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Hoffnung in Zeiten des Krieges |21

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 26 März 2022

Würde eigene und fremde Schuld nicht vergeben, würde sie die Lebensadern zerfressen. Würde niemand aus dem Zirkel von Gewalt und Gegengewalt aussteigen, würde das Leben auf der Erde zur Hölle. [...] Würde niemand für die Feinde, Verbrecher, die Unterdrücker beten, wäre nichts an Gerechtigkeit gewonnen, aber vieles an Möglichkeiten der Versöhnung verloren. [...] Jesus mutet seinen Jüngern, aber auch allen anderen, die ihm ihr Ohr leihen, die Feindesliebe zu, auch wenn sie nicht ohne Leiden zu verwirklichen ist. Er weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Er ruft zur Kreuzesnachfolge – nicht, weil das irdische Leben nichts wert wäre, sondern weil es im Gegenteil unbeding liebenswert ist und deshalb nicht dem Tod überantwortet werden darf. Er geht den Weg der Feindesliebe – viele sollen ihm folgen.

Thomas Söding


Kann man den Feind lieben, der zerstört und tötet? Kann man ihm vergeben?

"Man" kann es nicht – Jesus kann es. Er macht den ersten Schritt auf den Feind zu und lässt sich dafür verspotten. Er beantwortet Gewalt mit Liebe und scheut das Leid nicht. Er öffnet dem Feind Türen, durch die er gehen und ein anderer werden kann.

Durch Gottes Kraft getrieben sollen wir Jesus nachfolgen: Den ersten Schritt tun, auch wenn es uns etwas kostet. Gewalt nicht reflexartig mit Gegengewalt beantworten, auch wenn das Leiden bedeutet. Türen öffnen, auch wenn dadurch für uns Türen zugehen. Für den Feind beten.

Nur so kann der Feind ein anderer werden. Nur so wird die Spirale der Gewalt unterbrochen.


Quelle: Thomas Söding: Nächstenliebe. Gottes Gebot als Verheißung und Anspruch. Herder Verlag, Freiburg u.a. 2015, S. 182f.





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