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Kann man der Bibel glauben?

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Plauderei auf'm Sofa · 25 September 2021
Tags: BibelOffenbarungWahrheitInspirationslehre

P l a u d e r e i   a u f ' m   S o f a
Kann man der Bibel glauben?
Klaus Straßburg | 25/09/2021

Hallo, schön dass du da bist! Komm rein und mach's dir bequem!

Wir haben uns ja lange nicht gesehen. Was hast du denn so gemacht in der letzten Zeit?

Ah, du hast in der Bibel gelesen. Und – wie war's? Hast du gefunden, was du gesucht hast?

Okay, die Bibel ist nicht unbedingt eine Fundstelle für das, was wir suchen. Aber immerhin kann man in der Bibel so einiges finden – auch Sachen, die man gerade nicht sucht.

Du bist nicht zufrieden mit dem, was du gelesen hast? Gut, dann lass uns drüber reden!

Aha, du sagst, die Bibel enthält Unwahrheiten.

Ja, da wird zum Beispiel der Hase unter den Wiederkäuern aufgezählt, die ein Jude nicht essen darf (z.B. 3Mo/Lev 11,6).

Oder gleich am Anfang der Bibel steht in der Schöpfungsgeschichte, dass der Himmel eine feste Kuppel über der Erde sei und über der Kuppel sei Wasser (1Mo/Gen 1,7f). Also nach dem Prinzip Käseglocke: Die Erde ist eine Scheibe, die Glocke ist der Himmel, und darüber ist das Wasser, das bei Regen auf die Erde fällt.

Das sind natürlich echte Unwahrheiten, oder?

Ja, aber die Menschen wussten es damals eben nicht besser. Sie meinten wirklich, die Erde sei eine Scheibe ...

Okay, okay, bleib cool, ich weiß ja, was du meinst ... Streichle erstmal in Ruhe die Katze.

Was kann man der Bibel dann überhaupt noch glauben?

Also, zuerst sollten wir uns mal klarmachen, dass die Bibel kein naturwissenschaftliches Buch ist. Sie will uns nicht erklären, wie das Universum aufgebaut ist oder welche Arten von Tieren es gibt.

In der Bibel geht es einzig und allein darum, dass Gott bezeugt wird. Natürlich hatten die Menschen, die die biblischen Texte schrieben, ein anderes Weltbild als wir. Und das merkt man halt an manchen Bibelstellen ...

Also das kann nun wirklich niemand abstreiten.

Aber deshalb ist ja nicht die ganze Bibel falsch. Die Schöpfungsgeschichte meint doch, dass die Erde und das ganze Universum von Gott erschaffen sind. Ob die Welt nun eine Scheibe oder eine Kugel ist, ist dabei nebensächlich.

Ist das echt nebensächlich?

Naja, für die Naturwissenschaften natürlich nicht. Aber in der Bibel geht es eben nicht um Naturwissenschaft, sondern um Gott.

Und was ist mit diesen komischen Vorschriften, welche Tiere man essen darf und welche nicht?

Solche Verbote gab es damals in vielen Völkern und Religionen. Von denen wollte sich Israel mit seinem Glauben aber unterscheiden. Darum hatten die „Speisevorschriften" auch damit zu tun, dass man sich von anderen Völkern und Religionen abgrenzen wollte.

So ähnlich ist es bei uns ja auch mit den Nationalflaggen oder Nationalhymnen. Darin unterscheiden sich die Völker voneinander. Jedes Volk hat etwas, was seine Angehörigen miteinander vereint und von anderen unterscheidet.

Und was das Essen betrifft: Da haben ja bis heute die einzelnen Völker ihre Vorlieben und sind stolz auf ihre Nationalgerichte.

Und die verschiedenen Religionen haben bei uns auch ihre bestimmten Bräuche, die sie von anderen Religionen unterscheiden. Durch die religiösen Bräuche fühlen sich die Glaubenden miteinander verbunden.

Aber warum steht denn im Alten Testament, dass Gott diese Speisevorschriften erlassen hat?

Das ist eine gute Frage. Man könnte ja meinen, dass das Vorschriften sind, die die Menschen sich überlegt haben. Und dann haben die Menschen sich eingebildet, dass die Vorschriften eigentlich von Gott kommen – obwohl sie in Wirklichkeit von den Menschen kommen.

Ja, man kann sich das so vorstellen. Und vielleicht ist das ja auch nicht falsch. Aber vielleicht hat Gott ja auch viel Verständnis für diese Versuche der Israeliten gehabt, sich von anderen Völkern zu unterscheiden, und darum hat er dem Volk Israel diese Speisevorschriften gegeben ...

