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Das Lächeln

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Theologie to go · 14 Juni 2022
Tags: Freude

T h e o l o g i e   t o   g o
Das Lächeln
Klaus Straßburg | 14/06/2022

Gestern kam mir eine lächelnde Radfahrerin entgegen.

Es war kein breites Lächeln, sondern eher ein Lächeln nach innen. Ein in sich ruhendes Lächeln, das sagte: Es ist schön, Mensch zu sein. Es ist schön zu leben. Ich bin ganz bei mir.

Das Lächeln auf dem Fahrrad erinnerte mich an das angeblich geheimnisvolle Lächeln der Mona Lisa. Aber vielleicht war die Mona Lisa auch einfach nur ganz bei sich. Und ihr Lächeln erscheint uns nur deshalb so geheimnisvoll, weil wir vergessen haben, wie das ist: ganz bei sich sein, in sich ruhen, mit sich und der Welt eins sein.

Ich erlebe manchmal solche glücklichen Augenblicke. Aber es sind immer nur Augenblicke oder kurze Zeiten. Schnell ist das Gefühl wieder verflogen.

Sollte ich nicht als Christ viel öfter lächeln?

Die Radfahrerin hat mich veranlasst, einmal nachzuschlagen, wie es die Bibel mit dem Lächeln hält. Doch das Wort "lächeln" gibt es in der Bibel gar nicht. Also suche ich nach "Lachen".

"Lachen" kommt ein paar Mal vor, aber fast nur in unangenehmen Zusammenhängen. Da gibt es das spöttische Lachen der Menschen über Gott, das überlegene Lachen Gottes über seine Verächter, das schadenfreudige Lachen, das sinnlose Lachen, das sich über sich selbst täuschende Lachen, das in die Zukunft verschobene Lachen. Sollte das Lachen etwas Böses sein, wie es der blinde Bibliothekar in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" glaubte?

Das kann nicht sein, denn es gibt ein biblisches Lied, den Psalm 126, in dem das Lachen zu seiner ganzen Fülle zu gelangen scheint:

Als der Herr das Geschick Zions [= Jerusalems] wandte, da waren wir wie Träumende,
da war unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Jubels.
Da sprach man unter den Völkern: "Der Herr hat Großes an ihnen getan!"

Die Zeilen belegen: Der Bibliothekar aus Ecos Roman irrte. Das Lachen gehört zum Leben. Darum ist in der Bibel viel von Freude und Fröhlichkeit die Rede. Wenn Gott Großes an uns tut, wenn er unser Geschick wendet, haben Lachen und Freude einen Platz im Leben.

Doch gibt es Grund zum Lachen nur dann, wenn Gott Großes an uns tut?

Eigentlich ist das Kleine ja schon Großes. Das Kleine: dass wir leben, dass wir die Sonne spüren und die Vögel hören, dass wir den Wind spüren, der über unsere Haut streift, dass wir Menschen um uns haben und – ja, dass wir radfahren können.

Und die kleine Schwester des Lachens, das leise Lächeln, ist gewiss nicht minder wichtig als das laute Lachen. Denn das Bei-mir-sein und In-mir-Ruhen ist ja auch nicht laut. Genauso wenig wie das Bei-Gott-sein und In-Gott-Ruhen, das der Grund meines Lächelns ist.


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