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Hoffnung in Zeiten des Krieges |51

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 16 August 2022

Pan

Wo sich der Hirtenweg am schütteren Hafer vorüber,
sich vorüber am Duft blühenden Rosenzweigs

in den Schierling senkt und ins schweigende Röhricht des Ufers,
bleibe ich wiederum stehn, weil mir's den Atem benimmt

vor Bedrängnis und Schwüle und flimmernder Schwebung des Sommers.
Keine Rispe erbebt, keine vergoldete blinkt,

keine Biegung des Halms. Der Weiher ruht unbeweglich.
Selbst der gläserne Ton dämpft sich der Mücke im Flug.

Aber irgendwo im feuchten Gedämmer des Schilfwalds
singt, dem die Stunde gehört, schläfrig der einsame Gott.

Singt und verhält und singt. Und die Stille wird tiefer und tiefer.
Nichts geschieht auf der Welt, nichts als das lullende Lied.

Manfred Hausmann


Ein Sommer im Krieg. Die Luft steht, flimmert, schwebt. Unbewegliche Schwüle.

Auch das ist Krieg: die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht die letzte Ruhe.

Pan ist der griechische Gott der Hirten. Er will niemals in seiner Mittagsruhe gestört werden. Wenn dies geschieht, jagt er den Herdentieren panischen Schrecken ein. Panik auch bei den Hirten.

Panik bei den Soldaten. Bedrängnis, Angst. Panischer Schrecken, wenn der Sturm losbricht. Doch irgendwo in der Dämmerung singt schläfrig der einsame Gott.

Einsam erscheint er, weil die Menschen ihn verlassen haben. Schläfrig, weil er nichts tut gegen den Sturm. Er ist nicht der Lückenbüßer, der all unsere Untaten zurechtrückt.

Nichts geschieht gegen den Sturm. Nichts als das leise Lied Gottes. Immerhin.


Quelle: Manfred Hausmann: Jahre des Lebens. Gedichte. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1974. S. 62.





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