Jedenfalls haben die Israeliten es damals so verstanden, dass ihre Speisevorschriften eine Gabe Gottes waren.

Ob das wirklich so war – wer will das entscheiden? Es stehen ja in der Bibel auch manchmal ganz weltliche Sachen, die man nicht gleich mit Gottes Wort gleichsetzen muss ...

Also nicht jedes einzelne Wort in der Bibel ist Gottes Wort?

Ja und Nein. Jedenfalls ist nicht jedes Wort und jeder Buchstabe von Gott persönlich gesprochen.

Aua, jetzt krieg ich aber Haue von allen, für die die Bibel Gottes Wort ist.

Also für mich ist sie auch Gottes Wort. Aber nicht so, dass Gott die Worte der Bibel alle ausgesprochen oder aufgeschrieben hat. Und ich glaube auch nicht, dass er sie jemandem diktierte, der sie dann Wort für Wort mitgeschrieben hat.

Wir kommen aber heute echt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Jetzt müssen wir darüber reden, was eigentlich Gottes Wort ist.

Für mich ist Gottes Wort in erster Linie Jesus Christus. Wobei man „Wort" jetzt nicht wörtlich nehmen darf. Jesus war ja ein Mensch und kein Wort. Dass Jesus Gottes Wort war, heißt: In Jesus hat Gott zu uns gesprochen. „Das Wort wurde Fleisch", steht im Johannesevangelium (Joh 1,14). Das bedeutet: Gott hat uns in dem Menschen Jesus mitgeteilt, wer er ist und was er will.

Also geht es bei Gottes Wort gar nicht nur um Wörter?

Genau! Weil Gottes erstes Wort ein Mensch ist, kann es sich bei Gottes Wort gar nicht immer um gesprochene oder geschriebene Wörter handeln. Sondern es handelt sich darum, dass Gott sich uns kundtut, dass er mit uns kommuniziert. Und das kann er auf ganz unterschiedliche Weise tun.

Vor allem anderen hat Gott sich uns in Jesus Christus kundgetan. In ihm war Gott vollständig und in vollkommener Weise unter uns. Also wenn wir wissen wollen, wie Gott ist und was das für uns bedeutet, dann müssen wir uns als erstes Jesus Christus ansehen. Darüber haben wir ja schon mal gesprochen.

Aber Gott hat sich nicht nur in dem Menschen Jesus Christus kundgetan. Er kann auch in die Gedanken und Gefühle anderer Menschen eingehen. Bildlich gesprochen: Gott kann in die Herzen von Menschen kommen und sich auf diese Weise ihnen einprägen.

Und was hat das jetzt mit der Bibel zu tun?

Naja, Gott hat sich auch den Verfassern der biblischen Schriften kundgetan. Und die haben dann angefangen, das, was sie glaubten, aufzuschreiben. Aber wie das bei Menschen so ist – da kam dann beim Aufschreiben hier und da auch etwas Menschliches mit rein.

Aber viele Christinnen und Christen glauben, Gott habe den Leuten, die die Bibel schrieben, diktiert, was sie aufschreiben sollten.

Ja, ich weiß, dass das viele glauben. Sie berufen sich dabei auf den zweiten Timotheus-Brief Kapitel 3 Vers 16. Da steht wörtlich: „Jede geistgehauchte Schrift ist auch nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Besserung, zur Erziehung in Gerechtigkeit."

Hä? Versteh ich nicht.

Klingt kompliziert, nicht? Mit „geistgehaucht" ist Gottes Geist gemeint. Das Wort „Geist" heißt im Griechischen zugleich „Wind". Gottes Geist weht also wie ein Wind und kann Menschen anhauchen und dadurch prägen und verändern.

Eigentlich ein schönes Bild: Gott kommt nicht mit dem Holzhammer zu uns, um uns etwas einzuhämmern. Sondern er kommt wie ein belebender, sanfter, frischer Wind und weckt Leben in uns.

Das erinnert mich gerade an einen schönen Sommertag, an dem ich in der brennenden Sonne saß und plötzlich ein erfrischender, kühlender Wind die Haut streifte. Das war wie ein sanftes Streicheln.

Gutes Beispiel! Gott streichelt uns sozusagen, wenn er uns seinen Geist gibt.

Aber was ist eine „geistgehauchte Schrift"?

