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Das Christentum in einer orientierungslosen Welt

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Veröffentlicht von in Theologie aktuell · 14 Dezember 2024
Tags: OrientierungWahrheitVernunftOffenbarungKulturPolitik

Das Christentum in einer orientierungslosen Welt
Impulse zum Verstehen unserer Zeit
Klaus Straßburg | 14/12/2024

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Althergebrachtes und Gewohntes gilt nicht mehr, alles scheint im Wandel begriffen. National orientierte Parteien erstarken und regieren, die Demokratie wird in Frage gestellt, Kriege sind wieder hoffähig und traditionelle Werte überzeugen nicht mehr. Was an ihre Stelle treten soll, ist offen.

Das erzeugt Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Staat und Kirche können offenbar keine Werte mehr vermitteln: Sie überzeugen nicht, weil sie ihre eigenen Werte unterlaufen und dies beständig zu vertuschen trachten. Wer also bietet Orientierung an, wenn die sogar die Kirchen diesbezüglich versagen?

Der einzelne Mensch findet sich wie auf einem Markt unzähligen Wertangeboten ausgesetzt und bei seiner Sinnsuche allein gelassen. Das kann wohl in einer Gesellschaft, in welcher Markt und Konsum alles bestimmen, nicht anders sein. So werden auch Werte zum Konsumgut und damit austauschbar. Doch der Preis ist hoch: Jeglicher Lebensentwurf wird fraglich, wenn der tiefere Sinn und das Ziel offen bleiben. Das erzeugt Depression oder Aggression – der "Wutbürger" ersteht. Wer in einer Welt lebt, in der die Gewalt ein anerkanntes Mittel ist, wird schließlich selbst gewalttätig.

Das alles erinnert mich an das Gefühlsleben Jesu, das uns im Matthäusevangelium beschrieben wird (Mt 9,36):

Als Jesus die Menschenmenge sah, war er von Mitleid mit ihnen ergriffen, denn sie waren zutiefst verletzt und hingeworfen wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Man muss die griechischen Grundbedeutungen der einzelnen Wörter mithören, um den Sinn zu erfassen. Wenn Jesus "von Mitleid ergriffen" war, dann sind nach dem griechischen Wortsinn seine Eingeweide betroffen: Die menschliche Not, die er sah, ging ihm durch Mark und Bein ging. Er war selbst im Innersten davon angerührt. Das Wort von den "verletzten" Menschen erinnert an die Verletzungen der Haut, die sich verirrte Schafe an Felsen und Dornen zuziehen. Das Wort für "hingeworfen", mit dem Jesus die Menschen beschreibt, wird meist von einem zur Erde hinabgesunkenen Toten verwendet.

Jesus sieht also die Menschen, die weder ein Vorbild noch einen sie Schützenden haben und deshalb hilf- und orientierungslos umherirren, schwere innere Schmerzen leiden und keinen Lebenssinn sehen, also schon wie tot sind, auch wenn sie noch biologisch leben.

Man kann die Sehnsucht verstehen nach einem "starken Mann", der sagt, wo es langgeht, oder nach Parteien, die alles anders machen, endlich neue Perspektiven eröffnen, die hoffentlich wieder Orientierung bieten. Man kann auch den Rückzug in Zerstreuung und kurzfristigen Genuss verstehen, wenn alles andere keinen Halt bietet.

Der letzte Halt, wenn kein Halt mehr in Sicht ist, ist das noch unbekannte Neue. Aber gerade dies Unbekannte vergrößert schließlich die Unsicherheit noch, so dass die – persönliche oder politische – Welt "aus den Fugen" gerät.

Tröstlich ist vielleicht, dass wir nicht die erste Generation sind, der solches widerfährt. Das ist mir besonders bei der Lektüre von Hermann Brochs Romantrilogie "Die Schlafwandler" bewusst geworden, die zwischen 1930 und 1932 veröffentlicht wurde und auf die ich nun zunächst eingehen werde.

Und weil die Zeit, in der dieser Roman spielt, viel mit unserer Zeit zu tun hat, erfährst du auch etwas über die geistesgeschichtliche Lage am Ende des 19. Jahrhunderts, nämlich über Aufklärung, Romantik und Kulturprotestantismus sowie über die Philosophie Friedrich Nietzsches, die auch das Denken vieler Menschen heute stark geprägt hat. Am Ende mache ich dann einige Vorschläge, wie die Christenheit auf die gegenwärtige Situation reagieren könnte.


1. Die Suche nach Halt, Ordnung, Orientierung

Hermann Brochs erster Roman der Schlafwandler-Trilogie ist überschrieben "Pasenow oder die Romantik" und spielt im Jahr 1888. Hauptfigur ist der Sohn eines Gutsherrn Joachim von Pasenow. Er erlebt die Zerrissenheit seiner Zeit am Gegenüber von alter Ständeordnung und aufbrechender internationaler Geschäftswelt. Die alten Werte scheinen nicht mehr zu gelten, die neuen sind noch im Werden und allemal erschreckend.

Das erlebt Joachim auch im Schwanken zwischen einer vom Vater gewünschten standesgemäßen Hochzeit mit Elisabeth und der erotischen Anziehungskraft des böhmischen Animiermädchens Ruzena, ohne sich für die eine oder andere entscheiden zu können. Der Konflikt mit dem autoritären Vater betrifft auch seinen Unwillen, das väterliche Gut zu übernehmen. Joachim hat sich für den Beruf des Soldaten entschieden, der ihm Halt gibt:

Und war es einst die bloße Tracht des Klerikers, die sich als etwas Unmenschliches von der der anderen abhob, und schimmerte damals selbst in der Uniform und in der Amtstracht noch das Zivilistische durch, so mußte, da die große Unduldsamkeit des Glaubens verloren ward, die irdische Amtstracht an die Stelle der himmlischen gesetzt werden, und die Gesellschaft mußte sich in irdische Hierarchien und Uniformen scheiden und diese an der Stelle des Glaubens ins Absolute erheben. Und weil es immer Romantik ist, wenn Irdisches zu Absolutem erhoben wird, so ist die strenge und eigentliche Romantik dieses Zeitalters die Uniform, gleichsam als gäbe es eine überweltliche und überzeitliche Idee der Uniform, eine Idee, die es nicht gibt und die dennoch so heftig ist, daß sie den Menschen viel stärker ergreift, als irgendein irdischer Beruf es vermöchte, nicht vorhandene und dennoch so heftige Idee, die den Uniformierten wohl zum Besessenen der Uniform macht, [...] vielleicht eben weil der Mensch, der die Uniform trägt, von dem Bewusstsein gesättigt ist, die eigentliche Lebensform seiner Zeit und damit auch die Sicherheit seines eigenen Lebens zu erfüllen.

[...] der Mann in der Uniform [...] ist noch immer ein Mensch wie du und ich, denkt an Essen und Beischlaf, liest auch seine Zeitung beim Frühstück; aber er ist mit den Dingen nicht mehr verbunden, und da sie ihn kaum mehr etwas angehen, vermag er jetzt, sie nach gut und böse zu unterscheiden, denn auf Unduldsamkeit und Unverständnis ist die Sicherheit des Lebens gegründet.1

Broch stellt fest, dass dort, wo die absolute Gültigkeit des Glaubens, der nichts Ebenbürtiges neben sich duldet, vorbei ist, etwas anderes absolut Gültiges in den Mittelpunkt treten muss; denn auf das Absolute und nicht auf das Irdische gründet sich die Sicherheit des Lebens. Irdische, also relative Hierarchien und Wertskalen müssen ins Absolute erhoben werden, damit der Mensch sich nicht im Haltlosen verliert. Das Absolute aber ist unduldsam gegenüber allem, was ihm widerspricht, und kann für das ihm Widersprechende auch kein Verständnis haben. Denn wer das Absolute verehrt, steht über den Dingen und kann deshalb Gut und Böse unterscheiden.

Für Joachim nun ist das Militärische, ins Symbol der Uniform gekleidet, das Absolute, das ihm Sicherheit und Geborgenheit verleiht. Es ist "eine überweltliche und überzeitliche Idee", die ihn ergriffen hat und von der er nicht lassen kann, auch wenn er damit die Nachfolge als Gutsherr des väterlichen Besitzes ausschlägt. Wie Broch an anderer Stelle ausführt, bietet ihm das Militär mit seiner Hierarchie und unzweideutigen Struktur die Ordnung, die er überall zusammenbrechen sieht, und den Halt, nach dem er sich sehnt:

[...] jede Mahnung zur Quittierung des Dienstes und zur Übersiedlung in die Heimat war wie ein Hinabzerren ins Zivilistische und Haltlose, nicht viel anders, als wollte man ihn eines Schutzes berauben und ihn nackt hinausstoßen [...] die Gefahren des zivilistischen Lebens waren von fremder und dunkler, unfaßbarer Art. Das war alles in Unordnung, ohne Hierarchie, ohne Disziplin und wohl auch ohne Pünktlichkeit.2

Ich habe mich beim Lesen dieser Texte gefragt, ob nicht auch heute das wieder in den Vordergrund gerückte Militär für viele Menschen eine Ordnungsmacht ist, die dort, wo die gewünschte Ordnung zu zerbrechen droht, eingesetzt wird, um die gewohnte Lebensform zu retten. Muss sich doch jede Halt bietende Ordnung, wo sie nicht im Glauben gründet, im Weltlichen durchsetzen, und sei es mit Waffengewalt. Wo die von uns gefeierte Lebensform in Frage gestellt wird, ist kein Preis zu hoch, sie gewaltsam durchzusetzen, denn ohne sie geht uns der Lebenssinn selbst verloren.

