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Die Mächte der Welt und Gottes Macht
Eine Meditation zu Pfingsten
Klaus Straßburg | 07/06/2025
Kennst du das?Du denkst: So geht's nicht weiter,es muss sich etwas tun.Vom einen will ich loskommen,vom andern was dazu.Ich hasse diese Einsamkeit,kann die Leute nicht mehr leiden,mit denen ich die Zeit totschlage;ich muss mich jetzt entscheiden,doch ich schaff' es einfach nicht.Und dann bete ich und schrei':"Gib mir die Kraft! Mach du mich frei!"Und ich glaub', dass Er mir hilft,setz' meine Hoffnung ganz auf ihn.Ich warte auf die Kraft,doch ich bekomme sie nie.Kennst du das?Du wünschst einem so sehr,dass er die Sucht endlich besiegt,dass er stark wird, voller Kraft,und umkehrt von dem schlechten Weg,denn auf ihm wird er nur hingerafft.Dass er Gott findet, wünschst du ihm auch,und den Frieden, den er braucht.Und dann betest du für ihn mit Schmerz:"Hilf ihm, Herr! Veränd're ihn!Schenk ihm doch ein neues Herz,'nen Neuanfang, der unmöglich schien.Mach du ihn stark, gib ihm 'ne Chance!"Und du bittest, schreist und hoffst,und die Zeit vergeht, siehst ihn nicht oft,und als er wieder vor dir stehtist es ein Jammer, den du nicht verstehst,ein Bild des Schreckens statt Erlösung.Kennst du das?Du schaust in die Welt hinein,denkst: Was ist hier los?Warum so viel Lug und Trug,warum ist alles so gottlos?Warum Hass, Mobbing und Tod,Pornographie, Kindesmissbrauch,Nationalegoismus, Größenwahn auch?Und das ist noch nicht alles:Du siehst die Nachrichten des Tages,siehst Armut und Krieg,und keiner da, der das Unrecht widerrief.Und du hörst das Gerede,Diskussionen ohne Ende,Tag für Tag dasselbe,Jahr für Jahr keine Wende,und es geht keinen Schritt voran ‒ist das denn wahr?Und du betest und flehst:"Herr, schenk der Welt den Geist!"Rufst tagein, tagaus,bittest und schreist:"Wirf doch Geist vom Himmel!Schenk doch Leben, großer Gott!"Doch nichts davon geschieht,es geht weiter wie zuvor,immer weiter, immer heiter,die Show kennt keine Not,aber draußen gibt's statt Lachenden tausendfachen Tod.Du hältst es nicht mehr aus,fragst dich irgendwann:"Wo ist Gottes Geist?Wo seine Kraft, wo er selbst?Kümmert ihn gar nicht die Not der Welt?"Du grübelst und suchst,zweifelst und glaubst,und dann fällt dir ein:
"Der Geist weht, wo er will."1
Dann will er wohl nicht hier,heute nicht bei mir.Und du kannst ihn nicht zwingen,nicht herbeizitier'n,du musst auf ihn warten,auf keinen Fall resignier'n,du musst es ertragen,die Erlösung bleibt aus,die Zeit geht dahin,es springt nichts Neues heraus."Alles hat seine Zeit"2, fällt dir noch ein,Leben und Tod, Wahrheit und Schein.Und Gott wirkt nicht hier, sondern anderswo,bei dir nicht jetzt, sondern später – wieso?Er muss es wissen, er weiß, was er tut,du kannst nur warten, musst es ertragen,kannst ihn weiterhin lieben,ihm in den Ohren liegen.Er hört dich gewiss,doch du spürst davon nichts.Vielleicht ist es so:Wir sind noch nicht so weit,sind noch nicht bereitfür den göttlichen Geist.Es muss nämlich was sterben,damit Neues entsteht.Der Geist ist nicht zufriedenmit ein paar Korrekturen.Denn er ist radikal,schafft neue Kreaturen;3will uns ganz erneuern,damit er neues Leben schaffe,ein wenig Kosmetik ist nicht seine Sache.Alles muss neu werden,so räumt der Geist aufmit Gewohnheiten und jedem eingefahr'nen Lauf.Das alles muss