Ich verstehe das so: Es gibt Schriften, also Texte und Bücher, aus denen weht uns Gottes Geist entgegen, durch die spricht also Gott zu uns. Und das gilt nun vor allem von den biblischen Schriften im Alten und Neuen Testament. Durch diese Schriften spricht Gottes Geist, und wenn wir uns ihnen öffnen, kann Gottes Geist auch in unser Herz kommen.

Darum übersetzt die BasisBibel den Vers aus dem Timotheus-Brief so: „Dazu ist jede Schrift nützlich, die sich dem Wirken von Gottes Geist verdankt. Sie hilft, recht zu lehren, die Irrenden zurechtzuweisen und zu bessern. Und sie trägt dazu bei, die Menschen zur Gerechtigkeit zu erziehen." Das kann man verstehen, oder?

Also davon, dass Gott etwas Wort für Wort diktiert hat, ist da ja überhaupt nicht die Rede!

Stimmt! Da steht nur: Gottes Geist kann durch Schriften wirken. Und das gilt vor allem von den biblischen Schriften.

Dann spricht Gott zu uns also zuerst durch Jesus Christus und dann auch durch die biblischen Schriften?

Ja. Und er kann natürlich auch durch andere Menschen zu uns sprechen.

Zum Beispiel durch einen guten Freund, einen Angehörigen, einen glaubenden Menschen ...

... oder durch ein Buch, das ein glaubender Mensch geschrieben hat.

Genau! Aber die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst spricht Gott durch Jesus Christus. An ihm ist alles zu messen, was wir sonst noch von Gott hören. Als Zweites spricht Gott durch die biblischen Schriften. Darum sollen wir sie fleißig lesen. Und als Drittes spricht Gott durch andere Menschen zu uns. Darum sollen wir dorthin gehen, wo glaubende Menschen sind und mit ihnen über Gott reden und ihnen zuhören. Aber auch aus christlichen Büchern können wir etwas lernen.

Da wird aber auch viel Unsinn geschrieben in manchen christlichen Büchern. Und christliche Menschen reden manchmal auch ziemlichen Quatsch, oder?

Das kann man wohl sagen!

Aber wie soll man sich denn dann zurechtfinden? Wer sagt mir denn, was richtig ist und was falsch ist?

Es ist gar nicht so leicht, das herauszufinden. Es gibt nur einen Weg: Du musst dir dein eigenes Bild machen. Du kannst dich vor allem fragen: Passt das zu Jesus Christus und zu dem, was in der Bibel steht? Und wenn du dann noch unsicher bist, kannst du mit anderen Christinnen und Christen darüber sprechen.

Aber wir hatten doch vorhin schon festgestellt, dass in die Bibel auch manches Menschliche hineingeraten ist, das nicht so ganz richtig ist.

Ja, aber wir haben auch gesagt, dass Gottes Geist durch die Bibel zu uns angeweht kommt. Wenn wir also die ganze Bibel betrachten, also alles, was in der Bibel geschrieben steht – dann können wir davon ausgehen, dass die Gesamtheit der Bibel keinen Unsinn über Gott verbreitet. Sonst könnte Gott ja nicht durch sie zu uns sprechen.

Wir können also glauben, dass das, was in der Bibel steht, von einigen Ausnahmen abgesehen, wahr ist?

Ja, so kann man es ausdrücken. Und ob etwas wahr ist, findet man leicht heraus, wenn man die betreffende Bibelstelle mit anderen Bibelstellen vergleicht. Dann merkt man, dass die Mehrzahl der Stellen und die besonders wichtigen Stellen uns zeigen, was wahr ist und was nicht.

Ja sind denn nicht alle Stellen in der Bibel wichtig?

Also da gibt es schon Unterschiede. Was zum Beispiel die Propheten über einen gottgefälligen Lebenswandel sagen, ist bestimmt wichtiger für uns als die Speisevorschriften.

O Mann, da muss man sich aber ganz schön gut auskennen in der Bibel, um rauszukriegen, was wirklich wichtig ist und was wahr ist.

Das kann nicht schaden, sich in der Bibel auszukennen. Sie sollte jedenfalls nicht nur im Schrank stehen oder in der Schublade liegen.

Man muss ja auch nicht alles sofort wissen. Man lernt ja im Laufe der Jahre langsam, was im Glauben wahr oder falsch ist, oder?

Ja klar, und das Bibellesen hilft dabei und auch das Reden mit anderen Christinnen und Christen oder das Hören von Predigten oder das Lesen anderer christlicher Bücher.

Aber – ich hab da noch eine Frage ...

Ja dann raus damit!

