Judentum, Christentum, Islam - ein Vergleich

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Judentum, Christentum, Islam - ein Vergleich

Christsein verstehen
Veröffentlicht von Klaus Straßburg in Religionsgemeinschaften · Dienstag 07 Mai 2024
Tags: WeltreligionenJudentumIslamGottesbildKircheVerdiensteLiebe

Judentum, Christentum, Islam - ein Vergleich
Aus Anlass einer Multireligiösen Feier
Klaus Straßburg | 07/05/2024

Sie hat es wieder getan. Vor gut zwei Jahren habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass sie es tut. Schon damals habe ich etwas darüber geschrieben. Ich war mir nicht sicher, ob sie es noch einmal tun würde. Doch nun hat sie es getan. Und ich muss wieder schreiben.

Sie, die Evangelische Kirche in Deutschland, hat am Sonntag, dem 28. April, wieder statt eines Gottesdienstes eine Multireligiöse Feier von Juden, Christen und Muslimen im Radio übertragen. Ort der Feier war das Stadtkloster Segen in Berlin.

Ich möchte diese Radioübertragung nutzen, die drei Religionen etwas genauer in den Blick zu nehmen. Wie im Christentum, so gibt es auch im Judentum und Islam sehr unterschiedliche Strömungen. Ich beschränke mich hier auf die liberalen jüdischen und islamischen Sichtweisen, die auch in der Multireligiösen Feier vertreten waren.


1. Der Glaube an den einen Gott

Verschiedene Klänge, eine Melodie – so klingt es, wenn Juden, Muslime und Christen Seite an Seite ihren Glauben leben.

Mit diesen Worten begann die Radioübertragung. Will wohl sagen: Wenn auch die Formen sich unterscheiden, sind die Inhalte des jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens doch dieselben.

Dementsprechend wurde die Feier "im Namen des einen Gottes" begonnen. Man wollte "Seite an Seite beten" und gemeinsam hoffen – und zwar "in Treue zur je eigenen Glaubenstradition und in Offenheit zueinander." Gemeinsam wollte man "über Wege zu Gott nachdenken – Wege der Liebe zu Gott. Denn Liebe hat Gott in jede Menschenseele gelegt."

Darum wurde Gott um die Kraft der Liebe gebeten. Die Bitte wurde "durch Jesus Christus, Gottes Sohn", vorgetragen. Das gab dem Ganzen einen christlichen Anstrich:

Lass uns leben und lieben aus der Kraft deiner Liebe. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder.

Die Bitte wurde durch Jesus Christus, Gottes Sohn, vorgetragen. Das gab dem Ganzen einen christlichen Anstrich.

Gegen das Thema der Feier, die Liebe, lässt sich schwer etwas sagen. Sie steht auch gesellschaftlich hoch im Kurs. Sie ist im Judentum, Christentum und Islam eine wichtige Größe. Unter ihr kann man also sehr leicht alle drei Religionen versammeln. Vielleicht ist sie der kleinste gemeinsame Nenner.

Doch reicht es kaum aus, das Miteinander der drei Religionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu gründen. Darum wurde die Feier "im Namen des einen Gottes" begonnen. Die Formulierung erweckt den Eindruck, dass alle drei Religionen dieselbe Vorstellung von dem einen Gott hätten.

Das ist jedoch nicht der Fall. Der Glaube, dass es nur einen Gott gibt, ist nicht identisch mit der näheren Bestimmung dieses Gottes. Auch wenn Angehörige der drei Religionen an nur einen Gott glauben, kann die Vorstellung von diesem Gott doch sehr unterschiedlich ausfallen. Darum hilft es nicht weiter zu betonen, man glaube doch gemeinsam an den einen Gott. Man verwischt dadurch vielmehr die Unterschiede zwischen den drei Religionen.


2. Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch im Judentum

Um das jüdische Verhältnis zwischen Gott und Mensch deutlich zu machen, biete ich hier vier Zitate aus dem dreibändigen Werk "Die Lehren des Judentums nach den Quellen" aus den Jahren 1928-1930. Am Anfang stehen zwei Zitate des berühmten jüdischen Rabbiners Leo Baeck (gest. 1956). Danach folgen zwei Zitate aus der vorangehenden jüdischen Tradition.

