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Antike Frankfurter Silberinschrift: Herr der Welt ist Jesus Christus

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Veröffentlicht von in Geschichtliches · 27 Februar 2025
Tags: WeltregimentMachtHoffnungTrinitätSohn_GottesAnfechtung

Antike Frankfurter Silberinschrift: Herr der Welt ist Jesus Christus
Klaus Straßburg | 27/02/2025

Er starb im Alter von 35 bis 45 Jahren. Über sein Leben wissen wir nicht viel. Weder sein Beruf noch die Todesursache ist uns bekannt. Es könnte sein, dass trotz eines gewissen Wohlstands sein Leben nicht immer leicht war. Möglicherweise war er sogar Verfolgungen ausgesetzt. Denn der Mann war offensichtlich Christ. Und im 3. Jahrhundert nach Christus gab es im Römischen Reich regionale Christenverfolgungen.

Sein Grab befand sich im antiken Nida, der Vorgängerstadt von Frankfurt am Main. Nida war zu dieser Zeit ein wirtschaftliches und religiöses Zentrum und in dieser Gegend die bedeutendste römische Stadt rechts des Rheins. In Nida herrschte eine große kulturelle und religiöse Vielfalt.

Das Skelett des Mannes wurde im Jahr 2018 bei archäologischen Grabungen freigelegt. Und was man fand, wird oft als wissenschaftliche Sensation bezeichnet.


1. Die archäologische Sensation aus Frankfurt

Unter dem Kinn des Mannes befand sich eine dreieinhalb Zentimeter lange silberne Amulettkapsel, die er offensichtlich am Hals getragen hatte. In der Kapsel war eine hauchdünne, neun Zentimeter große Silberfolie eingerollt, in die Schriftzeichen eingraviert sind (siehe hier Fotos). Doch das Silberblech ist so brüchig, dass es sich nicht entfalten lässt, ohne dabei zerstört zu werden. Erst im Mai 2024 wurde die Inschrift mit Hilfe technischer Verfahren sichtbar gemacht.

Die dünne Silberfolie, die gerollt, aber auch geknickt und gepresst ist, wurde am Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz "digital entfaltet". Dazu wurde hochmoderne Computertomographie-Technik eingesetzt. Auf diese Weise wurde ein 3D-Modell des Schriftträgers mit hoher Auflösung erstellt.

Zum Vorschein kam eine lateinische Inschrift mit christlichem Inhalt. Blickt man auf die Schriftzeichen, so wirken sie zunächst wie ein chaotisches Gekritzel, kaum dass einzelne Buchstaben zu erkennen sind (siehe auf Wikipedia das Bild "Umzeichnung der Frankfurter Silberinschrift"). Man versteht, dass der Archäologe und Experte für lateinische Inschriften Prof. Dr. Markus Scholz von der Frankfurter Goethe-Universität Monate gebraucht hat, um mit Hilfe anderer Experten die Zeichen zu entziffern und eine Übersetzung vorzulegen. An dieser Übersetzung wird sich nichts Wesentliches mehr ändern. Unsicherheiten gibt es nur noch am linken Rand der Schrift, weil dort Teile der Folie fehlen.

Sicher ist jedoch, dass es sich um einen rein christlichen Text handelt. Und darin besteht das Spektakuläre dieses Fundes. Denn zum einen wird das Grab aufgrund der Grabbeigaben auf die Jahre 230 bis 270 n.Chr. datiert. Damit ist das Amulett der älteste uns vorliegende authentische Nachweis reinen Christentums nördlich der Alpen. Alle anderen vergleichbaren Funde sind mindestens 50 Jahre jünger.

Jetzt gibt es Gewissheit darüber, dass es schon etwa 230 bis 270 n.Chr. Christen im heutigen Frankfurt gab. Damals war das Christentum noch nicht römische Staatsreligion und wurde im Römischen Reich zeitweise als Bedrohung der Ordnung empfunden.

