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Der verschenkte Sohn

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie zum Weiterdenken · 26 Januar 2020
Tags: GottessohnHeilsgewissheitLiebeseinheitGeist

T h e o l o g i e   z u m   W e i t e r d e n k e n
Der verschenkte Sohn
Klaus Straßburg | 26/01/2020

Warum wird Jesus „Sohn Gottes" genannt? Wird es dadurch nicht noch schwieriger, ihn zu verstehen?

Wie soll man sich das vorstellen, dass Gott einen Sohn hat? Einen Nachkommen! Ist das nicht absurd? Und völlig überflüssig? Reicht es nicht, an Gott zu glauben? Und reicht es nicht, Jesus als den Messias (den Gesalbten Gottes) zu verstehen, oder als einen wichtigen, vielleicht den wichtigsten aller Propheten?

Sicher war Jesus ein beeindruckender Mensch, ein mit Gott eng verbundener Mensch, ein überzeugend und konsequent seinen Glauben Lebender. Aber Sohn Gottes? Was soll das heißen?

Vielleicht war Jesus ein Mensch wie wir alle – wenn auch ganz besonders Gott und seinen Mitmenschen zugewandt, in außergewöhnlicher Weise charismatisch und bewundernswert liebevoll. Und nach seinem Tod wurde er von der Kirche in göttliche Höhen erhoben, wurde schließlich zum „Sohn Gottes" gemacht und als Gott verehrt.

Hätte man ihn nicht lieber Mensch bleiben lassen sollen?


1. Die vielen Söhne und Töchter Gottes

Werfen wir zu Beginn einen Blick in das religiöse Umfeld des damaligen Israel. Da gab es Söhne Gottes zuhauf!

In Mesopotamien wurde der König als Sohn von Göttern verehrt. Der Pharao in Ägypten galt als Sohn des Sonnengottes Re oder anderer Götter. Alexander „der Große" sah sich selbst so groß, dass er sich als Sohn des Zeus verstand. Seine über Ägypten herrschenden Nachfolger ließen sich als Söhne des Sonnengottes Helios verehren. Auch der römische Kaiser Augustus beanspruchte für sich den Titel „Sohn Gottes".

Söhne Gottes also, wohin man blickt. Natürlich nur männliche.

Auch im früheren Israel konnte der König „Sohn Gottes" genannt werden (z.B. 2Sam 7,14). Der Herrscher wurde so verstanden, dass er von Gott zum König erwählt und eingesetzt wird. Von da an darf er Israel an Gottes Stelle regieren. Neben dem König wird aber auch das Volk Israel als erwählter Sohn Gottes bezeichnet (z.B. Ex 4,22) oder die einzelnen Israeliten als Gottes Söhne und Töchter (Dtn 32,19; Jes 43,6). In Hiob 1,6; 38,7 werden die Gott umgebenden himmlischen Wesen als Söhne Gottes tituliert.

Immerhin wurden hier auch schon mal die Töchter Gottes erwähnt (aber das Königtum und der Himmel blieben den Söhnen vorbehalten).

In den Büchern Jesus Sirach und Weisheit Salomos, die nach katholischem Verständnis zum Alten Testament gehören, werden der weise Mensch (Sir 2,1 u.ö.) und der „gerechte" Mensch, d.h. der nach Gottes Wort Lebende (Weish 2,18), jeweils Sohn Gottes genannt. Weise und gerechte Frauen scheint es nicht zu geben ...

Aber was bringt uns diese Aufzählung derer, die Söhne und Töchter Gottes genannt wurden?

Sie hilft uns zu verstehen, was mit „Sohn" damals eigentlich gemeint war. „Sohn" oder „Tochter" zu sein meinte im Alten Testament und im Judentum: zu jemandem in großer Nähe zu stehen, eine enge Beziehung zu ihm zu haben, mit ihm untrennbar zusammenzugehören. „Sohn" ist also nicht nur mein Nachkomme, sondern jemand, der mit mir engstens verbunden ist. So wurde zum Beispiel das Verhältnis zwischen Schriftgelehrten und ihren Schülern als Vater-Sohn-Verhältnis verstanden – natürlich nicht im biologischen Sinn, sondern im Sinn der geistigen Nähe und Verbundenheit. Als Töchter und Söhne verbunden fühlten sich auch alle, die zum gleichen Volk, zur gleichen Gruppe, zum gleichen Beruf oder zum gleichen Verwandtenkreis gehörten. Schließlich verstand man sich auch als Sohn oder Tochter Gottes, ihm zugehörig und eng verbunden.

