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Hoffnung in Zeiten des Krieges |23

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 1 April 2022

Der Mensch ist jeder Dummheit und jeder Gemeinheit ebenso fähig wie jeder Hingabe an Sinn und Harmonie der Welt, und vermutlich sind die Dummen und Gemeinen stets in der Überzahl gewesen. Wie Gott darüber denkt, erfährt man in klassischer Form aus dem Gespräch Abrahams mit Gott wegen der Stadt Sodom. Gott lässt sich bis auf eine Mindestzahl an "Gerechten" herunterhandeln und das Großartige an diesem zähen Handel ist, dass nicht Gott den Menschen zur Nachsicht und Duldung mahnt, sondern umgekehrt.

Hermann Hesse


Dummheit und Gemeinheit bestimmen einmal mehr die Geschichte der Welt.

Aber einer ist, der die Welt in seinen Händen hält. Er kann sie trotz aller Dummheit und Gemeinheit erretten um der wenigen Gottesfürchtigen willen, die es in ihr gibt.

Eine beeindruckende Geschichte (1Mo/Gen 18, 16-33): Abraham flehte immer und immer wieder zu Gott um eine größere Gnade. Er gab sich nicht zufrieden mit der Gnade, die Gott anbot, er wollte mehr. Er flehte, bis Gott sich erweichen ließ: Er erklärte sich bereit, die Großstadt Sodom um nur zehn Gottesfürchtiger willen zu retten.

Darum sollen wir immer und immer wieder flehen, dass Gott seine Gnade vergrößere. Er möge die Ukraine und die Welt retten um der Gottesfürchtigen, Sanftmütigen, Friedfertigen, Trauernden, nach Gerechtigkeit Dürstenden, am Krieg Unschuldigen willen, und seien es auch nur wenige. Gott lässt sich durch unsere Gebete erweichen.


Quelle: Friedrich Schorlemmer (Hg.): Was protestantisch ist. Große Texte aus 500 Jahren. Herder Verlag Freiburg u.a. 2010, S. 146. Dort zitiert nach: Hermann Hesse: Lektüre für Minuten. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1977.





7 Kommentare
2022-04-02 11:11:48
Hallo Klaus

"Gott lässt sich bis auf eine Mindestzahl an "Gerechten" herunterhandeln und das Großartige an diesem zähen Handel ist, dass nicht Gott den Menschen zur Nachsicht und Duldung mahnt, ... sondern umgekehrt ..." Die Schlussfolgerung ist leider sehr sehr menschlich sowie unpassend, und wird Gott nicht gerecht. Er wusste vorher schon, worauf das ganze Thema und Gespräch mit Abraham hinauslaufen würde. Er kannte Abrahams Gerechtigkeitsempfinden. Wäre schön, wenn der Mensch zumindest versuchen würde ein klein wenig die übermenschliche und göttliche Perspektive einzunehmen, dann würde man Gott besser erkennen, indem wir die Möglichkeit bekommen Gott besser kennenzulernen, ... in seine Prioritäten, erhabenen Werte und Persönlichkeit, ja sein Wesen zu vertrauen und ihn lieben lernen.
Nicht Gott wurde gnädiger durch die Bitten. ER war schon immer gnädig und nie ungerecht.
Aber das wusste Abraham bis zu dem Zeitpunkt noch nicht ...
Gott wollte das Abraham ihn besser kennen und verstehen lernt, daher diese besondere Art der Gesprächsführung.
2022-04-02 12:52:10
Hallo Pneuma,

danke für deine weiterführenden Gedanken. Ich stimme ihnen zu und nicht zu. Gott ist von Ewigkeit her ausgesprochen gnädig und nicht ungerecht. Von einem Mahnen Gottes durch uns Menschen würde ich, wie Hesse, nicht sprechen, sondern von einem Bitten. Gott wird auch nicht gnädiger durch unsere Bitten, sondern er lässt sich durch unsere Bitten erweichen. Mit einer Allwissendheit Gottes habe ich auch keine Probleme.