Was trieben die Christinnen und Christen bei ihren geheimnisvollen Zusammenkünften? Munkelt man nicht davon, dass sie Fleisch und Blut von Toten verspeisen? Warum lehnen sie Prostitution, Wagenrennen, Spiele zu Ehren der heidnischen Götter oder der Toten und viele andere übliche Verhaltensweisen ab? Warum grenzen sie sich auf verschiedene Weise von der heidnischen Bevölkerung ab? Die Wut der Bevölkerung führte hier und da zu Ausschreitungen gegen die neue Sekte. Und unter einigen römischen Kaisern gab es grausame Verfolgungen von staatlicher Seite.

Sicher ist, dass sich der christliche Glaube in atemberaubender Geschwindigkeit im Römischen Reich ausgebreitet hat – im Osten noch schneller als nach Norden hin. Es muss eine Faszination von diesem Glauben ausgegangen sein, den man sich heute kaum noch vorstellen kann. Und das, obwohl es lebensgefährlich werden konnte, sich zum Christentum zu bekennen.

Umso mehr überrascht es, dass die Inschrift ein rein christliches Bekenntnis ist. Denn normalerweise waren derartige Amulettinschriften bis ins 5. Jahrhundert hinein von einer Religionsvermischung gekennzeichnet. Man verstand sie gern als magischen Schutzzauber, der den Träger vor Unheil bewahren sollte. Da konnte es nicht schaden, wenn verschiedene Götter angerufen oder Dämonen abgewiesen wurden. Die Frankfurter Inschrift aber gilt allein Jesus Christus.


2. Der lateinische Text der Inschrift und die deutsche Übersetzung

Und nun bist du sicher schon gespannt auf den Inhalt der Schrift. Hier noch einige Vorbemerkungen dazu. Es handelt sich um 18 Zeilen, ohne Punkt und Komma und ohne Silbentrennung, wie es damals üblich war. Wenn eine Zeile zu Ende war, schrieb man das Wort einfach in der nächsten Zeile weiter. Die Gravur war offensichtlich eine schwierige Angelegenheit, was ja auch verständlich ist bei dieser mikroskopisch kleinen Schrift. Jedenfalls sitzen nicht alle Striche da, wo sie hingehören.

Ich habe die lateinische Inschrift in roten Großbuchstaben (Majuskeln) dargestellt und einige Erläuterungen beigefügt. Die Handschrift ist eine Mischung aus einer älteren Schrift, bei der man die Buchstaben einzeln geschrieben hat (Majuskeln cursive), und einer jüngeren Schrift mit Kleinbuchstaben, bei der man die Buchstaben wie bei unserer heutigen Handschrift ohne abzusetzen miteinander verbunden hat (Minuskeln cursive). Diese Mischung wurde im 3. Jahrhundert praktiziert und bestätigt noch einmal die Datierung der Inschrift.

Unter jede lateinischen Zeile habe ich die jeweilige deutsche Übersetzung in blauen Buchstaben gesetzt. Weil ich die Übersetzung Wort für Wort und zeilengetreu darstellen wollte, ist der Satzbau im Deutschen an einigen Stellen etwas ungewöhnlich. Wenn ein lateinisches Wort sich auf zwei Zeilen verteilte, habe ich auch das deutsche Wort getrennt. Du hast also den lateinischen Originaltext vor dir und direkt darunter die deutsche Übersetzung.

Die Übersetzung folgt der von Prof. Dr. Markus Scholz, aber ich habe mir erlaubt, vom theologischen Sinn her (und mit dem Lexikon neben mir) einige behutsame Änderungsvorschläge oder Ergänzungen anzubringen, die ich dem Lexikon entnommen habe. Ich verfüge zwar nur über eher bescheidene Lateinkenntnisse, aber ich hoffe, dass ich damit nicht ganz daneben liege.

Die eckigen Klammern im lateinischen Text bedeuten, dass es sich bei dem Wort oder Buchstaben um eine Ergänzung handelt, weil der Originaltext fehlt. Die runden Klammern sind Ergänzungen von Abkürzungen. Das {T} in Zeile 14 ist offenbar ein im Original überschriebener Buchstabe. Die runden Klammern im deutschen Text sind sinnvolle Ergänzungen oder Erläuterungen.

