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Die Gerichte der Liebe (Teil 2)

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie zum Weiterdenken · 13 August 2020
Tags: GerichtZornStrafeWahrheitHölleLiebe

T h e o l o g i e   z u m   W e i t e r d e n k e n
Die Gerichte der Liebe (Teil 2)
Klaus Straßburg | 13/08/2020

In Teil 1 dieses Artikels wurden Gottes Gerichte in der Weltgeschichte und im persönlichen Leben des einzelnen Menschen behandelt. Dabei wurden Gottes Gerichte als Rufe zur Umkehr und als Beseitigung des Bösen verstanden. Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildete die biblische Aussage, dass Gott nichts anderes als Liebe ist. Dies gilt auch für das nun Folgende.

Abschnitt 5 hebt darauf ab, dass in Gottes Gerichten die Wahrheit ans Licht kommt. Die Abschnitte 6 und 7 behandeln schließlich das jenseitige Endgericht, das sogenannte „Jüngste Gericht."


5. In Gottes Gericht kommt die Wahrheit ans Licht

Die Kirchen und christlichen Gemeinschaften haben immer wieder mit ihrer Lehre von Gottes Gericht Schindluder getrieben. Sie haben den Menschen Angst gemacht, um ihre Macht zu zementieren oder um sie angeblich zum Glauben zu bewegen. Der Mensch wurde klein gemacht, damit er sich Gott unterwirft.

Dieser Weg hat selbst viel Unheil gebracht und entspricht nicht dem Leben und der Verkündigung Jesu. Er hat den Menschen, die in Mühsal ihr Leben verbrachten, nicht Angst gemacht, sondern sie von Angst befreit (Mt 11,28f; Joh 8,32; 16,33). Harte Worte hatte er nur für die übrig, die jede Kritik ablehnten und nicht von ihren unheilvollen Wegen umkehren wollten. Die sich selbst in selbstgerechter und überheblicher Weise für gut hielten, in Wirklichkeit aber ihre Mitmenschen unterdrückten (Mt 3,7-9; 12,34; 23,13-33; Lk 10,13-15).

Das Ziel des Gerichtes ist es ja, Menschen von schlechten Wegen auf gute Wege zu geleiten. Das Gericht der Liebe will nicht töten, sondern Leben schaffen. Wahrhaftes Leben, Leben im vollen Sinn des Wortes ist aber von Liebe erfülltes Leben.

Das Gericht will also eine Veränderung im Menschen hervorrufen. Dazu gehört, dass der Mensch einsieht, auf einem falschen Weg zu sein. Die Wahrheit über ihn und seinen unheilvollen Lebenswandel muss ans Licht kommen (1Kor 4,5). Ohne Einsicht in die Wahrheit gibt es keine Veränderung.

Die Wahrheit über uns selbst zu erkennen, mag schmerzhaft sein. Niemand erkennt gern, dass er Unheil gestiftet und schuldig geworden ist. Aber es hilft nichts. Nur diese Wahrheit bringt uns weiter und ermöglicht eine Umkehr.

Die Wahrheit öffnet uns die Augen dafür, dass das Unheilvolle, das Alte und Lebenshinderliche sterben muss, damit Neues und Heilvolles beginnen kann. Mit dem Alten aber stirbt etwas von uns selbst. So führt uns die Liebe durch den Tod hindurch zum Leben.

Der Einsichtige erkennt die Wahrheit über sich selbst und sein Handeln. Die Wahrheit macht ihn frei vom Verdrängen seiner Schuld und frei davon, weiter Unrecht zu tun. Der Einsichtige erkennt, wer er ist: schuldig und dennoch geliebt. Er erhält eine neue Chance: Etwas Neues, Gutes kann beginnen.

So gesehen sind Gottes Gerichte geradezu therapeutische (zu deutsch: heilende) Ereignisse.

Ich möchte versuchen, Gottes Gerichte als etwas Positives zu verstehen. Ich möchte keine Angst vor ihnen haben, auch wenn sie wohl immer wehtun. Ich muss den Schmerz ertragen, kann aber auch dankbar sein für Gottes Ruf zur Umkehr. Und für seine bleibende Liebe.