Wie sehr eine Gesellschaft im Umbruch um ihr Überleben kämpft, zeigt sich auch an einer anderen Stelle des Romans. Broch schildert die Überlegungen der aus wohlhabendem Hause stammenden Elisabeth:

Elisabeth blieb es nicht verborgen, daß der Eltern Leidenschaft, die Geburtstage zu feiern und ständig auf neue Überraschungen bedacht zu sein, eine tiefere Bedeutung besaß und mit der Freude, ja, man konnte fast sagen Sucht, sich mit immer neuen Dingen zu umgeben, in einem tieferen, wenn auch schwer durchschaubaren Zusammenhang stand; zwar wußte Elisabeth nicht, daß jeder Sammler mit der nie erreichten, nie erreichbaren und doch unentwegt erstrebten lückenlosen Absolutheit seiner Sammlung hinausgelangt über die gesammelten Dinge, in die Unendlichkeit hineingelangt, und daß er, aufgehend in seiner Sammlung, auch die Erreichung seiner eigenen Absolutheit erhofft und die Aufhebung seines Todes, Elisabeth wußte es nicht, aber umgeben von all den vielen schönen toten Dingen, die um sie gesammelt und aufgehäuft waren, umgeben von den vielen schönen Bildern, ahnte sie dennoch, daß die Bilder an die Wände gehängt waren, als sollten sie die Mauern verstärken und als sollten all die toten Dinge etwas sehr Lebendiges bergen, vielleicht auch verbergen und schützen [...] sie ahnte die Angst, die dahinter stand und die den Alltag, der das Altern ist, im Festlichen zu übertönen suchte, Angst, die sich immer wieder vergewisserte – stets neu erlebte Überraschung –, daß sie lebendig und geboren und definitiv beisammen waren und ihr Kreis ewiglich geschlossen.3

Die Ungeborgenheit eines Lebens, an dessen Ende unweigerlich der Tod steht und das keine Hoffnung über den Tod hinaus kennt, sucht diesen zu umgehen, indem es sich des bleibenden, sozusagen unauslöschlichen Lebens vergewissert durch beständiges Feiern des Lebens, durch immer neue lebensförderliche Überraschungen und durch das Ansammeln "vieler schöner toter Dinge". Die Zerstreuung und der Konsum sollen das Leben seiner selbst versichern und einen Schutz bieten gegen die Angst vor dem Tod.

Die Zerstreuung im Feiern und in Events sowie der beständige Konsum, den sich damals nur die Wohlhabenden leisten konnten, ist heute fast allen Menschen, wenn auch in Grenzen, möglich. Es erscheint mir nicht abwegig, diese "Sucht, sich mit immer neuen Dingen zu umgeben", als Kompensation der Todesangst zu begreifen. Dasselbe gilt für den Eskapismus und die immer stärkeren Kicks, mit denen man sich Erlebnisse verschafft und vergewissert, dass man lebt, dass das Leben weitergeht und dass es durch den nächsten Kick sich selbst perpetuiert. Zumal in einer Zeit, in der der Tod, den wir so gern ausschließen, sich uns täglich per Zeitungen, Fernsehen oder Internet ins Wohnzimmer aufdrängt, sucht man die Geborgenheit des Lebens in kurzfristigen Erlebnissen und beständigem Überkonsum, der sagt: "Ich konsumiere, also bin ich."

Joachim indes hat sich einen Rest christlichen Glaubens bewahrt, wenn auch recht verzerrten Glaubens. Es ist ein Glaube, der vor allem durch Schuldgefühle besetzt ist. Dadurch entstehen kuriose Gedankengänge, die irgendwelche unangenehmen Alltagserfahrungen auf Gott zurückführen, der dadurch eine gerechte Strafe über den Menschen kommen lasse, die nun zu sühnen sei. Doch ist es Joachim ernst mit dem Glauben, und er versucht, die als Kind erlebte Geborgenheit wiederzufinden:

Die Kirchentüre war zufällig offen und Joachim ließ den Wagen halten. Es galt, eine Schuld abzutragen, eine Schuld gegen die Kirche, die ihm bloß angenehme Kühle gewesen war, gegen den Pastor, dessen gute Rede er nicht gehört, gegen Helmuth, dessen Begräbnis er durch profane Gedanken verunehrt hatte, mit einem Wort eine Schuld gegen Gott. Er trat ein und suchte nach der Stimmung seiner Kindheit und ihrer Kirchenbesuche, da er, Joachim v. Pasenow, stets aufs neue überwältigt, jeden Sonntag vor Gottes eigenem Antlitz hier gestanden hatte. Er hatte damals viele Kirchenlieder gekonnt und sie mit Inbrunst gesungen. Aber es ging doch nicht an, daß er jetzt allein in der Kirche zu singen anhöbe. Er mußte sich bescheiden, seine Gedanken zu sammeln und sie auf Gott und auf seine Sündigkeit vor Gott zu lenken, auf seine Kleinheit und Erbärmlichkeit vor Gott; aber seine Gedanken wollten Gott nicht finden. Nur das Wort Jesajas, das er an dieser Stelle einst gehört hatte, fiel ihm ein: "Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk vernimmt's nicht" [Jes 1,3]. Ja, Bertrand hatte recht, sie hatten die Christlichkeit verloren; und nun versuchte er das Vaterunser zu beten, mit geschlossenen Augen und achthabend, keine leeren Worte aufzusagen, sondern in jedem Wort den Sinn zu erfassen; und als er zu der Stelle kam, "wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", da stellte sich das weiche, ängstliche und doch vertrauende Gefühl der Kindheit wieder ein: er erinnerte sich, daß er diese Stelle stets auf den Vater bezogen und aus ihr die Zuversicht geschöpft hatte, dem Vater verzeihen zu können, ja ihm all das Gute zu tun, zu dem ein Kind verpflichtet ist; und nun kam ihm ins Ohr, daß der alte Mann von einer Vereinsamung gesprochen hatte, von der er offenbar geängstigt war und die man ihm erleichtern mußte.4

Das tiefe Schuldbewusstsein prägt den Glauben Joachims. Darum will er die Schuld irgendwie wiedergutmachen, sie "abtragen". Allerdings betreffen seine Schuldgefühle nur Äußerliches: die Kühle des Kirchengebäudes, die Rede des Pastors und die abschweifenden Gedanken bei der Trauerfeier. Sie betreffen eine abstrakte "Christlichkeit", nicht den Mangel an Vertrauen auf Gottes unendliche Liebe zum Sünder.

So ist es bezeichnend, dass er im Vaterunser nicht bei der Bitte um Sündenvergebung, sondern beim eigenen Vergeben gegenüber seinen Schuldnern das kindliche Gefühl eines ängstlichen und zugleich vertrauenden Glaubens wiedergewinnt. Nicht die gütige Tat Gottes, sondern die eigene gütige Tat zeichnete offenbar seinen Glauben schon als Kind aus. Der Protestantismus seiner Zeit war an solchem Glauben nicht unschuldig, setzte er doch den Akzent vielfach auf das dem Menschen aufgetragene Denken und Handeln. So endet sein Nachsinnen auch mit der beinahe übermenschlichen Absicht, dem höchst autoritären und deshalb verhassten Vater seine Vereinsamung zu erleichtern.

Es mag sein, dass auch heute viele Menschen mit dem christlichen Glauben Schuldgefühle verbinden. Die Kirchen und christlichen Gemeinschaften sind daran nicht unschuldig. Zu lange wurde das "Gesetz" verkündet und damit Druck ausgeübt, ohne dass zuvor das befreiende "Evangelium" zur Sprache gekommen war.

Auf diese Weise landet der mit dem "Gesetz" und der drohenden Strafe konfrontierte Mensch wieder bei sich selbst, nämlich bei seinen eigenen Versuchen, dem angeblich zornigen Gott gerecht zu werden. Er wird entweder dahin gelangen, sich selbst als guten Menschen zu verstehen, der Gott nicht fürchten muss, oder er wird sein Scheitern eingestehen und sich von dem ihn bedrohenden Gott verabschieden. Beide Wege führen in die Irre und können nur scheinbar Halt und Geborgenheit vermitteln. So irrt der Mensch orientierungslos umher, suchend und doch nicht findend, weil er seinen Herrn nicht kennt und sein Halt und Ordnung vermittelndes Wort nicht vernimmt, wie Jesaja sagte. Die echte Befreiung aber liegt in der gnädigen Zuwendung Gottes zu dem, der das Heil nicht bei sich selbst sucht, sondern bei dem, der nicht die Guten beruft, sondern die Sünder (Mk 2,17; Mt 9,13; Lk 5,31f).


2. Aufklärung, Romantik und Kulturprotestantismus

Der erste Teil des Romans spielt am Ende des 19. Jahrhunderts. Die geistesgeschichtliche Lage in Deutschland, die wir uns jetzt in aller Kürze vergegenwärtigen, war zu dieser Zeit von Aufklärung, Romantik und Kulturprotestantismus geprägt.

Die Aufklärung hatte sich gegen die althergebrachten Autoritäten gewandt: gegen König, Adel und Kirchen. Allein die Vernunft sollte entscheiden, was wahr ist und was nicht. Allein das vernünftige Individuum sollte die Antworten auf alle Fragen finden. Die Überzeugung war, dass die Menschheit große Fortschritte in Wissenschaft und Menschlichkeit machen werde, wenn erst Vernunft und Wissen sich allgemein verbreitet haben.

