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Ruhm und Ehre bei Menschen und bei Gott

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Veröffentlicht von in Meditationen · 17 Juli 2025
Tags: GnadeReich_GottesEwigkeitEinsamkeitVerdienste

Ruhm und Ehre bei Menschen und bei Gott
Eine Meditation gegen das Vergessen-Werden
Klaus Straßburg | 17/07/2025

An dem im Foto abgebildeten Gedenkstein kam ich auf einer Wanderung in der Gegend von Bad Segeberg vorbei. Der Stein ehrt Johannes Kühne, der die Grünanlage im Jahre 1890 begründete. Auf verschiedene Weise wird zu Recht die Erinnerung an diejenigen gepflegt, die etwas Besonderes für das Gemeinwohl getan haben. Angestoßen durch den Gedenkstein habe ich einige Gedanken über das Ehren, Gedenken und Vergessen-Werden zusammengetragen.


Ich habe keine Erholungsanlage errichtet, so dass mir ein Gedenkstein gewidmet wurde.

Ich habe nichts Herausragendes für die Öffentlichkeit geleistet und dafür ein Bundesverdienstkreuz erhalten.

Ich habe kein Unternehmen gegründet, das meinen Namen in Stadt und Land bekannt gemacht hat.

Ich bin kein exzellenter Sportler gewesen und habe keinen Titel errungen.

Ich bin nie so interessant gewesen, dass jemand meine Biografie veröffentlicht hat.

Ich habe weder einen Nobelpreis noch einen Oscar erhalten und stehe in keiner ewigen Preisträgerliste.

Ich habe auf keinem Gebiet vortreffliche Leistungen vollbracht, über die viele Menschen gestaunt haben.

Ich bin nie eine wichtige Person gewesen, über die die Medien berichtet haben.

Ich bin niemals irgendwo Präsident gewesen und dafür geehrt worden.

Ich bin nie Bundeskanzler gewesen, und kein Portrait von mir hängt im Reichstagsgebäude.

Ich bin Gemeindepfarrer gewesen, aber mein Bildnis und Name hängt in keiner Kirche aus.

Ich wurde zu keinem Kirchentag als Redner eingeladen.

Ich bin kein General gewesen, der für seine hervorragenden Militärdienste einen Orden bekommen hat.

Ich habe nicht einmal einen Orden wider den tierischen Ernst erhalten.

Ich bin kein Künstler, dessen Werke in Museen ausgestellt werden.

Ich bin kein auch nur annähernd perfekter Mensch, sondern habe andere oft verletzt.

Ich habe oft das Meine gesucht und Gott die Ehre versagt, die ihm gebührt.

Ich bin nicht berühmt und habe keinen Eintrag in der Wikipedia oder einem anderen Lexikon der Welt.

Ich werde in Vergessenheit geraten sein, wenn meine Enkel nicht mehr leben.

Aber ich habe das feste Vertrauen, dass mein Name im Buch des Lebens geschrieben steht und ich deshalb niemals von Gott vergessen sein und in Ewigkeit in seinem Reich leben werde.* Darum bitte und darauf hoffe ich.


* * * * *


* Offb 20,12-15; Mt 5,3; Lk 12,6-8; Joh 6,51; 11,25.

Foto: Klaus Straßburg.




10 Kommentare
2025-07-18 13:00:46
Hallo Klaus,

abgesehen von einer breiten Datenspur mit im Laufe der Zeit fallendem Wert und einer gewissen genetischen Spur im Buch des Lebens, von der noch nicht klar ist, ob sie weitergeht, werde ich wohl nichts hinterlassen, was zwei weitere Generationen übersteht.

