Glauben ohne Sicherheit
Über die fehlende Beweiskraft des Guten
Klaus Straßburg | 06/08/2025
Mal ehrlich: Es ist schwer zu glauben, dass ein Gott Gutes in der Welt wirkt, wenn das Lebensfeindliche und Zerstörerische – ich nenne es hier das Böse – sich so sehr in den Vordergrund drängt, wie es in vielerlei Formen täglich geschieht. Und auch wer von großem Leid verschont bleibt oder die Gabe hat, sein persönliches Leid leicht zu nehmen, kann sich dem erschütternden Eindruck des Bösen nicht entziehen: Es scheint immer stärker um sich zu greifen und nimmt immer mehr Raum in unserem Fühlen und Denken ein.
Selbst wenn man davon ausgeht, dass Gutes und Böses sich in der Welt die Waage halten, spricht das nicht dafür, dass ein Gott dem Bösen entgegenwirkt und Gutes herbeiführt.
Wir Neuzeitlichen sind ja – man kann wohl sagen: ausnahmslos – von der rational-empirischen Sichtweise geprägt. Das heißt, wir sind darauf getrimmt, das als wahr anzuerkennen, was sichtbar und messbar, also wissenschaftlich nachvollziehbar oder zumindest der Vernunft einleuchtend ist. Und nun macht sich das Böse so breit, dass uns bewusst wird, was wir zuvor noch verdrängen konnten: Das Gute und Lebensförderliche reicht als Beleg für das Wirken eines guten Gottes nicht aus. Denn ein guter und mächtiger Gott müsste doch enorm viel Gutes wirken und das unendliche Leid auf Erden mindestens begrenzen.
Weil wir das aber nicht sehen und nicht verstehen, warum ein guter Gott so wenig Gutes in der Welt zu wirken scheint, suchen sich manche Christinnen und Christen gern andere Belege, die ihnen versichern, dass es ‒ trotz alles Bösen ‒ einen Gutes wirkenden Gott gibt.
Machen wir nicht Gott zu einer Art kuscheligemTeddybär, wenn wir ihn nur in unserenpersönlichen Lappalien am Werk sehen?
Folgt man einem christlichen Extrem, dann konzentriert man sich darauf, dass Gott in unzähligen Kleinigkeiten, Lappalien, Banalitäten des täglichen Lebens Gutes wirkt. Ich habe meinen Schlüssel wiedergefunden ‒ Gott hat es gewirkt. Ein Anruf kam genau in dem Moment, als ich mich so allein fühlte ‒ ein Geschenk Gottes. Mein Auto sprang im dritten Versuch doch noch an, als ich schon spät dran war ‒ Gott sei Dank!
Tatsächlich könnte Gott bei alldem seine Hand im Spiel gehabt haben ‒ das steht außer Frage. Aber als Beleg für seine Existenz und dafür, wie gut er es mit seinen Geschöpfen meint, eignet es sich nicht. Denn wenn man es als Beweis dafür nimmt, muss man die Augen davor verschließen, dass es gleichzeitig unbeschreiblich viel Elend in der Welt gibt, das von Gott nicht beseitigt wird.
Was wäre das für ein Göttlein, das uns beim Schlüsselfinden und Autoanlassen hilft und uns in einer einsamen Stunde beispringt, aber es zugleich unterlässt, gegen Erdbeben und Tsunamis, die tausendfachen Tod und Zerstörung bringen, einzuschreiten, sowie auch gegen die Armut von Millionen, gegen Krieg und andere Gewalt? Machen wir nicht Gott zu einer Art kuscheligem Teddybär, wenn wir ihn nur in unseren persönlichen Lappalien am Werk sehen?
Das sofort parate Gegenargument, Armut und Krieg seien ja von Menschen gemacht, überzeugt nicht. Denn ein guter und mächtiger Gott könnte sich doch auch gegen die menschliche Bosheit durchsetzen, wenn er nur wollte.