Gottes Liebe besagt: Gott gibt alles; alles was ist, ist seine Schöpfung, offenbart seine Gnade. Göttliche Liebe ist daher [...] der Ausdruck dafür, dass unser aller Leben mit Gott verbunden ist und zu ihm gehört [...]. Aber was Gott für uns ist, besagt zugleich auch, was er von uns verlangt. Alle göttliche Liebe ist zugleich göttliche Gerechtigkeit. Wie Gott gibt, so fordert er. Er hat vor den Menschen das Gute und Böse hingelegt, damit der Mensch wähle und sich entscheide [...]. Gott ist der Liebevolle und der Gerechte, beides ist in ihm eines; darum ist er, der Heilige, der Einzige und Eine.1

Dieses Gute, dieses Sittliche vermag der Mensch zu schaffen, er vermag es zu verwirklichen. Darin bildet er sein Leben, er wird ein Schöpfer des Guten, das Ebenbild des einen Gottes. [...] Das Gute und das Böse ist vor ihn hingestellt, damit er wähle. [...] Er vermag, wenn er von ihm sich abgewendet hatte, umzukehren, um jetzt den Weg zu gehn, auf dem er Gott findet. Er kann sich versöhnen, sich reinigen. Seine Tat, die sittliche Tat, ist es, die die Versöhnung schafft. Nicht das Wunder und nicht ein Sakrament bringt sie, sondern die Freiheit, die in ihn gelegt ist. [...] Im Judentum sind die Gedanken oft mannigfaltige Wege gegangen. Aber in diesem Einen sind sie immer übereingekommen und zu diesem hat die Entwicklung immer bestimmter hingeführt, dass Frömmigkeit und Gottesfurcht sich auf die sittliche Tat gründen.2

Der Jude weiß auch: wie der Mensch durch seine Schuld von Gott sich getrennt hat, so muss er sich ihm wieder durch seine sittliche Tat nähern. [...] Die sittliche Erneuerung muss aus eigener Kraft erwachsen, die Heiligung des Menschen ist sein eigenes Werk, er selbst muss sich den Frieden mit sich selbst [...] erringen, die den Frieden mit Gott, die Versöhnung verbürgt.3

Das Judentum weiß nicht nur vom Tode, das Judentum weiß von der Sünde zu erlösen! Es braucht der Sünder, der ergrauteste Sünder nur zu wollen, [...] mit einem rechten, ernsten Entschluss sich aus den Banden der Sünde losrütteln zu wollen, ernstlich zu wollen – so ist sein Gott ihm nahe, kommt auf halbem Wege ihm entgegen, hilft ihm den Sieg über den Feind zu erringen und ist in jedem Augenblick bereit, den ergrautesten Sünder rückkehrend aufzunehmen, liebend aufzunehmen.4

Ich fasse diese Aussagen jüdischer Denker zusammen: Wir sind durch Gottes Gnade und Liebe mit ihm verbunden. Gottes Liebe ist jedoch zugleich fordernde Gerechtigkeit: Gott fordert von uns, dass wir uns für das Gute entscheiden; denn wir haben die Kraft, das Gute zu wählen. Wenn wir das tun, dann schaffen wir Gutes: Wir werden Schöpfer des Guten und als solche Ebenbild Gottes.

Auf diesem Weg kehren wir um zu Gott und versöhnen uns mit ihm. Kein Wunder Gottes, kein Sakrament schafft Versöhnung mit Gott, sondern unsere guten Taten sind es, die uns mit Gott versöhnen. Unsere Heiligung und Versöhnung sind unser eigenes Werk. Wenn wir ernsthaft den Willen haben, der Sünde abzusagen, dann wirkt Gott mit uns zusammen und hilft uns, das gute Werk zu vollbringen.


3. Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch im Islam

Zur Beschreibung des islamischen Verhältnisses zwischen Gott und Mensch zitiere ich drei anerkannte islamische Theologen und eine Theologin: den islamischen Journalisten Muhammad Salim Abdullah (gest. 2016), den katholisch-ostkirchlichen Priester und Islamwissenschaftler Adel Theodor Khoury (gest. 2023), den Professor für islamische Religionspädagogik in Münster Mouhanad Khorchide (geb. 1971) sowie die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel (gest. 2003):

Die islamische Theologie geht davon aus, dass Gott alle Sünden verzeiht, auch die schwersten, auch den Unglauben, wenn der Mensch seine Schuld ehrlich bereut und sich von ihr abwendet. [...] Grundsätzlich gilt, dass jeder Mensch, ohne Ausnahme, das ganze Leben hindurch Buße üben muss. Er ist nach islamischer Auffassung nie ganz frei von Tatsünden. Das arabische Wort für Buße [...] kennzeichnet den sündigen Menschen, der reuig zu Gott zurückkehrt. [...] Gott wendet sich in seiner Barmherzigkeit dem Menschen wieder zu, der sich in Sünde von ihm vorübergehend entfernt hatte. So sagt der Koran: "Doch die bereuen und sich bessern und offen (die Wahrheit) bekennen, zu denen kehre Ich mich mit Verzeihen, denn ich bin der Allvergebende, der Barmherzige" (2:161).5

