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Beten, wenn die Worte fehlen

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Veröffentlicht von in Theologie zum Weiterdenken · 7 November 2022
Tags: BetenSegenDankbarkeitVertrauenEngel

T h e o l o g i e   z u m   W e i t e r d e n k e n
Beten, wenn die Worte fehlen
Martin Luthers Morgen- und Abendsegen
Klaus Straßburg | 07/11/2022

Manchmal fehlen uns beim Beten die Worte. Oder wir haben das Gefühl, dass wir immer dasselbe beten. Wir hängen sozusagen in unserer eigenen Gebetsschleife fest. Dann kann es hilfreich sein, sich von vorformulierten Gebeten inspirieren zu lassen.

Zwei solcher vorformulierter Gebete sind Martin Luthers Morgen- und Abendsegen. Ich habe sie für mich entdeckt, als mir – ich weiß nicht mehr wo – ein Kärtchen in die Hände fiel, auf dem auf einer Seite das Morgengebet und auf der anderen das Abendgebet abgedruckt ist. Seitdem habe ich vor allem das Morgengebet oft gebetet.


1. Martin Luthers Morgen- und Abendsegen

Auf dem Kärtchen sind nur die beiden Gebete abgedruckt. Sie sind aber in Luthers Originaltext eingebettet in einen kleinen liturgischen Segen, den Luther vorschlägt. Für den Morgensegen lautet Luthers Vorschlag so:

Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:

"Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen."

Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen: ...

Dann folgt das eigentliche Gebet. Der Abendsegen ist mit denselben Worten eingeleitet, ausgenommen der Beginn, der dann lautet:

Des Abends, wenn du zu Bett gehst, ...

Es ist erstaunlich, dass Luther hier vorschlägt, man möge sich selbst segnen und dazu das Kreuz schlagen. Das Bekreuzigen ist uns heute nur noch als katholischer Brauch bekannt. Luther selbst wollte ihn gar nicht abschaffen.

Noch irritierender erscheint uns, dass man sich selbst segnen soll. Gemeint ist damit, dass man Gott um den Segen bittet. Denn man spricht ja nach Luthers Vorschlag dazu: "Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist", also "Das möge Gottes Walten sein, das möge er tun". Die Quelle des Segens ist also allein Gott. Und wenn man sich segnet und bekreuzigt, heißt das, dass man Gott um den Segen bittet.

Ein Segen ist die Zuwendung Gottes. Der Segen kann Stärkung, Schutz, Heilung und Frieden bewirken. Wenn wir um den Segen Gottes bitten, bitten wir also Gott um seine Zuwendung. Auch wenn ein Mensch über einem anderen Menschen einen Segen spricht, segnet nicht der Mensch, sondern er bittet Gott, dass er segnen möge.


2. Das Morgengebet um den Segen

Das Morgengebet lautet so:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Luther setzte noch eine Aufforderung hinzu:

Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.

Im Folgenden möchte ich die einzelnen Sätze des Gebets einmal durchgehen.


a) Der Dank am Morgen

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast ...

Das Gebet richtet sich an Gott, den "himmlischen Vater, durch Jesus Christus", seinen Sohn. Die Formulierung "durch Jesus Christus" bedarf der Erklärung. Ich verstehe sie so: Es ist nicht selbstverständlich, dass wir mit Gott reden dürfen, sondern es ist eine große Gnade. Diese Gnade aber ist uns durch Jesus Christus zuteil geworden, der Gottes Liebe und Gnade bis hin zum Tod am Kreuz gelebt hat (siehe hierzu meinen Artikel Für uns gestorben).

Jesus Christus hat uns sozusagen die Tür zu Gott geöffnet. Er tritt auch heute noch vor Gott für uns ein (Röm 8,34). Er ist unser Fürsprecher (1Joh 2,1) und damit der Gegenpart des Verklägers, als welcher auch der Teufel bezeichnet wird (Offb 12,10). Man könnte vereinfacht sagen: Der Teufel ist der erbarmungslose Ankläger, Jesus ist unser gnädiger Verteidiger, und Gott ist der ebenso gnädige Richter (der deshalb auch mit Jesus eins ist). Weil Jesus vor Gott für uns eintritt und weil Gott uns gnädig ist, darum ist es uns erlaubt, zu Gott zu beten. Eben aus diesem Grund richtet Luther sein Gebet an den himmlischen Vater "durch Jesus Christus".