Aber man kann auch ganz anders darauf reagieren, dass wir das Gutes-Wirken Gottes nicht sehen können. Das andere christliche Extrem sieht so aus: Man stellt sich der Realität und kommt zu dem Schluss, dass Gott offensichtlich nicht mächtig genug ist, sich gegen das Böse durchzusetzen, dass er also den Weltlauf gar nicht verändern kann. Oder aber dass er es wohl könnte, aber nicht will. Statt selber Gutes zu zu wirken, habe Gott uns in die Verantwortung gestellt. Wir sollten also selbst tätig werden, anstatt betend auf Gottes Handeln zu warten. Er hat uns doch die Freiheit geschenkt, Gutes zu tun ‒ oder eben auch nicht.
Auch daran ist etwas Wahres. Die ethischen Mahnungen der Bibel sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Aber kann das bedeuten, dass der Gott, der diese Welt von Grund auf erschaffen hat, in seiner eigenen Schöpfung nichts mehr bewirken kann? Oder dass der, den die Christenheit als Gott voller Liebe zu seinen Geschöpfen bekennt, seine Liebe nicht ausüben will?
Sichtbar ist zwar manches Gute, aber sichtbarist nicht, dass hier ein guter Gott am Werk ist
Der christliche Glaube zeichnet sich dadurch aus, dass Gott in Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Jesus Christus hat in der Welt Gutes getan und Menschen von bösen, lebensfeindlichen Mächten befreit. Er hat zugleich Anstoß erregt, ist verfolgt und hingerichtet worden und ist von den Toten auferstanden. Schon von dieser Lebensgeschichte her bietet sich uns ein differenziertes Bild vom Bösen und Guten.
Wo Gott auf Erden wirkt, findet ein Kampf zwischen Bösem und Gutem statt. Dass das Gute, also Gott, in diesem Kampf den Sieg davonträgt, ist Bestandteil des christlichen Glaubens. Kein Bestandteil des christlichen Glaubens ist aber, dass es für den Sieg Gottes einen Beweis gibt. Wir können Gottes Sieg nur als eine für uns unsichtbare Wirklichkeit glauben.
Wir werden Gottes umfassendem Sieg über das Böse erstens nicht gerecht, wenn wir das Gute, das wir wahrnehmen, auf Banalitäten beschränken und daraus dann unseren Glauben nähren, dass Gott sich in der ganzen Welt umfassend gegen das Böse durchsetzt. Denn gerade dieses umfassende Sich-Durchsetzen Gottes ist für uns nicht rational-empirisch nachvollziehbar.
Wir werden dem Sieg Gottes über das Böse zweitens auch nicht gerecht, wenn wir Gott die Fähigkeit oder den Willen absprechen, in der Welt Gutes zu wirken. Denn dann setzen wir die rational-empirische Sichtweise absolut und stellen Gottes Sieg über das Böse überhaupt in Frage.
Gottes Sieg über das Böse, Lebensfeindliche, Zerstörerische, das uns in der Welt begegnet, ist also für uns nicht sichtbar. Sichtbar ist zwar manches Gute, aber sichtbar ist nicht, dass hier ein guter Gott am Werk ist. Das ist mit dem Wort des auferstandenen Jesus an seinen Jünger Thomas gemeint: "Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh 20,29). Paulus hat es so ausgedrückt: "Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen" (2Kor 5,7).
Wir verfügen also über keine Sicherheit, die unseren Glauben bestätigt. Wir haben nichts, das als Beweis für einen Gutes wirkenden Gott dienen kann. All unsere Versuche, eine Bestätigung für unseren Glauben zu finden, sind menschlich vollkommen verständlich. Es kann aber gefährlich sein, sich auf vermeintliche Sicherheiten zu verlassen. Denn wenn es hart auf hart kommt und diese Sicherheiten in sich zusammenfallen, ist der Glaube, der sich auf diese Sicherheiten stützte, höchst gefährdet.
Ich schreibe dies also nicht, um Glauben zu zerstören oder Hoffnung zu rauben. Ich schreibe es, um den Glauben vorzubereiten, ihn stark zu machen und seine Hoffnung zu bewahren für den Fall, dass uns alle vermeintlichen Sicherheiten abhanden kommen.
