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Die Tür zum Leben

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 25 April 2022
Tags: KarfreitagOsternHoffnungLeiden_GottesMacht

T h e o l o g i e   t o   g o
Die Tür zum Leben
Klaus Straßburg | 25/04/2022

Jesus war immer in besonderem Maße da für die Geschlagenen und Geschundenen, die Schwachen und Verkrüppfelten, die Entwürdigten und Entrechteten, die Armen und Elenden.

Am Kreuz war er dann selber einer von ihnen. „Jesus von Nazareth, der König der Juden" lautete die Inschrift am Kreuz. Ein König anderer Art – nicht unterdrückend, sondern mitleidend.

Er litt und starb am Kreuz. Aber dann geschah das Unfassbare: Der Fels, der seine Grabhöhle verschloss, war beiseite gerollt. Das für immer verschlossene Grab stand offen. Der Leichnam, Zeichen des unabänderlichen Todes, war verschwunden. Und der tot Geglaubte erschien seinen Jüngerinnen und Jüngern.

Was war geschehen? Der Tod konnte ihn, den König anderer Art, nicht für sich behalten, musste ihn hergeben. Leid und Tod hatten ihre scheinbar ewige Macht verloren. Der Gott des Lebens hatte erwiesen, dass Er die ewige Macht besitzt.

Das ist die Hoffnung für die Geschundenen und Entwürdigten, für die Leidenden und Sterbenden in der Ukraine und aller Welt: Der Gott des Lebens leidet auch heute mit ihnen. Aber er leidet nicht nur mit ihnen – er hat auch die ewige, die letzte Macht über sie. Und er will ihr Leben.

Die Tür zum Leben steht allen Menschen offen. Sie müssen nur hindurchgehen ...




* * * * *





2 Kommentare
2022-04-26 17:33:03
Hallo Klaus,

mir ist diese Sicht zu religiös. Aber eines nach dem anderen:

Die INRI-Inschrift ist für mich ein grausamer Spott in zwei Richtungen: Jesus wollte nie jüdischer König sein, er war auch genau nicht dieser politische Aufständische, als der er gekreuzigt wurde. Und gegenüber dem unterlegenen und unterdrückten jüdischen Volk war es ebenfalls eine Herabsetzung und eine zynische Demonstration von Macht und Überlegenheit.

Was das leere Grab angeht: Ich habe neulich noch mal dieses Kapitel im Markusevangelium nachgelesen. In diesem ältesten der Evangelien bleibt es dabei. Der Stein ist weggerollt, ein Jüngling in einem weißen Gewand teilt den Frauen mit, dass Jesus nicht mehr im Grab liegt. Bis dahin (Mk 16,8) wird bei mir noch nicht aus naturwissenschaftlichen Gründen abgepfiffen. Aber offenbar war das bereits den Zeitgenossen des Markus zu nüchtern, so dass der Rest ab Vers 9 hinzugefügt wurde. So jedenfalls steht es in den Anmerkungen zu unserer Hausbibel. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch die weiteren, späteren Evangelien hier immer mehr ausgeschmückt haben.

Bei der Personifizierung des Todes, der jemanden wieder hergeben muss, kann ich auch nicht mitgehen. Tod von Individuen ist irreversibel und Teil der natürlichen Entwicklung des Lebens. Dafür entstehen wieder Kinder mit ihrer faszinierenden Unbefangenheit, Unvoreingenommenheit, Flexibilität und Lernfähigkeit. Tod ist sozusagen im Schöpfungskonzept enthalten.

Das Paradoxon, dem auch ich mich stellen muss, ist allerdings, dass wir heute noch von diesem Jesus als dem Christus sprechen und von ihm inspiriert werden. Mit einer nüchternen, realitätsnahen Darstellung, wie sie mir ansonsten lieber ist und besser liegt, wäre das nicht passiert.

Viele Grüße

Thomas

P.S.: Wo steht denn eigentlich diese Tür auf dem Photo? Die gefällt mir.
2022-04-26 18:28:27
Hallo Thomas,

das stimmt, ab Mk 16,9 ist alles nachträglich eingefüg; so jedenfalls sagt es die historisch-kritische Forschung - was ja nicht bedeutet, dass ab Vers 9 nichts mehr wahr ist. Aber interessant ist es schon, dass Markus selbst mit Vers 8 schließen konnte: mit der Angst und dem Schweigen der Frauen. Entspricht das nicht oft unserem Empfinden: Das Unbegreifliche wird nicht mit Begeisterung aufgenommen, sondern erregt eher Angst und Schrecken?

Ich sehe es auch so, dass der Tod im Schöpfungskonzept enthalten ist. Jedenfalls der von Gott abgefallene Mensch (und einen anderen gibt es nicht) ist sterblich. Mit der Aussage, dass der Tod den Menschen nicht für sich behalten konnte, wollte ich nur ausdrücken, dass der Tod nicht das Letzte ist. Die letzte, die ewige Macht über uns hat nicht der Tod, sondern der Gott des Lebens.

Eigentlich berichten die Evangelien recht nüchtern über das Leben Jesu, auch über seinen Tod und seine Auferstehung. Von (orientalischer) Ausschmückung und menschlicher Begeisterung, wie man es heute in manchen Traktaten lesen kann, die von Kitsch und Gefühlsausbrüchen triefen, ist da nichts zu lesen. Die Geschichte dieses Jesus, der kläglich gescheitert ist, lässt überhaupt alles vermissen, was man von einem von Gott gesandten Menschen erwarten würde. Das ist schon bemerkenswert, dass die Evangelisten den "Sohn Gottes" als Gescheiterten und Gemarterten beschreiben konnten. Da wird absolut nichts beschönigt oder glorifiziert. Im Alten Orient wird da über Götter oder Könige mitunter ganz anders geschrieben, als es die Evangelisten taten. Also eigentlich ist das schon ziemlich nüchtern, jedenfalls für damalige Verhältnisse. Natürlich geht die Auferstehungsgeschichte über das hinaus, was empirisch fassbar ist. Darum wird ja auch die Auferstehung selber gar nicht beschrieben, sondern nur die Folgen derselben: das offene Grab, der fehlende Leichnam, die Erscheinungen. Und all das ist ja später immer auch mal wieder so interpretiert worden, dass es unseren Vorstellungen von dem, was möglich ist, angepasst wurde: der Leichnam wurde gestohlen, und die Erscheinungen waren psychische Visionserlebnisse der Jünger, nachträglich bewirkt durch die starke Persönlichkeit Jesu. Das nennt man dann eine Rationalisierung des Berichteten: Was beschrieben wurde, wird so gedeutet, dass es unserer Rationalität zugänglich ist. Fragt sich nur, ob es dann noch das ist, was beschrieben wurde.

Die Tür gehört zu einem "Osterweg" mit neun Stationen, der von einer hiesigen freien Gemeinde im Wald auf einer Länge von ca. 1 1/2 Kilometern eingerichtet wurde und jetzt schon wieder abgebaut ist. Der Weg war sehr beeindruckend und die Stationen sehr aufwendig und, man muss schon sagen, professionell errichtet. So etwas schaffen - leider! - meist nur die freien Gemeinden 😕.

Viele Grüße
Klaus

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