Gott ist bereit, alle Sünden des Menschen zu vergeben (39,53) [...]. Eine Ausnahme bildet der Unglaube in seinen verschiedenen Varianten. Wer ungläubig ist und frevelt, wird keine Vergebung finden (4,168; 9,80). [...] Eine besonders schwere Variante des Unglaubens, der nicht vergeben wird, ist die Beigesellung, die Anerkennung anderer Gottheiten neben dem einzigen Gott (4,48.116). Endlich ist der Abfall vom Glauben eine so schwere Abwendung von Gott, dass Gott ihn nicht vergibt [...]. Die Vergebung der übrigen Sünden ist grundsätzlich möglich. Bedingung zur Erlangung der göttlichen Vergebung ist zunächst der Glaube. Wer glaubt, kann mit der Verzeihung seiner Sünden rechnen [...]. Desgleichen darf auf Vergebung hoffen, wer dem Propheten folgt (3,31) und sonst seine religiösen Pflichten erfüllt. [...] Der Koran bezeichnet die "gläubigen Männer und Frauen" als diejenigen, die "das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten" (9,71). [...] Denn Gott liebt die Rechtschaffenen, die das Gute tun (2,195).6

Der Koran beschreibt [...] den Menschen in seiner Ambivalenz, er ist weder vollkommen gut noch vollkommen schlecht. Er wurde zwar "in edelster Form erschaffen" (Koran 95:4), aber er ist "schwach" (Koran 4:28), jedoch keineswegs eine gefallene Kreatur. Er ist dem Bösen zugeneigt (Koran 75:5), kleinmütig (Koran 70:19), er kann sich aber selbst läutern (Koran 91:9).7

Der Mensch kann zwischen Gut und Böse wählen; die Engel können nur gehorsam sein. [...] Die niederen Triebe [können] verwandelt und veredelt werden [...], wenn man sie unaufhörlich bekämpft. So wird auch ein störrisches Pferd zum trefflichen Renner, wenn du es ständig trainierst.8

Annemarie Schimmel beschreibt die Bedeutung Jesu in einem fingierten Gespräch zwischen Maria und einem Muslim:

Da es keine Erbsünde gibt, besteht auch keine Notwendigkeit für eine Erlösung durch Jesu Opfertod. In der Frömmigkeit erscheint er als Modell der Askese, der Liebe, vor allem der Gottesliebe, und seine Milde wird immer wieder gepriesen. [...]
"Also Jesus ist ein großer Prophet", wiederholt Maria nachdenklich, "nicht Gottes Sohn."
Nein, das wird im Koran (Sure 19,35 u.a.) kategorisch abgelehnt. Dann kam Muhammad, [...] und der Muslim versteht daraus, dass er der im Johannesevangelium verheißene paraklet ist [...]. So hat Muhammad das Erbe Jesu angetreten.9

Diese Aussagen lassen sich so zusammenfassen: Gott ist barmherzig und vergibt jedem, der seine Sünde bereut, um Vergebung bittet, sich von seiner Sünde abwendet, sein Leben bessert und die Wahrheit bekennt. Gott vergibt aber nicht, wenn jemand im Unglauben verharrt oder vom Glauben abfällt und entsprechend lebt.

Ein besonders schwerer Unglaube besteht darin, an nicht nur einen Gott zu glauben. Dazu rechnet der Islam auch den christlichen Glauben an einen dreieinigen Gott. Darum versteht der Islam Jesus nicht als Sohn Gottes, sondern als einen großen Propheten und ein Vorbild des Glaubens und Handelns.

Es gibt also Bedingungen für die Vergebung: vor allem der Glaube, aber auch die Nachfolge Mohammeds und die Erfüllung der religiösen Pflichten. Gläubig sind die, die "das Rechte gebieten und das Verwerfliche verbieten", also sich für das Gute einsetzen und es auch tun.

Der Mensch ist also nicht hoffnungslos der Sünde verfallen, sondern kann sich selbst von ihr befreien. Er hat die Wahl zwischen Gut und Böse. Er kann das Gute einüben, indem er das Böse bekämpft. So veredelt er sich selbst. "Es liegt [...] letztendlich in der alleinigen Entscheidung des Menschen, ob er mit Gott kooperiert oder nicht." Deshalb ist auch jede das Verhältnis bereinigende Vermittlung zwischen Mensch und Gott unnötig.10


4. Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch im Christentum

Wie Judentum und Islam, so versteht auch das Christentum Gott als einen liebenden und barmherzigen Gott. Und auch im Christentum ist der liebende und barmherzige Gott zugleich einer, der von den Menschen Glaube und Liebe fordert. Ebenso sind Reue und Umkehr wichtige Aspekte des christlichen Glaubens. Und dennoch bestehen wesentliche Unterschiede zwischen dem Christentum und den beiden anderen Religionen.

Schauen wir zunächst auf Jesus: Er suchte den Kontakt zu den Sündern und pflegte Gemeinschaft mit ihnen. So ging er auf die Sünder zu (Lk 19,1-10), und das wurde ihm von den religiösen Autoritäten vorgeworfen (Lk 5,30-32):

Die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten murrten und sagten zu seinen [Jesu] Jüngern: Warum esst und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Umkehr [zu rufen].

Auch denen, die nach damaligem Verständnis einen falschen Glauben hatten, verschloss sich Jesus nicht. Im Gegenteil, er ließ sich auf sie ein, scheute den Kontakt mit ihnen nicht und konnte sie sogar als Vorbild des Glaubens darstellen. So sagte er von einem römischen, also heidnischen Hauptmann der Besatzungsmacht (Mt 8,10b):

Wahrlich, ich sage euch: Bei niemandem in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.