Wenn du nur die deutsche Übersetzung lesen willst, konzentriere dich einfach auf die blauen Zeilen.

1    [IN NOMI]NE SANCTI TITI
[Im Namen] des Heiligen Titus.
2    AGIOS AGIOS AGIOS (das griechische Wort für "heilig" mit lateinischen Buchstaben geschrieben)
Heilig, heilig, heilig!
3    [IN] NOMINE IH XP DEI F(ILII) (IH XP = die griechischen Buchstaben für JE[SUS] CHR[ISTUS]; F als
 Abkürzung für FILII)
Im Namen Je(su) Chr(isti), des Sohnes (Gottes).
4    [M]VNDI DOMINVS
Der Herr der Welt
5    [REG- oder VIR]IBVS OMNIBVS
nach [Kräften] allen
6    [OCCU- oder RECU]RSIONIBVS OP(P)ONIT
Anfechtungen / allem Zurückkehren (zum Unglauben) sich widersetzt.
7    [DE]VS VALETVDINIBVS
[Gott] dem Befinden
8    SALVIS ACCESSVM
des Wohles (= dem Wohlbefinden) Zuwachs
9    [PRA]ESTAT HAEC SAL(US) TVEAT
gewährt. Dieses Rettungsmittel schütze
10   [H]OMINEM QVI SE
den Menschen, der sich
11   DEDIT VOLVNTATI
hingibt dem Willen
12   DOMINI IH XP TI DEI F(ILII)
des Herrn Jesus Christus, des Sohnes (Gottes),
13   QVONIAM IH XP O
da sich ja vor Jesus Christus al-
14   MNES{T} GENVA FLEC
le Knie beu-
15   TENT CAELESTES
gen: die Himmlischen,
16   TERRESTRES ET
die Irdischen und
17   INFERI ET OMNIS LIN
die Unterirdischen (= die Unterwelt), und jede Zun-
18   GVA CONFITEATVR
ge sich bekenne (zu Jesus Christus).*


3. Der theologische Sinn der Inschrift – ein antikes Glaubenszeugnis

Der Text ist "im Namen des heiligen Titus" geschrieben (Zeile 1). Titus war ein ehemaliger Heide (ein "Heidenchrist"), der sich zum Christentum bekannt hatte und ein enger Mitarbeiter und Vertrauter des Apostels Paulus wurde. Er wird von Paulus mehrmals in seinen Briefen genannt, vor allem im 2. Korintherbrief. Außerdem enthält das Neue Testament einen Brief des Paulus an Titus.

Dieser Brief wird in der deutschen Theologie aufgrund historischer Unstimmigkeiten und für Paulus unüblicher Formulierungen meist nicht als "echter" Paulusbrief behandelt, sondern als ein unter dem Namen und in der Nachfolge des Paulus verfasster Brief. Es war damals normal und hatte nichts mit Betrug zu tun, dass jemand sich bewusst in die Tradition eines anderen stellte und dessen Lehre unter seinem Namen fortsetzte. Jedenfalls wurde Titus offenbar unter den Heidenchristen des 3. Jahrhunderts als "heilig" verehrt, also als von Gott auserwählter und begnadeter Verkünder des Evangeliums.

Ich finde es bemerkenswert, dass man nicht nur des Paulus verehrend gedachte, sondern auch des sehr viel unbekannteren Titus. Man tat damit kund, dass nicht nur die "erfolgreichsten" Verkündiger und Lehrer unsere dankbare Erinnerung verdient haben, sondern auch diejenigen, die weniger bewirkt haben. Vielleicht gibt es auch für uns Menschen, die nur am Rande unserer Lebensgeschichte auftraten und an die wir gar nicht mehr denken, die aber dennoch wichtig oder sogar entscheidend für unseren Lebens- und Glaubensweg waren und deren wir uns mit Dankbarkeit wieder erinnern sollten.