Also, es sind eigentlich sogar mehrere Fragen. Zum einen steht da im Alten Testament so viel Grausames – dass Gott mit Israel zusammen ganz grausame Kriege geführt hat, zum Beispiel. Und ein anderes Problem ist, dass die 10 Gebote zweimal in der Bibel stehen, aber nicht ganz übereinstimmen. Und auch im Neuen Testament stimmt vieles nicht überein, was Jesus gesagt haben soll. Die einzelnen Evangelien unterscheiden sich da manchmal ziemlich stark. Und manchmal scheinen sich die einzelnen biblischen Schriften auch zu widersprechen.

Also ehrlich, soll das alles Gottes Wort sein??

Oje, mir wird ganz schwindelig bei so vielen Fragen. Da muss ich erstmal einen Moment die Katze kraulen.

Das sind echt keine einfachen Fragen. Man müsste jetzt wirklich die einzelnen Bibeltexte genau auslegen. Aber das können wir jetzt natürlich nicht.

Ich würde mit den Kriegstexten des Alten Testaments so umgehen, dass ich die zu den Texten zähle, in denen es etwas menschelt in der Bibel.

Also hat Gott gar keine Kriege befohlen?

Ich glaube nicht, dass Gott Kriege will. Übrigens geht die historische Forschung am Alten Testament davon aus, dass die Kriege, mit denen Israel das Land Kanaan erobert haben soll, gar nicht stattgefunden haben. Die Israeliten sind vielmehr friedlich in das Land hineingezogen und haben sich dort angesiedelt – sagen die Historiker.

Aber warum wurde dann das mit den Kriegen aufgeschrieben?

Vielleicht weil die Israeliten sich zwischen all den mächtigen Nachbarvölkern auch ein wenig großtun wollten und die Macht ihres Gottes beweisen. Säbelrasseln war offenbar schon damals angesagt.

Da menschelt es aber ziemlich stark.

Das stimmt. Aber wir müssen diese Texte wieder an Jesus Christus und dem gesamten Zeugnis der Bibel messen. Und einen Jesus, der in den Krieg zieht, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Bibel sieht Kriege oft auch ziemlich kritisch.

Aber nicht immer. Der König David war ja in der Hinsicht auch nicht gerade zimperlich.

Stimmt! Jedenfalls können wir aber, glaube ich, jede Brutalität und jede Verherrlichung des Krieges als unchristlich ansehen.

Und was machen wir mit den Widersprüchen, die es in der Bibel gibt?

Also, wenn es um historische Widersprüche geht, würde ich die nicht so ernst nehmen. Was Jesus in welcher Situation genau gesagt hat und an welchem Tag er gekreuzigt wurde, das ist wirklich nebensächlich. Wichtig sind doch die Inhalte.

Wichtig ist also, was die Verfasser der biblischen Schriften verkündigen wollten. Sie waren keine Historiker, sondern Verkünder. Darum kam es ihnen nicht so genau darauf an, ob sich das alles historisch genau so zugetragen hat, wie sie es schildern.

Man könnte auch sagen: Es geht in der Bibel nicht so sehr um den einzelnen Buchstaben, sondern um den Geist dessen, was dort geschrieben steht.

Natürlich muss man, um den Geist zu ergründen, auch jeden einzelnen Buchstaben ernst nehmen. Aber man darf nicht beim Buchstaben hängen bleiben, denn dann verliert man den Geist.

O Mann, jetzt wird's auch noch philosophisch. Darüber muss ich erstmal länger nachdenken.

Das gilt übrigens auch für die 10 Gebote: Da kommt es nicht auf jedes Wort an, sondern auf die wichtigen Aussagen. Und die stimmen überein an den zwei Stellen, wo die 10 Gebote stehen.

Aber ich glaube auch, wir haben heute lange genug diskutiert.

Jetzt kraule ich erstmal wieder die Katze. Sie hat so ein schönes weiches Fell.

Ja, aber das Fell macht noch nicht die Katze.

Was soll das denn nun wieder heißen?

Naja, wenn du nur das Fell hättest, wäre das vielleicht schön anzufassen, aber es wäre noch längst keine Katze. Zur Katze gehört viel mehr als nur das Fell.

Ja klar, zum Beispiel dass sie so schön schnurrt und sich räkelt wie jetzt gerade.

Genau! Das Fell ist nur das Äußerliche, die Oberfläche sozusagen. Aber die Katze ist nochmal etwas ganz anderes.

Und doch gibt es die Katze nicht ohne das Fell.

Ich ahne, was du damit sagen willst ...

