Christsein Verstehen - Christsein verstehen

verstehen
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
Direkt zum Seiteninhalt

Hoffnung in Zeiten des Krieges |59

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 29 Oktober 2022

So kann mir, wenn ich einmal sehr schlimm dran und vielleicht verzweifelt bin, eine blühende Rose dasselbe bedeuten wie der Regenbogen, den er [Gott] nach schweren Wettern über die Erde spannt und der mir verkünden soll, dass diese fragwürdige und rebellische Welt unter seiner Gnade weiterleben soll, dass seine Hand diese Welt und uns alle weitertragen will und dass kein menschlicher Wahnwitz sie dieser bewahrenden Hand entreißen und sie kaputtmachen darf – selbst nicht teuflische Spiele mit atomaren Feuern.

Helmut Thielicke


Diese Worte wurden im Jahr 1965 veröffentlicht. Auch damals richteten sich die Menschen rebellisch gegen Gott, und auch damals wollte Gott die Welt erhalten, so dass kein menschlicher Wahnwitz ihr ein Ende machen konnte.

Auch damals gab es schon die teuflischen Spiele mit atomaren Feuern. Die Feuer sind aber – Gott sei Dank – nicht eingetreten. Bis heute hat der gnädige Gott uns davor bewahrt.

Darum haben wir Grund zu hoffen, dass der Wille, der uns so viele Jahre bewahrt hat, auch in Zukunft sich nicht ändern wird – egal, wie fragwürdig und rebellisch, wie wahnwitzig die Welt sich gebärden mag.

Und was immer geschehen wird – niemand kann uns der bewahrenden Hand Gottes entreißen.


Hinweis:
Der evangelische Theologe Helmut Thielicke lebte von 1908 bis 1986. Er war während der Nazi-Herrschaft in der Bekennenden Kirche aktiv und nach dem Krieg viele Jahre Professor in Hamburg. Dort predigte er regelmäßig vor einer großen Zuhörerschaft in der Hauptkirche St. Michaelis. Viele seiner Predigten, die allgemeinverständlich und gehaltvoll sind, wurden veröffentlicht und sind noch heute antiquarisch verfügbar.
Der obige Text ist folgendem Predigtband entnommen: Helmut Thielicke: Ich glaube. Das Bekenntnis der Christen. Quell-Verlag, Stuttgart 1965. S. 60. Die Orthographie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst.





8 Kommentare
2022-10-29 14:24:21
Lieber Klaus

Wieso soll uns Gott davor bewahrt haben? Indirekt bestimmt durch unsere Vernunft und gegenseitigen Abhängigkeiten. Aber ... In der Menschheitsgeschichte wurde immer alles was bekannt und vorhanden war auch genutzt, wenn man der eine einen Vorteil davon hat und/oder dem anderen einen Nachteil zufügen will. Vielleicht konzentrieren sich die "besonderen" Waffen der Zukunft auf die Gehirne von Soldaten ... Feinde ... Menschen. Und doch muss sich immer jeder Mensch entscheiden, wofür und womit ...
2022-10-29 15:40:21
Lieber Pneuma,

dass seit 1965 in der Welt keine Atomwaffen eingesetzt wurden, rechne ich nicht der menschlichen Vernunft zu, sondern der gnädigen Bewahrung Gottes. Wieso er das tat? Ich denke, aus Liebe zu seinen Geschöpfen. Wie er das tat? Sicher auch dadurch, dass er menschliche Gedanken in die richtige Richtung lenkte. Darum hoffe ich auch jetzt nicht auf menschliche Einsicht oder Weisheit (welche?), sondern auf Gottes Wirken in der Geschichte - also auch in Menschen und deren Handeln. Es wird immer Menschen geben, die Gott sich zu Zeugen erwählt und die, ob "gläubig" oder nicht, wollend oder nicht wollend, sein Werk verrichten - siehe den persischen König Kyros im Alten Testament.
2022-10-30 07:31:24
Ein Regenbogen ist ein atmosphärisch-optisches Phänomen, das durch von Regentropfen gebrochenes und zurückgeworfenes Sonnenlicht zustande kommt.
2022-10-30 09:54:34
Das stimmt. Aber könnte es nicht sein, dass Gott auch durch naturgesetzlich erklärbare Phänomene zu uns sprechen möchte (wie z.B. durch einen liebevoll uns zugewandten Menschen, durch ein gesprochenes oder geschriebenes Wort oder durch eine uns faszinierende Blume)?
2022-10-30 10:26:24
Hallo Klaus,

vieles könnte sein.

