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Ein Appell ohne Fundament?

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie aktuell · 27 Oktober 2020
Tags: VertrauenEthikVernunftCoronaGlückWeltregiment

T h e o l o g i e   a k t u e l l
Ein Appell ohne Fundament?
Klaus Straßburg | 27/10/2020

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen eindringlich an die Bevölkerung appelliert, die Kontakte so weit wie möglich einzuschränken und alle Hygienevorschriften zu beachten.

Eigentlich macht sie das richtig gut: ohne Druck, Drama und Drohungen. Sie erinnert nur an die Konsequenzen, die es hätte, wenn sich die Pandemie weiter ausbreiten würde.

Dennoch fürchte ich, dass ihre Appelle kaum etwas an der Situation ändern werden. Diejenigen, die sowieso schon vorsichtig sind, werden vielleicht noch ein wenig vorsichtiger werden. Und diejenigen, die sich schon jetzt nicht um das Virus scheren, werden auch durch noch so gut gemeinte Appelle ihr Verhalten nicht ändern.


1. Der Appell an die Vernunft

Grundsätzlich stellt sich nämlich die Frage: Können Appelle Erfolg haben?

Irgendwie hängen sie in der Luft. Es fehlt ihnen das Fundament. Denn warum soll ich mein Verhalten ändern, nur weil ein anderer sagt, dass ich es ändern soll?

Ich muss also selbst die Einsicht gewinnen, dass es richtig wäre, mein Verhalten zu ändern. Darum appellierte die Kanzlerin ja auch an die Vernunft. Aber gerade die Vernunft – oder besser: unser Verstand – kommt zu ganz unterschiedlichen Urteilen. Die sind zwar alle vom Verstand hervorgebracht, aber deshalb noch lange nicht im positiven Sinne vernünftig, klug, weise.

Dass der mit Verstand ausgestattete Mensch nicht durchweg vernünftig, klug, weise handelt, ist eine Binsenweisheit. Dass auch Appelle an die Vernunft nur sehr bedingt helfen, machen wir uns nicht immer klar.

Dabei sagt uns doch die Psychologie, dass unsere Entscheidungen nicht im Kopf, sondern im Bauch fallen. Mit anderen Worten: Nicht das, was die Vernunft sagt, bestimmt unser Verhalten, sondern das, was unsere Gefühle, Wünsche, Triebe und Hoffnungen uns einflüstern.


2. Die Partyszene

So wurde einen Tag nach dem dringlichen Appell der Bundeskanzlerin in Berlin eine Party mit rund 600 Leuten aufgelöst. Der „Partytrieb" oder auch der Trieb zum Kontakt mit Gleichgesinnten ist eben stärker als die Vernunft.

In der Regel ist das auch gut so. Wir sind auf Beziehungen angewiesen. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei", steht schon am Anfang der Bibel (1Mo/Gen 2,18). Ohne Zweisamkeit würde die Menschheit gar nicht überleben.

Gerade junge Menschen müssen deshalb nach Liebe und Partnerschaft suchen. Sie tun das auch auf Partys. Dagegen können Appelle kaum etwas ausrichten.

Die Motivation, diese Suche einzuschränken, müsste von innen heraus kommen, nicht durch einen Appell von außen. Konkret wahrnehmbare Lebensgefahr und gefühlte Todesangst könnte ein Grund dafür sein, eine Party nicht zu besuchen. Oder eine andere massive Einschränkung meines Wohlbefindens.

Die Gefahr durch das Virus ist offensichtlich zu abstrakt. Und andere massive Einschränkungen sind nicht zu befürchten.


3. Ein christliches Fundament

Aber es gibt noch ein anderes Fundament für einen Verzicht auf die Party. Was wäre, wenn ein Mensch die innere Gewissheit hätte, dass seine Zukunft nicht einfach davon abhängt, ob er diese Party besucht oder nicht? Wenn er gewiss sein könnte, dass sein Glück in den Händen der Macht liegt, die wir Gott nennen?

Ein solcher Mensch würde vielleicht denken: Ich möchte zwar gern auf diese Party gehen. Alles in mir zieht mich dorthin. Aber ich weiß auch, dass nicht diese Party darüber entscheidet, ob ich eine erfüllte Liebe und Partnerschaft finden werde. Sondern darüber entscheidet der Gott, der mich unmerklich durch mein Leben geleitet. Das macht es mir leichter, auf die Party zu verzichten.

Diese Gewissheit wäre eine innere Motivation, das eigene Verhalten zu ändern. Ein Appell von außen hat es dagegen schwer, eine innere Motivation herbeizuführen.


4. Der unsichtbare Hirte

Aber arbeitet nicht auch die Bibel mit Appellen – mit Geboten und Verboten? „Du sollst nicht ..." ist doch nichts anderes als ein Appell!

Doch die 10 Gebote beginnen eben nicht mit einem Appell, sondern mit einer Aussage: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich [Israel] aus dem Land Ägypten, aus der Sklaverei, herausgeführt habe" (2Mo/Ex 20,2; 5Mo/Dtn 5,6). Damit ist klargestellt: Das Geschick Israels liegt in Gottes Hand. Er ist der Herr der Geschichte.

Auch für den einzelnen glaubenden Menschen gilt: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln" (Ps 23,1). Mit anderen Worten: „Ich bin nicht einfach meines Glückes Schmied. Sondern Gott sorgt für mich wie ein guter Hirte. Darum wird es mir in meinem Leben an nichts fehlen."

Es wird mir an nichts fehlen? Aber es fehlt uns doch an Vielem! Wir sind unvollkommen und begrenzt geschaffen, und unser Leben ist gespickt mit Mängeln! Was heißt denn „Mir wird nichts mangeln"?

Man muss wohl mit Gottes Augen sehen können, um dies zu behaupten. Wir können aber nur mit menschlichen Augen sehen. Darum drückt der Satz „Mir wird nichts mangeln" nichts aus, was wir jetzt schon wahrnehmen könnten. Er drückt vielmehr ein Vertrauen aus: „Weil Gott für mich sorgt wie ein guter Hirte, darum vertraue ich darauf, dass es mir an nichts fehlen wird."


5. Das Geschenk

Im Rückblick werden wir dann wohl erkennen, dass es uns, verglichen mit dem herrlichen Ziel unseres Lebens, wirklich an nichts gefehlt hat. Darum schrieb Paulus: „Ich halte dafür, dass die Leiden der jetzigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll" (Röm 8,18). Das, woran es uns jetzt mangelt, hat also überhaupt keine Bedeutung angesichts der Herrlichkeit des ewigen Lebens.

Kann ein glaubender Mensch diese Gewissheit haben? Nicht aus sich selbst heraus. Diese Gewissheit gibt es nur als Geschenk, als Gabe Gottes (Eph 2,8).

Darum appelliert die Bibel nicht einfach. Das Fundament ist ein anderes: Gottes Zusage, unser guter Hirte zu sein. Darauf ist Verlass. Und wenn jemand aktuell im Vertrauen darauf lebt, dann wird er sich von innen heraus anders verhalten als ohne dieses Vertrauen.


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