Auch den Samaritanern, deren Glaube von den Juden nicht anerkannt wurde, wandte sich Jesus zu (Joh 4,5-41) und stellte sie als ethisches Vorbild dar (der "barmherzige Samariter", Lk 10,30-37).

Jesus ging so weit, dass er um seiner Liebe zu den Sündern willen den Konflikt mit den Herrschenden suchte, was schließlich zu seiner Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung führte. Er weigerte sich, Abstriche von seiner Liebe zu machen. So offenbarte er nicht nur seine eigene, sondern Gottes Liebe. Darum wurde er "Sohn Gottes" genannt.

Jesus ertrug Verachtung, Verfolgung, Folterung und Tod, also die Sünde seiner Gegner, ohne sich gegen sie zur Wehr zu setzen, sie mit Gottes Hilfe zu töten und so sich selbst dem Tod zu entziehen (Mt 26,51-53). Das heißt: Er ließ die Sünder leben um den Preis, selbst getötet zu werden. So war nicht nur Jesus, sondern so war Gott – und so ist er bis heute.

Es ist von entscheidender Wichtigkeit, die Einheit Jesu mit Gott zu erkennen. Jesus war nach christlichem Verständnis nicht einfach ein vorbildlicher Mensch, sondern der Mensch, der Gott offenbarte. Darum sehen wir an Jesu Geschick, was auch Gott tut und erleidet.

Der Apostel Paulus hat Jesu Zuwendung zu den Sündern später so ausgedrückt (Röm 4,5; 5,6.8.10):

Dem aber, der keine [guten] Werke tut, aber an den glaubt, der den Gottlosen gerecht [= heil] macht, wird sein Glaube als Gerechtigkeit [= Heil] angerechnet.

Christus ist, als wir noch schwach waren, zur damaligen Zeit für Gottlose gestorben. [...] Gott erweist seine Liebe zu uns dadurch, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. [...] Wenn wir nämlich, als wir noch Feinde [Gottes] waren, durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt worden sind, umso mehr werden wir, die [mit Gott] Versöhnten, durch sein Leben gerettet werden.

Mit alledem ist deutlich, dass nach christlichem Verständnis die Versöhnung zwischen Gott und Mensch nicht vom Menschen ausgeht, sondern von Gott allein. Nicht der Mensch wendet sich aus eigener Kraft Gott zu und entscheidet sich für ihn, sondern Gott neigt sich zu dem in seiner Sünde hoffnungslos verlorenen Menschen herab und erwählt ihn dazu, sich von Gott beschenken zu lassen und im Glauben Gutes zu tun. Darum sagte Jesus (Joh 15,16):

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch [dazu] bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht tragt und eure Frucht bleibt, damit mein Vater euch gibt, worum auch immer ihr ihn in meinem Namen bitten werdet.

Es geht also, christlich gesehen, nicht um eine Entscheidung des Menschen für Gott, sondern umgekehrt um eine Entscheidung Gottes für den Menschen. Erst wenn Gott sich für den Menschen entschieden hat, ihn in Liebe erwählt hat, ist der Mensch in der Lage, sich für Gott zu entscheiden, Gott zu seinem Gott zu erwählen. Denn erst mit der Erwählung des Menschen durch Gott ist der Mensch überhaupt in die Lage versetzt, glaubend und liebend Gott als seinen Gott anzunehmen (1Kor 12,3b; 2Kor 3,4-6a; Eph 2,8-10a):

Niemand kann sagen: Herr ist Jesus, außer im heiligen Geist.

Solches Vertrauen zu Gott haben wir durch Christus. Nicht, dass wir von uns selbst her fähig wären, etwas gleichsam aus uns selbst zu ersinnen, sondern unsere Fähigkeit kommt von Gott, der uns fähig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes.

Aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und dies nicht aus euch – Gottes Gabe ist es –; nicht aus [eigenen] Werken, damit niemand sich rühme. Denn sein Gebilde sind wir, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken.

Das Neue Testament stellt immer wieder klar, dass sowohl der Glaube als auch die guten Taten nicht aus der Kraft des Menschen hervorgebracht, sondern von Gott selbst im Menschen gewirkt werden. Natürlich ist es der Mensch, der Entscheidungen fällt. Aber er tut es nicht aus eigenem Vermögen, sondern indem er die göttliche Kraft, die in ihm ist, zur Wirksamkeit kommen lässt.

Der menschliche Anteil am Glauben und an der Liebe ist vergleichbar einem verhungernden Bettler, der nichts anderes tut, als das Brot, das ihm gereicht wird, dankbar anzunehmen. Er trifft dabei keine abwägende Entscheidung, er überlegt nicht, ob er das Brot will, er wählt nicht aus zwischen den beiden Möglichkeiten, das Brot zu nehmen oder nicht, sondern – er ist ein Verhungernder! – er ergreift das rettende Brot ganz selbstverständlich, weil es keine andere Lebensmöglichkeit für ihn gibt.