So meinte man, auch in der Religion und Ethik könne nur das Geltung beanspruchen, was mit der Vernunft übereinstimmt. So wie die Natur gut sei, so sei auch der Mensch von Natur aus gut. Deshalb könne der Mensch aufgrund seiner Vernunftbegabung zu einem humanistischen Christentum finden. Man konnte Gott als höchstes Wesen verstehen, das sich den Menschen in der Natur und ihren Gesetzen zeige, sich ihnen aber nicht auf übernatürliche Weise offenbare.

Natürlich kann sich die Romanfigur Joachim der Macht der Vernunft nicht versagen. Er lehnt sich ja selbst gegen die Autorität seines Vaters auf und sucht seinen Weg jenseits der althergebrachten Traditionen. Er versucht auch, im Verhältnis zu Elisabeth und Ruzena einen ethisch akzeptablen Weg zu gehen, scheitert aber immer wieder an seinen differenzierten Gefühlen.

Was den christlichen Glauben betrifft, haben die kirchlichen Dogmen keine Bedeutung für ihn. Joachim hängt vielmehr innerlich an der Geborgenheit, die ihm sein Kindheitsglaube vermittelt hat – ein Glaube, der allerdings vor der kritischen Vernunft nicht bestehen kann.

Im Grunde ist Joachim ein Romantiker. Die Romantik wandte sich gegen den strengen Rationalismus der Aufklärung und stellte die nicht-rationalen Dimensionen von Mensch und Natur in den Vordergrund: Gefühl, Phantasie, Erlebnis, Sehnsucht, das Geheimnisvolle und Übernatürliche. Nicht das Allgemeingültige, das der Vernunft entspringt, wird betont, sondern das Individuelle, das schöpferische Ich und besonders das künstlerische Genie. Man wollte tote Materie und menschlichen Geist nicht voneinander trennen, sondern miteinander vermitteln, ebenso die uns umgebende Natur und die von uns gestaltete Geschichte.

In der Natur erlebte man ein göttliches Ich: eine "Weltseele" oder einen "Weltgeist". In ihm sind Geist und Materie eins, und die ganze Natur ist Ausdruck des einen göttlichen Weltgeistes. Die Natur wurde als ein einziger Organismus verstanden, der sich nach und nach in der Geschichte entfaltet bis hin zum menschlichen Bewusstsein. Auch jedes Volk mit seiner ihm eigenen "Volksseele" konnte als Organismus verstanden werden.

Joachim wird von seinen Gefühlen und Sehnsüchten getrieben. Alle Versuche, einen rationalen Lebensentwurf zu entwickeln, scheitern. Er wird hin- und hergerissen zwischen seinen Sehnsüchten und dem Versuch, zugleich ein auf ethische Werte gegründetes Leben zu führen. Daran wird deutlich, wie schnell die Vernunft an ihre Grenzen gelangt.

In seiner Orientierungslosigkeit sucht Joachim Halt im christlichen Glauben. Doch die evangelische Theologie seiner Zeit konnte ihm diesen Halt nicht bieten. Denn der sogenannte "Kulturprotestantismus" suchte den Schulterschluss mit der damaligen Philosophie und Kultur. Man stellte alles christliche Erkennen und Handeln dem gebildeten und autonomen Menschen anheim. Dadurch sollte ein Auseinandertreten von christlicher Religion und säkularer Kultur vermieden werden. Jedes menschliche Individuum habe ein Recht auf seinen ihm gemäßen, von allen Dogmen unabhängigen Glauben. Der höchste Wert des Kulturprotestantismus war also die gebildete autonome Persönlichkeit, die ihren Glauben in einer pluralen Volkskirche leben kann. Die christliche Ethik sollte vorrangig nicht in der Kirche, sondern in einem auf protestantischen Werten gründenden nationalen Kulturstaat verwirklicht werden.

Dadurch verweigerte man den Menschen ein Angebot, für oder gegen das sie sich entscheiden konnten, um Orientierung zu finden. Ohne ein solches Angebot ist der Mensch offenbar überfordert, einen lebensförderlichen Weg allein aus Vernunfterwägungen zu finden. Das zeigt die Weltgeschichte bis zum heutigen Tag. Denn der Mensch wird eben nicht nur durch seine Vernunft bestimmt, sondern wesentlich auch durch Gefühle, Sehnsüchte, Machtbestrebungen und irrationale Ideale. Die Bewältigung der darin liegenden destruktiven Anteile kann offensichtlich nicht allein der Vernunft überlassen werden.

Mir scheint die gegenwärtige religiöse Situation viel mit der damaligen gemein zu haben. In Europa widerspricht die Existenz eines Gottes für viele Menschen jeder Vernunft. Andere wiederum suchen Gott in Erfahrungen und Gefühlen, in denen sie Gott jenseits aller Vernunfterkenntnis gegenwärtig erleben. In der Esoterik werden Gefühle und Erfahrungen problemlos mit nichtchristlichen Aussagen verbunden. In extremistischen Kreisen des Christentums oder anderer Religionen kann der Glaube militante Züge annehmen und auch psychische oder physische Gewalt nicht ausschließen.

Die Kirchen versuchen immer noch, den Anschluss an die verschiedenen säkularen Zeitgeister nicht zu verlieren. Sie verweigern damit die Vermittlung von Lebensentwürfen und Werten, die zwar nicht prinzipiell alle, aber doch die meisten säkularen Weltanschauungen und Ethiken übersteigen müssten – jedenfalls dann, wenn man die Aufforderungen zur Nachfolge durch Jesus und die Glaubensaussagen des Apostels Paulus ernst nimmt.

Eine bis heute wirkmächtige Perspektive nahm der zur Zeit Joachims von Pasenow lebende Philosoph Friedrich Nietzsche ein, auf den wir jetzt einen Blick werfen.


3. Friedrich Nietzsche

Hermann Broch datiert den ersten Teil seiner Romantrilogie auf das Jahr 1888. In diesem Jahr veröffentlichte Friedrich Nietzsche (1844-1900) in den beiden Schriften "Götzendämmerung" und "Der Antichrist" seine schärfste Kritik am Christentum. Deshalb ist es sinnvoll, einen Blick auf Nietzsches Christentumskritik zu werfen. Dazu dient uns sein bekannter Text aus der Schrift "Die fröhliche Wissenschaft", die bereits im Jahr 1882 erschien:

Der tolle Mensch. – Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittage eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: "Ich suche Gott! Ich suche Gott!" – Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verlorengegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? – so schrien und lachten sie durcheinander. Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. "Wohin ist Gott?" rief er, "ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet – ihr und ich! Wir alle sind seine Mörder! Aber wie haben wir dies gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen nicht Laternen am Vormittage angezündet werden? Hören wir noch nichts von dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben? Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? – auch Götter verwesen! Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen? Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat – und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!" – Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, daß sie in Stücke sprang und erlosch. "Ich komme zu früh", sagte er dann, "ich bin noch nicht an der Zeit. Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert – es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehn und gehört zu werden. Diese Tat ist ihnen immer noch ferner als die fernsten Gestirne – und doch haben sie dieselbe getan!" – Man erzählt noch, daß der tolle Mensch desselbigen Tages in verschiedene Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: "Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?"5

Der "tolle", verrückte Mensch entzündet eine Lampe am hellen Vormittag, weil er erkennt, dass es in all dem scheinbaren Licht dunkel und kalt geworden ist. Denn die Menschen haben Gott getötet. Sie meinten, sie bräuchten ihn nicht, und haben ihn abgeschafft. Doch nun gibt es keinen Halt, keine Orientierung, keine Sicherheit mehr. Warum und wozu sind wir da? Ohne Grund und Ziel ist das Leben wie ein Nichts: Es ist nichtig, bedeutungslos.

Joachim von Pasenow ist durch diese Weltsicht vollkommen verunsichert. Auch die Erinnerung an seinen Kindheitsglauben hilft ihm nicht weiter. Bei seinen Zeitgenossen findet er die unterschiedlichsten Lebensentwürfe, so dass sie ihm auch keine Orientierung bieten können. Er fühlt nur, dass das Alte nicht mehr standhält und das Neue ihm keinen Halt bietet. So sucht er Halt im Militär: der einzigen Institution, in der er noch Sicherheit und Ordnung findet.

Der tolle Mensch versucht, den anderen die Augen zu öffnen. Er schreit seine Verzweiflung heraus, trifft aber nur auf taube Ohren. Die Menschen verstehen ihn nicht, weil sie Gott nicht vermissen. Sie leben an der Oberfläche. Der tolle Mensch aber spürt die Veränderungen in der Tiefe: Wir brauchen ein Licht, das uns den Weg zu einem sinnvollen Leben weist. Offensichtlich können wir uns diesen Weg nicht selber weisen. Darum ist die Gefahr groß, in oberflächlichem Gerede und sinnlosem Tun zu versinken. Ohne Gottes Geleit gibt es weder Lebenssinn noch -ziel. Warum und wozu sind wir da? Was wird aus uns, wenn wir nicht mehr da sind? Diese Fragen bleiben ohne Antwort. Denn ohne Grund und Ziel sinken wir in ein Nichts.

