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Hoffnung in Zeiten des Krieges |10

Christsein verstehen
Veröffentlicht von in Hoffnung in Zeiten des Krieges · 8 März 2022

"Es scheint mir, dass der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denkendes Wesen hervorzubringen, gescheitert ist." (Max Born 1968) Kein Raubtier erreicht die Stufe der Bestialität, der Ruchlosigkeit und der zynischen oder tückischen Wut, mit der der Mensch im Namen der Zivilisation zu morden, zu vernichten, auszurotten, zu unterdrücken, zu erpressen, zu knechten und auszubeuten versteht. Man muss an Gott glauben, wenn man den Glauben an die verborgene Zukunft des Menschengeschlechtes nicht verlieren soll. Empirisch lässt sich die Hoffnung nicht mehr begründen, dass aus der Schändung von allem, was heilig ist, dass aus Niedertracht, Dummheit, Gier, Rohheit und Barbarei noch ein Segen für die Zukunft der Welt hervorgehen kann.

Georg Picht


Woher kommt Hoffnung, wenn man die zerstörerische Gewalt wahrnimmt, die durch die Jahrtausende hindurch vom Menschen ausgeht und kein Ende zu nehmen scheint?

Worin soll Segen für die Zukunft der Welt gründen, der nicht zugleich Fluch bedeutet, weil der denkende Mensch alles, wirklich alles seiner Güte und Heiligkeit berauben kann?

Man kann wohl von einer Menschheit, welche ihre Möglichkeiten ins Maßlose gesteigert hat und zugleich diese Möglichkeiten teuflisch missbraucht, keine segensreiche Zukunft erwarten.

Der Segen muss von Gott kommen. Und nur die Glaubenden wissen um ihn. Sie vertrauen darauf, dass Gott auch in Zeiten, in denen der Fluch groß wird, der Welt seinen Segen nicht auf Dauer versagen wird.


Quelle: Friedrich Schorlemmer (Hg.): Was protestantisch ist. Große Texte aus 500 Jahren. Herder Verlag Freiburg u.a. 2010. S. 192. Dort zitiert nach: Georg Picht: Mut zur Utopie. Piper Verlag, München 1969. S. 143. Copyright: Robert Picht.




6 Kommentare
2022-03-09 14:33:06
"Der Segen muss von Gott kommen."

Wieso muss er das? Und wieso von einem Gott, der den Menschen so geschaffen hat, wie er ist, nach seinem Bilde. Und der allmächtig ist.

Wenn seine menschlichen Makler recht haben mit dem, was sie von ihm sagen. Und wenn es ihn überhaupt gibt.


"Und nur die Glaubenden wissen um ihn."

Sie wissen nicht um ihn, sie glauben an ihn. Mehr als ein Glauben ist es nicht. Und wenn man es noch so kunstvoll hochfrisiert.


2022-03-09 15:40:54
Hallo Thomas,

das, was gerade geschieht, ist schwer zu ertragen und eine Anfechtung für den christlichen Glauben. Natürlich fragt man sich, warum Gott das geschehen lässt, warum er nicht einschreitet oder auch, warum er den Menschen so geschaffen hat, wie er ist. Und daraus wird schnell die Frage, ob es ihn überhaupt gibt oder ob der ganze Glaube nicht eher eine schöne Illusion ist.

Auf diese alten Fragen gibt es keine Antworten, die die Anfechtung beseitigen. Es bleibt ein Nicht-Verstehen, ein Fragen ohne Antwort. Ich weiß nicht, warum Gott nicht einschreitet. Ich weiß auch nicht, warum der Mensch so ist, wie er ist. Ich denke aber, dass Gott ihn so nicht haben wollte und will. Der Mensch ist anders, als Gott ihn geschaffen hat, wenngleich er offenbar als Gottes Geschöpf in sich die Potenz trug, so zu werden, wie er ist. Ich weiß aber nicht, woher diese Potenz zum Bösen kommt. Trotz meines Nicht-Verstehens vertraue ich aber darauf, dass Gott seine Schöpfung nicht endgültig an das Böse preisgibt und dass er seine Geschöpfe nicht verlässt. Das gilt auch oder sogar besonders für die, die jetzt in der Ukraine sterben. Ich glaube, dass jede Träne gezählt und jeder Schrei gehört ist und dass auch die Toten von Gott gesegnet sein können. Ich glaube - mit Bonhoeffer zu reden -, "dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will." Das wäre dann für mich der Segen, der auch im größten Elend da ist.

Viele Grüße
Klaus
Decker, Ursel
2022-04-02 18:03:40
Ich schließe mich total der Meinung von Thomas Jakob an. Außerdem geht es im Leid nicht ausschließlich um den Menschen. Das ganze, bewunderungswerte System funktioniert, durch Werden und Vergehen. Das könnte ohne Leid sein, ist es aber nicht. Der Mensch gehört in dieses System. Er besitzt die Macht der umfassenden Zerstörung. Das Einzige, was der Einzelne dagegen setzen kann, ist die Liebe. Die Liebe zu allen Kreaturen ( dazu zählt auch der Mensch), einschließlich der Erhaltung ihrer Lebensmöglichkeiten. Nicht das Werten: Du darfst leben, du nicht.
2022-04-02 18:50:36
Hallo Ursel,

vielen Dank für deinen Kommentar. Ich teile deine Aussagen zur Liebe, habe aber ein ganz anderes Bild vom Menschen. Gerade angesichts dieses Krieges, aber auch angesichts des Klimawandels und des fortgesetzten Unrechts gegenüber den Menschen des globalen Südens ist es mir nicht mehr möglich, meine Hoffnung auf das zu setzen, was Menschen aus eigener Kraft schaffen. Ich finde die Worte von Georg Picht sehr treffend, und ich kann vom Menschen keine dauerhaft positiven Entwicklungen mehr erwarten - es sei denn von einem Menschen, in dem Gott wirksam ist.

Natürlich gibt es die Liebe. Aber wie vergänglich ist sie! Wie unvollkommen! Wie zerbrechlich, den eigenen Emotionen ausgesetzt! Wir erleben es doch in unseren persönlichen Beziehungen. Wie schnell sind wir mit unserer Liebe am Ende, wenn wir angegriffen oder enttäuscht werden! Die Erwartung eines Fortschritts an Humanität und die Hoffnung auf positive Entwicklungen, die vom Menschen aus eigener Kraft angestoßen werden, halte ich nach zwei Weltkriegen und einem Krieg, der in einen dritten münden kann, für eine schöne Illusion. Darum setze ich meine Zuversicht ganz auf Gott, von dem allein ich eine Lösung der genannten Krisen erhoffe - nicht indem er auf übernatürliche Weise "von oben her" in die Welt eingreift, sondern indem er Menschen ergreift und durch sie unvorstellbar Gutes in der Welt wirkt.

Hoffnungsvolle Grüße
Klaus
Decker, Ursel
2022-04-02 21:25:39
Hallo Klaus,

WIE WAHR ! Trotz aller Glaubenszweifel , eine ausdauernde Kraft des Widerstands gegen den Wahnsinn, kann es nur in der von Gott gestützten Liebe geben.

Es grüßt Dich
Ursel
2022-04-02 21:45:36
Schön, dass wir da auf einer Linie liegen! 😁
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