Das Gebet beginnt mit dem Dank dafür, dass Gott uns in der Nacht vor allem Schaden und aller Gefahr behütet hat. Dabei ging es Luther sicher nicht nur um Einbrecher, sondern auch um Feuer, Krankheit oder plötzlichen Tod. Das alles war den Menschen damals näher, als es uns heute ist. Aber schon wer einmal eine schlaflose Nacht durchgemacht hat oder nachts von Schmerzen geplagt wurde, weiß, wie wertvoll ein erholsamer Schlaf ist. Darum ist es angemessen, am Morgen für eine gute Nacht zu danken, in der Körper und Seele keinen Schaden genommen haben.


b) Die Bitten am Morgen

Daran schließen sich die Bitten an.

... und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle.

Du kannst darum bitten, vor Sünden und Übeln behütet zu werden, damit Gott all dein Tun und Leben gefalle. Die Gottesbeziehung steht für Luther an erster Stelle. Also lautet die erste Bitte, Gott möge dich vor der Missachtung Gottes behüten, vor den Sünden, die Gott nicht ernst nehmen.

Außerdem möge Gott dich vor allem Übel bewahren, die einen Menschen treffen können. Zu den Übeln können Krankheit, Schmerzen, Irrtum, Verzweiflung, Unfall und Tod gehören – all das, was uns übel zusetzt. Luther denkt also nicht nur daran, dass die Beziehung zu Gott leiden könnte, sondern er denkt auch daran, dass Körper und Seele geplagt werden könnten.

Denn mein Tun und mein ganzes Leben sollen Gott gefallen. Mit meinem Tun ist mein Handeln im Sinne Gottes gemeint. Das möge Gott gefallen. Mit meinem Leben könnte darüber hinaus alles andere gemeint sein, was zu meinem Leben gehört, also auch meine körperliche und seelische Unversehrtheit und Gesundheit. Auch das möge Gott gefallen. Mein Leben gefällt Gott, wenn ich wohlauf bin und es mir gut geht. Dann freut sich Gott.

Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.

Mit diesem Satz befiehlst du dich selbst und alles andere in Gottes Hände. Du vertraust darauf, in Gottes Händen bestens aufgehoben zu sein. Du gibst Gott keine Befehle, sondern du befiehlst dich Gott an – du befiehlst sozusagen dir selbst, dich in Gottes Hände zu begeben.

Wichtig finde ich, dass Luther hier über das eigene Wohlergehen hinausblickt und "alles" einbezieht. Denn man kann diesem Gebet vorwerfen, dass es nur auf die eigene Person blicke. Wer aber im Gebet nur an sich selber denkt, betet zu selbstbezogen. Der Vorwurf ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Gebet kreist tatsächlich um das eigene Ich. Darum finde ich das Wort "alles" an dieser Stelle so wichtig. In dieses Wort beziehe ich dann meine Bitten für meine Mitmenschen und für die ganze Welt ein.


c) Der heilige Engel und der böse Feind

Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Vielleicht ist es unserem Weltbild nicht angemessen, vom heiligen Engel und bösen Feind zu sprechen. Andererseits haben Engel Hochkonjunktur. Und auch unerklärliche, Angst einflößende Mächte scheinen auf manche Menschen eine Anziehungskraft auszuüben. Es gibt Fernsehserien, die diesen Mächten auf die Spur zu kommen versuchen.

Dass Gott im Himmel von Engeln umgeben ist, habe ich an anderer Stelle zu erklären versucht. Engel sind Boten Gottes, die nicht im eigenen Namen, sondern im Namen Gottes handeln. Sie haben keine eigene Autorität und sollen nicht angebetet werden. Sie sind keine esoterischen Lichtgestalten, sondern Dimensionen des Himmlischen auf Erden. Sie sind unsichtbar oder sichtbar: Auch ein "ganz normaler" Mensch kann zum Engel für uns werden.

Es kommt alles darauf an, Engel nicht von Gott zu lösen. Sie haben nur die Macht, die sie von Gott bekommen. So konnte Dietrich Bonhoeffer in seinem bekannten Gedicht formulieren:

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.

Es kann beruhigend wirken, sich von einem Engel behütet zu wissen. Ein Engel mag uns vorstellungsmäßig näher sein als der große, unvorstellbare Gott.

Mit dem "bösen Feind" meint Luther den Teufel. Hier ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass der Teufel kein zweiter Gott ist, sondern eine Gott unterlegene Macht. Man mag sich diese Macht als Person vorstellen oder auch nicht. Es gibt jedenfalls Mächte in unserer Welt, die uns zum Bösen verführen und die Welt ins Chaos stürzen wollen. Wir sind diesen bösen, lebensfeindlichen Mächten ausgesetzt. Aber Gottes Engel ist stärker als diese feindlichen Mächte. Wenn Gottes Engel bei uns ist, kann der böse Feind sich nicht unser bemächtigen. Darum können wir um die Gegenwart des Engels bitten, um die Gegenwart der guten und überlegenen Macht Gottes.


d) Die Ermunterung für den Tag

Nach dem Segen Gottes und dem Gebet ruft Luther uns zu:

Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.

