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Hoffnung in Zeiten des Krieges |58

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 22 Oktober 2022

Mit dem Frieden anfangen, das heißt als erstes: miteinander reden. 2009 zum Beispiel, nach acht Jahren Krieg, kam man sogar in Afghanistan nach langem amerikanischem Widerstand dahinter, dass man mit den Taliban sprechen und verhandeln müsste. [...] Einzig wenn wir zwischen den Kriegsparteien strikte Neutralität wahren, statt als Interessenpartei aufzutreten, behalten wir die Möglichkeit zu vermitteln. [...] Gespräch statt Gewalt – das allein ist der Weg des Friedens. Auch der andere glaubt an Ideen und Ziele, die es ihm wert sind, zum äußersten zu gehen. Solange wir nicht verstehen, was er will und warum er es will, eskaliert der Konflikt.

Eugen Drewermann


Gott hat uns zwei Fähigkeiten gegeben, die wichtig für ein friedliches Zusammenleben sind: Empathie und Sprache.

Gerade in einem Konflikt müssen wir uns darum bemühen, das Handeln des anderen zu verstehen. Das können wir nur, wenn wir auch den, der Böses tut, nicht dämonisieren. Denn dann unterstellen wir ihm allein Böses, sprechen uns selbst aber davon frei.

Wenn wir uns darum bemühen, uns in den, der Böses tut, einzufühlen und ihn zu verstehen, dann können wir konstruktiv mit ihm reden. Alles andere führt zur Eskalation.

Wenn wir die Möglichkeiten der Empathie und der Sprache verachten, verachten wir Gottes Gaben, die zum Frieden verhelfen können. Wenn wir die Möglichkeiten der Empathie und der Sprache nutzen, dürfen wir hoffen, zum Frieden zurückzufinden.


Quelle: Margot Käßmann / Konstantin Wecker (Hg.): Entrüstet euch! Warum Pazifismus für uns das Gebot der Stunde bleibt. Texte zum Frieden. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, S. 188.





4 Kommentare
2022-10-23 11:24:16
Lieber Klaus

Miteinander reden, gegenseitiges Verständnis entwickeln, ... kann allerdings leider auch die Eskalation fördern, insbesondere wenn sich daraus kein gegenseitiges Vertrauen entwickelt.
Dann sucht der andere nur darin die Schwächen des anderen, um diese zum eigenen Vorteil auszunutzen.
2022-10-23 12:56:53
Hallo Pneuma,

auch das Gespräch und das Verständnis füreinander sind natürlich keine Allheilmittel. Wenn der andere nicht konstruktiv reden, sondern das Gespräch für seine Zwecke ausnutzen will, können auch Gespräch und Verständnis keinen Frieden bringen. Mein Punkt war umgekehrt: Gespräch und Verständnis garantieren zwar keinen Frieden; aber ohne Gespräch und Verständnis wird es kaum Frieden geben können. Mir fehlt im Ukraine-Krieg der ernsthafte Versuch, durch Diplomatie und Verständnis (und das Bekenntnis zur möglicherweise eigenen Mitschuld am Konflikt) zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Feindesliebe ist für mich nicht nur, keine körperliche Gewalt zu üben, sondern auch, mit dem anderen zu reden, ihn zu verstehen zu versuchen, eigene Mitschuld einzuräumen etc.
2022-10-23 23:16:51
Hallo Klaus,

es wundert mich, dass du ausgerechnet Afghanistan als Beispiel nimmst. Wir haben ja gerade gesehen, wie es dort weitergegangen ist. Gott müsste ja auch den Taliban Empathie und Sprache gegeben haben.

Viele Grüße

Thomas
2022-10-23 23:33:04
Hallo Thomas,

ich verstehe Drewermann so, dass er Afghanistan als Beispiel dafür anführt, dass man ohne Dialog nicht zu einem Frieden kommt. Drewermanns Text ist aus dem Jahr 2014, da hoffte man noch auf eine friedliche Lösung mit den Taliban. Allerdings kann man, das wissen wir jetzt, in Afghanistan nicht von Frieden sprechen, sondern nur vom Ende des Krieges. Das heißt: Statt des Todes Unschuldiger, die es im Krieg gab, gibt es dort jetzt Unterdrückung und Unrecht.

Ich denke, dass Gott auch den Taliban Empathie und Sprache gegeben hat. Das Problem ist nur, dass man beides pervertieren kann. Dann hilft natürlich die beste Gabe Gottes nichts ...

Viele Grüße
Klaus

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