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Hoffnung in Zeiten des Krieges |67

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 7 Januar 2023

Ich glaube zu wissen, dass ich eigentlich erst innerlich klar und aufrichtig sein würde, wenn ich mit der Bergpredigt wirklich anfinge, Ernst zu machen. Hier sitzt die einzige Kraftquelle, die den ganzen Zauber und Spuk einmal in die Luft sprengen kann, bis von dem Feuerwerk nur ein paar ausgebrannte Reste übrigbleiben. Die Restauration der Kirche kommt gewiss aus einer Art neuen Mönchtums, das mit dem alten nur die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt in der Nachfolge Christi gemeinsam hat. Ich glaube, es ist an der Zeit, hierfür die Menschen zu sammeln.

Dietrich Bonhoeffer


Das schrieb Dietrich Bonhoeffer am 14. Januar 1935 in einem Brief an seinen Bruder Karl-Friedrich. Damals war die evangelische Kirche Deutschlands gespalten: Die Hitler nahestehenden "Deutschen Christen" hatten die Vorherrschaft erlangt. Die "Bekennende Kirche", der Bonhoeffer angehörte, hatte sich abgespalten und kämpfte um das Evangelium.

Bonhoeffer konzentriert sich in diesem Kampf auf die heilige Schrift, speziell auf die Bergpredigt (Mt 5-7). In ihr sieht er die einzige Kraftquelle, die dem Irrweg der "Deutschen Christen" Einhalt gebieten kann.

Bonhoeffer sucht also keine kirchenpolitische Antwort auf die "Deutschen Christen", sondern eine theologische. Eine Antwort, die aus dem Glauben kommt.

Diese Antwort ist die Kompromisslosigkeit eines Lebens nach der Bergpredigt. Er will nicht das Mönchtum wieder einführen, aber er sieht in diesem ein Beispiel für die Kompromisslosigkeit des Glaubens.

Es macht Hoffnung, innerlich klar und aufrichtig zu sein und mit der Bergpredigt Ernst zu machen. Dann kann vielleicht sogar der Zauber und Spuk eines Krieges beendet werden.


Quelle: Reiner Strunk: Nachfolge Christi. Erinnerung an eine evangelische Provokation. Chr. Kaiser Verlag, München 1981. S. 203. Dort zitiert nach: Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. 4. Aufl. 1978. S. 529. Orthographisch angepasst an die neue deutsche Rechtschreibung. Hervorhebungen getilgt.





4 Kommentare
2023-01-08 08:42:24
Hallo Klaus,

danke für diesen Beitrag! Ich staune immer wieder über Bonhoeffers pointierte und scharfe Formulierungen. Wie wäre es, wenn man diese Worte nicht nur auf die Deutschen Christen, sondern auch auf die heutigen Kirchen anwenden würde? Die beiden Volkskirchen gehen den Bach runter, insbesondere seit es nicht mehr sozial dazugehört, Kirchenmitglied zu sein, und die mir bekannnten Freikirchen bieten auch keine gute Alternative, eher im Gegenteil.

Vielleicht geht der Weg zur Rück- oder Neugewinnung von Reputation tatsächlich nur über die gelebte Bergpredigt, dann selbstverständlich in sehr viel kleinerem Umfang ("Salz der Erde").

Viele Grüße

Thomas
2023-01-08 14:54:09
Hallo Thomas,

ich denke auch dass eine biblische Konzentration den Volkskirchen gut täte. Dabei könnte die Bergpredigt eine herausragende Rolle spielen, aber nicht einfach als ethische Forderung, sondern im Kontext eines biblisch fundierten Glaubens. Keine Ethik ohne Glaube, und kein Glaube ohne Ethik.

Viele Grüße
Klaus
2023-01-12 14:23:39
Hallo Klaus

Zum Thema der winzigen "Bekennende Kirche" und den gewaltigen "Deutschen Christen" fällt mir nur folgender Gedanke ein: Wer sich selbst nicht ständig geistig reinigt, kann die Wahrheit irgendwann nicht mehr erkennen.
2023-01-12 15:24:26
Hallo Pneuma,

dem stimme ich zu - mit einer kleinen Änderung: Wer sich selbst nicht ständig geistig reinigen lässt, kann die Wahrheit irgendwann nicht mehr erkennen.

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