Nochmal: Es geht hier nicht etwa darum, jedes Leid und Unheil als etwas Positives anzusehen. Es geht darum, Gottes Einladung zu Glaube und Liebe, die sich auch in manchem (nicht allem!) Unheil ausdrücken kann, positiv zu beurteilen.


6. Das Jüngste Gericht schafft endgültigen Frieden

Bisher habe ich nur von den diesseitigen, zeitlichen Gerichten Gottes gesprochen. Daneben gibt es aber auch das jenseitige Gericht Gottes, das wir auch „Jüngstes Gericht" nennen.

Warum auch noch das? Warum dieses letzte, alles entscheidende Gericht Gottes? Warum nimmt er uns nicht einfach in den Himmel auf, und alles ist gut?

Meine Gegenfrage wäre, ob dann wirklich alles gut wäre. Ob wir wirklich damit zufrieden wären, wenn alle Menschen so einfach in den Himmel springen würden: Adolf Hitler neben Anne Frank, als ob nichts gewesen wäre.

Es gibt doch einen berechtigten Schrei nach Gerechtigkeit. Es gibt doch die berechtigte Sehnsucht danach, dass zwischen Tätern und Opfern ein Ausgleich geschaffen wird. Dieser Ausgleich geschieht nicht immer auf Erden. Es bleibt noch etwas offen.

Wäre es wirklich gut, wenn das Offene bis in alle Ewigkeit offen bliebe? Wenn die Täter sozusagen in Ewigkeit über die Opfer triumphieren würden?

Ich denke nicht. Ich denke, gut kann es erst dann werden, wenn die Täter mit ihren Taten konfrontiert werden. Wenn das Unrecht, das sie taten, benannt und ihnen voll bewusst wird. Auch hier gilt: Die Wahrheit muss ans Licht. Der Täter kann nur dann von seiner Schuld befreit werden, wenn die Schuld nicht unter den Teppich gekehrt wird, als wäre nichts gewesen (Joh 8,32). Das wäre keine Befreiung von Schuld, sondern Verbergen der Schuld.

Der Täter, der schon auf Erden seine Schuld vor sich selbst und Anderen verborgen hat, könnte sich eins ins Fäustchen lachen. Und das Opfer käme nicht zu seinem Recht, sondern bliebe in Ewigkeit das gedemütigte und entwürdigte Opfer.

Es geht dabei auch um unsere eigene Schuld. Auch wir sind Täter, und Andere sind unsere Opfer.

Ich möchte von Gott ernst genommen werden – auch im Jüngsten Gericht. Zum Ernstnehmen gehört aber auch, dass Gott meine Schuld nicht mit einem Augenzwinkern wegwischt: „Schwamm drüber." Das klingt nach „War schon nicht so schlimm." Es war aber schlimm.

Die Schuld wäre dann nicht weggenommen, sie wäre nur verharmlost.

Ich möchte aus dem Jüngsten Gericht so hervorgehen, dass meine Schuld und meine negativen Eigenschaften nicht mehr zu mir gehören. Dass ich tatsächlich frei von ihnen bin. Dazu aber muss meine Schuld ausgesprochen und das Negative in mir benannt werden. Es muss mir bewusst werden, wer ich bin und was ich getan habe. Und es muss ein Teil von mir sterben, nämlich die schlechten, „bösen" Anteile meiner Persönlichkeit. Ich muss sozusagen von ihnen gereinigt werden. Das wird schmerzhaft sein (1Kor 3,11-15). Aber ich gehe daraus als ein Mensch hervor, der von jeder Schuld und allem Negativen entlastet ist. Ein Mensch, der vollkommen gut und richtig ist.

Ich erinnere daran, dass es der liebende Gott ist, der so an uns handelt. Der Richter, der uns nicht hinrichtet, sondern aufrichtet. Der endlich das aus uns macht, was wir sein sollen und was gut für uns ist.

Lange hat uns dieser Gott ertragen. Er hat unter uns und unserer Schuld gelitten, wie Jesus Christus am Kreuz gelitten hat. Gott hat sich mundtot machen und aus unserer Welt verdrängen lassen – von uns. Er hat das auf sich genommen und nimmt es noch heute auf sich, anstatt uns aus der Welt zu schaffen. Und am Ende will er uns dazu machen, wozu er uns bestimmt hat: zu einem vollkommenen Wesen, das frei und von Liebe erfüllt in der Gemeinschaft mit Gott und allen anderen Wesen leben kann.


