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Revolution im Garten

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Veröffentlicht von in Theologie to go · 10 August 2021
Tags: SchöpfungParadiesNachhaltigkeitTierwohlFreude

T h e o l o g i e   t o   g o
Revolution im Garten
Klaus Straßburg | 10/08/2021

Wir haben einen kleinen Garten. Den habe ich immer – wie es sich gehört – nein, nicht auf 2 Zentimeter Länge, sondern auf etwa 5 Zentimeter abgemäht. Das war schon ziemlich revolutionär in unserer Nachbarschaft. Außerdem habe ich den Rasen immer etwas länger wachsen lassen. So musste ich nicht so oft mähen. Das war dann noch revolutionärer, wenn der Rasen etwa 10 Zentimeter lang war oder mehr, bevor ich ihn wieder mähte.

Aber dieses Jahr kam ich auf eine besondere Idee. Beim ersten Mähen sah ich nämlich, dass da an manchen Stellen viele schöne Blumen sprießten. Die fand ich so schön, dass ich sie gar nicht abmähen mochte. Also ließ ich sie stehen, mitsamt dem Rasen um sie herum. Ungefähr die Hälfte unseres Rasens war nun nicht gemäht.

Das war nun wirklich unglaublich revolutionär.

Und was geschah? Nach kurzer Zeit sprossen weitere Blumen an den nicht gemähten Stellen. Als die ersten Blumen verblüht waren, gab es schon viele neue in anderen Farben. Und als die verblüht waren, wieder neue. Und die Gräser wurden immer länger und färbten sich braun. Seitdem bewegen sie sich sanft im Wind, was richtig schön aussieht. Und unser Garten hat viele neue Farben hervorgebracht, was wir ihm zuvor gar nicht zugetraut hätten.

Aber die eigentliche Revolution ist eine ganz andere.

Seit viele Stellen unseres Rasens nicht mehr gemäht sind, gab es eine Migration – nein, eine wahre Völkerwanderung von fliegendem Getier in unseren Garten. Es summt und flattert an allen Ecken und Enden – auch da, wo vorher nur Rasen war. Es ist eine wahre Freude, dazusitzen und nur zu schauen und zu hören. Auch die Grillen sind bei uns eingezogen und zirpen im hohen Gras ihr Lied. Sogar ein zersprengter Ableger von Honigbienen hatte sich in unserem Garten eingerichtet. Wir haben die Bienen von einem Imker retten lassen.



Und was glaubt ihr, was die Nachbarn tun?

Sie sagen: „Ihr habt aber schöne Blumen in eurem Garten!" Und man kann beobachten, dass es in der Nachbarschaft hier und da (etwas verschämt) Stellen auf dem Rasen gibt, die – gar nicht abgemäht wurden! Kaum zu glauben, was eine friedliche Revolution bewirken kann!

Nach der zweiten Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments legte Gott einen Garten an und ließ allerlei Bäume in ihm wachsen. Man darf annehmen, dass es nicht nur Bäume waren, die dort wuchsen, und dass Gott auch nicht spätestens alle 14 Tage den Rasen mähte.

Gott, dieser wahre Revolutionär, hatte diesen Garten nicht nur für sich selbst geschaffen. Sondern in diesen Garten setzte er den Menschen, damit er ihn bebaut und bewahrt (1Mo/Gen 2,8f.15). Der Garten – unsere Welt – ist zu unserer Freude da.

In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments steht an dieser Stelle das Wort parádeisos. Das heißt „Garten, Park". Daher kommt unser Wort „Paradies". Unsere Welt ist ein paradiesischer Garten.

Aber wie sollen wir die Güte dieses Gartens wahrnehmen, wenn wir ihn nicht wachsen lassen?

Es ist wohl so: Was in unserem Garten im Kleinen geschieht und so viel Freude macht, kann in der Welt auch im Großen geschehen – wenn wir den Geschöpfen Gottes ihren Raum lassen.