Genauso ist es mit ...

... der Bibel. Die Buchstaben sind nur das Äußerliche, die Oberfläche. Aber der Geist oder das Wort Gottes sind nochmal etwas anderes.

Und wenn man immer nur die Buchstaben liest, bleibt man an der Oberfläche hängen. Man muss auch das Wort Gottes hören, das mehr ist als die Buchstaben.

Es gibt also das Wort Gottes nicht ohne die Buchstaben – so wie die Katze nicht ohne Fell.

Aber andererseits kommt Gottes Wort auch nicht ohne die Buchstaben zu uns – so wie das Fell nicht ohne die Katze angelaufen kommt.

Das wäre ja auch echt komisch – ein laufendes Fell. Aber komisch wäre eben auch Gottes Wort ohne Buchstaben. Beides ist nicht identisch, aber es gehört zusammen. Und die Kunst ist es, dass wir in den Buchstaben das Wort Gottes entdecken und im Wort Gottes die Buchstaben ernst nehmen.

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, sonst krieg ich noch 'nen Schwindelanfall.

Kommst du denn noch gut nach Hause?

Ich denke schon. Es dreht sich zwar etwas im Kopf, aber das macht nichts – so hab ich wenigstens wieder was zum Nachdenken. Und ich bin gespannt, welches Wort Gottes ich als Nächstes in den Buchstaben der Bibel entdecke.

Ich auch. Ich entdecke da übrigens immer wieder etwas Neues.

Na dann viel Spaß beim Lesen!

Danke, und bis zum nächsten Mal. Tschüß!


* * * * *




17 Kommentare
2021-09-26 11:44:33
Hallo Klaus,

der Bibel glaube ich - jedenfalls größtenteils.

Anders als die Deine verhält sich Schrödingers Katze in der Theoretischen Physik. :-)

Viele Grüße
Hans-Jürgen
2021-09-26 19:37:49
Hallo Hans-Jürgen,

Schrödingers Katze ist, wenn ich das richtig verstanden habe, aus quantenmechanischen Gründen entweder tot oder lebendig, je nach Beobachter. Wenn meine Gesprächspartner sie aber beide für lebendig halten, wird sie doch auch lebendig sein, oder? Vielleicht habe ich aber auch etwas falsch verstanden.

Viele Grüße
Klaus
Hans-Jürgen Caspar
2021-09-26 20:07:04
Hallo Klaus,

Schrödingers Katze stirbt oder lebt weiter mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit. Wie steht es damit bei uns mit dem christlichen Glauben?

Viele Grüße
Hans-Jürgen
2021-09-26 20:50:47
Hallo Hans-Jürgen,

den Glaubenden ist "ewiges Leben" verheißen - wie immer dies genau aussehen wird. Aber die Frage ist: Wer gehört zu den Glaubenden - wenn doch auch in denen, die glauben, zugleich viel Unglaube ist?

Es ist gut, dass WIR diese Frage nicht beantworten müssen. Wir können nur darauf vertrauen und darum bitten, dass Gott uns gnädig sein wird. Und wie können hoffen, dass seine Gnade so groß ist, dass auch viele andere die Chance erhalten, an diesem "ewigen Leben" teilzuhaben. Jedenfalls werden sie aus allen Richtungen und aus allen Völkern zusammenströmen, um Gott die Ehre zu geben.
Hans-Jürgen Caspar
2021-09-27 13:40:32
Hallo Klaus,

danke für Deine Antwort, am Ende mit Anklängen an Jes2,2 und Jes43,9. Die letztgenannte Bibelstelle wird übrigens ins Deutsche unterschiedlich übersetzt:

Elberfelder: "Alle Nationen sind versammelt,..."
Schlachter2000: "... alle Heidenvölker mögen zusammmenkommen ...",

und das ergibt jeweils einen anderen Sinn.

Interessant sind auch die weiteren Texte um die genannten Bibelstellen herum. Dabei geht es zum Teil sehr um Äußerliches, Materielles, die Macht und das Ansehen Jerusalems betreffend.