sterben;doch wer stirbt schon gern?Du sollst neu geboren werden,4darum muss das Alte sterben.Dann schwimmst du nicht mehr mitim großen Strom der Zeit,passt dich nicht mehr andern an,gehst den eig'nen Weg, sehr weit,baust eine neue Weltund widerstehst, wo du kannst.Mit neuem Herzen5 gibt's kein "Weiter so!"Alles wird anders – das Alte ist tot.6Doch noch gibt es Widerstände,Mächte und Gewalten,7in dir selbst, tief drinnen,und draußen in den Weltgestalten:Du erschrickst: Denn Sehnsucht, dunkle Triebebestimmen dein Denken, Tun und Lassenanstatt von Liebe,sind zu stark für dich, bist ausgeliefert,kannst nicht widersteh'n,bist nicht mal Herr im eig'nen Haus:"Wie komm ich da nur raus?"Und außerdem drängt der Zeitgeist auf dich ein,die neuesten Trends und Stimmungen,Meinungen, die dich anschrei'n,Propaganda, Manipulation,Gesellschaft, Politik.Sie alle wollen nur das Beste,doch die Liebe bleibt zurückhinter Lüge, Hass und Krieg.Die Mächte und Gewaltenbeherrschen alles, was es gibt.Wir müssen uns keinen Teufel vorstell'nmit Pferdefuß und Hörnern.Die Mächte und Gewaltenin uns selbst und in der Weltbringen mehr Angst und Zerstörungals dämonische Gestalten.Was soll'n wir ihnen entgegensetzen?Es kann nur Gottes Geist sein,die Kraft des Guten, die er schenkt.Und wir sind nicht alleinim Kampf mit den Gewalten,mit uns kämpft die Gemeinde,die Gottes Kraft lässt waltenund widersteht den schlechten Weltgestalten,ein Gegendenken, Gegenhandeln,ein Kontrast zu allem Alten.Doch stimmt das, wenn sich nichts will wenden?Wenn's wahr ist: Warum seh'n wir davon nichts?Vielleicht sind wir ja blind dafür,dass das Gute wirkt im Schlechten,dass Gott neues Leben schafft,und sei es aus dem Tod heraus ‒das macht seine Kraft.Am Kreuz hauchte er sein Leben ausund gewann dadurch das Leben.So kann er doch auch heuteaus dem Bösen Gutes weben.Vielleicht sind wir auch blindfür die Kleinen, Unscheinbaren,für Einzelne und Gruppen,die im Stillen Liebe wagen.Denn der Geist wirkt auch dann,wenn wir's nicht sehen,lässt dem Bösen keine Zukunft,so wie Christus, als er auferstand zum Leben.So lasst uns nun dem Geist vertrauen,der in Schwachen Starkes wirkt.8Er wird uns auf Dauer nicht verlassen,sondern wird, wenn Er will, ausgegossen.Er wird nicht tröpfeln, sondern fließen,auch wenn wir ihn lang vermissen.Und wenn du morgens dann erwachst,wird die Welt dieselbe sein ‒und doch auch wieder nicht:Denn der Geist wird gewirkt habenim Sichtbaren und Unsichtbaren,wird sein Werk getan haben:durch Menschen, in den Herzenunerwartet Böses auszumerzen.Du siehst es nicht, du spürst es nicht,doch du glaubst es trotz alldem;denn der Geist kommt vom Gekreuzigten,der vom Tod zum Leben schritt.Doch wie dies Wunder er bestritt,das hat keiner je geseh'n.Darum freu' dich, feiere Pfingsten,es ist das Fest der neuen Welt,die nicht erst in ferner Zukunft,sondern schon jetzt die Welt erhellt.Lass die Kraft zu, lass sie wirken,auch in dir kann sie stark sein,und wenn sie dir heute noch fehlt,dann bete, dass sie dir erschein'.Und freu' dich d'rüber,dass sie jetzt in andern wirkt,denn Gottes Geist ist immer da ‒Halleluja! Halleluja!
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Bibelstellen:
1 Joh 3,8
2 Pred/Koh 3,1
3 2Kor 5,17a
4 Joh 3,3
5 Jer 31,33; 32,39
6 2Kor 5,17b
7 Eph 6,12
8 2Kor 12,9
Foto: Gerd Altmann auf Pixabay.

Gruß Johanne, 25.6.25