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Gott und der Wassermangel

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 12 August 2022
Tags: NachhaltigkeitBetenAngstGeistHoffnung

T h e o l o g i e   t o   g o
Gott und der Wassermangel
Klaus Straßburg | 12/08/2022

Vorgestern war ein wunderbar lauer Sommerabend. Die Sonne hatte ihre brennende Hitze abgelegt und ein erfrischender Wind zog durch die Straßen. Menschen flanierten durch die Stadt, alle leicht bekleidet, sie sahen entspannt und zufrieden aus. Ein älterer Mann redete auf Arabisch lange auf seine zwei Freunde ein, reich an Mimik und mit den Armen gestikulierend, die Stimme leise, manchmal fast flüsternd, dann wieder etwas lauter. Seine Freunde waren ganz an seine Worte hingegeben. Gern hätte ich verstanden, was er da, so interessant verpackt, zu erzählen hatte. Die Straßenlokale waren gefüllt, man ließ es sich gutgehen. Am Flussufer saßen viele Menschen zu zweit oder in kleinen Gruppen, viele mit Migrationshintergrund. Mir kam der Gedanke, es ist wie an der Côte d'Azur, nur die Palmen fehlen noch. Vielleicht gedeihen sie ja in ein paar Jahren auch bei uns.

Ich liebe die Wärme. Wenn der Himmel blau ist und die Sonne lacht, lebe ich ganz anders als bei trüber Witterung. Dann lacht auch meine Seele. Von mir aus könnte es fast das ganze Jahr über so sein, von ein paar kühlen und regnerischen Wochen kontrastiert, weil auch Abwechslung das Herz erfreut und ein wenig Abkühlung erfrischend ist.

Heute sitze ich wieder draußen, der Wind streichelt über die Haut, die Bäume rauschen. Das ist Musik in meinen Ohren. Natürlich weiß ich, wie unnormal dieser Zustand ist. Der Fluss war nur noch halb so breit wie in normalen Zeiten. An seinen Ufern wucherte das Grün, das sonst weitgehend überspült ist. Ich weiß, dass der Regen fehlt – in anderen Regionen noch mehr als hier bei uns. Aber ich genieße diese Wochen trotzdem, sauge jeden Tag in mich ein und versuche, so viel wie möglich von ihnen zu speichern, aufzubewahren für den Herbst und Winter, vor denen mir schon graut. Doch ich ahne: Wenn die dunklen Tage anbrechen, wird es auch in meiner Seele wieder dunkler werden.

Natürlich muss bald Regen fallen. Ich sollte eigentlich dafür beten. Aber es fällt mir schwer, weil ich das Ende der hellen und warmen Tage fürchte. Doch geht es um weit mehr als um mich. Es geht darum, die weitere Erderwärmung zu verhindern, Hunger- und Wetterkatastrophen zu minimieren. Wir müssen darum ringen, den Planeten nicht noch weiter aufzuheizen. Die Leidtragenden werden vor allem die Menschen im globalen Süden sein, nicht wir. Aber auch wir werden leiden, und manche leiden schon jetzt, wie besonders das Hochwasser im Ahrtal gezeigt hat.

All die Menschen in der Stadt und am Fluss sind geliebte Geschöpfe Gottes. Um ihrer willen wird Gott seine Schöpfung nicht aufgeben. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht (1Mo/Gen 8,22). Darum gilt für immer, was der Psalm preisend besingt:

Du lässt die Quellen rinnen durch die Täler;
da wandern sie zwischen den Bergen hin.
Sie tränken alle Tiere des Feldes;
die Wildesel stillen ihren Durst.
An ihren Ufern wohnen die Vögel des Himmels;
zwischen den Zweigen hervor erklingt ihr Singen.
Du tränkst die Berge aus deinem Söller;
aus deinen Wolken wird die Erde gesättigt.
Du lässt Gras sprossen für die Tiere
und Gewächse für den Bedarf der Menschen,
dass Brot aus der Erde hervorgehe
und Wein, der des Menschen Herz erfreue,
dass sein Antlitz erglänze von Öl
und Brot das Herz des Menschen stärke.
(Psalm 104,10-15)

Wenn wir bitten Unser tägliches Brot gib uns heute, dann gilt das auch für das tägliche Wasser. Und es gilt für das Seelenfutter, für die lebensfrohen Gefühle, für die positive Stimmung auch an dunklen und kalten Tagen, für das Durchhaltevermögen in der langen Herbst- und Winterzeit.

Also will ich um Regen bitten, aber zugleich um das Seelenfutter, das ich brauche – um den göttlichen Geist, der Freude und Kraft gibt auch in dunklen und kalten Zeiten, um das lebendige Wasser, nach dessen Genuss mich in Ewigkeit (also schon jetzt) nicht mehr dürsten wird (Joh 4,10.14; 7,38f).


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Foto: Klaus Straßburg





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