Das erfreut nicht nur Gott, sondern auch Tiere und Menschen.




* * * * *





12 Kommentare
Jochen
2021-08-11 17:24:01
Hallo Klaus,
ja, das ist es, "think globally, act locally" wusste schon der Folk-Sänger Pete Seeger zu sagen. Unser Garten sieht stellenweise ähnlich aus. Kein groß inszeniertes Weltrettungs-Woodoo, einfach einzelne Bäume und Tiere retten und sich über alles freuen, das wachsen will. In unserer damaligen Mietswohnung in Dresden wuchs in einem Balkon-Blumenkasten ein kleiner Trieb durch Samenanflug, heute steht er in unserem Garten als ca. 5 m hohe Birke und gibt uns lichten Schatten .. "Es ist wie ein Senfkorn, das ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und wurde zu einem Baum und die Vögel des Himmels nisteten in seinen Zweigen." (Lk 13,19)



2021-08-11 22:23:15
Viele Geschöpfe Gottes finden ihren Raum im Schlachthaus. )-:
2021-08-12 21:22:49
Hallo Jochen,

schön, dass ihr eine ähnliche "Gartenphilosophie" (oder "-theologie"?) pflegt. Leider habe ich die erst in diesem Jahr entdeckt. Dem Satz "think globally, act locally" stimme ich auch zu. Ich denke, man kann ihn nicht nur auf den eigenen Garten oder Balkon beziehen, sondern auch auf die Lokalpolitik. Denn viele Aspekte dieser Gartenphilosophie bzw. -theologie lassen sich nur politisch durchsetzen. Bei uns jedenfalls gibt es seit diesem Jahr kommunale Flächen, in denen Wildblumen eingesät wurden. Darüber freuen sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Insekten. Leider mangelt es bei uns noch an Radwegen. Da ist politisch noch viel Luft nach oben.
2021-08-12 21:40:43
Hallo Hans-Jürgen,

danke für deinen verlinkten Artikel. Zu der dort beschriebenen Auffassung, Tiere würden nicht leiden, kann ich nur sagen: "Schau doch mal hin!" Ich halte es für möglich, dass es von der evang. Kirche auch schon Stellungnahmen dazu gibt, muss aber gestehen, dass ich darüber nicht informiert bin. Im Internet ließe sich vielleicht etwas finden.

Ich esse seit vielen Jahren kaum noch Fleisch, eigentlich nur, wenn ich irgendwo eingeladen bin und es nichts Vegetarisches gibt. Leider gibt es immer noch viel zu viele Fleisch essende Menschen, aber es werden mehr. Von daher gibt es tatsächlich Hoffnung. Und bestimmt wird der Geist Gottes auch noch mehr Christinnen und Christen überzeugen.

Interessant fand ich deine Beobachtung, Paulus habe Fleisch gegessen. Kannst du mir die Bibelstelle dazu nennen? Leider ist sie mir nicht präsent.

Viele Grüße
Klaus
Hans-Jürgen Caspar
2021-08-12 22:17:19
Hallo Klaus,

ich schließe das aus 1Kor8, wo es um das Essen von Opferfleisch geht, insbesondere aus V.13, der in der Luther-Übersetzung lautet: "Darum, wenn Speise meinen Bruder zu Fall bringt, will ich nimmermehr Fleisch essen, ..."

Viele Grüße
Hans-Jürgen


2021-08-13 10:40:21
Hallo Hans-Jürgen,

jedenfalls sagt der Vers, dass Paulus nicht am Fleischkonsum hängt und bereit wäre, ihn aufzugeben, was für viele Menschen wahrscheinlich keine Option ist.