7. Wie wird das Jüngste Gericht für die Menschen ausgehen?

Eine letzte Frage besteht darin, ob es im Jüngsten Gericht ewig Verworfene gibt oder ob schlussendlich alle gerettet werden.

Seit den Anfängen der Christenheit werden beide Ansichten vertreten. Und für beide Ansichten gibt es auch neutestamentliche Belege.

Allseits bekannt sind die biblischen Texte, die von ewigen Höllenqualen sprechen, wie zum Beispiel Mt 25,41.46:

Dann wird er [Gott] denen zur Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. [...] Und sie werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

Weniger bekannt sind Texte, die davon sprechen, dass zuletzt alle vor Jesus Christus auf die Knie fallen und sich zu ihm bekennen werden:

Gott hat ihn [Jesus Christus] über alle Maßen erhöht und ihm den Namen geschenkt, der über jedem Namen ist, damit im Namen Jesu sich jedes Knie beuge, das der Himmlischen und der Irdischen und der Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist zur Ehre Gottes, des Vaters. (Phil 2,10f; vgl. Jes 45,23-25; Offb 5,13)

Wenn das geschieht, dann wird „Gott alles in allem sein" (1Kor 15,28b). Es wird also nichts mehr geben, was nicht von Gott durchdrungen ist. So heißt es auch in Offb 22,3:

Alles Verfluchte wird nicht mehr sein.

Was soll man aus alldem schließen? Kann gemeint sein, dass auch diejenigen, die sich zu Jesus Christus bekennen und ihn auf den Knien anbeten, dann doch noch aus der Gemeinschaft mit ihm verstoßen werden?

Oder ist gemeint, dass diejenigen, die beharrlich Gottes Liebe ablehnen, in Ewigkeit „nicht mehr sein", also ausgelöscht werden – sozusagen den „zweiten Tod" nach dem Ende des irdischen Lebens erleiden (Offb 20,14f; 21,8)?

Oder wird Gott sich letztlich doch noch über sie erbarmen? Denn von Beginn der Schöpfung an hat sein Erbarmen immer wieder die Oberhand über seinen Zorn gewonnen (1Mo/Gen 3,3.24; 4,15; 6,7; 8,21; Jer 31,20; Jon 3,10). Und zwar deshalb, weil seine Barmherzigkeit ungleich größer ist als sein Zorn (2Mo/Ex 20,5f; 34,6f; Ps 30,6; Jes 54,7-9).

Dann würde das Wort gelten:

Gott wird nicht auf ewig verstoßen. Sondern wenn er betrübt hat, dann erbarmt er sich wieder nach der Fülle seiner Güte; denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschenkinder. (Klgl 3,31-33)

Aber sind die Bibelstellen, die von ewiger Verdammnis für die nicht Glaubenden sprechen, nicht überdeutlich in ihrer Aussage?

Andererseits: Kann es sein, dass die Geretteten von ewiger ungetrübter Freude erfüllt sind, während nebenan in der Hölle ewige Qualen ertragen werden? Gibt es im Himmel kein Mitgefühl mehr?

Weiterhin lässt sich fragen: Wenn im Jenseits alles von Gott erfüllt sein wird (Gott wird alles in allem sein; 1Kor 15,28b), wie kann es dann einen Bereich geben, in dem Gott in Ewigkeit nicht herrscht? Wird hier dem Widergöttlichen nicht eine Gott gleichkommende Macht eingeräumt?

Wie passen überhaupt ewige Höllenqualen damit zusammen, dass mit Jesus bereits der endgültige Sieg über den Teufel, also alle lebensfeindlichen, zerstörerischen Mächte, vorweggenommen ist (Lk 10,18; 1Joh 3,8b; Hebr 2,14b; Offb 20,10)? Läge es dann nicht näher, statt ewiger Qualen eine endgültige Vernichtung des Bösen und aller ihm Folgenden anzunehmen (Mt 25,41; Offb 20,14f; 21,8)?

