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Jubelnde Schöpfung

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 17 August 2022
Tags: GotteslobSchöpfungGlückSeele

T h e o l o g i e   t o   g o
Jubelnde Schöpfung
Klaus Straßburg | 17/08/2022

Ich brauche viel Bewegung. Geistig und körperlich. Bewegung ist für mich Leben. Stillstand hat etwas vom Tod. Im Tod steht alles still. Darum möchte ich mich bewegen, solange ich lebe.

Meine körperliche Bewegung in diesem Sommer bestand und besteht hauptsächlich aus Wandern und Joggen. Dazu kommt das Erledigen alltäglicher Dinge mit dem Fahrrad. Das Fahrrad ist eine wunderbare Erfindung. Der Mensch, der als erster das Rad als Bewegungs- und Transportmittel genutzt hat, hat einen Nobelpreis verdient.

Manchmal beim Wandern oder Joggen spüre ich, wie der ganze Körper frohlockt. Es fühlt sich wirklich so an: Der Körper möchte jubeln und singen. Der Körper als Ganzer kann das nicht. Und meiner Kehle ist es peinlich, beim Wandern oder Joggen einen Jubelruf anzustimmen. Aber der Körper fühlt sich so an, als ob er's trotzdem täte. Und er tut es auch – auf seine stille, aber spürbare Weise.

Es ist das Glücksgefühl, das wir alle kennen, jeder Mensch in seinen ganz eigenen Glücksmomenten. Dieses Glücksgefühl, ja mehr noch: Alles organische Leben lobt auf eine stille Weise den Schöpfer, der es erschaffen hat. Das ist zunächst nur eine Behauptung. Nur ein Mensch wird es fassen können, dessen Sinne sich dafür geweitet haben, nicht nur das Sichtbare wahrzunehmen, sondern auch die Wirklichkeit hinter dem Sichtbaren.

Vielleicht beschreibt diese Wirklichkeit auch das Geheimnis, das einige Psalmen ausdrücken: dass die ganze Schöpfung den Schöpfer überschwänglich lobt – sogar der Teil der Schöpfung, der nach unserem Verständnis tote Materie ist.

Lobt ihn, Sonne und Mond,
lobt ihn, ihr leuchtenden Sterne!
Lobt ihn, ihr Himmel aller Himmel
und ihr Wasser über der Feste!
Lobt den Herrn von der Erde her,
ihr Ungetüme und Fluten alle!
Du Feuer und Hagel, Schnee und Rauch,
du Sturmwind, der sein Wort ausrichtet!
Ihr Berge und Hügel allzumal,
ihr Fruchtbäume und Zedern alle,
ihr wilden Tiere und ihr zahmen,
du Gewürm und ihr, beschwingte Vögel!
(Psalm 104,3f.7-10)

Jauchzt dem Herrn, alle Lande!
Brecht in Jubel aus und spielt! [...]
Es donnere das Meer und was es erfüllt,
der Erdkreis und die darauf wohnen!
Die Ströme sollen in die Hände klatschen
und die Berge allzumal jubeln
vor dem Antlitz des Herrn.
(Psalm 98,4.7-9a)

Wie ein Berg jubelt, weiß ich nicht. Oder doch, wenn ich keinen Gesang erwarte. Jeder Fels kann dann in seiner erhabenen, ruhigen und festen Weise ein andauernder Jubelruf sein. Ein Jubelruf in verschiedenen Tonlagen, denn der Fels, so fest er auch ist, verändert seine Gestalt permanent: Je nach Jahreszeit und Lichteinfall, ob nass oder trocken, erleuchtet oder beschattet, immer zeigt sich der Fels in anderer Gestalt. Wenn wir seinen Jubel hören – nein fühlen, dann ist der Psalm für uns kein unrealistisches Gerede mehr. Er beschreibt vielmehr eine Wirklichkeit, die nur in der Stille und mit den geduldigen Ohren einer vom Schöpfer bewegten Seele wahrgenommen werden kann.

Ich brauche auch diese Bewegung. Denn eine unbewegte Seele ist der Tod.


* * * * *


Foto: Klaus Straßburg





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