Beim Götzenopferfleisch, das in 1Kor 8 das Thema ist, geht es um Fleisch von solchen Tieren, die als Opfer für einen heidnischen Gott geschlachtet wurden. Danach wurde das Fleisch bei einer Mahlzeit verzehrt, durch die man den heidnischen Gott verehren wollte. Was übrig blieb, wurde auf dem Fleischmarkt neben anderem Fleisch verkauft. Da Christen in den hellenistischen Ländern auch Heiden als Nachbarn hatten und von diesen manchmal zum Essen oder zu einer Feier eingeladen wurden, war nicht klar, ob das angebotene, auf dem Markt erworbene Fleisch von einem Tier stammte, das ursprünglich dem heidnischen Gott geopfert worden war. Das war manchen Christinnen und Christen ein Anstoß. Sie wollten kein Fleisch eines Tieres essen, das einem heidnischen Gott als Opfer dargebracht worden war. Paulus rät, lieber auf den Fleischkonsum zu verzichten, als einen Mitchristen, der das beobachtet, in Gewissensnöte zu stürzen - auch wenn Christinnen und Christen die Freiheit haben, alles zu essen. Die Liebe gegenüber dem Mitchristen ist Paulus aber wichtiger als ein Ausleben der christlichen Freiheit, also der rechten christlichen Erkenntnis. Liebe geht vor Erkenntnis.

Für die Gegenwart würde ich daran festhalten, dass Freiheit nicht Beliebigkeit bedeutet und sich sehr wohl im freiwilligen Verzicht äußern kann. Für den Fleischkonsum würde das bedeuten, dass man sich die Freiheit bewahrt, auf Fleischkonsum um des Tierwohls willen zu verzichten und nicht sein Herz daran hängt - wie überhaupt an nichts Weltliches.

Viele Grüße
Klaus
2021-08-13 14:46:57
Hallo lieber Klaus

soso ... "Wir haben die Bienen von einem Imker retten lassen." :-)

Die Wahrheit ist wohl eher mit dem Wort "ägyptische" Sklaverei gleichzusetzen.
Ich als Biene arbeite den ganzen Tag für ein qualitativ höherwertiges Leben und werde dann vom Sklavenhalter alias Imker mit dem Mindestlohn abgespeist. 90% für den Imker 10% für die Bienen.
Da bin ich nur froh, dass mein Gott nur 10% von meinen Einnahmen haben will ...
Nur so ein Gedanke zum Thema Mensch, Ausbeutung und Gewissen.

2021-08-13 14:58:44
Hallo Pneuma,

vielen Dank für deinen Kommentar. Meine Aussage bezog sich darauf, dass die Bienen Honigbienen waren, die aus einem Bienenstaat ausgebrochen sind, ohne ihn aber wohl nicht lebensfähig waren. Sie wären (nach Auskunft des Imkers) ohne Hilfe gestorben wären, weil es zu wenige waren, um einen eigenen Staat zu bilden. Sie seien schon sehr schwach gewesen. Das stimmte mit unseren eigenen Beobachtungen überein.

Ich kenne mich aber selbst mit der Materie nicht aus, auch nicht damit, dass man ihnen den von ihnen produzierten Honig wegnimmt. Wenn du mehr darüber weißt, würde mich das sehr interessieren. Tut es den Bienen weh, dass man ihren Honig stiehlt? Verringert das ihre Lebenschancen? Beutet man sie damit aus? Würden sie weniger arbeiten, wenn man ihnen den Honig lassen würde? Oder ist es eher wie bei einer Kuh, die man melken kann, weil die Milch eben da ist? Entschuldige bitte meine Unwissenheit, aber das ist nicht mein Gebiet 😷.

Wenn du mehr darüber weißt, lass es mich wissen!
2021-08-14 10:11:31
Hallo Klaus,

lieber lass ich dich die Antworten selbst herausfinden, dann ist die Tiefe, Wirkung und Reichweite viel viel grösser. Daher will ich deine Fragen noch um ein paar Fragen erweitern.