Zunächst mal spricht hier aber der Mensch Helmut Thielicke zu anderen Menschen, spricht im Indikativ davon, dass Gott den Regenbogen über die Erde spannt, und behauptet sogar, zu wissen, was Gott damit sagen will.

Auf mich hat das eine ähnliche Wirkung wie jemand, der auf einem Gynäkologenkongress ernsthaft davon spricht, dass der Klapperstorch die kleinen Kinder bringt.

Viele Grüße

Thomas
2022-10-30 14:16:47
Hallo Thomas,

nun hat sich Helmut Thielicke, wie du weißt, das mit dem Regenbogen ja nicht ausgedacht, sondern er wiederholt mit eigenen Worten das, was ein anderer Mensch vor mehr als 2000 Jahren mal aufgeschrieben hat und was bis heute in Gen 9 zu lesen ist: dass der Regenbogen ein Zeichen Gottes ist, ein Zeichen, das uns daran erinnert, dass Gott die Lebewesen auf Erden nicht dem Untergang preisgeben, sondern sie bewahren wird (bis zu dem Tag, an dem er einen neuen Himmel und eine neue Erde erschafft). Dass der Regenbogen ein naturgesetzlich erklärbares Phänomen und zugleich ein Zeichen Gottes für uns ist, ist für mich kein Widerspruch. Jesus hat in seinen Naturgleichnissen ebenfalls natürliche Phänomene auf Gott hin transparent gemacht, d.h. er hat sie aufgegriffen und eine Glaubensaussage daran verdeutlicht (z.B. "Seht die Vögel unter dem Himmel, ..." und "Seht die Lilien auf dem Felde, ...").

Das heißt ja nicht, dass jeder Regenbogen von Gott unter Durchbrechung der Naturgesetze an den Himmel gesetzt wird, sondern dass wir uns überall, wo ein Regenbogen naturgesetzlich nachvollziehbar entsteht, an Gottes Zusage dankbar erinnern können. Das setzt freilich voraus, dass sich ein Mensch für das, was in Gen 9 steht, öffnet und sich davon ansprechen lässt, dass er es also nicht nur für menschliche Worte hält, sondern für Gottes Worte im Munde von Menschen, für Gottes Anrede an uns durch die Worte von Menschen.

Viele Grüße
Klaus
2022-10-31 07:44:12
Hallo Klaus,

das mag ja alles sein. Mir ging es um die Feinformulierung. Nach so etwas schalte ich auf Durchzug.

Viele Grüße

Thomas
2022-10-31 10:37:15
Hallo Thomas,

"der Regenbogen, den Gott nach schweren Wettern über die Erde spannt" - diese "Feinformulierung" ist tatsächlich missverständlich, da gebe ich dir recht. Man kann darin hören: Gott spannt jeden einzelnen Regenbogen "eigenhändig" aus und kümmert sich dabei um keinerlei Naturgesetze. Ich habe beim Lesen dieses Satzes gehört: Gott erhält die Schöpfung (creatio continua - fortgesetzte Schöpfung) mit ihren von ihm geschaffenen Naturgesetzen bis heute so, dass sich bei schweren Wettern, wenn alle physikalischen Voraussetzungen dafür gegeben sind, ein Regenbogen einstellt. So unterschiedlich kann man denselben Satz hören. Beide Male ist Gott das Subjekt, aber der Kontext, also der Hintergrund, vor dem der Satz gedeutet wird, ist ein anderer. Darum ist es wichtig, wie du sagst, dass man auf die "Feinformulierung" achtet und Missverständnisse möglichst vermeidet.

Viele Grüße
Klaus

Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
verstehen
Zurück zum Seiteninhalt