Ich finde es sehr lebensnah, mit solch einer Aufforderung zu schließen. Diese Aufforderung ist ja kein Gesetz, das befolgt werden muss, sondern sie ist eine Aufmunterung, die Gegenwart Gottes und des Engels im Alltag ernst zu nehmen. Diese Art Aufforderung zeigt, dass die Frohe Botschaft nicht nur Zuspruch ist, sondern auch Anspruch an uns: Lass dir Gottes Segen gefallen und fürchte dich nicht! Warum also sollte man den Tag nicht mit einem Lied, einem Mut machenden Satz oder einer schönen Erinnerung beginnen?

Luther, der ja auch ein genialer Liedermacher war, erweist sich hier als einfühlsamer Seelsorger, der uns für den Tag rüstet: Im Vertrauen auf Gottes Gegenwart, auf seinen Schutz und seine Bewahrung, kann man sein Tagwerk mit Freuden beginnen. Es mag ein schwieriger Tag werden, es mag Dinge geben, die uns Angst machen, es mag kein guter Tag werden – ich bin trotz allem in Gottes Händen geborgen. Und Gott kann aus meinem unzulänglichen und oft wirkungslos erscheinenden Tagwerk etwas Gutes entstehen lassen. Darum kann ich mit Freuden an mein Werk gehen:

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
lasst uns jubeln und uns freuen an ihm!
(Psalm 118,24)


3. Das Abendgebet um den Segen

Das Abendgebet ist in vielen Formulierungen mit dem Morgengebet identisch und kann daher schneller besprochen werden. Es lautet so:

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.


a) Dank und Bitten am Abend

Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast ...

Am Anfang steht wieder der Dank. Wir blicken zurück auf den Tag mit seinen Herausforderungen, Gefahren, angenehmen und unangenehmen Erfahrungen. Und wir danken Gott dafür, dass er uns gnädig behütet hat: Wir durften diesen Tag erleben und haben, wenn es gut ging, unser Tagwerk vollbracht.

Manches mag auch nicht gelungen sein an diesem Tag, bei anderem muss zweifelhaft bleiben, ob es jemals zum Erfolg führen wird. Manches war unerfreulich, vielleicht hat man versucht, dir ein Bein zu stellen und dich kalt abzuservieren. Aber eins ist sicher: Gott war dir gnädig. Er kann auch aus dem Misslungenen noch etwas Gutes machen. Und er serviert dich nicht kalt ab.

Das Wort "gnädiglich" ist altes Deutsch. Wenn du dich daran störst, kannst du es einfach durch das Wort "gnädig" ersetzen.

... und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.

Auch in der Bitte steht die Gottesbeziehung am Anfang. Darum bitten wir zuerst um die Vergebung aller unserer Sünde. Kein Tag ist ohne Sünde. Auch am vergangenen Tag hat es uns am Vertrauen zu Gott gefehlt. Wir haben seine Güte nicht ernst genommen. Deshalb haben wir uns selbst zu ernst genommen. So haben wir uns über unsere Mitmenschen erhoben und ihnen Unrecht getan.

Doch dies alles, Gott nicht ernst zu nehmen, uns selbst zu ernst zu nehmen und unsere Mitmenschen nicht ernst genug zu nehmen, will Gott uns vergeben. Darum dürfen wir ihn für alle unsere Schuld um Vergebung bitten. Wir können, wenn wir Gott um Vergebung bitten, alle Schuldgefühle, die uns bedrücken, loswerden.

Weil Gott uns gnädig ist, weil er uns unsere Schuld nicht vorhält und uns nicht abschreibt, darum will er uns auch in der Nacht gnädig behüten. Wir können uns von aller Angst befreien lassen, weil er auch in der Nacht bei uns bleiben will. Wir können alles, was uns noch im Kopf herumschwirrt, ihm anvertrauen in der Gewissheit, dass über allem seine behütende Hand liegt.

Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.

Diese beiden Sätze sind mit denen des Morgengebets identisch. Auch am Abend legen wir unseren Körper und unsere Seele in Gottes Hände. Auch am Abend bitten wir um die Gegenwart seines heiligen Engels, der mächtiger ist als jede böse Macht.


b) Die Ermunterung für die Nacht

Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.