Die darauf folgende Anrufung "heilig, heilig, heilig" (Zeile 2) ist seit dem 4. Jahrhundert aus der christlichen Liturgie bekannt. Jetzt gibt es für diese sprachliche Formel einen deutlich früheren Beleg. Das dreifache "Heilig" leitet bis heute den Höhepunkt der katholischen Liturgie ein, nämlich die Eucharistiefeier. In der lutherischen Liturgie gehört es ebenfalls zur Abendmahlsfeier. Man nennt es das Trishagion, eine Zusammensetzung aus dem griechischen tris (= dreimal) und hagios (= heilig). Damit soll die Dreieinigkeit Gottes, die Trinität, ausgedrückt werden.

Für die Christen in heidnischer Umgebung war es wichtig, sich vom heidnischen Polytheismus, dem Glauben an viele Götter, abzugrenzen. Deshalb bekannte man sich zu Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist so, dass man alle drei als gleichermaßen heilig betrachtete, also als drei Seinsweisen des einen Gottes und nicht als drei Götter.

In Zeile 3 wird dann auch das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, ausgesprochen. Damit ist gesagt, dass Jesus nicht einfach ein besonders gläubiger Mensch war oder ein Prophet, sondern dass uns in ihm Gott selbst begegnet. Wenn man in Jesus nicht eine Gestalt Gottes sieht, gelangt man schnell dahin, seine Worte und sein Leben zu relativieren und dadurch abzuwerten. Wenn er nicht Gott gleich war, dann ist mit ihm nicht das letzte Wort über Gott gesprochen, und andere Worte über Gott können ihm gleichgestellt oder vorgeordnet werden. Die Trinitätslehre ist also wesentlich für den Glauben an Jesus Christus.

In den Zeilen 4 bis 6 wird vom "Herrn der Welt" gesprochen. Gemeint ist entweder Gott der Vater oder, was wahrscheinlicher ist, der gekreuzigte, auferstandene und mit Gott vereinte Jesus Christus. Hier wird also das Bekenntnis ausgesprochen, dass ein Gekreuzigter der Herr der Welt ist, der Herrscher über die Welt. Der gekreuzigte Jesus Christus setzt sich gegen alles Leid durch, so wie er sich gegen den Tod durchgesetzt hat. Er widersetzt sich auch allen Anfechtungen oder aller Rückkehr, nämlich der Rückkehr zum Unglauben, je nachdem, welches Wort dort bei der Lücke im Text zu ergänzen ist.

Der Glaube an Jesus Christus in einer Umwelt, die von diesem Glauben nichts wissen will, ist immer der Gefahr ausgesetzt, sich der herrschenden Weltanschauung in Wort und Tat anzuschließen. Diese Anfechtung gibt es heute wie damals. Darum ist es wichtig, sich diese Gefahr vor Augen zu führen: Es geht im christlichen Glauben nicht darum, die herrschende Meinung zu übernehmen. Dieser Gefahr gilt es vielmehr sich zu widersetzen und dabei auf den Herrn der Welt zu vertrauen: Möge er uns davor bewahren, dass wir uns der Mehrheit mit unseren Gedanken, Worten und Taten anschließen.

Wir können uns dem widersetzen in der Zuversicht, dass dadurch unser Wohlbefinden nicht beeinträchtigt wird, sondern dass es im Gegenteil dadurch gesteigert wird (Zeilen 7 bis 9). Dafür wird Gott selbst sorgen. Unsere Sorge, dass es uns schlecht bekommen wird, wenn wir nicht der Mehrheitsmeinung folgen, ist deshalb unbegründet – so, wie wir in allen Lebenslagen auf die Fürsorge Gottes vertrauen sollen.

