Christsein Verstehen - Christsein verstehen

verstehen
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
Direkt zum Seiteninhalt

Mein Gott - Mein Bild

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 4 August 2022
Tags: GottesbildGötzenSünde

T h e o l o g i e   t o   g o
Mein Gott – Mein Bild
Ein Gastartikel von Otto Ziegelmeier | 04/08/2022

Wer ist Gott? "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde" heißt es auf den ersten Seiten der Bibel (Genesis 1,27). Wir machen ihm das nach und schaffen uns ganz fleißig Bilder von Gott. Das hat Tradition: Bereits die Israeliten bauten sich nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste einen Gott, da sie ihn eine Zeitlang nicht hörten und nicht sahen. Daher gossen sie ein goldenes Kalb, einen schönen Gott – glänzend und goldig. Zwar stumm, dafür aber pflegeleicht (Exodus 32,1–29).

Und wir? Auch wir machen uns unsern Gott, so wie wir ihn grade brauchen:

  • Den Feuerwehr-Gott, der schnell kommen soll, wenn's brennt.
  • Den Kindermädchen-Gott, der sich im Hintergrund hält und sich geräuschlos um alles kümmert.
  • Den Planierraupen-Gott, der alle Hindernisse auf dem Weg zum Glück beiseiteschiebt.
  • Den Waschlappen-Gott, der uns von Zeit zu Zeit vom Staub und Dreck des Lebens reinigt.
  • Den Drogen-Gott, der uns nach Trauer und Angst möglichst schnell wieder zur Hochstimmung führt.
  • Den Lückenbüßer-Gott, der einspringt, wenn wir nicht mehr weiter wissen.
  • Den Urknall-Gott, der einmal am Anfang alles in Gang gesetzt, sich dann aber zurückgezogen hat und nicht mehr dreinredet.
  • Den Milchstraßen-Gott, der als höheres Wesen immer irgendwo dabei sein darf, aber nichts mehr mit unserem Leben zu tun hat.
  • Den Deko-Gott, der unsere Familienfeste und Lebenshöhepunkte samt Beerdigungen feierlich macht.
  • Den Automaten-Gott, der auf Knopfdruck funktioniert, wenn man Gebet und Glaube einwirft.
  • Den Vorzeige-Gott, der in unserem frommen Leben die erste Geige spielt, aber sonst eher auf der Ersatzbank sitzt.
  • Der Müllabfuhr-Gott, der regelmäßig unseren Lebensmist entsorgt.
  • Der Immer-Liebe-Gott, der zu allem Ja und Amen sagt.
  • Der Warum-lässt-Gott-das-zu?-Gott, dem wir alles Schlimme in die Schuhe schieben.

Wetten, dass Sie mindestens eines dieser falschen Gottesbilder ziemlich gut kennen? Ich schon. Daher ist es höchste Zeit, die falschen Bilder über Bord zu werfen. Wir werden nicht von Gott enttäuscht, sondern von unseren Gottesbildern. Nicht wir sind die Schöpfer – wir sind Gottes Schöpfung. Wehe uns, wenn wir das umkehren und Gott zu unserer Schöpfung machen.

Ich wünsche uns allen die Erkenntnis, dass Gott sich wohl suchen und finden, aber nicht bestimmen lässt.

Ein Gastartikel von Otto Ziegelmeier.


* * * * *


Foto: falco auf Pixabay.





4 Kommentare
2022-08-05 11:10:16
Hallo Otto

Vielleicht ist Gott ja alles, da außerhalb von Gott nichts existieren kann.
Wenn dem so ist, dann sollten wir es nicht wagen Gott kleiner zu machen als Gott ist.
Die Reduktion wäre naiv und vor allem gefährlich und unnötig einschränkend.
Vielleicht sollten wir Gott nicht auf unseren Verstand reduzieren ...
das heißt natürlich nicht den Verstand gänzlich über Board zu werfen, auch wenn
der schon extrem klein ist.
2022-08-05 12:20:38
Vielleicht gibt es Gott ja auch überhaupt nicht, und der Mensch erschuf sich Gott nach seinem Bilde. Das wäre zumindest die einfachste Erklärung dafür, warum die Theologie immer wieder in solche Schwierigkeiten kommt. "Theologie ist die einzige Wissenschaft, bei der noch nicht einmal die Existenz ihres Gegenstands gesichert ist ." (Bertrand Russell (?))

Die Liste könnte noch ergänzt werden um

- den Patriarchen-Gott, der eine Männerherrschaft zementiert,
- den dreieinigen Gott, der Jesus und damit den Christen eine einmalige Sonderstellung sichert,
- den Offenbarungsgott, der sich nur selbsternannten Auserwählten zeigt,
- den Theologengott, der sich an Dogmatiken hält, aber nicht erfassbar ist, gleichzeitig aber dazu autorisiert, denen von ihm zu predigen, die keine entsprechende Ausbildung haben.
Otto Ziegelmeier
2022-08-08 18:47:30
Zu pneumatheou

Gott zu suchen - mit all unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten - und zu finden, ist eine wunderbare Lebensaufgabe. Und ja, dabei müssen wir uns hüten, Gott auf Funktionen zu reduzieren, das sind die von mir genannten falschen Bilder. Nicht wir schöpfen Gott, Gott hat uns erschaffen und steht zu uns und gibt uns Halt.

Das erfassen wir mit unserem Verstand. Glaub und Verstand bzw. Vernunft stehen nicht im Widerspruch. Beide ergänzen sich, - für mich. Probieren Sie es auch.
Otto Ziegelmeier
2022-08-08 18:48:11
Zu Thomas Jakob

Die These Feuerbachs, dass der Mensch sich Gott schuf, ist ebenso alt wie obsolet. „Russels Teekanne“ ist neuer, aber auch nicht konstrukiver. Ich frage mich hingegen: Was muss ich dann alles glauben, - wenn ich nicht glaube? Und viel interessanter ist doch die Überlegung: Und wenn es Gott doch gibt, - was dann?

Als Theologe und Christ habe ich keine Probleme mit Trinität und der Offenbarung Gottes. Für mich ist Gott erfassbar, spürbar mit Vernunft und Gefühl. Der Glaube gibt mir Kraft, Leid und Schmerz auszuhalten. Er gibt mir Orientierung und Halt. Ich suche nicht die Probleme, vermeintliche Widersprüche oder Zitate von Skeptikern. Ich blicke nach vorne und möchte mit meinem Glauben mein Leben und meine Welt gestalten. Denn ich weiß und habe erfahren, dass Gott zu mir steht, mir Halt und Orientierung gibt. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen von Herzen.
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
verstehen
Zurück zum Seiteninhalt