Viele Grüße
Hans-Jürgen



2021-09-27 15:57:23
Hallo Hans-Jürgen,

danke für deine weierführenden Hinweise. Jes 43,9 scheint mir ganz gut in den Kontext zu passen. Anders ist es mit Jes 2,1ff. Vers 1 setzt ja auch ganz neu ein, Vers 5 bildet einen deutlichen Abschluss und Vers 6 ist wieder ein Neuansatz. Das könnte bedeuten: Die Verse 1 bis 5 wurden wahrscheinlich nicht in einem Zug mit ihrem Kontext niedergeschrieben, d.h. sie gehören ursprünglich nicht zusammen, sondern sind erst nachträglich in diese Reihenfolge gesetzt worden. Solche Textzusammenstellungen findet man oft vor allem in den alttestamentlichen Schriften. Von daher erklärt es sich, dass manche Texte so gar nicht zueinander zu passen scheinen. Man sollte solche Texte also nicht so lesen, als ob sie in einem Zug von einem einzigen Verfasser aufgeschrieben wurden. Es sind vielmehr verschiedene kürzere Abschnitte, die schon als Schriftstücke vorlagen und später von jemandem, den wir nicht kennen, zu einer Sammlung von Prophetenworten zusammengestellt wurden. Man muss sie also, um sich nicht an merkwürdigen inhaltlichen Zusammenhängen und unpassenden Textfolgen zu stoßen, als jeweils einzelne Texte lesen und auslegen. Wo die Brüche zwischen Texten liegen und welche Texte eine ursprüngliche Einheit bilden, das herauszufinden versucht die alttestamentliche Wissenschaft.

Wenn wir den Text lesen, können wir diese Arbeit nicht leisten. Dazu muss man sich intensiv in größere Textzusammenhänge einlesen und verschiedene Bearbeitungsschichten innerhalb des ganzen Buches kennen. Das können letztlich nur die intensiv am Alten Testament Forschenden leisten. Ich kann das jedenfalls nicht und deshalb nur auf meinen ersten Eindruck hinweisen. Es ist aber eine Hilfe, wenn man weiß, worauf Brüche im Text zurückgehen könnten, und wenn man dann den Bruch einfach übergeht und jeden Abschnitt für sich liest. Von daher bieten mir deine Hinweise eine gute Gelegenheit, auf diese Hypothesen der Textentstehung (die bei unterschiedlichen Forschenden mitunter durchaus unterschiedlich ausfallen können) wenigstens einmal hinzuweisen.

Es mag für manche eine Anfechtung sein, dass Teile der Bibel in dieser Weise entstanden sind. Aber das zeigt einmal mehr, dass die Bibel nicht vom Himmel gefallen ist, sondern auf menschliche Weise, nämlich in der Geschichte, in der Menschen nun einmal existieren, entstanden ist. Umso größer erscheint mir das Wunder, dass Gott durch das Wirrwarr dieser Geschichte zu uns redet. Aber er ist ja auch in Jesus Christus Mensch geworden, also in die Geschichte eingegangen. Dann sollte es uns nicht überraschen, dass er auch durch menschliche Geschichte (und Geschichten) zu uns redet.

Viele Grüße
Klaus
Hans-Jürgen Caspar
2021-09-27 17:50:25
Hallo Klaus,

danke für Deine lange, erhellende Antwort. Von den biblischen "Geschichten" gefallen mir im Alten Testament besonders das Buch Ruth, weniger das Buch Esther, und im Neuen Testament mehrere, Jesus zugeschriebene Gleichnisse.

Viele Grüße
Hans-Jürgen
2021-09-28 13:06:03
Hallo Klaus,

für mich sind, was die Glaubwürdigkeit der Bibel und jeder einzelnen Bibelstelle immer folgende Sätze wichtig und hilfreich gewesen:

1. Die Bibel ist Gottes Wort in Menschenwort.
2. „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben" (Anfang These I, Barmer Theologische Erklärung).

Damit entgeht man den Verwirrungen und Verirrungen, die zwangsläufig entstehen, wenn man die Bibel wortwörtlich von Gott inspiriert oder diktiert verstehen will, rutscht aber auf der anderen Seite nicht zu weit ab auf dem sehr abschüssigen Feld der Relativierung biblischer Aussagen.

Für mich selbst sage ich zusätzlich: Wo die Bibel der Physik widerspricht, stimmt sie nicht. Das Wort Physik steht hier stellvertretend für einen gut gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand.

Viele Grüße

Thomas
2021-09-28 13:08:00
Korrektur: Im meinem ersten Satz fehlt hinter "Bibelstelle" ein "angeht, ".
2021-09-28 17:10:32
Hallo Thomas,

ich finde, du beschreibst mit den beiden Sätzen einen guten Weg zwischen den von dir genannten Extremen - einen Weg, der das Verstehen sehr erleichtert.

Den letzten Absatz würde ich nicht so stehenlassen, aber das weißt du ja 😁.