Gottes Rettungswille und Christi Versöhnungstod gelten allen Menschen (Röm 11,32; 2Kor 5,19a; Kol 1,20; 1Tim 2,4). Kann es dann sein, dass die Mehrzahl der Menschen Gottes Wollen und Christi Wirken durchkreuzt, Gott also in Ewigkeit nicht an sein Ziel kommt?

Viele Bibelstellen machen das ewige Geschick eines Menschen von seiner zeitlichen Glaubensentscheidung abhängig. Das bedeutet, dass ein zeitliches Verweigern des Glaubens ewige Konsequenzen nach sich zieht. Man kann fragen: Ist diese Konsequenz gerecht (d.h. auch: angemessen, verhältnismäßig) für einen Gott, der nichts anderes als Liebe ist (1Joh 4,8.16) und dessen Barmherzigkeit unendlich viel größer ist als sein Zorn (Ex/2Mo 20,5f; 34,7; Dtn/5Mo 5,9f; Jer 32,18)?

Oder gibt es für den Menschen noch eine Chance der Umkehr nach seinem Tod? Darauf könnte hinweisen, dass auch den Toten noch das Evangelium verkündet wird (1Petr 3,18-20; 4,6)? Warum sollte dies geschehen, wenn sie nicht noch eine Chance hätten, in die Liebe Gottes einzustimmen?

Hinzu kommt: Auch der Glaube der Glaubenden ist von Unglauben durchsetzt (Mk 9,24). Auch ihre Bitte um Rettung ist nicht vollkommen, sondern kann dadurch getrübt sein, dass sie ihr Vertrauen auf die eigenen Taten und den eigenen Glauben setzen statt auf Gottes Gnade (Lk 18,9-14). Was aber rechtfertigt eine ewige Scheidung zwischen Glaubenden und nicht Glaubenden aufgrund ihrer Glaubensentscheidung zu Lebzeiten, wenn die Trennlinie zwischen ihnen gar nicht so deutlich zu ziehen ist?

All diese Fragen müssten auch jene, die sich auf die biblischen Aussagen von ewigen Höllenqualen berufen, in ihre Überlegungen einbeziehen. Es reicht nicht, nur die Bibelstellen zu zitieren, die die eigene Sicht bestätigen, und alle anderen Bibelstellen, die zu Fragen an diese Sicht Anlass geben, auszublenden.

Das gilt natürlich auch für jene, die die Rettung aller Menschen vertreten. Sie müssten sich fragen lassen, wie sie mit den biblischen Aussagen von einer ewigen Scheidung zwischen Glaubenden und nicht Glaubenden umgehen. Ist es richtig, diese Bibelstellen einfach auszublenden und damit die eigenen Gedanken über die Aussagen der Bibel zu stellen?

Außerdem sollten sie sich fragen, ob es der Liebe gemäß ist, dass Gott auch denjenigen, die sich bis zuletzt seiner Liebe bewusst widersetzen, sozusagen gegen ihren Willen seine Liebe aufdrängt und sie in die Gemeinschaft mit sich aufnimmt – eine Gemeinschaft, in der sie gar nicht leben wollen.

Ich lasse es offen, wie das Jüngste Gericht ausgeht. Ich gebe nur verschiedene Bibelstellen zu bedenken. Die letzte Entscheidung müssen wir Gott überlassen. Wer zu genau weiß, wie das Jüngste Gericht ausgeht, steht in der Gefahr, sich an Gottes Stelle zu setzen und seine Entscheidung vorwegzunehmen.

Weil aber niemand das Recht hat, Gottes Entscheidung vorwegzunehmen, hat auch niemand das Recht hat, einem Anderen zu sagen oder anzudrohen, dass er ewig von Gott getrennt sein wird, wenn er sich nicht bekehrt (Mt 7,1; Lk 6,36; 1Kor 4,5; Jak 5,9).

Bei allen offenen Fragen gibt es aber auch einige Dinge, deren wir gewiss sein können: Der Richter wird Gott in der Gestalt Jesu Christi sein (Röm 2,16; Mt 25,31f; Joh 5,27). Der Richter ist also der, der sich am Kreuz hat richten lassen; der aus Liebe zu seinen Verfolgern den Tod in Kauf genommen hat, anstatt seine Verfolger zu töten. Der Richter ist also kein anderer als der Gott, der Liebe ist. Auch das Jüngste Gericht wird Liebe sein.