Dennoch gehören wir alle zu den Menschen, die das rettende Brot aus eigenem Wollen und Vermögen unbegreiflicherweise nicht ergreifen. Wir wollen keine auf Gott angewiesenen Bettler sein, sondern uns unser Brot selbst verdienen. Darum ist es ein Wunder, wenn ein Mensch auf jegliche Verdienste vor Gott verzichtet und stattdessen an Jesus Christus als seinen Retter glaubt.

Nach evangelischem Verständnis geht also die Versöhnung mit Gott sowie die Erlösung und Heiligung des Menschen nicht vom Menschen aus, sondern von Gott. Es ist Gott, der die Welt mit sich versöhnte (2Kor 5,18f), der uns vom Bösen erlöst (Mt 6,13b; Röm 7,24f) und der uns zu allem Guten heiligt (1Thess 5,23). Versöhnung, Erlösung und Heiligung sind deshalb kein Zusammenwirken von Gott und Mensch, sondern sie gründen allein in der bedingungslosen und all unserem Tun und Wollen zuvorkommenden Liebe Gottes.


5. Drei Predigten über die Liebe

Ich komme nun zurück zur multireligiösen Feier. Die Predigten des jüdischen Rabbiners Andreas Nachama und des christlichen Pfarrers Gregor Hohberg bezogen sich auf das "Hohelied der Liebe" aus der hebräischen Bibel, dem Alten Testament. Der Rabbiner verstand es als Gebet für ein Hochzeitspaar – "und zugleich setzt es das Paar gleich mit der Beziehung Israels zu Gott". Diese sinnbildliche, allegorische Bedeutung des Liedes bestand für den Rabbiner darin:

Wir lieben Gott, und er, unser Hirte, liebt uns.

Der evangelische Pfarrer deutete das Hohelied als zwischenmenschliche Liebeslyrik. Er stellte fest, dass Gott in dem Liebeslied gar nicht vorkomme. Dennoch komme alle Liebe von Gott:

Gott ist Liebe. Das heißt: Wenn ich liebe – ob meine Partnerin, meine Kinder, meinen Freund; ob meine Katze oder die Pflanzen im Garten – wenn ich liebe, bin ich mit Gott verbunden.

Im Anschluss an Hildegard von Bingen verstand der Pfarrer das Hohelied, ähnlich wie der Rabbiner, als Beschreibung der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Und er drückte seine Hoffnung auf Frieden aus – auch in den heutigen Konflikten und Kriegen:

Die Liebe ist auferstanden, und sie lebt. Auch heute, mitten unter uns. Darum: Gebt der Liebe all euer Hoffen und allen Glauben, und sie wird sich als wahre, göttliche Friedensmacht erweisen.

Der Pfarrer schloss seine Predigt mit den Worten:

Wenn Liebe tatsächlich überall zu finden ist, dann gibt es auch überall Wege zu Gott – über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg. [...] Die Liebe verbindet uns, und sie verbindet mit Gott. Die Liebe ist das Band der Vollkommenheit.

Schließlich stellte auch der Imam Osman Oers die Liebe in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er zitierte aus der islamischen Tradition folgendes Wort: "Ihr glaubt nicht wahrhaftig, solange ihr einander nicht liebt." Und er fügte hinzu:

Frieden ist der Auftrag Gottes an die Menschheit. Liebe hingegen ist Gottes Geschenk an uns, das wir uns durch die Erfüllung unseres Friedensauftrages verdienen müssen.

Am Ende seiner Predigt drückte der Imam seine Hoffnung auf mehr Frieden und Liebe in der Welt aus.

Gegen Ende der Feier zitierte der Rabbiner die Bibelstelle 1Mo/Gen 1,27: "Im Ebenbild Gottes schuf er [Gott] den Menschen". Das bedeutet nach der Auslegung des Rabbiners:

Gottes Licht gibt mit jeder Seele, die er schafft, einen Funken dieses göttlichen Lichts an uns, an uns Menschen. Also hat jeder Mensch einen Funken Göttlichkeit in sich – jenen unauslöschlichen Funken, der geprägt ist vom himmlischen Frieden. Und wenn wir einem anderen Menschen in die Augen schauen [...], dann springt uns dieser unauslöschliche göttliche Funke ins Gesicht. [...] Und ich persönlich sage: Alles ist besser als Krieg. Am Ende eines jeden Krieges gibt es nur Verlierer, Verletzte, Verstümmelte, zerstörte Städte und unendlich viele Tote.

Den Abschluss der Feier bildete ein Gebet um Liebe und Frieden mit einem anschließenden Vaterunser – ein Fürbittengebet, wie es in jedem christlichen Gottesdienst hätte gesprochen werden können. Danach folgten noch drei Segenssprüche.

