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Hoffnung in Zeiten des Krieges |24

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 5 April 2022

Herr, kannst du's ertragen?

Seufzen, Wimmern,
Jammerklagen!
Schwerter klirren,
Die mein armes Volk erschlagen,
Das die Mörder
Noch zu höhnen wagen,
Die Entsetzten, Müdgehetzten
Aus dem Lande jagen!
Felsenriffe
Bluten, wo wir sterbend lagen –
Kannst du, Herr, kannst du's ertragen?

Wie wir stöhnen
Unter solchen Ruten,
An Gestrüpp und Dornen
Uns verbluten!
Warum den Tyrannen
Gabst du preis die Guten,
Löwen uns zur Beute,
Wilden Wasserfluten?
Wie am Nacken roh sie packen,
Schimpf ins Antlitz sagen –
Kannst du, Herr, kannst du's ertragen?

Sieh in Not und Drangsal
Uns der Hoffnung leben!
Hör uns rufen an den Stufen
Deines Throns mit Beben!
Lass der Armen dich erbarmen
Die ihr Herz dir geben!
Darfst, aus Ketten uns zu retten,
Uns wie eins zu heben,
Darfst, zu trösten die Erlösten,
Dass in Lust sie schweben,
Darfst nur unsre Tränen fragen –
Kannst du, Herr, kannst du's ertragen?

Rabbi Meïr, 11. Jahrhundert


Die Grausamkeit des Krieges wird ins Haus geliefert. Bilder, kaum zu ertragen. Kann Gott sie ertragen?

Jesus der Sohn hat selbst geklagt und bitterlich geweint, wurde entehrt durch Schimpf und Hohn, hat den Schmerz der Dornen gespürt, hat sich morden lassen und sterbend zum Vater gerufen.

Und sein Vater hat mit ihm gelitten, hat gelitten wie er. Und er hat sich seiner erbarmt und die Hoffnung erfüllt, als er den Gemordeten zum Leben erweckte.

Der Herr hat's ertragen. Er hat die Tränen gesehen* und kennt die Gemordeten. Darum gibt es Hoffnung für sie.

* Jesaja 38 Vers 5


Quelle: Gedichte gegen den Krieg. Hg. von Kurt Fassmann. Copyright 1961 by Kindler Verlag München. Zitiert nach der Ausgabe von Zweitausendeins Frankfurt/Main 1971, S. 40f. Auszüge aus dem Gedicht „Herr, kannst du's ertragen?" Der Autor ist nicht gesichert. Vielleicht Rabbi Meïr ben Baruch, Rotenburg o.T. Übersetzung von S. Heller. Die Orthographie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst.





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