Viele Grüße
Klaus
Jochen
2021-10-01 13:40:38
Hallo Klaus,
zu der Frage mit Kriegen in der Bibel und wie das angeblich ihre Glaubwürdigkeit einschränkt, finde ich eine Sichtweise überzeugend, die ich beim messianischen Christentum gehört habe: Durch die ganze Bibel zieht sich unter anderem die Frage nach dem Königtum. Israel will einen König, Gott rät ab, kommt seinem Volk aber entgegen. Saul, David, Salomo, letztendlich zeigt sich, dass Israels Könige nicht wirklich gerecht sind, Kriege, Ausschweifung, das Reich zerfällt und es wird immer schlimmer, es kommt zum Exil, und schließlich klärt Gott in Person die Frage nach dem wahren Königtum aufs Jota schriftgemäß und trotzdem auf eine viel weitreichendere Art und Weise. Und es geht sogar noch weiter, die Geschichte ist offen, weil seit dem offensichtlich ist, dass wir immer noch ungerecht sind, ausschweifend, mit Kriegen die alles in den Schatten stellen, was zu Davids Zeiten war. Liest man die Bibel so, dann werden selbst die Chroniken, Genealogien, also die unserer Meinung nach weniger packenden Stellen, eigentlich sinnvoll. David muss dann nicht mehr der makelloser "Superheld" sein, Salomo kein "Großreich" besessen haben und die Story macht als Ganzes dennoch Sinn.
Jochen
2021-10-01 14:33:37
..ich meinte natürlich messianisches Judentum.
2021-10-01 17:22:29
Hallo Jochen,

was du über das Königtum schreibst und über die Geschichte bis heute, finde ich überzeugend. Ich sehe nur ein Problem darin, dass nach manchen alttestamentlichen Stellen Gott selbst den Krieg inklusive Bann befiehlt und mit Israel in den Krieg zieht - so wie es die Götter der anderen Völker in der Nachbarschaft Israels nach deren Verständnis auch taten. Da war vielleicht doch Israels Wunsch der Vater des Gedankens, oder?
Jochen
2021-10-02 10:23:52
Hallo Klaus,
da hast Du schon Recht, dass Israel mit Gott in den Krieg zieht bezieht sich - soweit ich das erinnere - hauptsächlich auf die Zeit der Richter, nicht auf die Zeit der Könige, oder? Und da gilt, was Du im Artikel schreibst, dass sich eine militärische Landnahme nicht historisch belegen lässt. Was ich dazu gelesen habe ist Hans J. Nissen, "Grundzüge einer Geschichte der Frühzeit des vorderen Orients", Wiss. Buchgesellschaft 1995. Darin liest man, dass sich in der Region zu der Zeit ein Rückschritt in der Architektur ergeben hat. Ich finde diese Zeit ungeheuer spannend, z. B. dass man auf dem Berg Ebal ein Bauwerk entdeckt hat, das man Josuas Altar zuordnen könnte. Wenn ich heute anfangen würde (nur mal so angenommen, hab ich nicht vor), auf einem Berg der Umgebung ohne Genehmigung eine Kirche zu bauen, dann hätte ich sicherlich Ärger mit einem vielköpfigen Verwaltungsmonster inkl. Kirche bishin zu Polizei. Das wäre kein Krieg, würde in der Presse aber dennoch mit reichlich Kriegsmetaphorik ausgeschmückt dargestellt werden, je nachdem auf welche Seite sich die Presse stellt.
Wie ich es verstehe ist die Grundaussage die, dass Gott seinem Volk Raum (Land) geben will. Ganz merkwürdig, wie Abraham und Sara in ihrem Land wohnen, ohne es aber nach unseren Maßstäben wirklich in Besitz zu nehmen. Sie waren eben wohl noch Nomaden, wie man sie auch heute noch nahe den Straßen in Israel sieht.


2021-10-02 11:27:12
Hallo Jochen,

die Aufforderung, an den eroberten Städten den Bann zu vollstrecken, findet sich hauptsächlich in den Erzählungen von der Eroberung Kanaans (z.B. 5Mo/Dtn 7,1ff; 13,12ff). Besonders erschreckend ist, wenn ausdrücklich betont wird, dass nichts in der Stadt verschont werden soll, also auch Frauen und Kinder nicht. Ich kann mir das als Befehl Gottes nicht vorstellen.

Wie du auch schreibst, geht die historische Forschung im Gegensatz zu den biblischen Erzählungen davon aus, dass die Landnahme weitgehend friedlich erfolgte und es gar keine brutalen Kriegshandlungen gab. Insofern kann ich das nur unter Säbelrasseln einordnen.