Ich schätze sehr jeden Einsatz für den Frieden, jeden Kampf um die Liebe. Ich könnte mich in diesem Einsatz mit Juden und Muslimen zusammentun. Ich unterstütze voll und ganz die Sätze des Rabbiners: "Alles ist besser als Krieg. Am Ende eines jeden Krieges gibt es nur Verlierer, Verletzte, Verstümmelte, zerstörte Städte und unendlich viele Tote."

Von daher kann ich ein gemeinsames Vorgehen gegen den Krieg und das gemeinsame Plädoyer für die Liebe nur gutheißen. Das heißt aber nicht, dass ich eine gottesdienstliche Feier mit Juden und Muslimen feiern würde. Denn ich kann trotz ethischer Übereinstimmungen die Glaubensunterschiede nicht leugnen.

Der evangelische Pfarrer zitierte in seiner Predigt zwei Stellen aus dem 1. Johannesbrief, an denen es heißt: "Gott ist (die) Liebe" (1Joh 4,8.16). Er fügte hinzu: "Die Liebe ist auferstanden." Deshalb sollten wir der Liebe allen Glauben und alle Hoffnung geben. Denn wenn wir lieben, seien wir miteinander und mit Gott verbunden.

Dass wir, wenn wir einander lieben, miteinander verbunden sind, ist unbestreitbar. Dass wir aber, wenn wir einander lieben, mit Gott verbunden sind, ist eine steile These. Sie geht davon aus, dass man den Satz "Gott ist Liebe" umdrehen kann: "Die Liebe ist Gott." So, wie eine mathematische Gleichung: 3+6=9 kann man umdrehen zu 9=3+6, und die Gleichung stimmt immer noch. Das ist aber sprachlich nicht immer möglich.

Wenn man sagt "Gott ist Liebe", dann bedeutet das, dass Gott die Fülle der Liebe zukommt. Wo Gott ist, da ist also immer Liebe und nichts anderes. Wenn man den Satz umdreht und sagt "Die Liebe ist Gott", dann bedeutet das, dass der Liebe die Fülle Gottes zukommt. Das würde bedeuten: Wo Liebe ist, da ist immer auch Gott und nichts anderes.

Das lässt sich aber unter den Bedingungen der Welt nicht sagen. Unsere Liebe ist vielmehr meist durchsetzt mit anderem, was keine Liebe ist. Darum stimmt es auch nicht, dass wir, wenn wir lieben, sozusagen automatisch mit Gott verbunden sind. Und wenn wir jemandem in die Augen schauen, sehen wir nicht unbedingt einen göttlichen Funken. Es ist genau umgekehrt: Nicht unsere Liebe, also unser Tun, stellt eine Verbindung zu Gott her, sondern Gott, also gerade nicht unser Tun, stellt eine Verbindung zur Liebe her.

Darum kann man auch nicht sagen, dass wir uns Gottes Geschenk der Liebe verdienen müssen. Nicht wir müssen etwas tun, damit Gott uns Liebe schenkt, sondern Gott schenkt uns Liebe, ohne dass wir dafür etwas tun müssen. Nicht wir lieben Gott zuerst, damit er uns liebt, sondern Gott liebt uns zuerst, so dass wir ihn lieben können (1Joh 4,19):

Wir lieben [oder: Lasst uns lieben], weil er [Gott] uns zuerst geliebt hat.

Das sind keine Gedankenspiele von Theologen, sondern hier geht es um den Kern des Evangeliums. Es geht darum, dass Gottes Liebe all unserem Tun und Lassen vorangeht und dass wir uns Gottes Liebe deshalb niemals verdienen müssen. Das ist die frohe, befreiende Botschaft des Evangeliums.


6. Gemeinsam beten?

Solange mit anderen Menschen über den Kern des Evangeliums Uneinigkeit besteht, kann ich nicht mit ihnen zusammen beten, Gott loben und eine wie auch immer genannte gottesdienstliche Feier abhalten. Ich könnte auch mit Menschen, die sich Christen nennen, aber im Kern des Evangeliums mit mir uneins sind, nur schwerlich Gottesdienst feiern. Ich kann mich mit ihnen zusammentun, um mich für den Frieden einzusetzen. Ich kann für ein friedliches Miteinander der Religionen eintreten. Ich kann den Dialog der Religionen fördern. Aber ich kann nicht gemeinsam mit ihnen beten, solange ich nicht davon überzeugt bin, dass wir denselben Gott meinen, zu dem wir beten.

Ich will damit nicht ausschließen, dass Juden oder Muslime christlich leben, fühlen und denken können, auch wenn sie Christus nicht im Munde führen. Ich will nicht ausschließen, dass sie von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes leben, dass sie in tiefem Vertrauen mit Gott verbunden sind und dass sie darauf verzichten, sich Gottes Barmherzigkeit durch eigene Taten verdienen zu wollen.