„Sohn Gottes" zu sein hieß also, mit Gott dem „Vater" (der durchaus mütterliche Qualitäten hatte: Jes 66,13) eng zusammenzugehören, in seiner Nähe zu leben, in vertrauensvoller Beziehung zu ihm zu stehen.


2. Der einzige Sohn Gottes

Wir schreiten voran in die Zeit Jesu und kommen zum Neuen Testament.

In einigen Schriften des Neuen Testaments tauchen Formulierungen auf, die einander auffällig ähnlich sind. Paulus und Johannes sprechen hier davon, dass „Gott seinen Sohn sandte", und zwar um den Menschen das Heil zu bringen (Gal 4,4f; Röm 8,3f; Joh 3,16f; 1Joh 4,9). Weil diese Formulierungen einander sehr ähnlich sind, vermutet man, dass Paulus und Johannes auf eine Vorlage der frühen Christenheit zurückgegriffen und diese ihrer jeweiligen Aussageabsicht angepasst haben. Die ersten christlichen Gemeinden kleideten ihren Glauben nämlich in kurze, prägnante Formulierungen, die auch Paulus und Johannes bekannt sein mussten. Wenn das richtig ist, dann wurde Jesus schon sehr früh als Sohn Gottes bezeichnet.

Also noch ein Sohn Gottes mehr?

Das Markusevangelium berichtet gleich zu Anfang, dass nach Jesu Taufe der Geist Gottes auf ihn herabkommt. Zugleich ertönt Gottes Stimme vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen" oder im heutigen Deutsch „an dir habe ich meine Freude" (Mk 1,10f). Zum Sohn Gottes Jesus gehört es also, dass er Gottes Geist bekommt.

Dass Jesus Gottes Geist bekommt, ist nicht nur eine Randbemerkung. Denn dieser Geist bestimmt Jesus nicht nur teilweise und vorübergehend, sondern er durchdringt und prägt ihn bleibend in all seinem Fühlen und Denken, Reden und Handeln. Dies wird äußerlich sichtbar durch Jesu charismatisches Reden (Mk 1,22), seine Macht über alles Gott- und Lebensfeindliche (die „unreinen Geister") (Mk 1,23-28) und seine Krankenheilungen (Mk 1,32-34). Durch diese uneingeschränkte Geistbegabung ist Jesus aufs Engste mit Gott verbunden, und er hat vollständig an Gottes Wirklichkeit teil.

Dieser Sohn Gottes ist demnach der einzigartig mit Gottes Geist Begabte, und diese Begabung unterscheidet Jesus von allen anderen Getauften (Mk 1,5.7f).

Übrigens ist das Wort „Geist" im Hebräischen feminin. Manche sehen darin eine Bestätigung dessen, was wir schon oben bemerkt haben: dass Gott auch eine mütterliche Seite hat.

Die anderen Evangelien unterstützen das, was das Markusevangelium sagt. Immer wieder wird Jesu Geistbegabung erwähnt (z.B. Mt 4,1; 8,16; 12,18; Lk 1,80; 2,27). Die Aussagen des Markusevangeliums werden teilweise sogar verstärkt (z.B. Lk 1,30-35; Joh 1,32-34; Mt 11,27). Das enge Miteinander von Gott dem Vater und Jesus dem Sohn wird als Einheit verstanden (Joh 10,30), und auch die Glaubenden sollen untereinander eins sein (Joh 17,20-23).

Wir halten fest: Jesus ist anders als alle anderen Menschen mit Gottes Geist begabt. Er ist darum auch anders als alle anderen Menschen Sohn Gottes. Er ist der „einzig-geborene" (= einzige) Sohn Gottes (Joh 1,14).


