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Hoffnung in Zeiten des Krieges |31

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 27 April 2022

Es mögen die Berge weichen und die Hügel wanken,
aber meine Gnade wird nicht von dir weichen
und der Bund meines Friedens wird nicht wanken,
spricht der Herr, dein Erbarmer.

Jesaja 54,10


Die Welt ist ins Wanken geraten. Was festen Bestand hatte, fällt dahin. Was wir für sicher hielten, geht verloren. Die Zukunft entgleitet uns.

Ohnmächtig und verängstigt stehen wir vor dem Chaos des Krieges und vor seinen Drohungen.

Eins aber geht nicht verloren und fällt nicht dahin: das Erbarmen Gottes, der Bund seines Friedens, seine liebevolle Zuwendung zu uns. In allem Leid und allen Bedrohungen ist einer, der nicht von unserer Seite weicht.

Weder das Sichtbare noch das scheinbar Sichere gibt uns Halt. Halt bietet allein das Vertrauen darauf, dass Gottes Friede, der höher ist als unser Denken und Fühlen, trotz aller Machtlosigkeit und Angst Bestand hat.






4 Kommentare
2022-04-28 12:26:09
Hallo Klaus,

die ersten beiden Absätze finde ich übertrieben für die derzeitige Situation. OK, viele Ukrainer werden sich gerade so fühlen. Aber hier in Deutschland? Für den 28.04.1945 hätte ich ohne Einschränkung zugestimmt: Den Rattenfängern hinterhergelaufen, Krieg angefangen und total verloren, viele Väter, Männer, Brüder, Söhne tot, verwundet oder vermisst, das ganze Land feindlich besetzt, völlige Unsicherheit, wie es weitergeht. Die verzweifelte Hoffnung, dass unsere Kriegsgegner uns besser behandeln als wir sie, solange wir noch die Oberhand hatten.

Seitdem gab es immer irgendwo auf der Welt Krieg und Unterdrückung, tlw. auch in Europa. Es ist wichtig, sich in die unschuldigen Opfer hineinzuversetzen und ihnen zu helfen. Und es ist wichtig, sich den Verbrechern und Gewaltherrschern aktiv entgegenzustellen.

Poesie und Prophetie hilft da wenig.

Viele Grüße

Thomas
2022-04-28 14:02:36
Hallo Thomas,

für mich ist Jes 54,10 nicht einfach romantische Poesie, sondern die Beschreibung einer Situation, in der eine Welt zusammenbricht. In dieser Situation, in der wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind, hilft nur noch der Blick auf Gott, der mehr Möglichkeiten hat als wir.

Nun kann man sagen, so schlimm sei es doch alles gar nicht. Für die Menschen in der Ukraine ist es aber so schlimm, und ich kenne Menschen bei uns, die wegen des Krieges nicht mehr schlafen können. Die Bedrohung ist real und steigert sich mit der Lieferung schwerer Waffen. Auch die Politik ist sich keinesfalls einig: Die einen sagen, mit der Lieferung schwerer Waffen reduziere sich die Gefahr eines Atomkriegs, die anderen sagen, sie steigere sich. Deutlicher kann es meines Erachtens gar nicht werden, dass die Politik mit ihrer Weisheit am Ende ist.

Allein die Gefahr eines Atomkriegs irgendwie in Kauf zu nehmen, ist sicher extrem weit entfernt von Jesu Gebot der Feindesliebe. Und viele Menschen, auch bei uns, spüren, wie groß die Gefahr ist. Nur die Politik geht unbeirrbar den Weg der scheinbaren Stärke und ignoriert, jedenfalls nach außen hin, die Gefahr. Das ist immens gefährlich, denn nicht wir entscheiden, wann wir Kriegspartei sind, sondern allein Putin - der ja von vielen als unberechenbar und irrational bezeichnet wird. Man legt den Beginn eines Atomkriegs also nolens volens in die Hand eines unberechenbar und irrational handelnden Diktators. Welch eine Dummheit!

Da scheint mir Jesu Weg der Gewaltverweigerung sehr viel rationaler. Und wenn man sich damit schwer tut, könnte man ja wenigstens einen Weg der Gewaltreduzierung gehen. Im Moment beobachte ich aber nur Aktionen der Eskalation. Und niemand weiß, wo das enden wird ...