Trotz alles Leids, trotz des unsäglich Bösenin der Welt, halte ich an dir, Gott, fest
So bleibt uns nur, auf alle Sicherheiten im Glauben zu verzichten. Das ist schwer, weil wir unseren Glauben natürlich gern bestätigt sehen wollen. Es gibt aber diese Bestätigungen nicht. Es gibt nur das Vertrauen auf Gott entgegen dem Augenschein: "Dennoch bleibe ich stets bei dir, du hältst mich bei meiner rechten Hand" (Psalm 73,23).
Dennoch, obwohl ich nicht sicher sein kann, dass du es bist, der Gutes in der Welt wirkt. Trotz alles Leids, trotz des unsäglich Bösen in der Welt, halte ich an dir, Gott, fest. Obwohl ich absolut nicht verstehe, was vor sich geht, warum du all das geschehen lässt, warum du dem Bösen nicht Einhalt gebietest – obwohl ich im Dunklen tappe und mit leeren Händen vor dir stehe, ohne jeden belastbaren Beleg für deine Existenz und dafür, dass du Gutes auf Erden wirkst – obwohl ich schwimme in einem Meer ohne Grund – dennoch bleibe ich bei meinem Vertrauen zu dir und bei meiner Hoffnung auf dich, guter Gott. Und ich danke dir, dass du mich festhältst, so dass mein Glaube nicht zerbricht...
Unser Glaube lebt von Vertrauen – von Beziehung, nicht von Sicherheit. Beziehung zu Jesus Christus, dem lebendigen Wort Gottes, in dem Gott erschien, handelte und sprach (Joh 1,1-14). Seine Zusage, bei uns zu sein und seine Schöpfung nicht sich selbst zu überlassen, seine Verheißung, alles zu einem guten Ende zu führen – das ist das einzige, was wir haben.
Es sind nur Worte, gesprochen von Glaubenden Israels und einem Wanderprediger, aufgeschrieben von fehlbaren Menschen, überliefert seit über zwei Jahrtausenden, vorliegend auf brüchigem Papyrus mit Rissen und Löchern, unterschiedliche Versionen uralter Texte, die wir zu entziffern und zu verstehen suchen und unterschiedlich interpretieren. Das ist das, was wir haben – keine beglaubigte Abschrift mit Brief und Siegel, kein gerichtsverwertbares Gutachten. Und dennoch vertrauenswürdig, sagt der Glaube, der keine Sicherheit kennt.
In diesem Glauben leben wir durch den uns geschenkten Geist dessen, dem wir vertrauen, und erlangen, so wir diesen Geist in uns wohnen lassen, tiefste, durch nichts abgesicherte Gewissheit, die gleichwohl immer wieder von Zweifeln durchzogen wird.
So sind wir die geistlich Armen, die Jesus selig gepriesen und denen er Leben unter der Herrschaft Gottes verheißen hat (Mt 5,3). Aber gerade in dieser Armut vertrauen wir auf keine Sicherheit, sondern werfen uns nichts anderem als Gott in die Arme. Darin besteht der unschätzbare Reichtum dieser Armut, die Stärke Jesu Christi in all unserer menschlichen Schwäche (2Kor 12,9f).
* * * * *
Foto: Elisa auf Pixabay (Hintergrund bearbeitet).

Lieber Hans-Friedrich,
„dass Gutes und Böses sich in der Welt die Waage halten,“ sagt die Bibel nicht, sie verkündigt die Sicherheit die Gott den SEINEN gibt.
Gott wirkt MIT dem Individuum und DURCH das von ihm beauftragte: „sorgt nicht was ihr sagt, der Geist gibt euch die Rede“.
Gott selbst belegt seine Existenz! Wer der mit dem Geist lebt soll Gutes tun, dort AN DEM ORT wo er hingestellt wurde!
Gott beseitigt nicht das Böse, er verlangt von UNS Böses und Unrecht zu benennen, die Auf-Lösung gibt er, vgl. die Wesley und die Bonhoeffer Brüder.
Leid LINDERN im Krieg, bei Erdbeben, Tsunami, Armut und Krankheit ist Aufgabe des Menschen. Wären nur 10% der Menschen bereit nach Gott zu FRAGEN sähe die Welt anders aus.