Vordergründig kann es natürlich geschehen, dass wir in eine Notlage geraten; dass wir zum Beispiel Stress bekommen, wenn wir eine andere Richtung vertreten und anders leben als unser Umfeld. Ich denke aber, dass wir prinzipiell Anerkennung erfahren werden, wenn wir unseren Standpunkt mit Liebe gegenüber unseren Mitmenschen vertreten. Und selbst wenn die Anerkennung ausbleibt, können wir im Bewusstsein leben, das Richtige, das Gott Gemäße zu denken und zu tun. Und das kann ein tiefes inneres Wohlbefinden in uns auslösen, auch wenn uns äußerlich die Anerkennung unserer Mitmenschen versagt bleibt.

Die Inschrift drückt in den Zeilen 9 bis 12 die Hoffnung aus, dass ein Mensch, der sich dem Willen Gottes hingibt, in jeder Notlage durch "dieses Rettungsmittel" geschützt wird. Aber was ist mit dem "Rettungsmittel" gemeint? Wenn das Amulett gemeint ist, wird der Wunsch geäußert, dass das Amulett Schutz gewähren möge. Eine solche Vorstellung käme einem magischen Verständnis sehr nahe, was aus christlicher Sicht abzulehnen ist. Kein Amulett am Hals kann einen Menschen vor Unheil bewahren.

Wir können nicht ausschließen, dass hier ein Rest magischen Glaubens erhalten geblieben ist. Man kann aber das Rettungsmittel auch auf die Inschrift des Amuletts beziehen und dann so interpretieren: Die Erinnerung an die Inschrift und der damit verbundene Glaube möge den Besitzer schützen und vor Unheil bewahren. Immerhin trägt der Besitzer die Inschrift ja immer mit sich. So wie sie Tag und Nacht an seinem Hals hängt, so möge der Glaube sich in sein Denken und Handeln einprägen und ihn beständig daran erinnern, in Gottes Händen gut aufgehoben zu sein.

Es ist auch heute wichtig, dass wir uns das immer wieder vergegenwärtigen. Denn in einem unchristlichen Umfeld gerät das schnell in Vergessenheit.

Die Zeilen 13 bis 18 sind ein fast wörtliches Zitat aus dem Brief des Paulus an die Philipper. Die Inschrift hält fest, dass sich vor Jesus Christus alle Knie beugen, die Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen, und ausnahmslos jede Zunge sich zu ihm bekenne. Dies entspricht dem Abschluss einer Hymne auf Jesus Christus, die Paulus aus der ältesten Christenheit übernommen und hier in seinen Brief an die Philipper eingefügt hat. Der Abschluss der Hymne lautet so (Phil 2,10f):

... damit im Namen Jesu
jedes Knie sich beuge,
der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen,
und jede Zunge bekenne:
Herr ist Jesus Christus
zur Ehre Gottes, des Vaters.

In der Inschrift begründet die Herrschaft Jesu Christi den Wunsch, durch das Vertrauen zu ihm vor Unheil bewahrt zu werden. Denn alle Mächte auf Erden müssen sich Jesus Christus beugen und ihn als Herrn bekennen, ob sie das wollen oder nicht.

Im Römischen Reich mit seinem Kaiserkult hatte es besondere Bedeutung, Jesus Christus als Herrn zu bekennen und nicht den allmächtig erscheinenden Kaiser. Das war ein Glaube gegen den Augenschein; denn vor Augen stand nur die umfassende Macht des Kaisers. Aber der christliche Glaube lebt von der Überzeugung, dass es mehr gibt als das, was vor Augen ist.

Wir leben in einer Welt, in der niemand vor Unheil gefeit ist. Das, was uns täglich vor Augen steht, gibt genug Anlass, mit Angst und Sorge in die Zukunft zu blicken. Dagegen setzen der Philipperbrief und die Inschrift die Gewissheit, dass nicht die Herren der Welt oder ein Schicksal das letzte Wort über uns sprechen, sondern der Herr Jesus Christus mit seiner unendlichen Liebe.