Ich bin überzeugt davon, dass es Menschen nichtchristlicher Religionen gibt, die sich zutiefst ihrer eigenen Fehlbarkeit bewusst sind und sich gerade deshalb voll und ganz in der Liebe Gottes geborgen fühlen. Ich glaube sogar, dass solche Menschen stärker der bedingungslosen Liebe Gottes vertrauen als manche Christen, die auf ihre eigenen Taten und Verdienste setzen. Wenn ich einen solchen Menschen nichtchristlicher Religion gut kennen würde und davon überzeugt wäre, dass er allein auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit baut, könnte ich auch mit ihm zusammen beten. Aber an einer allgemeinen Feier mit mir nicht bekannten Juden und Muslimen kann ich aus den genannten Gründen nicht teilnehmen.


7. Die Evangelische Kirche in Deutschland

Ich finde es deshalb auch falsch, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) statt eines evangelischen Gottesdienstes eine multireligiöse Feier im Radio ausstrahlt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die multireligiöse Feier mit dem christlichen Gottesdienst gleichzusetzen ist.

Es ist aber nicht egal, ob man Jude, Christ oder Muslim ist. Es ist nicht egal, ob man sich an dem Gott orientiert, den Jesus offenbart hat, oder an dem Gott der jüdischen Tradition oder dem Gott, den Mohammed verkündigt hat. Es ist nicht egal, ob man den Koran, die Bibel ohne Neues Testament oder die Bibel mit dem Neuen Testament liest. Es ist nicht egal, ob man durch seine eigenen Taten vor Gott bestehen will oder allein durch Gottes Liebe. Und es ist auch nicht egal, ob man sich an der Liebe und radikalen Gewaltlosigkeit Jesu orientiert, die auch die Feinde einschloss, oder an einer Liebe und Gewaltlosigkeit, die den Krieg gegen Feinde dennoch rechtfertigt.

Wie vor kurzem bekannt wurde, hat sich auch im Jahr 2023 der Trend zum Rückgang der Kirchenmitgliedschaft und Verbundenheit mit der Kirche fortgesetzt, der bereits seit Jahrzehnten besteht. Die EKD hat 2023 rund 560.000 Mitglieder verloren, 380.000 davon durch Kirchenaustritte. Wichtiger ist, dass das Evangelium für immer weniger Menschen relevant ist. Die Kirche versucht, diese Relevanz offensichtlich dadurch zu stärken, dass sie die Erwartungen zu erfüllen versucht, die Menschen noch an die Kirche haben. Entsprechend äußerte sich die amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs:

Wir werden eine kleinere und ärmere Kirche, dieser Tatsache müssen wir uns stellen. Auch mit weniger Mitgliedern bleibt es aber unsere Aufgabe, uns für Nächstenliebe, Menschlichkeit und die Weitergabe des christlichen Glaubens einzusetzen [...]. Aus der jüngsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung wissen wir, dass viele Menschen nach wie vor hohe Erwartungen an die Kirchen haben. Sie wünschen sich von uns den Einsatz für sozial benachteiligte Menschen, für Bildung und für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, ist es wichtig, dass wir als Kirche wissen, wofür wir stehen und dass wir immer wieder kritisch unser Handeln und unsere Strukturen auf den Prüfstand stellen. Das ist auch wichtig im Blick auf die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie.

Die Ratsvorsitzende greift Stichworte auf, gegen die kaum jemand etwas einwenden wird: Nächstenliebe, Menschlichkeit, Weitergabe des christlichen Glaubens. Man beachte aber die Reihenfolge! Die Ratsvorsitzende fügt noch einige Stichworte der gesellschaftlichen Debatte hinzu: Einsatz für sozial Benachteiligte, Bildung und Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Kirche solle diesen Erwartungen gerecht werden. Das bedeutet nichts anderes als: Sie solle dem, was der Zeitgeist fordert, nachkommen. Aber kann eine Kirche, die dem Zeitgeist nachläuft, Jesus Christus nachfolgen?

Eine Kirche, die Jesus Christus nachfolgt, hat in erster Linie (und nicht an dritter Stelle) das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen, zu dem auch Nächsten-, Fernsten- und Feindesliebe gehören. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Aber nicht aus der Liebe folgt der Glaube, sondern aus dem Glauben folgt die Liebe. Ein guter Baum bringt gute Früchte, aber aus guten Früchten wird niemals ein guter Baum (Mt 7,17f; 12,33; Lk 6,43-45).

Darum folgen die ethischen Ermunterungen in den neutestamentlichen Briefen auf die Lehre. Und in der Theologie ist die Ethik bis heute eine Funktion der Dogmatik und nicht eine eigenständige Disziplin, die zur Not auch auf die Dogmatik verzichten kann. Ein kirchliches Handeln, das die Ethik in den Vordergrund stellt, nennt man in der Theologie "ethische Engführung".