Der Gute Gott weiß um die Fehlbarkeit des Menschen, solange wie das Herz aufrichtig fragt, leitet er, wohin das wissen wir nicht!
Du sagst: „Aber man kann auch ganz anders darauf reagieren, …“ noch schwankst Du welchen Weg Du nehmen willst. Sobald Du Christus gefunden hast, beginnt DEINE Beziehung zu Gott. Wie Du sie gestaltest darüber entscheidest Du! Solange wie Du Gottes Vorgaben zum Wegweiser nimmst, solange leitet er! Zu deiner Auffassung (!) schrieb ich dir schon oft!
Zutreffend ist: wir sollen tätig werden.
Gott wirkt in seiner Schöpfung, die er uns überließ (!), dazu benötigt er Menschen die sich ihm zur Verfügung stellen! Er garantiert nicht den Erhalt der Welt! Der Mensch hat die Macht zur Zerstörung! Gott rettet die Individuen, Mk 13.
Gott erreicht IMMER sein Ziel mit eben diesen Personen, die sich ihm zur Verfügung stellen!
Wir haben den Beweis des Guten Gottes, dann, wenn wir ihm vertrauen! Paul Schneider u.a. sind der Beweis für den Guten Gott!
Lieber Hans-Friedrich, Sicherheit mit Brief und Siegel gibt die BEZIEHUNG zu Christus, im AT die zu Gott.
Grüße Johanne Wäcken, 8.8.25
wie du gelesen hast, unterscheide ich Sicherheit und Gewissheit. Mit Sicherheit meine ich jeden sichtbaren und empirisch belastbaren Beweis für einen Gott, der Gutes in der Welt wirkt. Solche Sicherheit gibt es nicht. Es gibt aber eine tiefe Gewissheit des Glaubens, die das glaubt, was die Augen nicht sehen können und empirisch nicht beweisbar ist. Diese Gewissheit wird uns vom Geist Gottes geschenkt, und das ist für den jeweils Glaubenden ein unsichtbarer und nicht-empirischer Beweis: "Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind" (Röm 8,16).
Dass wir von Gott in die Verantwortung gestellt sind und ihn durch uns wirken lassen sollen, habe ich ja auch betont. Darüber hinaus glaube ich, dass Gott auch ohne uns Gutes wirken kann und das auch tut. Der Punkt für mich war nur, dass es dafür keine sichtbaren Beweise gibt, auch wenn wir uns das oft wünschen.
Übrigens heiße ich nicht Hans-Friedrich, sondern Klaus 😊.
Viele Grüße
Klaus
genau die Erfahrung = die Begegnung fehlt Dir! Weil sie Dir fehlt ist es Dir UN-MÖGLICH von Sicherheit zu sprechen (!) das kann wem Christus begegnete!
Paulus erhielt sie, Martin Luther, Dietrich und Klaus Bonhoeffer, Brüder Wesley und andere erhielten sie. Erst von dem Zeitpunkt an weißt Du um die Gewissheit. Du kannst danach suchen! Aber auf den Weg machen musst Du dich selbst; nur auf dem Weg begegnet Dir der Sohn Gottes. Von dieser „steilen Christologie spricht Helmut Gollwitzer und ein Schweitzer ein Bonhoeffer Biograph, seinen Namen vergaß ich. Die Paulusbriefe wurden mit dieser Gewissheit geschrieben.
Der Beweis ist die Gewissheit.
Übrigens ist der Text „Glauben ohne Sicherheit“ von Hans-Friedrich! Ihm antwor-tete ich.
Grüße Johanne, 11.8.25
du schreibst:
"Wir Neuzeitlichen sind ja - man kann wohl sagen: ausnahmslos - von der rational-empirischen Sichtweise geprägt."