Dennoch wird im Alten Testament nicht selten berichtet, dass Gott seine Meinung ändert, sich etwas, was er zuvor beschlossen hatte, gereuen lässt, sich an seine Liebe zu Israel erinnert und daher schon vorgesehenes Unheil zurücknimmt. Man kann sagen, das sei eine sehr menschliche Sichtweise auf Gott, und man kann Motive für dieses Verhalten Gottes suchen, die nicht im Text stehen. Ich glaube, dass Gott sich tatsächlich von unseren Gebeten bewegen, anrühren, erweichen lässt. Dass er also auf uns reagiert, zu uns in lebendiger Beziehung steht und nicht ein erratischer, unbeweglicher Block ist. Ich glaube, dass Gott sich über unsere Gebete freut und ihnen gern entspricht, wenn es seinem Ratschluss nicht zuwider ist. Ich glaube, dass er unter dem Unheil, das er mitunter selbst verhängt, auch selber leidet, wie es vor allem im Buch des Propheten Jeremia deutlich wird. Ich denke, dass das Alte Testament so "menschlich" von Gott spricht, weil Gott tatsächlich so ist und weil das einem lebendig liebenden Wesen, das Gott ist, entspricht.
2022-04-02 12:59:03
Mein Halbsatz im Artikel, "dass Gott seine Gnade vergrößere", ist missverständlich. Es geht nicht darum, dass Gottes Gnade größer wird, sondern dass seine große Gnade sich auf unser Flehen einlässt, sich erweichen lässt und unserem Flehen entgegenkommt.
2022-04-04 13:22:14
Mich hat immer der Abrahams Grundeinstellung in dieser Sache begeistert. Er versucht mit Gott zu handeln! Mit dem allmächtigen, allwissenden und damals anscheinend noch nicht so allgütig wie heute verstandenen Gott feilscht er wie mit einem Teppichhändler auf dem Basar! Und dieser Gott lässt so mit sich reden und geht darauf ein. :-)

Natürlich weiß ein Allwissender, dass Abraham keine zehn Gerechten finden wird (Zwischenfrage: Was ist eigentlich mit den Neugeborenen? Vielleicht gab es da gerade keine.), aber trotzdem ist die ganze Episode bemerkenswert.
Michael Kröger
2022-04-04 17:05:35
Hallo Klaus

"Wir sollten immer wieder darum flehen dass Gott seine Gnade vergrössere." Ist dieser Satz nicht ein menschlicher, durchaus nachvollziehbarerer frommer Wunsch oder kann man diesen Satz nicht auch so verstehen, dass die Gnade als kritischer Begriff nicht neu gedacht gedacht werden müsste? Was mich wundert ist, dass es in dieser Geschichte ja um einen Handel geht, doch wie kann man heute mit Gnade handeln? Liegt der heutige Preis - oder besser gesagt der heute mögliche Witz - von göttlicher Gnade nicht in einem für uns Menschen unermesslichen Wert ? Und geht es dann nicht auch um den Wert oder den Nicht-Wert von Gnade?

mit herzlichen Grüssen
Michael
2022-04-04 17:23:49
Hallo Thomas,

die Geschichte ist wirklich bemerkenswert, und Gottes Gnade wird für mich in ihr besonders deutlich. Besonders eindrücklich finde ich, dass Gott seine Reaktion durch unsere Gebete offensichtlich überdenkt und revidiert - dass also nichts ein für allemal festgelegt ist, sondern sich die Wirklichkeit in der Beziehung zwischen Gott und Mensch verändern kann. An anderen biblischen Stellen ist von Gottes Reue (!) die Rede, so dass er ein schon beschlossenes Unheil nicht geschehen lässt.
2022-04-04 17:39:58
Hallo Michael,

das ist wohl wahr: Es geht bei Gottes Gnade um einen für uns unermesslichen Wert. Denn ohne sie wären wir - nichts. Das heißt dann aber doch, dass sie eben kein Wert mehr ist, denn ein Wert muss immer in einer Zahl auszudrücken sein. Liebe ist nicht messbar, ebensowenig Gnade. Insofern kann es sich bei der Abraham-Geschichte nicht um einen Handel im Sinne von Leistung und Gegenleistung handeln, wodurch dann der Preis der Gnade bestimmt würde. "Gnade als kritischer Begriff" - ich weiß nicht, woran du dabei denkst, aber seine Kritik könnte doch darin bestehen, dass wir versuchen, alles mit einem Wert oder Preis zu belegen. Bestände die Kritik dann nicht darin, dass Gott seine Gnade gerade nicht "vergrößert", wie ich geschrieben hatte, sondern dass sie jenseits alles menschlichen Maßes ist und dass das Veränderliche nur Gottes Eingehen auf unser geduldiges und beharrliches Flehen ist, wodurch sich Gottes Wirken und damit unsere Wirklichkeit verändert.

Viele Grüße
Klaus

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