Ich habe bisher ein gutes und erfülltes Leben gehabt, besser als das der meisten meiner Vorfahren und besser als das der meisten Menschen auf diesem Planeten. Dafür bin ich dankbar. Ob es so etwas wie ein persönliches Gericht und ewiges Leben, eine Wiedergeburt oder etwas anderes in der Art gibt, darüber mag ich nicht spekulieren. Ich lasse es auf mich zukommen. Mokieren will ich mich darüber auch nicht, weil ich das unfair fände gegenüber den vielen Menschen, die solche Hoffnungen brauchen, um mit ihrem leidvollen und schweren Leben zurechtzukommen, ohne völlig zu verzweifeln.

Als passende Bibelstelle zitiere ich aus dem Prediger (Kohelet), Kap. 9, Vers 5-6

"Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts; sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Andenken ist vergessen. Ihr Lieben und ihr Hassen und ihr Eifern ist längst dahin; für immer haben sie keinen Teil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht."

in Verbindung mit Psalm 90, 12:

"Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."

Viele Grüße

Thomas
2025-07-18 15:36:26
Hallo Thomas,

danke für deinen ehrlichen Kommentar. Tatsächlich zweifelt unsere Vernunft wohl immer wieder daran, dass es so etwas wie ein "ewiges Leben" gibt - genauso, wie sie auch die Existenz eines Gottes bezweifelt. Aber ebenso lässt es sich bezweifeln, dass es beides nicht gibt. Die Worte aus Prediger 9, die du zitierst, drücken die alttestamentliche Sicht auf den Tod aus. Der Glaube an ein ewiges Leben bei Gott taucht im Alten Testament nur ganz am Rande in späten Texten auf. Allerdings scheint laut Psalm 90 die Klugheit oder Weisheit vom Wissen um den eigenen Tod abzuhängen. Das müsste man mal näher bedenken.

Mir fielen beim Lesen deines Kommentars die Worte ein, mit denen der Journalist Heribert Prantl, ein bekennender Katholik, sein sehr lesenswertes Buch "Den Frieden gewinnnen - Die Gewalt verlernen" (Wilhelm Heyne Verlag, 3. Aufl. München 2024) beschließt und die ich gerade gestern gelesen habe (S. 229f):

"Frieden stiften - das geht nicht ohne Glaube: Frieden braucht das Vertrauen in die Möglichkeit des Unmöglichen, den Horizont über die Gegenwart hinaus, die Utopie jenseits des Hier und Jetzt. Frieden stiften: Das ist die Hoffnung gegen den Augenschein und das Wissen von der Kraft des Wortes. Glaube ist nicht irrational, er ist eine Rationalität, die weiß: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und die Wirklichkeit mehr als das, was wir jetzt sehen."

Vielleicht ist es ja sehr eingeschränkt, dass es uns (ich schließe mich nicht aus) - bedingt durch einen einseitig auf das empirisch Nachweisbare konzentrierten Rationalismus - so schwer fällt, als Wirklichkeit mehr als das anzuerkennen, was wir sehen können, obwohl die ganze Wirklichkeit viel mehr sein kann.

Viele Grüße
Klaus
Michael Kröger
2025-07-18 22:11:41
Bevor wir - ob nun getröstet oder nicht - unser späteres Vergessenwerden bedauern, können wir zum Glück noch die Gnade unserer Dankbarkeit spüren. Je älter ich werde, desto dankbarer bin ich, dass ich bis heute hin so habe leben dürfen wie ich lebe. Vielleicht ist diese Einstellung ganz typisch für meine/unsere Boomer-Generation. Wir profitierten und profitieren sehr viel von den mühevollen Leistungen unserer Eltern und den vielen anderen vor uns. Wovor schämen wir uns eigentlich wenn wir uns dieses eingestehen? Wie vielen müsste ich zum Beispiel danken, die mir vor zwei Jahren zu einer neuen erfolgreichen Herz-OP verhalfen? Statt zu klagen, dass in Zukunft die bisherigen sehr guten Zeiten für sehr viele weniger gut werden, sollten wir uns bemühen anderen etwas von unserer Dankbarkeit - in welcher Form auch immer - zurück zu geben .
2025-07-19 11:01:56
Hallo Michael,

