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Hoffnung in Zeiten des Krieges |56

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 3 Oktober 2022

Liebe zum Feind und Gewaltlosigkeit, wie Jesus sie fordert, bedeuten: Schau dir deinen Gegner gut an. Er ist niemals das Böse schlechthin, du musst unterscheiden lernen: Vor dir steht ein Täter, der Unrecht begeht, das ist das eine. Vor dir steht aber auch ein Mensch, das ist das andere, und das verbindet euch trotz aller Feindschaft. [...]

Jesus sagt darum: "Liebt eure Feinde! Weitet euren Blick für sie und nehmt sie wieder als Menschen wahr. Versucht zu verstehen, warum sie so bedrohlich denken und handeln, und welchen Anteil womöglich ihr selbst daran habt." Es ist eine Frage der Weisheit, den Feind so zu achten, dass man ihn versteht und dieses Verstehen einbringen kann in die Begegnung mit ihm, denn das ist der einzige Weg zum Frieden. [...]

Praktisch bedeutet es zum Beispiel dies: Der eine bedenke die Angst des anderen und versuche zu ergründen, was er selbst beiträgt zu ihrer Entstehung. Der eine bedenke, worunter der andere leidet, schließe ihn nicht aus und laufe nicht vor ihm weg, sondern schließe ihn ein und halte bei ihm aus.

Jörg Zink


Der Friede ist nicht so schwer, wie wir es uns manchmal vorstellen. Eigentlich ist uns alles gegeben, um in den meisten Fällen im Frieden miteinander zu leben.

Dazu gehört jedoch die Weite eines Blickes, die den Feind nicht als Inbegriff des Bösen wahrnimmt, sondern als einen Menschen – ein von Gott geliebtes Geschöpf.

Dazu gehört auch der Blick auf die eigene Fehlbarkeit: auf das, was man selbst zur Entstehung des Konflikts, zur Angst des anderen und zu seinem bedrohlichen Denken und Handeln beigetragen haben könnte.

Es ist nicht schwer, diese wenigen Schritte zu tun. Wir müssen sie nur tun wollen.

Wir können Gott darum bitten, dass er die Herzen vieler Menschen, besonders der Mächtigen, so verändern möge, dass sie diese wenigen Schritte tun.


Quelle: Jörg Zink: Erst die Liebe zum Feind schafft Frieden. In: Margot Käßmann / Konstantin Wecker (Hg.): Entrüstet euch! Warum Pazifismus für uns das Gebot der Stunde bleibt. Texte zum Frieden. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2015, S. 153.156.





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