Nietzsches Lösung bestand darin: Der Mensch muss selber Antworten geben und Werte entwickeln. Diesen Menschen nannte Nietzsche den Übermenschen: der starke, sich von Autoritäten und Traditionen befreiende und im sinnlichen Leben entfaltende Mensch; der Mensch, der nicht zum Jenseits strebt, sondern der Erde treu bleibt. Von dieser Antwort her konnte Nietzsche mit christlichem Mitleid, mit Demut und Schwachheit nichts anfangen. Er nannte dies eine "Sklavenmoral". Das Wesen alles Lebens aber war für ihn Stärke, Herrschaft, die auch Unterdrückung und Zwang einschließt, Stolz, Mut, Sinnlichkeit und Freude – all das, was seiner Meinung nach das Christentum ablehnt.

Aber können Stärke, Stolz, Sinnlichkeit und Freude unserem Lebenswillen Genüge tun? Unser Protagonist Joachim in Brochs Roman lebt im Schwanken zwischen Sinnlichkeit und Lebensentfaltung einerseits und Hängen an den traditionellen Werten und Ordnungen andererseits. Er kompensiert diesen schwankenden Boden, auf dem er steht, mit seiner Liebe zum Militär: Dort findet er noch Ordnung und dadurch Sicherheit.

Schauen wir uns einmal das gegenwärtige Befinden der Menschen in den reichen Ländern der Welt an: Es ist offensichtlich, dass Selbstverwirklichung, Autonomie, Gesundheit, materieller Wohlstand und befreite Sinnlichkeit, also alles, was man als menschliche Stärke bezeichnen könnte, nicht zu dem Glücksgewinn geführt haben, den man sich von ihnen versprochen hatte. Vielmehr nehmen Unbehagen, Angst, Depressionen, Wut und Gewalt zu.

Auch die Kirchen können dem offenbar nichts Substanzielles entgegensetzen und sind nach Nietzsches Urteil bloß noch "die Grüfte und Grabmäler Gottes". So erhebt sich die Frage: Was sollen die Christenheit in unserer gegenwärtigen Situation tun?


4. Kirchen und Christenheit in der gegenwärtigen Welt

Bis zum Mittelalter konnten sich die Kirchen darauf stützen, dass die von ihnen proklamierten Wahrheiten und Werte allgemein anerkannt wurden. Seit der aufgeklärten Moderne muss sich jede Erkenntnis vor der menschlichen Vernunft verantworten. Da aber die menschliche Vernunft dem Wandel der geschichtlichen Situationen und der individuellen Perspektiven unterliegt, kann keine Erkenntnis mehr bleibende Gültigkeit beanspruchen. In der sogenannten Postmoderne werden deshalb alle allgemeingültigen religiösen Wahrheitsansprüche abgelehnt. Stattdessen wird einer prinzipiell grenzenlosen Vielfalt der Wahrheiten das Wort geredet. Der Ton liegt auf Verschiedenheit, Eigenart und individueller Freiheit.

Doch zeigen sich fatale Folgen: Wenn es selbst über Grundlegendes keine Übereinstimmung mehr gibt, zerreißt das Band zwischen den Individuen und Völkern, und sowohl die persönlichen Gemeinschaften wie auch die internationalen Beziehungen driften unversöhnlich auseinander. Solche Auflösungserscheinungen zeigen sich sogar innerhalb der Bündnisse, seien es die persönlichen (Ehen, Partnerschaften) oder die internationalen (NATO, EU).

In der Einsamkeit des nur auf je eigene Wahrheiten und Werte Gründenden kann kein Staat und kein Individuum auf Dauer existieren. Darum suchen Staaten sich andere durch Krieg gefügig zu machen und ihnen die eigene Wahrheit und die eigenen Werte aufzuzwingen. Und Individuen passen sich einer gewaltbereiten Welt an, indem sie selbst als Wutbürger gewalttätig werden. Dazu dient auch die Suche nach einem "starken Mann" und einem starken Staat, die endlich wieder festlegen, "wo es langgeht". In einer Welt ohne verbindliche und verbindende Wahrheiten haben dann auch Fake News, Verschwörungstheorien und radikale Vereinfachungen leichtes Spiel.  

Die Kirchen haben dem scheinbar nichts entgegenzusetzen. Ihre früher selbstverständliche Autorität ist ein für allemal verfallen. Das muss sie aber nicht in die Resignation treiben. Denn die Wahrheit des christlichen Glaubens hängt eben dieser Wahrheit zufolge im Letzten nicht ab vom Engagement der Christinnen und Christen, sondern von der Wirksamkeit Gottes. Christliche Wahrheit setzt sich dort durch, wo Gott seinen Geist ausgießt (Apg 2,1-41). Der Geist aber weht dort, wo er will (Joh 3,8), nicht wo die Kirche es will. Dies ist keine Schwäche der Kirche, sondern ihre Stärke.

Der Christenheit bleibt nur, Gottes Geist nicht zu behindern, sondern ihn in ihren Reihen wirken zu lassen (Eph 4,30; 1Thess 5,19). Dazu müssen die Kirchen allerdings einsehen, dass nicht jede Weltsicht und jeder "Glaube" hilfreich und heilschaffend ist, sondern ausufernder Pluralismus zu Verzweiflung und Gewalt, also ins Chaos führt. Die Christenheit muss sich gegen eine Verwässerung christlicher Glaubenswahrheiten und Werte aussprechen, wenn es ihr ernst ist mit der Wahrheit, die Jesus Christus ist (Joh 14,6). Sie muss darauf bestehen, dass es nicht beliebig viele, sondern eine Glaubenswahrheit gibt, auch wenn um diese Glaubenswahrheit immer neu gerungen werden muss und die eine Wahrheit sich in einer begrenzten Vielfalt der Schwerpunkte und Perspektiven ausdrücken kann.

Es hilft in der allgemeinen Orientierungslosigkeit niemandem, wenn die Kirchen selbst sich orientierungslos geben, wie derzeit in der Friedensfrage. Es macht sie unglaubwürdig, wenn sie widersprüchlich handeln, indem sie beispielsweise für Schwache eintreten, aber zugleich in ihren Reihen auftretenden Missbrauch an Kindern, also den Schwächsten, vertuschen; oder indem sie für die Rechte der Armen eintreten, selbst aber über riesige Vermögen verfügen.

Die Reformatoren verstanden die Kirche als eine beständig zu reformierende Kirche (lateinisch ecclesia semper reformanda). Eine Kirche, die das vergisst, kann keine den jeweiligen Zeiten entsprechenden neuen Strukturen entwickeln, die nötig wären, um Menschen von ihrer Botschaft zu überzeugen.

Die theologische Wahrheit und die ihr entsprechenden ethischen Werte finden wir nicht von uns aus, sondern in Abhängigkeit von dem, der die Wahrheit ist und sie uns deshalb allein offenbaren kann: Jesus Christus. Diese scheinbar triviale Feststellung ist – zumindest in der christlichen Praxis – oftmals in Vergessenheit geraten.

Es geht in der christlichen Wahrheit um das, was uns widerfährt, nicht um das, was wir aus uns machen: Wir sind nicht schon immer, was wir sein sollen, sondern Gott lässt uns werden, was für uns und die Welt das Beste ist, wenn wir das zulassen, was er uns werden lassen will.

Das maßgebliche Zeugnis der Offenbarung in Jesus Christus besteht einerseits in der Geschichte Gottes mit dem Volk Israel und in den Verheißungen des Messias im Alten Testament. Andererseits bezeugen die Schriften des Neuen Testaments die Worte und Taten des Messias Jesus. Deshalb ist es die erste Aufgabe der Christenheit, um ein rechtes Verständnis der Schriften des Alten und Neuen Testaments zu bitten und sie im Vertrauen auf Gottes Geist immer neu für ihre jeweilige Gegenwart auszulegen.

Konkret bedeutet das, dass die Christenheit ihr Fähnlein nicht nach dem Wind hängt, um gesellschaftlich anerkannt zu sein. Die Kirchen sollten sich beispielsweise nicht der allgemeinen Strömung anschließen, wenn das Verständnis davon, wie Frieden zu schaffen und zu bewahren ist, gesellschaftlich gerade umschlägt. Jesus suchte keine gesellschaftliche Anerkennung, sondern die Ehre Gottes. Beides zusammen zu verfolgen, hat der Kirche noch nie gut getan.

Das weitgehende Schweigen der Christenheit zum Überkonsum und zum Eskapismus kann ebenfalls als Anpassung an den Zeitgeist verstanden werden. Man möchte nicht als Spielverderber oder "Verbotspartei" gelten. Man übersieht dabei, dass man den Menschen einen Bärendienst erweist, wenn man sie nicht warnt vor der Flucht hin zu den Götzen der gegenwärtigen Welt.

Auch in der postmodernen Welt muss die Christenheit, um den Menschen Halt und Orientierung zu bieten, darauf bestehen, dass die Wahrheit nicht beliebig relativiert werden darf. Jesus schielte nicht auf den Zeitgeist, sondern hielt an der Wahrheit fest. Wir wissen, dass das ihm persönlich nicht zum Vorteil gereichte. Diesen Mut sollte auch die Christenheit aufbringen.

Die Kirchen sollten ihr Augenmerk auch nicht hauptsächlich auf Mitgliederwerbung setzen. Es geht nicht darum, zahlende Mitglieder zu generieren, sondern den christlichen Glaubens zu bezeugen. Darum geht es auch nicht um interessengeleitete Angebote an die Menschen, sondern um solche, die der Wahrheitssuche und der Wahrheitsbezeugung entsprechen.