Ich finde, das ist ein genialer Ausklang: Nach dem Gebet ermuntere ich mich kurz und bündig selbst, jetzt aber schnell und geborgen einzuschlafen. Es gibt keinen Grund mehr, wach zu liegen und zu grübeln. Ich muss keine Angst mehr haben vor dem morgigen Tag. Denn ich bin behütet – was immer auch geschehen mag. Alles liegt in Gottes guten Händen, und sein heiliger Engel behütet mich. Darum habe nun Ruhe, meine Seele, und schlafe geborgen ein!


4. Tipps zum Umgang mit diesen Gebeten

Wer die beiden Gebete nutzen möchte, dem empfehle ich, sie zu kopieren und auszudrucken (kopieren von meiner Website ist möglich). Man kann die Gebete dann morgens und abends sprechen und dabei nach und nach auswendig lernen. So kommt man dann irgendwann ohne den vorgedruckten Text aus und kann immer auf das Gebet zurückgreifen, wenn man Bedarf hat, ohne erst umständlich einen Zettel suchen zu müssen und nachts das Licht einzuschalten.

Wer mag, kann natürlich auch die Einleitung sprechen "Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen" und sich dazu bekreuzigen. Das Bekreuzigen ist ja in der katholischen Kirche noch ein lebendiger Brauch. Wer mag, kann auch im Knien beten oder im Stehen, und er kann das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis einbeziehen. Ich persönlich beschränke mich auf die beiden Gebete und füge dann meine eigenen Gebetsgedanken an.

Die Selbstermunterungen nach dem Gebet "Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen (und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt)" und "Alsdann flugs und fröhlich geschlafen" würde ich (zumindest teilweise) mit auswendig lernen, weil sie uns anregen, nach dem Beten mit positiven Gefühlen in den Tag bzw. die Nacht zu gehen. Und ein Lied zu singen oder zu summen kann die hoffnungsvolle Stimmung nach dem Gebet unterstützen.

Luther selbst hat mal einen Tipp für das Vaterunser gegeben, der sich auch auf sein Morgen- und Abendgebet anwenden lässt. Er hat empfohlen, beim Beten des Vaterunsers den Gebetsgedanken nachzugehen, die sich dabei einstellen, und sei es mitten im Vaterunser. Man muss also nicht das Vaterunser weiterbeten, wenn die Gebetsgedanken einen anderen Weg einschlagen, sondern kann an der Stelle das Vaterunser unterbrechen und seinen eigenen Gedanken folgen. Wenn man will, kann man später das Vaterunser weiterbeten.

Ich denke, dieser Tipp gilt auch für die beiden besprochenen Gebete. So mischen sich vorgegebenes Beten und selbstständiges Beten miteinander. Das Vorgegebene öffnet eine Tür zu eigenen Gedanken, die wir vor Gott bringen können.

Jeder Mensch kann mit seinen eigenen Worten zu Gott sprechen. Oder er kann vorformulierte Gebete sprechen. Wie auch immer: Gott wartet auf unsere Gebete und erhört sie. Er tut nicht immer das, was wir von ihm erwarten. Aber er behütet uns, auch wenn wir ihn nicht verstehen und uns sein Behüten vielleicht ganz anders vorgestellt haben.


* * * * *



Foto: JuiMagicman auf Pixabay (bearbeitet).





2 Kommentare
Thomas Spar
2022-11-13 14:32:47
Lieber Herr Straßburg,
herzlichen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben den Text Ihrer Andacht und auch die "Luthertexte" nicht nur zu schreiben, sondern auch auf zusprechen. Als reiner "Lesetext" hätte meine momentane Konzentrationsfähigkeit nicht gereicht Ihren Gedanken zu folgen.
Unter all den vielen Gedanken, die Ihr Text angestoßen hat, möchte ich einen äußern.

Wenn man bedenkt, wie alt die Texte Martin Luthers sind, finde ich die Überschneidung mit Aspekten moderner Verhaltenstherapie oder Traumatherapie gerade mit der erwähnten "Selbstermutigung" wirklich erstaunlich.
Mir hat das nochmal vor Augen geführt, wie gut Seelsorge und Psychotherapie sich einander ergänzen können.
Vielen Dank!
2022-11-13 18:11:36
Hallo Herr Spar,

vielen Dank für ihre interessante Ergänzung! Die Überschneidung, von der Sie sprechen, war mir gar nicht so bewusst. Aber ich denke auch, dass eine gute Theologie auch immer gut für die Seele ist.

Es freut mich, dass Sie den Podcast so intensiv nutzen. Das ermutigt mich, auf dem Weg weiterzumachen.

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