Dieser Aussage kann ich nicht zustimmen. Horoskope werden gelesen und zum Teil berücksichtigt, alle möglichen Formen von Glauben und Aberglauben finden Anhänger. Viele Menschen spielen Lotto, obwohl man es bei rationaler Abwägung von Gewinnerwartung zu Einsatz besser lassen sollte. Auch neuzeitliche Menschen gehen Quacksalbern und Scharlatanen auf den Leim, und das nicht nur bei vielleicht amüsantem Kleinkram oder aus Verzweiflung, sondern auch bei wichtigen politischen Entscheidungen.
Weiter unten schreibst du:
"Das sofort parate Gegenargument, Armut und Krieg seien ja von Menschen gemacht, überzeugt nicht. Denn ein guter und mächtiger Gott könnte sich doch auch gegen die menschliche Bosheit durchsetzen, wenn er nur wollte."
Ich bin etwas überrascht, das zu lesen. Den Versuch, das Gute als gottgewirkt und das Böse als von Menschen gemacht zu buchen, glaubte ich, auch bei dir manchmal festgestellt zu haben.
Dein Gebet im Anschluss an das Zitat von Psalm 73,23 kann ich voller Überzeugung mitsprechen.
Viele Grüße
Thomas
danke für deine beiden überzeugenden Einwände. Du hast natürlich recht damit, dass Menschen keineswegs immer rational handeln. So wollte ich meine Aussage auch nicht verstanden wissen. Was ich sagen wollte, ist, dass wir im Allgemeinen unsere Vernunft sehr hoch einschätzen und ihr entsprechend zu handeln versuchen. Entscheidungen, auch politische, werden selbstverständlich mit angeblich vernünftigen Argumenten begründet. In jeder Diskussion geht es um das bessere, d.h. der Vernunft eher gerecht werdende Argument. Dass Menschen dennoch (also obwohl sie sich für vernünftig halten) oft extrem unvernünftig handeln, steht auf einem anderen Blatt. Und dass wir wohl alle nicht (immer) vernunftgemäß handeln, sondern uns von unseren Gefühlen und vom Unbewussten leiten lassen, dafür gibt es hinreichend psychologische Nachweise.
Ähnlich ist es mit der empirischen Sichtweise. Die meisten Menschen würden wohl beteuern, dass sie nur das glauben, was sie selbst gesehen, betastet, gemessen oder zumindest gefühlt haben. Das hält sie aber nicht davon ab, an allerlei Hokuspokus zu glauben. Oft wird das damit gerechtfertigt, dass sie die Wahrheit dieser Sache spüren oder fühlen. Das persönliche Gefühl oder Erleben kann dann ähnlich hoch bewertet werden wie die Vernunft ("Was ich fühle oder erlebe, z.B. dass Horoskope oft recht haben oder dass ein Ort positive oder negative Strahlungen aussendet, das ist wahr") - übrigens auch in manchen christlichen Kreisen: "Ich fühle, dass Gott bei mir ist"; "Ich habe es erlebt, dass Gott mir geholfen hat." Ich will damit solche Erfahrungen gar nicht abwerten: Man kann tatsächlich mit Gott etwas "erleben". Aber dass es Gott war, den man dann erlebt hat, das kann man nur glauben, und zwar ohne belastbaren Beleg.
Mit meiner These, dass wir von der rational-empirischen Sichtweise geprägt sind, wollte ich diese Seite unserer theoretischen Wirklichkeitswahrnehmung herausstellen. Ich wollte damit nicht sagen, dass wir immer rational und der Empirie entsprechend handeln.
Dein zweiter Einwand wendet sich gegen meine Sicht, das Gute als gottgewirkt und das Böse als von Menschen gemacht zu verstehen. Das sehe ich tatsächlich so - was aber nicht heißt, dass nicht auch Menschen partiell Gutes tun könnten. Ich würde aber ergänzen: dann, wenn Gott in ihnen wirkt, nicht aus eigenem Vermögen.