Eine sich auf Gott verlassende Kirche kann auch zur eigenen Fehlbarkeit und Orientierungslosigkeit stehen – und diese bedauern. Wenn die Wahrheitssuche schwierig ist, sollte sie die Menschen daran beteiligen. Es ist besser, Streit öffentlich auszutragen als auf theologischen Tagungen und in kirchlichen Ausschüssen fern von der breiten Öffentlichkeit. Eine sich auf Christus verlassende Kirche weiß darum, dass Christus in den Schwachen stark ist (2Kor 12,9f) und sein Geist auch in irdischer Schwachheit Erkenntnisse wecken kann.

Christinnen und Christen machen Angebote, keine Vorschriften. Sie drohen nicht, sondern laden ein zu Glauben, Hoffnung und Liebe. Sie behaupten nicht, sondern argumentieren. Sie leben vor, was sie verkündigen. Das alles, ohne nach hohen Zahlen zu streben. Auch Jesus sammelte bekanntlich keine Massen um sich.

Und wenn alles getan ist – dann wissen Christinnen und Christen, dass alle ihre Aktivitäten auf keinen fruchtbaren Boden fallen werden, wenn Gott selbst sich nicht kundtut. Sie werden aber darauf vertrauen, dass er es zu seiner Zeit tun wird. Um dieses Wirken Gottes in der Welt werden sie, von Mitleid mit den Menschen ergriffen, beten, und darauf werden sie hinwirken. Und sie werden froh und erwartungsvoll dem künftigen Wirken des Geistes Gottes entgegensehen – auf dass die Menschen nicht mehr verletzt und hingeworfen sein mögen wie Schafe, die keinen Hirten haben.


* * * * *


Quellennachweise:
1 Broch: Die Schlafwandler, S. 23-25.
2 Broch: Die Schlafwandler, S. 68.
3 Broch: Die Schlafwandler, S. 80f.
4 Broch: Die Schlafwandler, S. 52.
5 Quelle: http://www.zeno.org - Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH (http://www.zeno.org/nid/20009251758). Dort zitiert nach: Friedrich Nietzsche: Werke in drei Bänden. München 1954, Band 2, S. 126-128.

Verwendete Literatur und sonstige Quellen:
  • Broch, Hermann: Die Schlafwandler. Eine Romantrilogie. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, suhrkamp taschenbuch 2363. 12. Aufl. Frankfurt 2022.
  • Dalferth, Ingolf U.: Umsonst. Eine Erinnerung an die kreative Passivität des Menschen. Verlag Mohr Siebeck. Tübingen 2011. S. 213-226.
  • Gaarder, Jostein: Sofies Welt. Roman über die Geschichte der Philosophie. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1993. S. 406-417.536f.
  • Graf, Friedrich Wilhelm: Kulturprotestantismus. In: Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (RGG). Band 4. Hg. von Hans Dieter Betz u.a. Verlag Mohr Siebeck. 4. Aufl. Tübingen 2001. Sp. 1850-1852.
  • Graf, Friedrich Wilhelm: Postmoderne. I. Soziologisch und sozialgeschichtlich. In: RGG Band 6. Hg. von Hans Dieter Betz u.a. Verlag Mohr Siebeck. 4. Aufl. Tübingen 2003. Sp. 1514f.
  • Grözinger, Albrecht: Postmoderne. III. Praktisch-theologisch. In: RGG Band & (s.o.). Sp. 1516f.
  • Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Verlag W. Kohlhammer GmbH. 12. Aufl. Stuttgart ua. 1981. S. 449-451.539-552.
  • Ward, Graham: Postmoderne. II. Religionsphilosophisch und fundamentaltheologisch. In: RGG Band 6 (s.o.). Sp. 1515f.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Romantik.
  • http://www.zeno.org/nid/20009251758 (der Nietzsche-Text).

Foto: Jan Helebrant auf Pixabay.





26 Kommentare
Michael Kröger
2024-12-15 13:58:44
Hallo Klaus

du unterscheidest zwischen "Wahrheitssuche und der Wahrheitsbezeugung". Gerade mit der W.- Bezeugung tue ich mich schwer. Ist es nicht paradox( ja vielleicht auch anmaßend ?) als Mensch von "Wahrheitsbezeugung" zu sprechen. Ist diese nicht Gott allein vorbehalten? Oder habe ich jetzt etwas grundsätzlich missverstanden ..? hg Michael
2024-12-15 15:11:09
Hallo Michael,

vielen Dank für deine interessante Frage. Tatsächlich hat es etwas Einleuchtendes zu sagen, dass nur Gott allein die Wahrheit bezeugen kann, weil sie uns aus eigenem Vermögen gar nicht zugänglich ist. Ich würde dann davon sprechen, dass Gott allein die Wahrheit offenbaren kann. Das ist, wenn man so will, auch eine Bezeugung der Wahrheit. Gott offenbart bzw. bezeugt die Wahrheit (bzw. sich selbst als die Wahrheit) aber Menschen. Und diese Menschen haben die Aufgabe, die ihnen offenbarte bzw. bezeugte Wahrheit mit Wort und Tat weiterzugeben, also ihrerseits zu bezeugen, damit auch andere Menschen daran teilhaben.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom "Missionsbefehl", besser "Missionsauftrag" Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger: "Geht hin in alle Welt und macht alle Völker zu Jüngern [und Jüngerinnen], indem ihr sie tauft [...] und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Mt 28,19f, letzter Satz[!] des Matthäusevangeliums).

Das, was Gott uns offenbart bzw. bezeugt, ist also nicht nur für uns selbst da, sondern soll, weil es Frohe Botschaft (Evangelium) für alle Menschen ist, an alle weitergegeben werden.

Ich hoffe, deine Frage damit beantwortet zu haben. Andernfalls frag nochmal nach.

Wenn ich mal fragen darf: Was hältst du denn von meinem Versuch, Impulse zum Verstehen unserer Zeit im Umbruch zu liefern? Findest du darin Zutreffendes?

Viele Grüße
Klaus
Michael Kröger
2024-12-15 18:10:28
....ich empfinde deinen TextImpulse als Anregung, als Aufforderung zu weiteren eigenen Auseinandersetzung. Das hat hier funktioniert!

Was mich dabei manchmal irritiert ist die Tatsache dass du letztlich immer Gott als Letztinstanz ins Feld führst. Ich kann das natürlich nachvollziehen trotzdem fühle ich mich dabei irgendwie "eingeengt". Vielleicht ist doch jeder Mensch auf der Suche nach seinem ("eigenen") Bild von Gott. Aber das ist aus deiner Sicht wahrscheinlich heikel... ?

hg Michael
2024-12-15 19:56:03
Danke für deine Rückmeldung. Meine Impulse sollten genau das sein: eine Anregung zum eigenen Weiterdenken.

Dass du meine Bezugnahmen auf Gott als einengend empfindest, tut mir wirklich leid. Eigentlich sollten sie befreiend wirken, also das Gegenteil von einengend. Ich sehe auch, dass wir alle lebenslang auf der Suche bleiben, weil wir das Geheimnis "Gott" nie ergründen können.

Mich würde interessieren, was du als einengend erlebst: Ist es prinzipiell die Bezugnahme auf eine Größe, die ich als maßgebend für ein gutes Leben betrachte, oder sind es einzelne Eigenschaften, die ich Gott zuschreibe? Letzteres würde für mich bedeuten, dass ich mir Gedanken darüber machen muss, was ich über Gott sage. Im ersten Fall wäre ein Austausch darüber sinnvoll, inwiefern die Abhängigkeit von einer maßgebenden Größe ("Gott") als Befreiung erlebt werden kann.

Viele Grüße
Klaus
Michael Kröger
2024-12-15 23:08:46
....es ist im Grunde die Tonlage, deine Arten und Weisen wie du von/über Gott sprichst. Sobald du eher theologisch-logisch argumentierst schalte ich innerlich häufig ab; erzählst du aber persönlich und kommst dann scheinbar zufällig auf deine ( ! ) Begegnung mit Gott zu sprechen werde ich sofort hellhörig....
Ich möchte aber weniger >über Gott höreen, als vielmehr durch möglichst subjektive Erzählungen >mit ihm sprechen lernen ..... hg Michael
2024-12-16 14:20:57
Hallo Michael,

vielen Dank für deine Erläuterungen. Ich hoffe, ich verstehe jetzt, was du meinst. Vermutlich spielt der Begriff "Wahrheit" eine große Rolle, der mit dem der menschlichen "Freiheit" eng zusammengehört. Ich muss also etwas zur Freiheit schreiben – auch, weil dein Gefühl der Einengung ja das Gegenteil von Freiheit ist.

Ich erlebe mich als Christ frei von verschiedenen zwischenmenschlichen, gesellschaftlichen und psychischen Bindungen. Ich fühle mich weder abhängig von anderen Menschen (z.B. Vorgesetzten, Gemeindemitgliedern) noch von gesellschaftlichen Vorgaben (z.B. kirchlichen Traditionen, gesellschaftlichen Bräuchen). Ich weiß auch, dass meine seelischen Befindlichkeiten nicht maßgebend für mein Leben sind. Natürlich bin ich insofern abhängig, dass ich Stress mit Vorgesetzten und Gemeindegliedern bekommen kann (und in meiner Zeit als Gemeindepfarrer bekommen habe), dass ich mich an gewisse Traditionen und Bräuche halten muss, um überhaupt mit Menschen im Kontakt zu bleiben und dass ich meine seelischen Befindlichkeiten nicht einfach abstellen kann. Das impliziert, dass ich unter belastenden Beziehungen, ungeliebten Verpflichtungen und eigenen Gefühlen leide.