Interessant ist, dass viele Bibelstellen den Bann deshalb fordern, um eine Religionsvermischung mit der einheimischen Bevölkerung zu verhindern. Daraus könnte man schließen, dass die teils sehr viel später niedergeschriebenen Erzählungen von der Landnahme das eigene Volk davor warnen sollten, fremde Götter anzubeten.
Jochen
2021-10-06 11:57:15
Hallo Klaus,
das mit dem Götzendienst sehe ich auch so. Aber womöglich haben diese Stellen ihre Bedeutung, die wir einfach noch nicht erkennen, und es ist gut dass sie nicht einfach herausgenommen werden. Ich erinnere mich an eine Predigt eines Pfarrers über Ex/2. Mose 32,7-14, wie Mose den Herrn besänftigt, damit nicht sein Zorn auf das Volk entbrenne, das sich gerade das goldene Kalb macht. Über was er bezeichnenderweise nicht predigte war wie die Geschichte weitergeht, nämlich Ex/2. Mose 32,22, wo nämlich Aaron dasselbe vergeblich mit Mose versucht, dessen Zorn dann tatsächlich viele zum Opfer fallen. Die Sache ist finde ich also äusserst kompliziert: Erfüllt Mose, wie er sagt, den Willen Gottes durch seine Tat (Vers 27 und 28)? Oder ist es so, dass Gott, als er mit Mose redet, schon die Zukunft kannte und wusste wie Mose reagieren würde - und wir nun als Leser letztendlich mit der zerstörerischen Auswirkung unserer menschlichen Schwachheit konfrontiert werden?
2021-10-06 15:56:05
Hallo Jochen,

auf der einen Seite also der Gott, der sich seinen Entschluss, das Volk zu vertilgen, gereuen lässt (2Mo/Ex 32,10.14) und auf der anderen Seite kurz darauf die Leviten, die den Befehl Gottes ausführen und im Auftrag des Mose 3.000 Menschen mit dem Schwert massakrieren (V27f). Und einerseits der Mose, der intensiv zu Gott fleht (V 11), andererseits aber der Mose, der selbst extrem zornig wird (V 19) und die Leviten mit dem Massaker beauftragt. - Alttestamentler würden jetzt wohl zwei verschiedene Quellen annehmen, die in der Verschriftlichung miteinander verbunden wurden, und würden dann nach Alter und Absicht dieser Quellen fragen.

Leider habe ich keinen Exodus-Kommentar, in dem ich nachsehen könnte. Inhaltlich kriege ich die beiden Abschnitte jedenfalls nicht auf einen Nenner. Darum kann ich mir nur vorstellen, dass einerseits Gottes Heilswille trotz des Abfalls Israels beschrieben wird und andererseits (evtl. von einem anderen Verfasser) gesagt werden soll, dass der Abfall von Gott schwerwiegende Folgen für den Menschen hat, sein Abfall also für ihn selbst zum Unheil wird. Dafür könnte auch sprechen, dass das Volk das zermalmte Götzenbild trinken muss (V 20). Die Menschen werden also ihr selbstgemachtes Unheil nicht so einfach los, sondern müssen es in sich aufnehmen, d.h. es trifft sie im Innersten ihrer eigenen Existenz (hier gibt es eine interessante Parallele zum Abendmahl bzw. zur Eucharistie). Ich könnte beides - das Trinken des Götzenbildes und das Töten der von Gott abgefallenen Menschen - als symbolische, in eine Geschichte gekleidete Warnungen verstehen: Der Abfall von Gott betrifft dich im Innersten und führt zu deinem innerlichen Tod (der biologisch Lebendige kann innerlich tot sein). Es gilt also beides: Gott ist gnädig und gibt dir eine neue Chance, aber seine Gnade ist kein billiges Auge-zu-Drücken, sondern stellt dir vor Augen, was es für dich bedeuten kann, wenn du von ihm abfällst. Wir werden also, wie du schreibst, "mit der zerstörerischen Auswirkung unserer menschlichen Schwachheit konfrontiert", aber auch mit Gottes Gnade, die unser Heil und nicht Unheil will.

Eine solche Deutung fände ich einleuchtend. Dabei muss ich das Massaker nicht als historische Wahrheit verstehen, sondern kann es als eine Erzählung verstehen, die in symbolischer Weise eine tiefe Wahrheit zu verstehen gibt. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich allen oder den meisten biblischen Geschichten die Historizität abspreche, im Gegenteil.
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