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Hoffnung in Zeiten des Krieges |27

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 13 April 2022

Friede den Menschen, die bösen Willens sind,
und ein Ende aller Rache
und allen Reden über Strafe und Züchtigung.
Die Grausamkeiten spotten allem je Dagewesenen,
sie überschreiten die Grenzen menschlichen Begreifens,
und zahlreich sind die Märtyrer.
Daher, o Gott,
wäge nicht ihre Leiden auf den Schalen
Deiner Gerechtigkeit,
fordre nicht grausame Abrechnung,
sondern schlage sie anders zu Buche:
Lass sie zugute kommen allen Henkern,
Verrätern und Spionen
und allen schlechten Menschen,
und vergib ihnen
um des Mutes und der Seelenkraft der andern willen.
All das Gute sollte zählen, nicht das Böse.
Und in der Erinnerung unserer Feinde
sollten wir nicht als ihre Opfer weiterleben,
nicht als ihr Alptraum und grässliche Gespenster,
vielmehr ihnen zu Hilfe kommen,
damit sie abstehen mögen von ihrem Wahn.
Nur dies allein wird ihnen abgefordert,
und dass wir, wenn alles vorbei sein wird,
leben dürfen als Menschen unter Menschen,
und dass wieder Friede sein möge auf dieser armen Erde
den Menschen, die guten Willens sind,
und dass dieser Friede auch zu den andern komme.

Gebet aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück


Welch eine Vergebungsbitte, welch ein Friedenswunsch aus dem Konzentrationslager!

Keine Rache, keine Züchtigung, keine Strafe soll die Henker treffen und die Menschen bösen Willens, sondern Gott möge ihnen vergeben.

Ein alter Gedanke: Wegen der Liebe und Glaubenskraft der Märtyrer, der zu Unrecht Getöteten, möge Gott den Bösen vergeben. Und er möge ihnen ihren Wahn nehmen, damit wieder Friede sein kann auf dieser armen Erde.

Laut Abrahams Gebet für Sodom verschont Gott viele Böse um weniger Guter willen. Und groß ist die Vergebungsbitte Jesu am Kreuz: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!"

Groß sollte auch unsere Vergebung und Verschonung sein.


Quelle: Evangelisches Gesangbuch der Ev. Kirche im Rheinland, der Ev. Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche, Gütersloh 1996, nach Lied 94. Die Orthographie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst.





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