Gottes Wille ist nicht Unheil, sondern Heil für alle Menschen (Röm 11,32; 1Tim 2,4). Unheil ist die unfassbare Ablehnung des Heils durch die geliebten Menschen. Wer aber das Heil, die Liebe Gottes, nicht ablehnt, braucht vor dem Jüngsten Gericht keine Angst zu haben (Röm 8,1). Er ist bereits „vom Tod zum Leben hinübergegangen" (Joh 5,24).

Eins ist entscheidend wichtig: Diejenigen müssen sich um ihr ewiges Heil keine Sorgen machen, die sich nicht selbst für gläubiger und besser halten als Andere, sondern sich als zweifelnde und schuldbehaftete Menschen erkennen und vor Gott bekennen (Lk 18,13f)!

Was Gottes Wille für alle Menschen ist, sollte auch unsere Hoffnung für alle Menschen sein. Niemand sollte selbstzufrieden auf die drohenden Höllenqualen anderer Menschen blicken. Höllenqualen sollen keine Schadenfreude oder ein Gefühl der Genugtuung auslösen, sondern Betrübnis. Denn auch Jesu Zorn über die Verstockung der Menschen war ein tief betrübter Zorn (Mk 3,5). Darum ist es unangemessen, das drohende Gericht über die Anderen mit heimlicher Genugtuung zu betrachten.

Wir sollten vielmehr die Hoffnung auch für die Gottlosesten niemals verlieren.


* * * * *



4 Kommentare
Frank-Peter Woska
2020-08-14 17:44:35
Hat das was mit Eschatologie und Allversöhnung zu tun? Deutschlandrusse tragen wie die geschlossenen Brüdergemeinde. Der Pastor aus Bremen (ehemals Siegen) der Argument auch mit der Liebe Gottes. Wir haben doch ein breites Spektrum - Obama war mit seiner Frau in einer Gemeinschaf, in der alle willkommen waren. 360 Grad. Wem, soll ich bitte noch glauben. Ich bin völlig davon überzeugt, dass Maria Jungfrau war (Weil sonst das gesamte Theologische Konstrukt zusammen fällt) Und mein Lieblingsbuch des neues Testamentes ist das Kapitel 9 der Offenbarung des Johannes. (Man würde so gerne-nur man darf nicht-man wird als Opfer noch benötigt)
2020-08-14 21:42:43
Danke für deinen Kommentar.

Eschatologie ist die Lehre von den letzten Dingen. Darum geht es beim Jüngsten Gericht. Allversöhnung ist die Lehre von der Erlösung aller. Die Frage habe ich bewusst offen gelassen.

Ja, mit Gottes Liebe argumentieren Viele - und legen sie unterschiedlich aus. Wir haben wirklich ein breites Spektrum. Das ist unangenehm, weil unklar bleibt, was richtig ist, und jeder muss sich selber auf den Weg machen. Es ist aber gut, weil keiner allein das Sagen hat. Alle miteinander müssen um die Wahrheit ringen. Darum ist jede/r wichtig. Und wenn man nicht weiß, wem man noch glauben soll, ist man schon auf dem guten Weg, selbst Antworten zu suchen und für sie offen zu sein.
Ursel Decker
2020-08-18 13:31:26
Lieber Klaus,

ich schreibe allgemein zu dem Titel: Die Gerichte der Liebe

Wie bereits der Titel, " Die Gerichte der Liebe " festhält, gipfeln die Überlegungen in der Feststellung " Gott ist Liebe " . Er handelt aus Liebe. Sein Handeln ist Liebe.

Ich halte in Stichwörtern fest:

Welches Gottesbild wird hier bedient? Heute, im Jahr 2020 !
Es ist der gute, ja, unter seiner Liebe selbst leidende Gott. Diesem guten Gott steht das von ihm erschaffene System gegenüber.

Der Mensch, als Krönung der Schöpfung, nach Mill. Jahren Evolution? Ab wann war der Mensch, Mensch? Ein System, gigantisch, phantastisch, atemlos bewundernswert, funktionierend, aber aufgebaut auf gefühllosen Gesetzen des ständigen Werdens und Vergehens.

Was ist Liebe ?