3. Der vollkommen mit Gott Verbundene

Wenn Jesus Sohn Gottes genannt wird, ist damit also nicht gemeint, dass Gott einen Nachkommen hätte. Es geht vielmehr darum, dass Jesus so eng mit Gott verbunden ist, dass man sogar von einer Einheit sprechen kann. Jesus lebte in engster Beziehung zu Gott. Er war mit Gott verbunden wie kein anderer Mensch vor oder nach ihm. Er lebte im ungebrochenen Vertrauen zu Gott, und das heißt: ohne die Gottesferne, die unser Leben kennzeichnet. Er war, wie das Neue Testament sagt, ohne Sünde (2Kor 5,21; Hebr 4,15).

Und nur weil er so untrennbar mit Gott verbunden war, konnte er uns zeigen, wie Gott wirklich ist (Joh 1,18). Wenn wir wissen wollen, wie Gott ist, dürfen wir nicht in unseren Erfahrungen oder Erfahrungen anderer Menschen suchen. Menschen machen viele und unterschiedliche Erfahrungen. Sie sind alle getrübt von einem tiefen Misstrauen Gott gegenüber (das uns oft gar nicht bewusst ist). Nur Jesus lebte im vollkommenen Vertrauen zu Gott. Nur er konnte darum Gott in seiner Fülle offenbaren (Kol 2,8f; Mt 11,27).

Wie kommen wir eigentlich dazu, Gott in unseren Erfahrungen, Gedanken und Spekulationen zu suchen?

Wir können uns also Jesus vorstellen als einen Menschen, der in vollkommener Weise mit Gott eins war: eins im Fühlen und Denken, Reden und Handeln. Diese Einheit war durch nichts getrübt. So war er Sohn Gottes.

Diese Einheit war aber keine Identität. Der Sohn ist nicht der Vater. Ihre Einheit ist eine Liebeseinheit: Sie waren in vollkommener Liebe eins miteinander und verbargen nichts voreinander. Sie lebten die Gefühle und Interessen des anderen, sie lebten das Leben des anderen und gerade so ihr eigenes Leben. Ihre Liebe zueinander war so groß, dass jeder den anderen in sich trug, im anderen war (Joh 14,10f; 17,21) und so ganz in sich selbst war. Sie fanden sich im anderen, und so fanden sie sich selbst. Das Fühlen, Denken, Reden und Handeln des anderen war ihnen kein fremdes, sondern ihr eigenes.

Unter uns Menschen gibt es solche Einheit nicht. Wir können sie nur ahnen, wenn wir uns Menschen vorstellen, die in Liebe miteinander vereint sind: Sie wollen für sich selbst nur das des anderen, der auch für sich selbst nur das des anderen will. Sie machen sich das Fühlen, Denken und Wollen des anderen zu eigen. Zum Beispiel eine Mutter, die stets für ihr Kind mitdenkt, mit ihm fühlt, seinen Willen im voraus kennt. Sie lebt in ihrem Kind und gerade so lebt sie ganz in sich selbst als Mutter. Oder ein Liebespaar, bei dem beide ganz im jeweils anderen und für ihn leben und empfinden.

Solch eine Liebe ist ein Traum - ein Traum, den unsere Eigensucht zerstört.

Gottes Liebe aber kann nicht zerstört werden, denn Gott bleibt sich in Ewigkeit treu. Er ist in Ewigkeit der Liebende. Und genau darum ist Jesus der Sohn Gottes nicht nur eine Zeit lang, sondern in Ewigkeit (Lk 1,33; Hebr 5,5f). Gottes Liebe, die in Jesus Mensch geworden ist, ist nämlich nicht nur eine Episode im Leben Gottes. Wäre sie das, dann könnte Gott auch mal ein ganz anderer sein als der Liebende – vielleicht der uns Hassende und Vernichtende. Und wir könnten der Liebe Gottes zu uns nie gewiss werden. Weil aber Gottes ewige und nicht nur zeitliche Liebe in Jesus Mensch geworden ist, darum ist Jesus der ewige Sohn Gottes, der in Ewigkeit bei Gott war und sein wird (Phil 2,6f; 1Kor 8,6; Mt 28,20b; Joh 1,1f.14).

Das ist keine überflüssige theologische Konstruktion, sondern die Konsequenz daraus, dass sich in Jesus dem Sohn Ewiges ereignet hat.