Insofern bestehen Abhängigkeiten, denen jeder Mensch ausgesetzt ist. Aber in diesen Abhängigkeiten empfinde ich eine beglückende Unabhängigkeit. Diese besteht darin, dass ich mich trotz aller irdischen Streitigkeiten und Widersprüchlichkeiten als der, der ich bin, gewollt, respektiert, anerkannt weiß – bedingungslos geliebt. Das heißt nicht, dass nicht manches an mir zu ändern und zu verbessern wäre. Aber dieses Grundgefühl des bedingungslosen Anerkanntseins gibt mir in all den Problemen und Widersprüchlichkeiten ein großes Gefühl der Freiheit. Ich sage mir z.B.: Die Leute in der Gemeinde, die mich nicht mögen, schätzen mich nicht und ich leide darunter, aber ich muss mich dennoch nicht wertlos und erfolglos fühlen. Oder: Meine Stimmung ist vielleicht grottenschlecht bis depressiv, aber ich weiß, dass meine Stimmung nicht die Wirklichkeit widerspiegelt, wie sie im Licht der gegenwärtigen und zukünftigen Taten Gottes erscheint.

Von daher greift mein Gottesbild täglich befreiend in mein Leben und mein Befinden ein. Dieses Gottesbild ist aber kein beliebiges oder eins, das ich mir selber zusammengereimt habe. Sondern es ist das Gottesbild, das mir in den biblischen Schriften begegnet. Das biblische Gottesbild ist ein befreiendes Gottesbild. Darum orientiere ich mich an den biblischen Schriften und versuche, über diesen befreienden Gott zu schreiben.

Und nun komme ich zu dem, wovon du schon vermutet hast, dass es in meiner Sicht heikel sein könnte. Wenn ich die befreiende Wirkung des biblischen Gottesbildes voraussetze, ist es tatsächlich heikel, abgesehen von den biblischen Schriften nach Gott zu suchen. Es gibt ja unzählige Gottesbilder auf Erden, nicht nur in den Weltreligionen, sondern darüber hinaus in esoterischen Strömungen und auch innerhalb der Christenheit. Es ist für uns aber nicht hilfreich und weiterführend, uns mit eigenen Mitteln (vernünftige Überlegungen, gefühlsmäßige und praxisbezogene Präferenzen) ein Gottesbild zu basteln, das zu uns zu passen scheint. Dabei kommen nur Götzen heraus. Wir sollen uns eben kein Bild von Gott machen, wie das Gebot sagt.

Das mag jetzt hart klingen - vielleicht eine befreiende Härte? Aber möglicherweise leuchtet es ja auch ein, dass es nicht gewinnbringend und zusammenführend sein kann, wenn jeder Mensch sich sein eigenes Gottesbild bastelt. Darauf kann sich keine Gemeinschaft gründen – wie wir meiner Meinung nach gerade sehr anschaulich erleben. Ich glaube auch nicht, dass die selbstgebastelten (damit meine ich: unabhängig von der Bibel geschaffenen) Gottesbilder wirklich tragfähig und befreiend sind. Vielleicht erscheinen sie zunächst so. Aber irgendwann zeigt sich, dass sie nicht ausreichen. Dann sucht man weiter, vielleicht bis ans Lebensende.

"Subjektive Erzählungen", die du einforderst, haben ganz sicher ihr Recht. Leider bin ich aber kein Erzähler. Und die Frage bliebe ja auch dann: Worauf gründet das Gottesbild der subjektiven Erzählung? Ich bin tatsächlich eher ein "theologisch-logisch" Denkender. Manche fordern übrigens genau diese Logik ein. Aber da sind die Geschmäcker verschieden. Wahrscheinlich hat beides seine Berechtigung: das Erzählen subjektiver Erlebnisse mit dem, was man Gott nennt, wie das logisch durchdachte Darstellen dieses Gottes. Und beides hat auch seine Gefahren: ein frömmelndes Bezeugen scheinbarer Erlebnisse mit Gott und ein wirklichkeits- und praxisfernes Theoretisieren ohne Lebensbezug.

Meine Frage wäre auch: Kann man mit Gott sprechen lernen, wenn man nicht viel über ihn hören will? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? – weil ich doch, wenn ich mit jemandem sprechen will, wissen muss, mit wem ich da eigentlich spreche. Dann aber geht es um die Wahrheit dessen, mit dem ich sprechen will. Für mich ist das eine höchst befreiende Wahrheit, die ich auch anderen Menschen nahebringen möchte – wobei jeder Mensch die Freiheit hat, sich der von mir erkannten Wahrheit anzuschließen oder nicht. Aber das gilt ja für alle Wahrheitsbekundungen, die wir tagtäglich zu hören bekommen und auch selbst äußern.

Soweit meine etwas ausführlicheren Erläuterungen. Ich hoffe, dass du damit etwas anfangen kannst und es für dich nicht einengend wirkt.

Herzliche Grüße
Klaus
Michael Kröger
2024-12-16 14:34:24
"Kann man mit Gott sprechen lernen, wenn man nicht viel über ihn hören will? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?"

Hallo Klaus

Danke für deine sehr offenen Gedanken die sehr vieles auch für mich klären.
Was den >Widerspruch< angeht: Widersprüche empfinde ich als Einladungen an mich/uns weiter hinaus, ins Freiere zu denken. Mit Gott will ich versuchen im Gespräch zu bleiben ... habe ganz herzlichen Dank für deine Einlassungen

Michael

Johanne
2024-12-17 10:53:58
17.12.24 Lieber Klaus,

keine Kirche, kein großer oder kleiner Theologe kann für DICH die Wahrheit – die Sinnaussagen in den Perikopen – finden. Du musst selbst suchen. Das, was Du selbst verbalisierst tritt in dein Bewusstsein. Vorbedingung ist beurteilen woher DEIN Urteil über Aussagen einer Perikope kommt! Das ist Einladung zum Glauben!

Die Reaktion auf Perikopen kann Dir niemand abnehmen -vgl. deine Nietzsche Zitate und Kohelet. Das ist Suche nach Gott, die liegt bei Dir.

Christlicher Beistand ist nicht Mitleid das Nietzsche oder Broch thematisieren. KEINE EIGENE GÜTIGE TAT, kann Joachim erlösen! Klaus, dein Urteil zu Broch (Zitat Anfang) „Denn wer das Absolute verehrt, steht über den Dingen und kann deshalb Gut und Böse unterscheiden.“ (Zitat Ende!), sagt, er glaubt an Hierarchie. Der biblische Gott ist ihm unbekannt. Brochs Protagonist folgt der Hierarchie, sie ist ihm das Absolute!

Klaus, seltsam ist deine Argumentation, Du eröffnest deinen Beitrag mit: „Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Althergebrachtes und Gewohntes gilt nicht mehr, ….“. (Zitat Ende) Genau das erlebt der Protagonist Joachim.

Von welchem Umbruch willst Du sprechen und welchem Protagonisten – von Joachim oder von Nietzsches Gott?

Nietzsches Mitleid wertet ab, diskriminiert, christlicher Beistand hebt das Ansehen des Gegenübers (Hi 42,9), christliche Ethik wählt um der Sache willen klare Worte. Das ist die Sicherheit die Christus gibt!

Einladung zum Glauben heißt Gesprächskreise besuchen, primär um des Austauschs willen, sekundär zur eigenen Verbalisierung! Das Heil nicht bei sich selbst suchen ist wichtig! Hören was andere sagen, darüber nachdenken. Jeder Mensch benötigt den AUSTAUSCH über Sinnaussagen. Erinnere Dich an meine mündlichen Beiträge UND an die schriftlichen.

In deinem letzten Absatz glaubst Du Gott selbst würde sich zu deinen (?) Beiträgen kundtun!

Meine Erfahrung sagt, Gott will von jedem das persönliche Fragen und Suchen. Niemand kann für andere Suchen und Fragen. Nicht mein Mitleid ÜBER den Glauben anderer ist gefragt (!), wohl aber Beistand dort wo Unrecht geschieht, vgl. Diskriminierungen in dir bekannten Gesprächskreisen.

Gruß Johanne, 17.12.24
2024-12-17 11:30:27
Hallo Johanne,

deinen Aussagen (vor allem deine ersten beiden Absätze und der letzte und drittletzte) stimme ich im Wesentlichen zu, so dass ich mich dazu nicht äußern muss. Deine Kritikpunkte und Anfragen verstehe ich nicht, deshalb kann ich mich dazu nicht äußern.

Viele Grüße
Klaus
2024-12-17 15:40:44
Hallo Klaus,

was für ein Beitrag! Im Kommentarformat kann ich nicht alles schreiben, was mir dazu einfällt. Hermann Broch war mir bisher kein Begriff; der erste Teil seiner Schlafwandler-Trilogie, wie du ihn beschreibst, erinnert mich an Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ und die darin beschriebenen Typen des Frommen, des Soldaten und des Intellektuellen. Zur Rolle der Kirche kommt mir dann natürlich auch die Binnenerzählung „Der Großinquisitor“ in den Kopf.

Die Orientierungsprobleme des Joachim von Pasenow empfinde ich noch als harmlos im Vergleich zu dem, was die sog. „Lost Generation“ erlebt hat, aber vielleicht legt Broch ja in den späteren Folgen noch einmal nach. Und auch die Generation, die hier den Zweiten Weltkrieg überlebt hat, war in einem ganz anderen Ausmaß gefordert als wir heute.