Die Ratsvorsitzende stellt zu recht fest, dass wir als Kirche wissen müssten, wofür wir stehen. Wofür stehen also die Christinnen und Christen? Die EKD hat sich offensichtlich für die gesellschaftlich anerkannten Werte entschieden. Diese werden auch von anderen gesellschaftlichen Institutionen vertreten und gefördert. Dazu bedarf es der Kirche also nicht. Eine Kirche, die nicht mehr das Evangelium von Jesus Christus und die darin gründende Ethik in den Vordergrund ihres Redens und Handelns stellt, ist überflüssig und verliert zuerst ihre Bedeutung und dann ihre Mitglieder.

Nach den Worten der Ratsvorsitzenden sollte die Kirche "immer wieder kritisch ihr Handeln und ihre Strukturen auf den Prüfstand stellen." Doch sie sollte auch ihr Denken und Reden auf den Prüfstand stellen. Sie sollte darüber reflektieren, ob die Vergleichgültigung ihrer Botschaft durch eine ethische Engführung und dementsprechend der Ersatz des Gottesdienstes durch eine multireligiöse Feier der richtige Weg ist, das Evangelium von Jesus Christus und von dem mit ihm angebrochenen Reich Gottes zu verkündigen.


* * * * *


Quellennachweise:
1 Leo Baeck: Inbegriff von Sittlichkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit. In: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band II. Vierter Teil: Die Lehre von Gott. Neu herausgegeben von Walter Homolka. Faksimiledruck der Originalausgabe 1928-1930. Knesebeck Verlag, München 1999. S. 195f. Alle Zitate in diesem Artikel wurden orthographisch angepasst.
2 Leo Baeck: Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums. In: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band I. Erster Teil: Die Grundlagen der jüdischen Ethik. Neu herausgegeben von Walter Homolka. Faksimiledruck der Originalausgabe 1928-1930. Knesebeck Verlag, München 1999. S. 14f.
3 Max Dienemann: Judentum und Christentum. Frankfurt 1914. S. 34f. Zitiert nach: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band II (siehe Anm. 1). S. 307.
4 Samson Raphael Hirsch: Gesammelte Schriften I. Frankfurt 1902-1908. S. 477. Zitiert nach: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band II (siehe Anm. 1). S. 308.
5 Muhammad Salim Abdullah: Islam für das Gespräch mit Christen. Gütersloher Verlagshaus. 2. Aufl. Gütersloh 1995. S. 80f.
6 Adel Th. Khoury / Peter Heine: Im Garten Allahs. Der Islam. Verlag Herder im Breisgau. 2. Aufl. Freiburg u.a. 1996. S. 97f.
7 Mouhanad Khorchide: Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus. Verlag Herder GmbH. Freiburg im Breisgau 2015. S. 25.
8 Annemarie Schimmel: Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen. Der Islam. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1999. S. 65f.
9 Annemarie Schimmel: Im Namen Allahs (siehe Anm. 8). S. 62.
10 Vgl. Mouhanad Khorchide: Gott glaubt an den Menschen (siehe Anm. 7). S. 28.30.

Foto: Free Fun Art auf Pixabay.




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Rezensionen
Freitag 10 Mai 2024
Vielleicht kann man hier folgenden Gedanken Jesu noch indirekt hinzufügen aus:
Wehrt & Hindert nicht! ... Denn wer nicht gegen euch/uns ist, ist für euch/uns (Lk 9:50 Mk 9:40)
Die Frage ist: Wie positionieren sich die anderen GlaubensGemeinschaften gegenüber unserer GlaubensGemeinschaft? feindseelig, einschränkend, beherrschend, unterdrückend, ... oder neutral, tolerant ... oder aber fördernd, unterstützend, dankbar. Dazu müssten sie allerdings Jesus und die Bibel natürlich wirklich kennen und verstehen, um nicht von Vorurteilen und Unterstellung zu leben.
Freitag 10 Mai 2024
Danke für den Hinweis auf diese Stelle. Das ist ein sehr tolerantes Wort Jesu. Denn es sagt: Wer nicht ausdrücklich gegen Jesus Partei ergreift, ist für ihn. Dass jemand Jesus neutral gegenüberstehen könnte, ist hier offensichtlich nicht im Blick. Die Jünger sollen sich also nicht unnötig gegen die abgrenzen, die nicht ihren Vorstellungen der Nachfolge entsprechen (Mk 9,38 wörtlich). Es könnte gemeint sein: Jeder, der etwas machtvoll Gutes tut, tut das durch die Kraft Gottes. Und weil die Kraft Gottes in ihm ist, wird er nicht kurze Zeit später zum Feind Jesu werden (Mk 9,39). Es könnte also sein, dass er (unbewusst?), weil Gott in ihm wirkt, schon ein Nachfolger Jesu ist, und von daher ist er in jedem Fall ein öffentlicher Mitarbeiter am Reich Gottes und vielleicht auch einer, der sich Jesus demnächst öffentlich anschließt - auch wenn er jetzt noch nicht so weit ist. Das bedeutet für uns, dass wir nicht vorschnell über Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften oder Religionen richten sollen, auch wenn wir die offizielle Lehre der Gemeinschaft ablehnen müssen.
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
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