4. Was mir das alles bringt

Ich danke Gott, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat. Denn nur ein Mensch, der unvergleichlich eng mit Gott verbunden war, konnte uns kundtun, wie Gott wirklich ist. Nur Gottes Sohn konnte Gottes Leben offenbaren. Nur an dem, der mit Gott in Liebe eins war, können wir Gottes Liebe erkennen. Alle anderen Menschen können irren. Alle anderen können sich und uns täuschen. Alle anderen können nur Vorläufiges über Gott sagen. Der Sohn aber hat Endgültiges über Gott – nicht nur gesagt, sondern gelebt.

Manchmal schreitet meine Vernunft ein und fragt: Würde es nicht reichen, wenn ein normaler Mensch Gott offenbart hätte? Muss es denn ein gottgleicher Mensch sein?

Ich versuche mir dann klarzumachen: Ein normaler Mensch kann uns über Gott informieren. Er kann aber nicht das Leben Gottes leben. Er kann nur über Gottes Liebe reden und sehr eingeschränkt nach ihr handeln. Er kann sie aber nicht vollkommen zu uns bringen. Gottes Liebe bleibt dann abstrakt. In Jesus dem Sohn wird sie konkret. Denn Jesu Geschichte ist Gottes Geschichte.

Als dieser Mensch, der die Liebe Gottes lebte, ist Jesus der „Anfänger und Vollender des Glaubens" (Hebr 12,2). An ihm erleben wir, was es bedeutet, zu glauben und zu lieben. Es bedeutet nicht zuerst, irgendwelche Sätze für wahr zu halten. Es kommt nicht zuerst darauf an, den Satz „Jesus ist Gottes Sohn" nachzusprechen. Sondern es kommt vor allem darauf an, in der Nähe Gottes zu leben, in der engen Verbundenheit mit ihm, im Vertrauen zu seiner unendlichen Liebe – so wie Jesus selbst es tat.

Ich weiß, dass ich daran scheitere. Mein Vertrauen ist durchsetzt von Misstrauen. Ich möchte Gott nah sein und bin ihm doch immer wieder fern. Aber ich muss mich nicht anklagen. Ich muss mich nicht unter Leistungsdruck setzen oder setzen lassen. Denn Gottes Liebe ist unendlich. Auch unser Versagen bringt sie nicht an ihr Ende. Jesus hat diese Liebe zu den Versagern gelebt und durchlitten. Und er hat uns Gott vorgelebt: So sehr liebt Gott.

Von diesem Gott hat Jesus alles empfangen (Mt 11,27; Lk 10,22; Joh 5,19-23). Darum können auch wir alles von Gott erwarten. Wir können uns beschenken lassen, ohne uns abmühen zu müssen. Wir müssen nur die Gratisgabe entgegennehmen. Wir müssen nichts dafür bezahlen (Jes 55,1). Das ist keine Anstrengung, sondern eine Befreiung: Ich muss nichts tun. Ich darf alles empfangen. Ich kann nur eins, nämlich die Gratisgabe annehmen. Warum sollten wir, die wir sonst jedem Schnäppchen nachjagen, gerade auf diesen Hauptgewinn verzichten?

Danke, Jesus, dass du mich der Liebe Gottes gewiss gemacht hast. Ohne dich gäbe es keine Heilsgewissheit. Ich wüsste nicht, ob es stimmt, was die Bibel über Gott sagt. Ich wüsste nicht, ob er mich wirklich in Ewigkeit mit liebenden Augen ansieht. Doch ich glaube, dass du, Jesus, Gottes ewige Liebe gelebt hast. Und darum glaube ich auch, dass Gottes Liebe mir in Ewigkeit treu bleibt.

Jeder von uns kann ein freier Mensch sein. Du kannst frei sein von Angst und Sorge um dein irdisches Wohl und um dein Seelenheil. Frei auch davon, mit anderen um Wohlergehen und Seelenheil zu konkurrieren. Frei zu lieben. Denn der Sohn Gottes, der einzigartig Gottes Liebe Lebende, hat es offenbart: Du bist geliebt – jetzt, in dieser Welt, und in Ewigkeit.


* * * * *

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