Klar, wenn man sieht, dass in den Vereinigten Staaten gerade jemand zum Präsidenten gewählt wurde, der notorisch lügt und über gekaufte Medien lügen lässt, der wegen diverser Straftaten verurteilt wurde und der schon mal einen Staatsstreich angezettelt hat, kann man an der Demokratie und an der Vernunft von Wählern verzweifeln. Zumal diese Zweifel noch geschürt werden durch sog. hybride Kriegsführung durch Russland und China, die damit eigene Machtinteressen verfolgen.
Vielleicht sind viele in Klein-Deutschland einfach nur zu naiv gewesen und wachen jetzt auf.

Rein sprachlich-begrifflich-dialektisch lässt vieles dekonstruieren. Solche Versuche scheitern aber bei Schwerkraft, Lichtgeschwindigkeit und einigen anderen naturwissenschaftlichen Grunderkenntnissen. Das ist ein Grund, warum mich Naturwissenschaften immer mehr interessiert haben als andere. Man bekommt dort wohl auch ein besseres Gefühl für Wahrheit.

Was kann die Kirche tun? Was kann der einzelne Christ tun? Die Kirche kann wenig tun. Sie ist Teil des Problems und praktisch gibt es sie sogar nur im Plural. Man denke an die verschiedenen Konfessionen und mit wem sie politisch zusammenarbeiten. Theologie lebt selbst im und vom Begriffsgeflecht. Wahrheit ist da relativ. Der einzelne Christ z. B. kann sich an die Zehn Gebote halten, vielleicht noch etwas Gewürz von der Bergpredigt hinzufügen, wenn er es verträgt. Und er kann das, was er in der Welt vorfindet, anhand dieser Gebote bewerten. Das bringt schon eine ganze Menge. Auch die frühen Christen hatten und gaben Stärke und Orientierung in einer Zeit, als das Imperium Romanum aufgrund von Dekadenz, Streitereien und moralischer Skupellosigkeit zerfiel.

„Recht muss doch Recht bleiben (...)“ Psalm 94,15 ist Teil der heutigen Tageslosung. Hierzu könnte ich gleich noch mehr schreiben, aber jetzt ist mal Schluss.

Viele Grüße, Thomas
Johanne
2024-12-17 15:46:05
Lieber Klaus,
bitte gibt den jeweiligen Anfang der Sätze. Drittletzter ist zu kompliziert.
Und gibt mir BITTE den Anfang von 2 meiner Argumente die Du nicht verstehst!
Grüße Johanne, 17.12.24 15:45
Johanne
2024-12-17 15:50:23
Der Titel deines Beitrags ist seltsam. Die Welt kann NIEMANDEN eine Orientierung geben.
Die Bibel gibt Orientierung.
Johanne
Johanne
2024-12-17 15:55:43
Damit Du es besser verstehst. Die Welt ist in Klongemorat. Ein solches kann keine Orientierung geben
2024-12-17 16:02:50
Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Ergänzungen und aktuellen Bezüge. Ich kann dem durchaus zustimmen. Weitere Ergänzungen und Bezüge kannst du gern später noch abgeben. Eins verstehe ich nicht: Was meinst du mit der Naivität in "Klein-Deutschland", aus der jetzt viele aufwachen?

Viele Grüße
Klaus
Johanne
2024-12-17 16:21:15
Indem, wenn, Du ausformulierst, konkretisierst (!), wo Du zustimmst, findest Du Orientierung. Alles Gute wünscht Dir Johanne
Johanne
2024-12-17 16:24:08
Lieber Klaus,
bitte gibt den jeweiligen Anfang der Sätze. Drittletzter ist zu kompliziert.
Und gibt mir BITTE den Anfang von 2 meiner Argumente die Du nicht verstehst!
Grüße Johanne, 17.12.24 15:45
2024-12-17 17:08:23
Hallo Johanne,

der drittletzte Absatz ist der Absatz vor dem vorletzten.

Was ich nicht verstehe:

1. "Klaus, seltsam ist deine Argumentation, Du eröffnest deinen Beitrag mit: „Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Althergebrachtes und Gewohntes gilt nicht mehr, ….“. (Zitat Ende) Genau das erlebt der Protagonist Joachim.
Von welchem Umbruch willst Du sprechen und welchem Protagonisten – von Joachim oder von Nietzsches Gott?"

2. "In deinem letzten Absatz glaubst Du Gott selbst würde sich zu deinen (?) Beiträgen kundtun!"
2024-12-17 23:18:27
Hallo Klaus,

du fragst, was ich mit Naivität in Klein-Deutschland meine. Wenn ich mir eine Karte der Erde ansehe, kommt mir Deutschland sehr klein vor. Im Vergleich zu Staaten wie Indien und China mit ihren Milliardenbevölkerungen macht Deutschland mit seinen knapp 85 Mio. nicht viel her. Unser BIP nach Kaufkraftparität liegen wir auf Platz 6 weltweit, pro Kopf gerechnet sogar nur auf Platz 20. Wir emittieren knapp 2 % des CO2 weltweit, führen aber die Klimadiskussion intensiver als viele andere.

Wir haben vergleichsweise wenig Rohstoffe. Wir müssen von Fleiß, Können, Forschung, Innovation und Qualität leben, haben aber z. B. weder ein Silicon-Valley noch einen Vorsprung in Elektromobilität wie China, stattdessen marode Schienen- und Straßennetze.

Wir bauen Sozialausgaben und Bürokratie weiter auf, reden über 42-Stunden- und 4-Tage-Wochen und eine bessere Work-Life-Balance mit 25, während die Chinesen hart arbeiten und unsere Produkte so erfolgreich kopieren wie wir die der Engländer vor 150 Jahren.

Wir müssen uns im Ernstfall von den Amis verteidigen lassen, deren designierter Präsident dieses Modell mal eben zur Disposition gestellt hat. Plötzlich fällt uns auf, dass wir ja durchaus verletzlich sind. Wir haben uns eingebildet, Putin durch eine Gaspipeline von uns abhängig zu machen, in Wirklichkeit sind wir die Abhängigen.

Wir sind aufgrund unser Alterstruktur auf Einwanderer angewiesen, lernen aber nicht von traditionellen Einwanderungsländern, sondern lassen unkontrollierte Einwanderung per Asylrecht zu. Das verursacht Probleme, ruft fremdenfeindliche Reaktionen hervor und vergrault diejenigen Einwanderer, die wir dringend brauchen.

Das müsste alles nicht sein, wenn wir uns nicht so viel selbst auf den Bauch gucken würden, sondern über den Zaun, und vielleicht sogar noch etwas weiter, um frühzeitig zu sehen, was auf uns zu kommt, und um angemessen und reif zu reagieren.

Viele Grüße

Thomas
johanne
2024-12-18 09:56:09
Guten Morgen Klaus,
Warum formulierst Du so umständlich – in deiner ABSATZzählung?

Gespräch heißt auch aufeinander zugehen.

Mit der Umständlichkeit, drückst Du Ablehnung aus, statt Handreichung! Dort wo Du Verstehensschwierigkeit erkennst, bzw. ich sie benenne, würde ein Entgegenkommen die Situation lockern.

Klaus, die Zitate aus meinem Kommentar hast Du aus dem Zusammenhang gerissen und Du stellst sie irreführend vor, Christus ermöglicht aufrichtiges zitieren.

Wenn Du die …. (Punkte in meinem Zitat) nicht verstehst ist das sehr schade. Klaus so zitiert man nicht! Das Verfälscht.

Auch dein 2. Zitat peilt eine AUSSAGE an, die ich nicht formulierte.

Die AUSSAGE entscheidet über den Sinngehalt in Texten, auch in deinem Block über Joachim und Friedrich Nietzsche.

Alles Gute und freundliche entgegenkommende Aufrichtigkeit wünscht Dir Johanne, 18.12.24 9:55
2024-12-18 11:00:39
Hallo Thomas,

danke für deine Erläuterungen, ich verstehe jetzt besser, was du meinst. Du führst eine Reihe von Problemen an - man könnte die Reihe noch ergänzen -, über die man lange diskutieren kann, was an dieser Stelle aber kaum möglich ist. Ich denke, dass es auf alle diese Probleme auch eine spezifisch christliche Sicht gibt, die sich von säkularen Sichtweisen unterscheiden kann, aber nicht muss.

Allgemein formuliert: Es wäre ein Weg zu suchen, auf dem der kirchlich ja schon seit Jahrzehnten breit vorgestellte Dreiklang von Frieden (nicht nur für uns, sondern weltweit), Gerechtigkeit (national und international) und Bewahrung der Schöpfung (global gedacht, aber lokal praktiziert) verwirklicht wird. Meiner Meinung nach sind alle drei Ziele nur dadurch zu erreichen, dass sich Einzelne, Gruppen und ganze Staaten in verschiedener Hinsicht zurücknehmen, z.B. was Ausdehnung des geopolitischen Einflussbereichs, Gewaltbereitschaft, Produktionssteigerung, materiellen Wohlstand und liebgewonnene, aber schädliche Gewohnheiten und Bequemlichkeiten betrifft. Unser Leben würde dadurch, auf's Ganze gesehen, kaum schlechter werden, sondern in anderen Bereichen als den genannten sogar an Qualität gewinnen. Weniger kann durchaus mehr sein. Darum widerspricht dieser christliche Ansatz auch nicht unbedingt einem säkularen.