Mein von dir zitierter Satz besagt ja auch nur, dass Armut und Krieg von Menschen gemacht sind. Tatsächlich glaube ich, dass Gott in der Regel weder Armut noch Krieg schafft - es sei denn, zu einem guten Zweck (im Alten Testament z.B. mit der Absicht, Israel auf einen guten Weg zurückzuführen oder es im Extremfall durch Krieg vor der Auslöschung durch feindliche Mächte zu bewahren). Ich wollte mich mit diesem Satz von jenen abgrenzen, die Gottes Gutes-Wirken nur in unseren persönlichen Lappalien verorten, ihm aber nicht zutrauen, dass er auch gegen Armut und Krieg etwas ausrichten kann und will. Das Argument, Gott habe uns die Freiheit gegeben, Gutes oder Böses zu tun, bedeutet doch nicht, dass er gegen das Böse nichts ausrichten könne oder wolle. Gerade darin besteht ja die Anfechtung, dass er dagegen etwas tun kann, es aber nicht immer tut.
Ich hoffe, damit meinen Standpunkt einigermaßen erklärt zu haben. Es freut mich, dass wir uns - trotz manch unterschiedlicher Sichtweisen - in dem Gebet, das an Ps 73 anschließt, treffen.
Viele Grüße
Klaus
Für den Krieg der Israel vernichtete verwendete Gott heidnische Herrscher, jedoch (!) immer steht Gottes Angebot (!): folgt meinen Vorgaben, dann und nur dann (!) rette ich euch.
Nochmal: Gott greift niemals ein, indem er Böses vernichtet, er steht an der Seite der Seinen, erwartet ihr Vertrauen!
Leidenden beistehen – bei Armut und Krieg – ist sein Auftrag; wer seinem Auftrag nachkommt findet vielleicht zur Beziehung mit Gott, falls (!) er nach Gottes Vorgaben fragt!
Wer sich wissentlich für das Böse entscheidet, lehnt die Vorgaben Gottes ab. Sich ausrichten an den Vorgaben ist die Vorbedingung für eine Beziehung zu Gott.
Um die Gedanken eines Autoren zu erkennen, dafür erhielten wir die Testamente, wer vorher abbiegt findet nicht!
Ps 73,23 nützt dir dann nichts (!), wenn Du seine Gebote IGNORIERST!
d.h. wissentlich das Böse tut und ignoriert Gott, Vers 28 setzt auf Gott und sonst niemanden, er nimmt Nachteile und Spott in Kauf!
Klaus, wer der Vernunft gerecht werden will VERleugnet Gott! Neuzeitliche wie alttestamentliche aus dem Volk Gottes MÜSSEN Gottes Vorgaben EINHALTEN! Nur so geschieht Leitung durch Gott! Du VERWECHSELST Einschreiten mit leiten lassen!
Grüße Johanne, 13.8.25
genau die Erfahrung = die Begegnung fehlt Dir! Weil sie Dir fehlt ist es Dir UN-MÖGLICH von Sicherheit zu sprechen (!) das kann wem Christus begegnete!
Paulus erhielt sie, Martin Luther, Dietrich und Klaus Bonhoeffer, Brüder Wesley und andere erhielten sie. Erst von dem Zeitpunkt an weißt Du um die Gewissheit. Auf den Weg machen musst Du dich selbst; auf dem Weg begegnet Dir der Sohn Gottes.
Von dieser „steilen Christologie spricht Helmut Gollwitzer und ein Schweitzer ein Bonhoeffer Biograph, seinen Namen vergaß ich. Die Paulusbriefe wurden mit dieser Gewissheit geschrieben.
Der BEWEIS IST DIE GEWISSHEIT.
Übrigens ist der Text „Glauben ohne Sicherheit“ von Hans-Friedrich! Ihm antwortete ich.
Grüße Johanne, 11.8.25
jeder Text gibt Auskunft, den zur Sicherheit im Glauben hast nicht Du geschrieben! Dein Schreibduktus ist ein völlig anderer als der von Hans-Friedrich. Aufrichtigkeit würde deinem Block dienen. Ehrlichkeit zumindest Dir selbst gegenüber, würde dir dienen. 12.8.25
22 da war ich ein Narr und wusste nichts, ich war wie ein Tier vor dir.
28 ICH setze meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all sein Tun.
danke für deine Ehrlichkeit!
Die Natur ist in stetigem Wandel. Es gibt keinen Stillstand. Nichts hat Bestand.
