand einen Vogel aus der Nähe betrachtet, wenn er sein Federkleid bewundert und gewahr wird, wie er bei Eis und Schnee darunter nicht erfriert, wenn er ihm beim Putzen zuschaut und sieht, dass im Regen sein eingeöltes Gefieder nicht durchnässt wird, wenn er ihn im Frühjahr singen und mit anderen Vögeln kommunizieren hört – dann ist dieser Vogel plötzlich ein unergründliches Geheimnis für ihn, und keine Forschung der Welt kann dieses Geheimnis lüften.

Ich weiß nicht, ob dadurch deutlich wird, was ich meine. Aber noch viel mehr als ein Vog...
Freitag 03 Dez 2021
Guten Tag, Klaus,

danke für Deine Ergänzungen zum Thema "Geheimnis" aus Deiner Sicht. Ich glaube, wir liegen gar nicht so weit auseinander. Deine Worte über den Vogel berühren mich besonders. Im Sommer fand ich im Garten auf dem Boden einen toten Grünfinken. Bevor ich ihn begrub, betrachtete ich ganz aus der Nähe sein feines schimmerndes Gefieder und weiß aus anderen Informationen einiges über die wunderbare Konstruktion und Wirkungsweise von Federn.

Dein Begriff des Geheimnisses ähnelt meiner Auffassung des Wunders, über das ich mich auf der oben anklickbaren Seite und der ihr folgenden äußere.

Bei den Geheimnissen, die uns begegnen, kann man zwischen weltlichen und geistlichen unterscheiden. Die weltlichen sind die, um deren Entschlüsselung die Wissenschaftler ringen; die geistlichen betreffen Gott.

Über Ihn kann man meines Erachtens nicht viel sagen; dazu ist er wesensmäßig zu weit von uns entfernt. Dabei hilft es mir auch nicht, dass es genüge - so verstehe ich Dich -, an Seiner Stelle auf Jesus zu schauen, weil die beiden eins sind.

Gott hat Alles geschaffen, vom kleinesten "Elementarteilchen" bis zur größten Galaxie, dazu unzählig viele Lebewesen und Lebensvorgänge, von denen Jesus nichts wusste. Für ihn waren die Sterne nach der Bibel von Gott an den Himmel gesetzte "Leuchten", und bei der Rettung der Tiere vor der drohenden Sintflut glaubte er vermutlich an die Arche Noah. Wozu er sich äußerte, w...
Hans-Jürgen
Freitag 03 Dez 2021
Ergänzung: wie ich sehe, werden die von mir gemeinten HTML-Zeichen nicht angezeigt. Deshalb beschreibe ich sie hier mit Worten. Zuerst tippt man ein: spitze, nach rechts geöffnete Klammer, Buchstabe i, nach links geöffnete spitze Klammer (alles ohne Komma wie hier), dann das kursiv Gewünschte und zum Schluss nach rechts geöffnete spitze Klammer, Schrägstrich / ("slash"), i, nach links geöffnete spitze Klammer.

Ich hoffe, das hilft.
Viele Grüße
Freitag 03 Dez 2021
Hallo Hans-Jürgen,

vielen Dank für deine langen Ausführungen. Es freut mich, dass wir sachlich nicht weit auseinander liegen, auch wenn du das, was ich Geheimnis nenne, Wunder nennst. Aber es geht ja letztlich nicht um Begriffe, sondern um Inhalte.

Was unser Wissen von Gott betrifft, sehe ich es so, dass Gott einerseits „höher ist als alle Vernunft“ (Phil 4,7), so dass wir ihn nicht zu fassen kriegen (im wahrsten Sinne des Wortes). Andererseits möchte er aber kein anonymer, unbekannter Gott bleiben und hat sich uns offenbart, damit wir ihn erkennen können: „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1Tim 2,4). Auch von der Liebe Gottes ist in der Bibel häufig die Rede, und es werden viele Geschichten über sein Handeln an den Menschen und sein Wirken in der Welt erzählt. So gibt uns die Bibel genug Stoff an die Hand, über ihn und sein Handeln nachzudenken und Erkenntnisse zu gewinnen. Letztlich aber ist es Gottes Geist und damit Gott selbst, der uns in alle Wahrheit leitet (Joh 16,13). Die Frage ist auch, wie man einem Gott vertrauen soll, wenn man gar nicht weiß, wie er eigentlich ist: wie er handelt, fühlt, denkt. Das ist sicher menschlich formuliert, aber wir können ja nur menschlich denken und sprechen. Und bei all unserer Erkenntnis bleibt bestehen, dass seine Gedanken höher sind als unsere.

Du nimmst die Bibel, wenn ich es richtig wahrnehme, sehr ernst, und das finde ich gut. M...
Freitag 03 Dez 2021
P.S. Eins hatte ich noch vergessen: Deine Seite über die Wunder werde ich mir mal merken, für den Fall, dass ich mal wieder eine Diskussion mit einem Naturwissenschaftler führen muss. Auch dafür vielen Dank!
Freitag 03 Dez 2021
Hallo Klaus,

danke u. a. für Deine Bemerkungen zum Thema "Offenbarung". Dazu schrieb ich etwas, oben anklickbar. Übrigens, falls Du daran interessiert bist, etwas zu unterstreichen, brauchst du nur das i für kursiv durch u zu ersetzen.

Viele Grüße
Hans-Jürgen

Freitag 03 Dez 2021
Vielen Dank für den Hinweis auf das Unterstreichen. Und wie wäre es mit Fettdruck? Vielleicht ein b?
Hans-Jürgen
Freitag 03 Dez 2021
b ist richtig, aber den Fettdruck hattest Du ja schon vorher.
Freitag 03 Dez 2021
In den Blogartikeln ist mir alles möglich, nicht aber in der Kommentarspalte - jetzt aber mit deiner Hilfe doch! Ich bin dir sehr dankbar.
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