Viele Grüße
Klaus
2022-04-28 16:22:38
Hallo Klaus,

Russland führt einen Angriffskrieg in der Ukraine. Die Ukraine ist berechtigt, sich zu verteidigen. Wir werden durch Lieferung von Waffen auf die Ukraine völkerrechtlich nicht zur Kriegspartei.

Putin hat seine Wurzeln in der Abteilung Spionage, Desinformation und Manipulation. Er führt einen Informationskrieg mit der freien Welt und ist dabei durchaus erfolgreich. Er führt eigene Definitionen davon ein, wann er sich angegriffen fühlen wird und sich zum Einsatz von Kernwaffen berechtigt sieht, die mit dem Völkerrecht nichts zu tun haben. Einige Leute im Westen gehen ihm dabei auf den Leim. Durch seine Propaganda, durch Korruption diverser Politiker verschiedener Couleur gelingt es ihm immer mehr, den Eindruck zu fördern, die westlichen Regierungen wären mit ihrem Latein am Ende. Auch in dieser Hinsicht sollte man nicht auf ihn hereinfallen.

Putin hat seine primären Kriegsziele nicht erreicht, insbesondere nicht eine schnelle Einnahme der Ukraine. Die vermeintlich weit überlegene russische Armee hat erstaunliche Schwächen gezeigt. Die Motivation der Ukrainer, für ihre Freiheit zu kämpfen, hat Erstaunliches bewirkt. Putin hat sich selbst als vertrauenswürdiger Verhandlungspartner komplett diskreditiert. Sein Außenminister Lawrow ebenfalls. Putin versucht, zumindest bis zu dem symbolischen Datum 9.5. in der Ostukraine etwas zu erreichen, das er als Sieg verkaufen kann.

Dass Deutschland bzw. der Bundeskanzler in dieser Situation zögert und zaudert, ist durchaus logisch. Zum einen wegen historisch begründeter Hemmungen, zum anderen wegen einer konkreten selbstverschuldeten und ärgerlichen Abhängigkeit von russischem Gas. Aber wir allein sind nicht Europa und schon gar nicht der Westen, und wir sollten uns nicht überschätzen. Polen, Balten, Finnen und Schweden sehen die Situation klarer als wir.

Und im Hintergrund sieht China interessiert zu, was der Westen mit sich machen lässt und was nicht mehr. Schließlich hat China eigene Hegemonialinteressen, z. B. im Bezug auf Taiwan.

Jesus hätte sich aus all dem völlig herausgehalten. Und wenn als Christ den Anspruch erhebt, Jesus nachzufolgen, kann man das auch tun. Das ist eine Option und vielleicht nicht die schlechteste. Dazu gehört dann aber auch die Bereitschaft, sich nach weltlichen Maßnahmen widerstandslos abschlachten zu lassen. So weit bin ich noch nicht.

Viele Grüße

Thomas
2022-04-28 17:28:39
Hallo Thomas,

deine politische Analyse kann man teilen oder nicht teilen. Das alles ändert nichts daran, dass Putin darüber entscheidet, wann wir für ihn Kriegspartei sind und wann noch nicht. Da hilft auch kein Blick in die Gesetzbücher des Völkerrechts. Und wenn er uns zur Kriegspartei erklärt, könnte das Abschlachten erst richtig losgehen.

Darum kann ich nicht erkennen, dass durch die gegenwärtige westliche Politik mehr Sicherheit für uns und die Welt geschaffen wird. Im Gegenteil: die Unsicherheit nimmt zu. Gegen diese Eskalationsspirale, die der Logik der Gewalt immanent ist, hat sich offensichtlich Jesus gewandt.

Der erste Impuls, den wir wohl alle haben, wenn uns jemand angreift, ist das Zurückschlagen. Es ist ein allem Lebendigen innewohnender Impuls der Selbstverteidigung. Der Mensch aber ist mit Vernunft begabt und kann dadurch abwägen, ob der erste Impuls der zielführende ist. Wenn du, wie wir alle, dich nicht abschlachten lassen willst, dann könnte ja die Vermeidung eines Weltkriegs und nicht seine Inkaufnahme das Mittel der Wahl sein.

Letztlich wollen wir ja dasselbe. Und ich wäre froh, wenn die Politik der Gegengewalt zu einem Waffenstillstand führen würde. Ich habe aber Zweifel daran. Heute hat die Ukraine angekündigt, Ziele in Russland anzugreifen. Wo soll das enden?

Friedliche Grüße
Klaus
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