Tod und Leben bedingen einander. Die physikalischen und chemischen Abläufe können Katastrophen auslösen. In dem nicht selten entstehendem Leid ist kein guter Gott zu erkennen. Ich richte mich nicht gegen den notwendigen, logischen Wandel, sondern gegen das vielfältige Leid aller Lebewesen. Wo ist da der liebende Gott ? Wie steht es mit unserer absoluten Freiheit ? Sind wir nicht häufig überfordert ? Unser Erbgut ist uralt, --
Wer ist Gott, der Urheber dieser Logik ?
Letztlich bleibt uns nur Vertrauen gegen Verzweiflung !
Es grüßt dich, Ursel
danke für deinen Kommentar! Du stellst, wie es deine Art ist, radikale Fragen. Und das ist gut so. Es hilft nichts, Fragen zu unterdrücken. Und die Frage "Wer ist Gott?" wird zu Recht immer neu gestellt. Denn wir haben Gott nie "im Griff".
Ich möchte an dieser Stelle nur zu einem deiner Sätze etwas sagen. Du schreibst: "In dem nicht selten entstehendem Leid ist kein guter Gott zu erkennen." Es ist richtig, dass es keinen Beweis für einen guten, liebenden Gott gibt. Es ist auch richtig, dass wir einen guten, liebenden Gott im Leid oft nicht erkennen können. Es mag nur selten vorkommen, dass jemand in seinem Leid etwas Gutes erkennen kann. Ich denke aber, dass es auf etwas anderes ankommt, nämlich trotz des unverstandenen Leids den Glauben an einen guten Gott nicht zu verlieren. Du deutest das ja selbst an, indem du schreibst, dass uns gegen die Verzweiflung nur das Vertrauen bleibt. Glaube gegen den Augenschein. Vertrauen trotz des unbeschreiblichen Leids. Das ist es! Jesus am Kreuz, von Gott verlassen, und dennoch zu Gott schreiend. Jüdinnen und Juden, die mit einem Lobgesang auf den Lippen in die Gaskammern gingen. Dietrich Bonhoeffer, der gefasst zum Galgen ging und sich zuvor von einem Mitgefangenen mit den Worten verabschiedet hat: "Das ist das Ende; für mich der Anfang des Lebens." Das ist das Vertrauen gegen die Verzweiflung, der Glaube gegen den bloßen Augenschein, das "Dennoch bleibe ich stets an dir" (Psalm 73,23) des Glaubens. Das ist meiner Meinung nach ehrlicher, als alles durch eine rosarote Brille zu betrachten, die der Wirklichkeit nicht entspricht.
Viele Grüße
Klaus
es erscheint mir doch geradezu so: Je mehr wir meinen zu erkennen, desto mehr Probleme tauchen auf. Unser Aggressionsproblem haben wir nicht gelöst, uns jedoch aus dem kindlichen Glauben vertrieben. Götter waren ein nicht zu hinterfragender Fakt. Im Christentum wartete mit dem Jenseitsglauben, tröstend das Weiterleben bei Gott, auf den Gläubigen.
Die Genesis schildert dies mit dem Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis. Anschließend erfolgte die Vertreibung aus dem Paradies.
Ein Erwachsener kann nie wieder in den geistigen Zustand seiner Kindheit, sofern sie glücklich war, zurückkehren. Nur Vertrauen hilft !
Es grüßt dich
Ursel
tatsächlich ist unsere Erkenntnis sehr begrenzt, was schon Paulus wusste, und wir werden auf Erden nie an ein Ende kommen (1Kor 13,12). Darum werden immer Fragen bleiben. Götter waren nicht nur im kindlichen Glauben ein nicht zu hinterfragender Fakt, sondern sie sind es - in anderer Gestalt - auch für den "aufgeklärten" Menschen. Das wird mir besonders in unserer Zeit deutlich, in der es unzählige durch angeblich vernunftgemäßes Denken gerechtfertigte Götzen gibt. Der Baum der vernunftgemäßen Erkenntnis führt den Menschen offenbar aus dem Paradies heraus, wenn seine Vernunft nicht "getauft" ist.
Herzliche Grüße
Klaus
Danke, Klaus