Wir haben uns offensichtlich in eine Philosophie der stetigen Steigerung verrannt (beschönigend "Wachstum" genannt), die in einer endlichen Welt gar nicht möglich ist. Leider haben die meisten der politischen, journalistischen und wohl auch kirchlichen Leitfiguren und große Teile der Bevölkerung das noch immer nicht erkannt oder erkennen wollen, obwohl diese Philosophie schon deutliche Leiden in größerem Ausmaß mit sich bringt. Insofern stimme ich dir zu, dass in Klein-Deutschland (und darüber hinaus eigentlich in der ganzen Welt) die Naivität regiert - oder könnte man auch sagen: die Dummheit?

Viele Grüße
Klaus
2024-12-18 16:09:59
Hallo Klaus,

ein paar Anmerkungen zur Rolle der Kirche im Bezug auf die ganz großen politischen Probleme. Du sprichst von einem von den Kirchen seit Jahrzehnten breit vorgestellten Dreiklang von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, natürlich alles global. Diesen Dreiklang gibt es allenfalls auf dem Papier. Praktisch hört man eine einzige Kakophonie. Die Kirche könnte aber für den Frieden tatsächlich etwas tun, wenn sie den Patriarchen von Moskau davon abbrächte, Putin zu unterstützen.

Bei der Gerechtigkeit stößt man sofort auf das Problem, ob man Leistungsgerechtigkeit oder Bedarfsgerechtigkeit anstreben sollte oder eine Kombination aus beidem und wenn ja, welche. Vermutlich ist so etwas nur ansatzweise aushandelbar zwischen einigermaßen gleichberechtigten und gleich mächtigen Verhandlungspartnern.

Bewahrung der Schöpfung ist ein abstraktes Ideal für Sonntagsreden, aber praktisch vermutlich nicht mehr drin, nachdem wesentliche Grenzen der Erderwärmung überschritten sind oder absehbar überschritten werden. Das heißt nicht, dass die bisherigen Ziele falsch oder die Anstrengungen vergeblich waren, aber die Eigendynamik ist in Gang gesetzt und es geht jetzt mindestens so sehr um Anpassung. Ich lese gerade „2052, Der neue Bericht an den Club of Rome“ von Jorgen Randers. Randers war Co-Autor bei Meadows' „Die Grenzen des Wachstums“. Seine Einschätzungen finde ich hochinteressant.

Ich nehme EKD in solchen Fragen als Trittbrettfahrer wahr, moralisch wohlmeinend zwar, aber jedenfalls nicht als relevanten Akteur. Evangelikale in den USA oder Brasilien vertreten völlig andere Positionen. Die katholische Kirche hat zumindest ein weltweit halbwegs einheitliches Profil. Die Russisch-Orthodoxe Kirche hatte ich ja schon erwähnt.

Viele Grüße

Thomas
2024-12-18 17:05:07
Hallo Thomas,

was das Thema Frieden betrifft, hat die Evangelische Kirche über Jahrzehnte hin in vielen Stellungnahmen und Denkschriften eine Friedensethik entwickelt, die von ihr selbst sofort nach Russlands Angriff auf die Ukraine wieder in Frage gestellt wurde, und zwar im Einklang mit der sich verändernden gesellschaftlichen Stimmung. Insofern muss man traurigerweise von Trittbrettfahrer sprechen. Ich habe das an anderen Stellen in diesem Blog mehrfach kritisiert. Dass die EKD den Patriarchen von Moskau überzeugen könnte, ist zwar eine nette Idee, aber doch wohl jenseits alles Realistischen. Das wahre Problem der EKD liegt in ihrer eigenen Wankelmütigkeit und in ihrer Unfähigkeit, den eigenen Lebens- und Glücksanspruch zugunsten anderer zurückzunehmen, wie es Jesus in der Bergpredigt forderte.

Beim Thema Gerechtigkeit könnte man noch die Generationengerechtigkeit und die Chancengerechtigkeit hinzufügen. Bei allen vier Dimensionen der Gerechtigkeit wären Verbesserungen möglich, wenn ein ausreichend großer Teil der Bevölkerung (einschließlich der Kirchen!) dazu bereit wäre, die eigenen Ansprüche auf Einkommen und Vermögen ein Stück weit zugunsten der schlechter Gestellten zurückzuschrauben, so dass es "zu einem Ausgleich kommt" (2Kor 8,13f). Bei etwas gutem Willen dürfte das gar nicht so schwer sein. Natürlich kann man sagen, dass dieser Vorschlag unrealistisch sei. Aber wenn die Menschheit keine Visionen entwickelt hätte (auch im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich), hätte sie sich nicht weiterentwickelt. Deshalb sollte man auch solche Ziele, die zunächst unrealistisch klingen, nicht vorschnell aufgeben.

Auch zur Bewahrung der Schöpfung gibt es seit den 80er Jahren ungeheuer viel Papier, das von der EKD und den Landeskirchen produziert wurde. Darüber hinaus gab es "Umweltbeauftragte" und "Umweltausschüsse" auf Landeskirchen- und Kirchenkreisebenen. Hier und da wurden sogar Maßnahmen zur Energieeinsparung vollzogen oder gar eine PV-Anlage installiert. Dass damit nicht die Welt gerettet werden konnte, war allen klar. Immerhin hat die Kirche versucht, Einfluss zu nehmen, aber man ist ihr und anderen Akteuren gesamtgesellschaftlich nicht gefolgt. Seit vielleicht zwei Jahrzehnten ist das kirchliche Engagement an dieser Stelle abgeflaut - vielleicht auch, weil die gesellschaftlichen Akteure nach einigen Jahrzehnten nicht mehr so interessant waren und ein wenig erlahmt sind - was die Kirchen nicht ebenfalls hätte zur Erlahmung führen müssen. Aber man hatte ja nun starke Grüne im Parlament oder sogar in der Regierung. Dass diese das Ruder auch nicht herumwerfen konnten (oder wollten), wurde gerade von Fridays for Future und Greenpeace bezüglich des grünen Wahlprogramms scharf kritisiert. Tatsächlich geht es mittlerweile auch um Anpassung. Aber es geht meiner Meinung nach mindestens genauso deutlich um Zurücknahme des CO2-intensiven Lebensstandards. Zu dieser Zurücknahme wird die Menschheit sich irgendwann entschließen - oder sie wird von der Natur dazu gezwungen werden, was ungleich unheilvoller wäre.

Die EKD ist natürlich kein global relevanter Akteur, da hast du recht. Aber es wäre schon ein wenig gewonnen, wenn sie wenigstens regional die ihr mögliche Relevanz zur Geltung bringen würde, anstatt ihr kleines Fähnlein nach der gerade herrschenden Windrichtung auszurichten.

Viele Grüße
Klaus
Johanne
2024-12-19 10:20:58
19.12.24
Lieber Klaus,
Du verweigerst STELLUNGNAHME zum MISSBRAUCH?

Schau Dir bitte an, wie Du zitierst – den INHALT und FORM (!) – und schau Dir deinem Basistext zum Thema nochmal an!

Er enthält viele Widersprüche! Christsein verstehen erfordert ein sich auseinandersetzen.
Der Protagonist Joachim steht auf Autorität, sie unterscheidet für ihn Gut und Böse. Das sagt Klaus Straßburg! Versuch bitte Aufrichtigkeit, die erwartet Christus.

Friedrich Nitschke kennt keinen gegenwärtigen begleitenden Gott, geschweige denn Christus oder den Hl. Geist. Mit ihm gründete und erhält Gott die Kirche.

Grüße Johanne, 19.12.24, 10:30 Uhr
2024-12-19 10:29:30
Hallo Johanne,

leider verstehe ich deine Einwürfe nicht. Ich habe weder die Position Joachims noch die Nietzsches übernommen. Wir verstehen einander offenbar nicht. Darum sollten wir den Dialog hier beenden.

Viele Grüße
Klaus
Johanne
2024-12-19 13:01:11
19.12.24 an Klaus

Lieber Klaus,
Du hast irgendwann einmal gelernt wie Zitiert wird UND Dir ist bekannt welches Bild deine Zusammenstellung besagt!

Die Art des Zitierens und die Form des Zitierens HAST DU GELERNT.

Klaus, dein Zitieren meiner Sätze sind unehrlich.

Auf meine Anfrage warum, verweigerst Du eine ANGEMESSENE Reaktion indem Du leugnest.

Nochmal: Du beschriebst Joachim: „Denn wer das Absolute verehrt, steht über den Dingen UND KANN DESHALB GUT UND BÖSE UNTERSCHEIDEN.“

Lieber Klaus versuch doch Duldsamkeit UND Stellungnahmen!

Gott ist tot sagt Friedrich Nitschke, SO WIE DU IHN ZITIERST stimmst Du ihm zu!

Gott lebt und begleitet! Alles Gute wünscht Dir Johanne, 19.12.23 13:00 Uhr
Johanne
2024-12-20 10:04:35
Guten Tag Klaus,
versuch Wahrhaftigkeit, um für deinen Block Christseins willen!

Dir gelingt so keine klare Position, weder zu deinen EIGENEN Ausführungen noch zu den wenigen Widersprüchen die ich Dir nannte.

Du leugnest deinen ZITIERBETRUG!

Wie würde Christus darauf reagieren?

Grüße Johanne, 20.12.24 10:03
Theologische Einsichten für ein gutes Leben
Christsein
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