Die beiden Gerichte:

Gericht Gottes im Hier und Jetzt, also in Weltgeschichte und persönlicher Geschichte, und

das Endgericht, auch Jüngstes Gericht genannt, bedienen die Sehnsucht des Menschen nach ausgleichender Gerechtigkeit, und bestätigen hierdurch Gott als den guten, allmächtigen Gott der endgültige Gerechtigkeit und eine in Ewigkeit heile Welt schafft. Der Mensch, als abhängiges Mängelwesen steht Gott, als dem absolut Vollkommenen gegenüber.


Der Mythos ist für mich nur psychologisch überzeugend. Er passt zur Paradiesgeschichte. Mit der Erkenntnis ( hier von Gut und Böse ), nicht mit dem Sündenfall, ging die Vertreibung aus dem Paradies einher. Einem Paradies, welches es so nie gab.--- Hier fällt mir folgender Ausspruch ein: Als das Kind Kind war, wusste es nicht, dass es Kind war! Was bleibt ist Verantwortung des Menschen. Diese ist weise , weil lebensdienlich.
Noch Eines: Der durch Jesus aufgezeigte Weg, wie man leben soll, ist ein guter Weg, aber praktisch kaum erfüllbar.

Es grüßt Dich

Ursel
2020-08-18 19:40:12
Liebe Ursel,

vielen Dank für deinen Kommentar. Ich gehe gern auf einige Punkte ein und hoffe so, meine Sicht noch etwas deutlicher machen zu können.

Zunächst einmal ist mir wichtig festzustellen, dass ich kein Gottesbild „bediene" und auch keine menschliche Sehnsucht nach ausgleichender Gerechtigkeit. Wenn ich irgendwelche Erwartungen bedienen wollte, hätte ich bestimmt keine zwei Artikel über Gottes Gerichte geschrieben. Denn mit diesem Thema kann man heute keinen Preis gewinnen.

Mir geht es darum, die biblischen Aussagen für heutige Menschen verständlich zu machen, nicht aber darum, ihnen nach dem Munde zu reden. Grundsätzlich ist es doch so: Wenn ich etwas schreibe, was heutigen Menschen entgegenkommt oder auch ihren Sehnsüchten entspricht, ist das weder ein Beleg für die Richtigkeit der Aussage noch für ihre Falschheit.

Ich habe zudem nicht den Eindruck, dass ein Verständnis Gottes als Liebe von den Menschen heute begrüßt wird. Ebenso wenig wie das Reden vom Gericht Gottes. Also bediene ich doch damit kaum irgendwelche menschlichen Erwartungen.

Ich verstehe Gott tatsächlich als Liebe, aber nicht, weil die Menschen das erwarten, sondern weil Gott im Alten und Neuen Testament so beschrieben ist. Die Probleme, die uns einige Schriftstellen und der Zustand der Welt bei dem Satz „Gott ist Liebe" machen, sind mir dabei voll bewusst.

Ein Beispiel ist vielleicht das Prinzip von Werden und Vergehen, das du ansprichst. Ich weiß nicht, ob ich dich recht verstehe: Ist das Prinzip des Werdens und Vergehens für dich etwas, was der Liebe eines Schöpfers nicht entsprechen kann? Das würde ich anders sehen. Es mag uns so erscheinen, wenn wir allein auf dieses Prinzip schauen und ablehnen, dass es darüber hinaus noch etwas anderes gibt. Wenn ich aber auf dieses andere schaue, dann ist das Vergehen der Übergang zu diesem anderen.

Wenn etwas wirklich Neues entstehen soll, muss das Alte sterben. Das ist einerseits für uns schmerzhaft, andererseits aber auch befreiend. Die Alternative wäre ja entweder ein ewiges Weiterleben unter den weltlichen Verhältnissen oder ein immer neues Wiedergeborenwerden unter weltlichen Bedingungen. Beide Alternativen finde ich nicht sehr hoffnungsvoll.

Man kann natürlich auch fragen, warum uns Gott nicht gleich in eine vollkommene Schöpfung gesetzt hat. Dazu habe ich einen Gedanken geäußert in dem Gedicht „Alles gut", das sich auch auf der Website findet.

