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Theologischer Adventskalender Dienstag, 6. Dezember 2022

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologischer Adventskalender · 6 Dezember 2022
Tags: WeihnachtenErkenntnisGlaube

Wer vorzeitig Dogmen zu schlucken versucht, der könnte daran ersticken. Der Gott, der an Weihnachten Mensch geworden und zu uns in den vordersten Graben gekommen ist, der will auch menschlich von uns genommen werden. Der will, dass wir zu ihm sagen: "Guten Abend, wer bist du? Darf ich ein bisschen mit dir auf und ab gehen? Ich weiß nicht, mit wem ich es zu tun haben. Aber einiges an dir zieht mich an." So ähnlich mag auch der sowjetische Dichter Jewtuschenko zu ihm gesprochen haben, als er berichtete, er sei zwar kein Christ, aber einiges an Christus "gefalle" ihm. Nun, vielleicht wird Gott lächeln, weil das gar so harmlos ist. Aber sein Lächeln ist gütig, und es ist vielversprechend. [...] Ob ich es so versuche und "klein anfange"? Der Glaube an Jesus ist auch darin ganz menschlich, dass er etwas Wachsendes ist und keine perfekten Dogmengerüste voraussetzt.

Helmut Thielicke


Menschwerdung Gottes, Dreieinigkeit, Rechtfertigungslehre, Eschatologie – das alles füllt meterweise Bücherregale in den Bibliotheken. Geballtes theologisches Wissen, Gedankenarbeit von zwei Jahrtausenden. Niemand auf der Welt kann das überschauen, geschweige denn verarbeiten.

Dabei ist das Wesentliche einfach. Und das Einfache braucht keine Anhäufung von Wissen, sondern eine zarte Zuneigung: "Irgendetwas an dir zieht mich an. Darf ich dich ein wenig besser kennenlernen?"

So fängt der Glaube klein an. Und er wächst, interessiert sich, fragt, sucht und findet und sucht weiter. Er ist immer Glaube im Fluss, nichts Fertiges, kein perfektes Wissen.

Das Wissen kann dabei helfen, das Einfache nicht zu verfehlen oder zu vereinfachen. Es soll das Einfache aber auch nicht unnötig kompliziert machen. Am Ende muss immer wieder das Einfache stehen.

Denn Gott selbst ist einfach: ein Kind, ein Mensch, ein Liebender, ein Sterbender, ein Lebendiger, ein ewiger Vater und eine ewige Mutter, und gerade so an unserer Seite, für uns da, uns den Weg weisend, uns zu sich rufend, mit offenen Armen uns empfangend, immer und ewig, über den Tod hinaus.


Quelle: Helmut Thielicke: Ich glaube. Das Bekenntnis der Christen. Quell-Verlag, Stuttgart 1965. S. 128. Orthographisch angepasst an die Neue Deutsche Rechtschreibung.





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