vielen Dank für deinen Beitrag mit dem Akzent auf der Dankbarkeit. In der Dankbarkeit drückt sich das Einssein mit dem eigenen Leben, so wie es mit Freude und Leid verlaufen ist, aus, also der Friede mit sich selbst, der man in seiner Lebensgeschichte war und geworden ist. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen. Mir geht es dabei wie dir, dass ich desto dankbarer bin, je älter ich werde. Ich verdanke dieses Empfinden tatsächlich meinen Eltern, aber auch vielen anderen Menschen und auch den äußeren Umständen, die es zum Beispiel mit sich brachten, keinen Krieg erleben und unter keiner schweren Krankheit leiden zu müssen.

Ich weiß aber, dass ein solch "gutes" Leben nicht allen Menschen beschieden ist. Es ist wohl sogar, global gesehen, eher eine Ausnahme. Umso wichtiger finde ich deinen Gedanken, anderen etwas von unserer Dankbarkeit oder von dem Guten, das wir erleben durften, zurückzugeben.

Bei alldem bleibt für mich immer noch die Frage nach der Zukunft, auch der Zukunft eines "guten" Lebens. Vielleicht ist es merkwürdig, aber ich trage von Jugend an in mir das starke Gefühl, dass ein Leben, das im Nichts des Todes endet (also im absoluten Verschwinden der Person, so dass nichts von ihr bleibt), keinen Sinn hat. Die Vorstellung von keinem noch so guten Leben konnte mich darüber beruhigen, dass am Ende der Tod, das Verschwinden, Nicht-sein und Vergessen-sein, steht. Den einzigen Trost in dieser Lage fand und finde ich im christlichen Glauben. Darum bin ich auch für diesen Glauben unendlich dankbar. Ja, er ist sogar das Element in meinem Leben, das ich am wenigsten missen möchte.

Dankbar sein, auf Gottes Gedenken vertrauen und anderen etwas zurückgeben schließen sich nicht aus, sondern ein. Ich finde, Heribert Prantl hat das in den Worten, die ich in meiner Antwort an Thomas Jakob zitiert habe, sehr schön ausgedrückt.
Schreiber-Lindl
2025-08-03 19:51:01
Der letzten Antwort Deines Beitrages lieb Klaus, der Dankbarkeit, stimme ich voll zu. Bin ich ganz konform. Danke für deine Gedanken, Anne!
2025-08-03 20:06:13
Sehr gern, liebe Anne!
Johanne
2025-08-04 13:44:26
Lieber Klaus,
Leid führt zu Gott! Im Leid sucht der Mensch eher nach Wahrhaftigkeit. Mit Wahrhaftigkeit Bibeltexte lesen ist der Weg zu Gott. Unser Wohlstand gibt dem Individuum zu viele Ausreden und die Möglichkeit zum Selbstbetrug, siehe Calvin.
„Gott bewahre mich vor leichtem guten Leben“ so ähnlich lautete mal ein Spruch. Die Beziehung zu Gott suchen ist Auftrag für jedes Leben. Wer es nicht tut, lebt auch bleibt aber unzufrieden! Irgendwann übernimmt Gott die Leitung deines Lebens und Du sammelst dir Schätze im Himmel.
Alles Gute Johanne, 4.8.25
2025-08-04 15:02:43
Liebe Johanne,

Leid kann wirklich einen Weg zu Gott ebnen, das sehe ich auch so, und Wohlstand kann dazu führen, Gott zu vergessen, ist jedenfalls nicht notwendig ein Indikator für Gottes Segen.

Viele Grüße
Klaus
Johanne
2025-08-05 10:06:16
Klaus, wer nach Gott fragt findet den Weg! Wer nach Ruhm fragt geht am Evangelium – AT und NT! - vorbei!
„Indikator für Segen“ sind die Schätze im Himmel!
Grüße Johanne, 5.8.25
Johanne
2025-08-05 10:08:33
Diese Schätze kennt die Welt nicht, Gott gibt sie!
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