Natürlich hat der Zustand der Welt auch sehr viel zu tun mit dem menschlichen Versagen. Wie du auch weißt, können wir das nicht alles Gott in die Schuhe schieben.

Die alttestamentliche Wissenschaft versteht übrigens die Schöpfungserzählung heute so, dass die Sterblichkeit zur Schöpfung gehört und nicht erst nach dem „Sündenfall" eingetreten ist. Ich bin nicht sicher, ob das richtig ist, aber ich bin in der Materie auch nicht so drin wie die Alttestamentler.

Wie dem auch sei: Einen Gott, dem wir so wichtig sind, dass er uns in Ewigkeit bei sich haben will, kann ich nicht „gefühllos" oder irgendwie lieblos, gnadenlos, unbarmherzig finden.

Nun kann man sagen, das sei alles Mythos. Eine solche Aussage ist eine Glaubensentscheidung. Ob es Wahrheit oder Mythos ist, können wir nicht wissen. Die Entscheidung für Wahrheit und die Entscheidung für Mythos – beides sind Glaubensentscheidungen.

Man kann auch fragen, ob es dieses Gegenüber von Gott und Mensch überhaupt gibt, ob wir uns Gott also als personales Gegenüber vorstellen können, das uns mit Liebe begegnet. Sieht man Gott NUR als jenseitige Macht, ist es wohl schwierig, ihn als liebend zu denken. Sieht man ihn andererseits NUR als Person, besteht die Gefahr, ihn zu vermenschlichen.

Wenn ich von Gott als Person rede, stelle ich ihn mir nicht als menschliche Gestalt mit Körper und Gliedmaßen vor. Darum geht es nicht. Aber ich denke ihn mir mit Eigenschaften, die wir mit menschlichen Personen verbinden. Dazu gehört auch die Liebe.

Immerhin ist uns Gott in dem MENSCHEN Jesu letztgültig begegnet, und Jesus war ein liebevoller Mensch.

Du sprichst von Gott als einem „absolut Vollkommenen." Ich verstehe ihn als vollkommen in seiner Liebe und als allmächtig in der Macht seiner Liebe. Er ist für mich kein Überwesen, kein totalitärer Herrscher, kein transzendentes Höchstes, kein Richtergott, vor dem man nur Angst haben könnte. Sondern er ist das genaue Gegenteil von alldem: Der Gott, der Mensch geworden ist und der gelitten hat und bis heute leidet mit seinen geliebten Geschöpfen.

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, was an der Vorstellung einer liebenden göttlichen Macht schlecht sein soll. Man kann natürlich zu recht fragen, wie dieses „Gottesbild" mit all dem Negativen, das es in unserer Welt gibt, zusammenpasst. Ich kann sehr gut verstehen, dass das Negative einem den Glauben an einen Gott, der Liebe ist, austreiben kann. Ich habe selbst jahrlang unter dieser Diskrepanz gelitten. Ich kann auch nicht behaupten, dass ich heute gar keinen Anstoß mehr daran nehme. Aber ich weigere mich, mich an dieser Diskrepanz festzuklammern. Ich versuche, darüber hinaus zu blicken und das Positive gegenüber dem Negativen zu betonen. Wir werden nie an eine liebende göttliche Macht glauben können, wenn wir uns vom Negativen den Blick für das Positive verstellen lassen.

Und das Positive ist für mich nicht der Mensch. Du schreibst: „Was bleibt, ist Verantwortung des Menschen", die aber „praktisch kaum erfüllbar" ist. Das finde ich gut beobachtet. Was hilft aber eine Verantwortung, die kaum erfüllbar ist und – schaut man in die Welt – ja auch kaum erfüllt wird?

Ich denke: Es hilft nicht der Blick auf diese gescheiterte Verantwortung, sondern nur der Blick darüber hinaus: auf den Gott oder die göttliche Macht, der oder die trotz all unseres Scheiterns uns zu sich rufen und aufnehmen will in die ewige Gemeinschaft mit sich. Und dem dienen auch die göttlichen Gerichte, die ich darum die Gerichte der Liebe genannt habe.

Also keine vernichtenden, hinrichtenden Gerichte, sondern aufrichtende, erlösende. Das ist es, was ich sagen wollte.

Viele Grüße
Klaus
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