Alle irdischen Gewalten sind ihm untergeordnet und können uns nicht von seiner Liebe trennen (Röm 8,38f). Aber auch die unterirdischen Gewalten, Tod und Teufel, können nichts ausrichten, wozu er nicht sein liebevolles Ja gesagt hat. Und schließlich kann sogar das, was wir aus dem Himmel, also von Gott her zu erwarten haben, nur von Jesus Christus und seiner Liebe durchdrungen sein.

In solchem Glauben sind alle unsere Ängste und Sorgen relativiert. Denn wir haben eine unverlierbare Hoffnung in allen Nöten, die uns getroffen haben (Ps 46,2). Und wir brauchen diese Hoffnung nicht weniger als der frühe Christ, der seinen Glauben in einem Amulett am Hals immer bei sich trug.

Möge auch uns dieser Glaube bei jedem Schritt unseres Lebens ein treuer Begleiter sein.


* * * * *


* Quelle: Begleittext zum Video https://www.youtube.com/watch?v=hPX9uEDzhYU. Übersetzung von Prof. Dr. Markus Scholz. Einige Änderungen der Übersetzung von mir.

Verwendete Quellen:
  • Jens Schröter: Die Entstehung des Christentums. Von den Anfängen bis zu Konstantin dem Großen. C.H. Beck. München 2024.
  • https://www.youtube.com/watch?v=hPX9uEDzhYU
  • https://frankfurt.de/service-und-rathaus/presse/texte-und-kampagnen/frankfurter-silberinschrift
  • https://www.domradio.de/artikel/archaeologe-erklaert-fund-des-christlichen-schriftstuecks-frankfurt
  • https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-archaeologische-sensation-in-frankfurt-gefundene-silbermuenze-ist-aeltestes-zeugnis-des-christentums-noerdlich-der-alpen-100.html
  • https://www.deutschlandfunk.de/sensationsfund-amulett-schreibt-laut-archaeologen-christliche-geschichte-neu-104.html

Foto: andrey auf Pixabay.




5 Kommentare
2025-02-28 23:13:08
Hallo Klaus,

von dieser Amulettkapsel und der erst kürzlich entzifferten Inschrift hatte ich neulich gelesen. Danke für diesen ausführlichen und gut aufbereiteten Beitrag darüber. Ich werde ihn bestimmt noch mehrmals lesen.

Viele Grüße

Thomas
2025-03-01 10:56:11
Hallo Thomas,

sehr gern! Ich bin ansonsten geschichtlich nicht übermäßig interessiert, aber diese Inschrift und ihr historischer Hintergrund hat mich doch ein Stück weit fasziniert.

Viele Grüße
Klaus
Abihu
2025-03-09 11:10:27
"Für die Christen in heidnischer Umgebung war es wichtig, sich vom heidnischen Polytheismus, dem Glauben an viele Götter, abzugrenzen. Deshalb bekannte man sich zu Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist so, dass man alle drei als gleichermaßen heilig betrachtete, also als drei Seinsweisen des einen Gottes und nicht als drei Götter". Nö, siehe Tertullian, welchem ihr da alle hinterherhurt. Euer Erzketzer hat auch an den Heiden orientiert und seine Lüge damit gerechtfertigt, dass alle Heiden drei Götzen anbeten, darum auch ihr drei Götzen anbeten müsst. Eure "Trinität" ist in der Heiligen Schrift nirgends zu finden, und keiner hat den Dreck je geglaubt, bis Tertullian daherkam.
Abihu
2025-03-09 11:11:32
Das sollte heißen: hat SICH an den Heiden orientiert.
2025-03-09 18:03:45
Warum so aggressiv? Es gibt zwar keine ausgearbeitete Trinitätslehre in der Bibel, aber es gibt Aussagen über die Einheit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Hier nur drei Beispiele:

Joh 10,30: Jesus spricht: "Ich und der Vater sind eins."
Joh 14,9: Jesus spricht: "Wer mich sieht, der sieht den Vater."
Joh 4,24: "Gott ist Geist".

Die Kirche hat dann versucht, mit Hilfe der Trinitätslehre die Einheit und zugleich Unterschiedenheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist darzustellen.
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