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Für uns gestorben

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 14 April 2022
Tags: KarfreitagGnadeLeiden_GottesVergebung

T h e o l o g i e   t o   g o
Für uns gestorben
Klaus Straßburg | 14/04/2022

Wenn du dich fragst, warum denn Jesus für dich am Kreuz sterben musste, damit dir deine Sünden vergeben sind, dann denke doch einfach an seine übergroße Liebe zu uns Menschen, und der Sinn seines Todes wird dir bald aufgehen.

Du weißt, dass Jesus sich zu Lebzeiten immer wieder denen zugewandt hat, die als besonders sündig galten. Von den Frommen wurde er deswegen angefeindet. Sie meinten, nur die Gläubigen, die sich an die Gebote hielten, seien der Liebe Gottes wert. Deshalb fanden sie es unmöglich, dass Jesus die Sünderinnen und Sünder annahm.

Jesus hat aber an seiner Liebe zu den Sünderinnen und Sündern festgehalten und die Anfeindungen dafür in Kauf genommen. Er hat es auch in Kauf genommen, dafür verfolgt, verurteilt und hingerichtet zu werden. Ja, er hat sogar seine Verfolger geliebt. Denn er hat sie nicht dem Tod preisgegeben, obwohl er das mit Gottes Hilfe hätte tun können. Er hat im Gegenteil auf jegliche Gewalt gegen sie verzichtet und sie leben lassen (Mt 26,52f). Noch am Kreuz rief er nach Lk 23,34: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!"

Der Preis, den Jesus für seine Liebe zahlte, war: Seine Verfolger konnten ihren Plan vollenden und Jesus hinrichten. Darin also liegt der Sinn seines Todes: Weil er alle Menschen so sehr liebte, dass er ihnen ihre Sünde vergab und sie trotz des Bösen, das sie taten, leben ließ, musste er selbst den Preis zahlen, von seinen Verfolgern gekreuzigt zu werden.

Nun fragst du aber weiter: Was hat denn das alles mit meiner Sünde zu tun? Ich habe doch Jesus weder verfolgt noch gekreuzigt!

Nun, du hast nicht seinen Leib verfolgt und gekreuzigt, aber du hast ihn doch wohl auch mit Worten und Taten ignoriert, verleugnet, seine Liebe verschmäht und ihn nicht ernst genommen. Durch all das aber hast du ihn mundtot gemacht, aus deinem Leben gedrängt und geistlich getötet.

Wir alle tun im Grunde nichts anderes: Wir sehen uns nicht als Sünderinnen und Sünder, sondern als Gläubige – solche, die zwar sündig sind, aber seine Liebe letztlich doch verdient haben. Wir wollen uns mit unserer Frömmigkeit seine Zuwendung verdienen. So sind wir nicht besser als jene Frommen, die ihn zu Lebzeiten verfolgten und töteten.

Jesus leidet auch heute noch unter unserer Ablehnung. Und was tut er? Er lässt es geschehen. Er vergibt uns unsere Sünde, indem er uns leben lässt.

Jesus leidet und "stirbt" auch heute für dich, weil er deinem Treiben kein Ende macht, sondern aus lauter Liebe dich gewähren lässt – um den Preis, selber zu leiden und geistlich zu sterben.

So vergibt er dir deine Schuld. Und so überwindet er sie. Denn auf die Kreuzigung folgte seine Auferstehung. Und er will auch dich auferwecken und von all deiner Schuld befreien.


* * * * *





2 Kommentare
2022-04-15 19:52:22
Hallo Klaus,

gerade heute mag ich mir keine ausführliche Gegendarstellung erlauben.

Was nachvollziehbar passiert ist: ein schuldloser Mann mit einem Glauben, den ich auch für mich und für heute vorbildlich und richtungsweisend finde, ist vor knapp 2000 Jahre den damaligen religiösen Machthabern in die Quere gekommen und von ihnen bei der römischen Besatzungsmacht denunziert worden. Diese, der es auf einen Gekreuzigten mehr oder weniger nicht ankam, hat ihn auf eine simple, brutale, perfide und abschreckende Art hingerichtet, die damals sehr üblich war.

Das betrauere ich heute. Ab übermorgen werde ich die sehr erstaunliche Tatsache feiern, dass wir heute noch von ihm wissen, während die Machtstrukturen, die ihm anscheindend so hoch überlegen waren, mittlerweile zerfallen sind. Dies unterstreicht seine Botschaft, dass die Liebe stärker ist als die weltliche Macht.

Persönliche Schuld sehe ich bei mir für seinen damaligen Tod nicht. Allerdings sehe ich bei mir auch die gleichen Veranlagungen zu Machtorientierung und Machtstrukturen, die ihm damals zum Verhängnis geworden sind, und zu wenig Verständnis für seine Botschaft, geschweige denn persönliches Umsetzen dieser Botschaft.

Viele Grüße

Thomas

2022-04-15 21:19:09
Hallo Thomas,

vielen Dank für deine tiefgehende und ehrliche Stellungnahme. Ich kann ihr fast gänzlich zustimmen. Was ich darüber hinaus versucht habe, ist, die für uns schwierige Verbindung des Todes Jesu mit der Vergebung von Sünden verständlich zu machen.

Viele Grüße
Klaus
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