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Hoffnung in Zeiten des Krieges |62

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 24 November 2022

Neues Stundengebet

Sie wollen es nicht wahrhaben
Erleuchte uns Herr
Sie stecken den Kopf in den Sand
Vergib uns alle Missetaten
unseren Hochmut und Betrug
Sie wollen
dass man lügt und ihnen sagt
Segne uns
die Welt sei glücklich
in diesem Jammertal
und alles gar nicht so schlimm
Erlöse uns vom Übel
Sie glauben nicht
Verschone uns
dass diese Welt aufgehört hat
in alle Zukunft
für sie fröhlich zu sein
Erbarme dich unser
wenn
ihre Verwandlung zum Roboter
stattgefunden hat
Gib uns den Frieden

Barbara Brendler (1919-2009)


Man kann den Kopf in den Sand stecken vor dem täglichen Sterben. Man kann so tun, als sei alles gar nicht so schlimm. Man kann an die fröhliche Welt glauben. Man kann sich zu einer Maschine verwandeln, die das wiederkäut, was man ihr eingetrichtert hat.

Aber das ist nicht das Leben, das ist der Tod vor dem Tod. Die Lebendigen aber wissen um das Übel, den Unfrieden, um den eigenen Hochmut, den Betrug, die Schuld.

Die Lebendigen bitten deshalb um Erbarmen und Vergebung, um Verschonung und Segen, um Erleuchtung und Erlösung vom Übel. Die Lebendigen bitten um den Frieden, immer und immer wieder, weil sie ihn nicht machen können, weil kein Mensch ihn machen kann, so mächtig er auch sei. Denn dieser Friede muss geschenkt werden.


Quelle: Gedichte gegen den Krieg. Hg. von Kurt Fassmann. Copyright 1961 by Kindler Verlag München. Zitiert nach der Ausgabe von Zweitausendeins Frankfurt/Main 1971, S. 264. Die Orthographie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst.





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