Seit wann gibt es Kühe die von "Natur" aus ständig Milch geben? Kann es sein, dass wir unsere Milch durch maximale Zwangsschwängerungen erhalten? Kann es vielleicht sein, dass uns das nicht stört, da wir das mit Tieren machen, aber niemals mit unseren Menschen somit Frauen machen könnten? Was gibt uns das Recht Tiere respektlos und lieblos zu behandeln? Nicht als Mit-Lebewesen, sondern als rechtelose Sache, meinem Preis, wie man es bei Sklaven kennt, denen man die Freiheit entzogen hat. Wie ist das mit dem Thema: Verantwortung, Liebe, Zufriedenheit, Bescheidenheit, Rücksicht, Demut, ... ?

Kein Wunder, dass es etliche Tiere gibt, die davon überzeugt sind, dass Sie unter der Herrschaft des Satans und seiner vielen Dämonen leben, in dem Fall von menschlichen Dämonen.


Davon völlig unabhängig ...
Ja, so ein kleiner Vorgeschmack vom Paradies, auch wenn dies zur Zeit noch als eine unvollkommene Illusion daher kommt, ist schon etwas Schönes.
Da kann ich dir nur zustimmen. Es ist definitiv ein Grund sich daran zu erfreuen.
2021-08-14 11:50:19
Hallo Pneuma,
deine Fragen sind natürlich berechtigt und ich stimme der Kritik, die sie beinhalten, voll zu.
Jochen
2021-08-14 21:01:33
Hallo Klaus,
es geht bei uns los mit der Krokus-Blüte im Frühjahr. Ist die Blüte vorbei, bleibt ein Büschel, den ich nicht wegmähe, damit der Krokus möglichst lange Kraft durch Photosynthese sammeln kann fürs nächste Jahr. Kaum fliegen dann die ersten Hummeln, will man ihnen die ersten Blüten nicht nehmen. Und so könnte man weitermachen durch das ganze Gartenjahr. Allerdings wollen wir unseren Garten auch nutzen, und müssen schon sehen, dass wir Unkräuter von Essbarem trennen: Rosmarin, Thymian, Minze (Minze gebrüht und kaltgestellt, mit kaltem Wasser und einem Schuss Zitronensaft ist ein herrliches Erfrischungsgetränk im Sommer). Wir behaupten dafür nicht, dass wir im Gegensatz zu unseren Nachbarn einen Rasen haben, sondern eine Wiese. Ist uns auch lieber so.
Das schöne an den Wildblumen an öffentlichen Orten ist doch, dass die auch ohne Aussaat von ganz alleine gekommen wären, mit null Investitionen. Aber Nichtstun ist uns Deutschen wohl das, was uns besonders schwerfällt. Solange ökoligisches Denken subsidiär ist, gewissermassen von Herzen kommt, finde ich diesen Revolutionsgedanken gut. Ich bin allerdings dagegen, wenn man Leuten vorschreiben will, wie sie ihr Grundstück zu gestalten haben - wie es neuerdings Verordnungen gibt, die Steingärten verbieten.

Zu den Bienen in der Diskussion mit @pneuma kann ich beisteuern, dass Imker (mein Schwiegervater hatte zeitweise über 100 Völker) im Winter zufüttern und dafür sorgen, dass das Bienenvolk überlebt. Ausserdem fährt der Imker seine Völker oft genau an die Stelle, an denen gerade viele gute Blüten sind. Natürlich aus Eigennutz. Man muss auch bedenken, dass Honig ein Nahrungsmittel ist, das die Menschen seit zehntausenden Jahren konsumieren. Daher ist Honig aufgrund seiner vielen Bestandteile viel gesünder als reiner Zucker, gerade auch wenn es um Diabetes etc. geht.
2021-08-14 22:54:27
Hallo Jochen,

danke für die vielen Hinweise und Anregungen bzgl. Garten und Imkerei. Was den Garten anlangt, werde ich das mal meiner Frau vortragen. Bei uns beginnt es auch mit Krokussen neben Schnee- und Osterglöckchen.
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