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Kirche und Pazifismus

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Veröffentlicht von in Ethik · 7 Dezember 2024
Tags: EthikKriegFriedeFeindesliebeKirchePolitik
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Kirche und Pazifismus
Ein Gastartikel von Thomas Jakob | 07/12/2024


Erich Kästner
Verdun, viele Jahre später

Auf den Schlachtfeldern von Verdun
finden die Toten keine Ruhe.
Täglich dringen dort aus der Erde
Helme und Schädel, Schenkel und Schuhe.

Über die Schlachtfelder von Verdun
laufen mit Schaufeln bewaffnete Christen,
kehren Rippen und Köpfe zusammen
und verfrachten die Helden in Kisten.

Oben am Denkmal von Douaumont
liegen zwölftausend Tote im Berge.
Und in den Kisten warten achttausend
Männer vergeblich auf passende Särge.

Und die Bauern packt das Grauen.
Gegen die Toten ist nichts zu erreichen.
Auf den gestern gesäuberten Feldern
liegen morgen zehn neue Leichen.

Diese Gegend ist kein Garten,
und erst recht kein Garten Eden.
Auf den Schlachtfeldern von Verdun,
stehn die Toten auf und reden.

Zwischen Ähren und gelben Blumen,
zwischen Unterholz und Farnen
greifen Hände aus dem Boden,
um die Lebenden zu warnen.

Auf den Schlachtfeldern von Verdun
wachsen Leichen als Vermächtnis.
Täglich sagt der Chor der Toten:
"Habt ein besseres Gedächtnis!"


Dieses Gedicht spricht für sich. Direkt mit Kirche und Glauben zu tun hat es nichts. Aber wir erleben gerade eine Zeit, die zunehmend von Krieg, Gewaltherrschaft und Terror beherrscht wird, wo Krieg wieder, wie früher zu einem Mittel der Politik wird, ob erklärt oder nicht erklärt. Selbst ehemalige Pazifisten haben ihre Positionen geändert.

Und Kirchen agieren wieder einmal nicht eindeutig. Wo sie mit der Politik verflochten sind und weltlicher Macht, der Politik also, nicht bewusst entsagen wollen, werden sie, wie schon so oft in der Geschichte, ganz oder teilweise korrumpiert. Die Worte "Wer das Schwert nimmt, der soll durch das Schwert umkommen", "Liebet eure Feinde" und "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" werden sie wohl kaum vergessen haben. Umso schlimmer, wenn sie dann zu anderen Positionen als der eines entschiedenen Pazifismus kommen.


* * * * *


Quelle: Kurt Faßmann (Hg.): Gedichte gegen den Krieg. Copyright: Kindler Verlag, München 1961. Ausgabe des Verlags Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 1971. S. 148.

Foto: Soldatenfriedhof Verdun mit Gedenkstätte Douaumont, Bernard Clarinval auf Pixabay (bearbeitet).




5 Kommentare
Johanne
2024-12-09 09:42:25
Lieber Thomas,
der Glaube ist etwas anderes als ein Gedicht: „spricht für sich.“ Wir sollen über Worte nachdenken, auch über die eines Erich Kästners.
Du, Thomas, sprichst für Dich. Den der Geprügelt, Misshandelt wird dem würdest Du ohne Hilfe lassen? Menschlichkeit trägt man im Herzen. Putin okkupiert die Ukraine, wer dieser Gewalt keinen Einhalt bietet, vergisst, dass Putin die Mentalität eines Adolf Hitlers hat.
Auch ein Pazifist greift zur Waffe, wenn er, der Pazifist, Menschen ALLGEMEIN liebt.
Dem der verlassen ist, der zu schwach ist oder in Not zeigen ich bin bei Dir, ist Nächstenliebe!
Beistehen heißt sich in Gefahr begeben. Dietrich Bonhoeffer tat dies. liebet eure Feinde sagt das AT, Christus WIEDERHOLTE das Wort, und wiederholte das Doppel-Gebot. GOTTES REICH erlebt wer die Testamente, beide, ernst nimmt! Gottes Reich tragen wir IM HERZEN.
Erich Kästner war ein guter Mensch, aber die Bibel bedeutete ihm nichts.
Grüße Johanne, 9.12.24
Johanne
2024-12-09 11:27:00
Eine Ergänzung: beachte BITTE den Kontext deiner Zitate! Was sagt der Evangelist zum Schwert? Das Reich Gottes ist kein Territoriales. Christus gibt einen INNEREN REICHTUM.
2024-12-10 09:23:44
Hallo Johanne,

was ich von deinem Kommentar halten soll, weiß ich nicht. Du stellst mit deinem Satz "Auch ein Pazifist greift zur Waffe, wenn er, der Pazifist, Menschen ALLGEMEIN liebt" eine These in die Welt, die auf den ersten Blick etwas unlogisch wirkt und die ich gern von dir ausführlicher begründet hätte.

Auch wüsste ich gern, welchen Kontext du den von mir zitierten Bibelstellen beilegen willst, damit sie Kriegsführung, Waffeneinsatz und Waffenlieferungen rechtfertigen.

Wenn du Dietrich Bonhoeffer ins Spiel bringst, dessen Überlegungen zur ethischen Vertretbarkeit eines Attentats auf Hitler ich sehr wohl kenne und schätze, möchte ich dich auf seine Fanö-Predigt hinweisen, in der er einige Positionen und Sätze geprägt hat, die in der christlichen Friedensbewegung bis heute eine Rolle spielen. Link hier: https://www.dietrich-bonhoeffer-verein.de/dietrich-bonhoeffer/bonhoeffers-friedensverstaendnis/

Gruß
Thomas

P.S.: Schreiben in Großbuchstaben bedeutet im Bereich Social Media gemeinhin, dass jemand schreit. Ich bin nicht bereit, mich von dir anschreien zu lassen. Also mäßige dich bitte, sonst ist unser Dialog hier zu Ende.
Johanne
2024-12-10 09:49:42
Lieber Thomas,
Menschenliebe bedeutet: ICH SETZE MICH EIN FÜR DEN NÄCHSTEN!

Kapitalbuchstaben deinen dem HERVORHEBEN. An einigen Stellen würde ich Fettdruck bevorzugen, das ist habt ihr für euer Seite gesperrt, so bleiben mir NUR Kapitalbuchstaben. Thomas Du hast Dich im Ton vergriffen.

Die Logik der Liebe tritt ein für den Schwächeren! Und Liebe redet, tauscht sich aus, beachtet Argumente. Das ist Gottes Gebot. Ein gutes Beispiel ist das Buch Hiob.

Bitte lies deine Zitate, und NENN die Stellen. Dann hätten wir eine Basis zum Austausch.

Ihr habt auf euren Seiten den Pfeil zum Sprung nach oben zu tief gesetzt, er ist nicht mehr sichtbar. Bitte ändert das.

Grüße Johanne, 10.12.24
Johanne
2024-12-10 10:08:24
Sorry Majuskeln
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